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Kurzer Abriß verschiedener "AIDS-Tests"

von Ilse Lass

 

1. T-Zellzählung  / 2. Antikörpertests:  ELISA - Immunfluoreszenz / Western Blot / 3. Weitere Nachweismethoden: P24-Antigentest - Elektronenmikroskopische Aufnahmen - Reverse Transkriptase - Polymerase-Kettenreaktion

Dieser Text erschien 1995 in der Broschüre "AIDS - Afrika - Bevölkerungspolitik" des Projekts Kritische AIDS-Diskussion in Berlin. Für die Website wurde er im Mai 2001 geringfügig überarbeitet.

1. T-Zellzählung

Den ersten "AIDS-Test" gab es schon, als das Kürzel AIDS noch gar nicht existierte. In dieser namenlosen Vorzeit zeigte er bereits eine Richtung an, in die sich die orthodoxe AIDS-Forschung dann bewegen sollte.

Es geht um den Test, mit dem die Anzahl verschiedener T-Zell-Untergruppen, besonders der T-Helferzellen, pro Mikroliter Blut bestimmt wird. Diese Messungen wurden erst durch die Entwicklung von monoklonalen Antikörpern ermöglicht. Die Methode zur Herstellung solcher Moleküle war 1975 beschrieben worden, und einige Jahre später gab es dann monoklonale Antikörper, die bestimmte Proteine (Eiweiße) auf der Oberfläche von T-Zellen unterscheiden konnten. Wenn beispielsweise mit Hilfe dieser Antikörper auf T-Zellen das CD4-Protein gefunden wird, werden sie als CD4- oder T4-Zellen (T-Helferzellen) eingeordnet. Um 1980 gab es diese Antikörper nur in wenigen Labors.

Eines davon arbeitete mit den Ärzten zusammen, die 1981 die ersten Artikel über homosexuelle Männer mit Pneumocystis carinii -Lungenentzündung und sehr niedrigen T4-Zellzahlen veröffentlichten. Das war für die Virologie der entscheidenden Hinweis: gesucht wurde daraufhin ein Virus, das massenhaft T4-Zellen infiziert, sich dort vermehrt und diese Zellen zerstört. Gefunden wurde letztlich HIV und mit den Kranken wurde experimentiert, geholfen hat es ihnen nicht. Die T-Zell-Forschung dagegen machte Karriere.

Von Anfang an stieß diese Richtung auf öffentlichen Unwillen. So schrieb im Sommer 1981 ein US-amerikanischer Arzt in einer Fachzeitschrift: "Es fängt wieder an. Ich hatte 14 Monate verbracht, ohne einen Artikel zu sehen, der über T- und B-Werte bei der einen oder anderen Krankheit berichtet. Den T- und B-Zellzählern ... sind die Krankheiten ausgegangen. Jeder Zustand war Thema vieler Berichte, so daß wir jetzt mit einiger Sicherheit schließen können, daß T-Zellzahlen bei alten Menschen erhöht, erniedrigt oder unverändert sind, um nur ein Beispiel zu nennen. Und jetzt fängt alles wieder von vorne an, dieses Mal mit T-Zell-Untergruppen. ... Die Messung von T- und B-Zellen und ihrer Untergruppen hat keine klinische Bedeutung. Von den tausenden von Artikeln, die schon über T- und B-Zellen veröffentlicht wurden, kann man einen oder zwei aussortieren, die brauchbar erscheinen. ... Nicht-Immunologen haben natürlich angenommen, daß ein Thema, das soviel Raum in Zeitschriften einnimmt, irgendwie wichtig sein muß - eine logische, aber falsche Annahme. ... Und während die Identifizierung von T-Zell-Untergruppen bei Mäusen und Menschen einen Durchbruch im Verständnis der Immunregulation bedeutet, bedeutet die Aufzählung dieser Untergruppen bei einer Unzahl menschlicher Krankheiten im wesentlichen eine Zeitverschwendung." [1]

Dennoch gehört die Zählung von T-Zell-Untergruppen inzwischen zum Standardrepertoire der AIDS-Forschung, und die meisten Ärzte und Patienten glauben, daß die Anzahl von T4-Zellen so etwas wie einen Immunstatus definiert. Was wirklich die Immunität eines Menschen ausmacht, rückt der Immunologie aber immer weiter aus dem Blickfeld, je mehr T-Zell-Untergruppen und Botenstoffe wie Interleukine gefunden werden. Und selbst wenn die Grundvoraussetzung richtig wäre, daß die T-Zell-Untergruppen weitreichende Schlüsse über den Zustand eines Menschen zulassen, wird meist vergessen, daß die Anzahl dieser Zellen aus vielen Gründen schwanken kann und daß die Testmethode in ihrer Genauigkeit Grenzen hat. Eine unvollständige Aufzählung von Problemen:
  • die Zellen lösen sich leicht auf, darum kann die Transportzeit das Ergebnis beeinflussen,
  • bei einer Erwärmung werden die Zellen zerstört, im Falle einer Kühlung verlieren sie die CD4-Antigene, es besteht außerdem die Gefahr, daß sie sich auflösen,
  • das Blut sollte am besten immer morgens abgenommen werden, da es Schwankungen der Zellzahl im Blut gibt, die abhängig von der Tageszeit sind,
  • Schlafentzug, Nikotin und Alkohol können zu einer massiven Ausschüttung der CD4-Zellen ins Blut führen (bis zu 40%). [2]
Sind nun viele T4-Zellen gut, schlecht oder egal? Welche Faktoren können die Zellzahl noch beeinflussen? Sagt das Meßergebnis etwas über die Verfassung eines Menschen aus oder über die Verfassung eines Labors? Bedeutet eine niedrige T4-Zellzahl im Blut, daß viele der Zellen abgestorben sind - oder sind sie einfach woanders? Was macht der überwiegende Teil der T4-Zellen eines Menschen, der nicht im Blut zu finden ist? Letztlich weiß es niemand. Die AIDS-Forschung hat es auch nie interessiert, dort wird stattdessen mit den T4-Zellen so operiert, als wären sie ein verläßliches Kriterium für
  • Mitteilungen über den angeblichen Immunstatus eines Menschen,
  • die Grenze für die Einnahme von AZT, das zugelassen ist für gesunde Menschen mit weniger als 500 T4-Zellen pro Mikroliter Blut,
  • die neue AIDS-Definition in den USA, nach der seit Januar 1993 gesunde Menschen mit weniger als 200 T4-Zellen pro Mikroliter Blut als AIDS-krank gelten.

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2. Antikörpertests

Mitte der Achtziger Jahre wurden dann die HIV-Antikörpertests entwickelt, die häufig als die eigentlichen "AIDS-Tests" betrachtet werden. Für die AIDS-Forschung sind sie die tragende Säule, denn zur Bestätigung der Theorie, daß HIV AIDS verursacht, wird weniger die Virologie herangezogen (die von Anfang an argumentativ schwach war und noch nie erklären konnte, wie HIV Menschen krank machen soll), sondern mehr die Epidemiologie. Und die stützt sich auf die Korrelation zwischen positivem Test und Erkrankung. Bei näherem Hinsehen erweist sie sich aber auch als sehr brüchig, denn

  • es gibt viele Menschen mit Erkrankungen, die definitionsgemäß zu AIDS gehören und deren Antikörpertest negativ ist, [3]

  • es gibt viele Menschen mit positivem Antikörpertest, die nicht krank sind (hier sind es laut BGA-Statistik mehr als 80%)

Und wer die diversen Infektionsstatistiken miteinander in Beziehung setzt, hätte Grund, noch mißtrauischer zu werden. Eine Auswahl:

  • BRD (1987): "Bei AIDS-Untersuchungen der Dermatologischen Klinik der Universität München ergab sich ein bedrückendes Bild. Der Direktor der Klinik, Professor Dr. Dr. Otto Braun-Falco, zeigte sich auf einer Pressekonferenz in München sehr besorgt über die Ansteckungsrate: 25 bis 30 Prozent der Untersuchten wiesen Antikörper auf." [4]

  • Burma / Myanmar (1992): "Tin U, Vorsitzender des Zentralkomitees der Regierung für Aids-Prävention, gab bekannt, daß bei Tests, die zwischen Mai und Dezember 1990 durchgeführt wurden, 81 Prozent der Patienten in Ranguns Behandlungszentrum HIV-infiziert waren. Im Insein-Gefängnis, wo zahlreiche politische Gefangene inhaftiert sind, soll die Infektionsrate sogar noch höher sein." [5]

  • Spanien (1992): "25% aller Gefangenen sind mit HIV infiziert." [6]

  • Tansania (1992): "In Dar es Salaam's größtem Gefängnis, Ukonga, in dem 2.500 Insassen sind, wurden 237 Gefangene mit HIV identifiziert". [6]

  • Zaire (1986): Krankenhäuser "in denen Ärzte wie Patienten zu 25 Prozent AIDS-infiziert sind." (4)

  • Zambia (1985): "8% Infektionen bei denen mit einer Schulbildung von weniger als fünf Jahren, die auf 33,3% bei denen mit 14 oder mehr Jahren anstieg." [7]

Was auch immer das nun bedeuten mag.

Daß Antikörpertests überhaupt allgemein als Nachweis einer Virusinfektion akzeptiert werden, hat eine Vorgeschichte. Im 19. Jahrhundert gab es eine Inflation von Mikrobenjägern, die jedes Bakterium, das sie fanden, zur Ursache für diese oder jene Krankheit erklärten. Um diese Diskussion zu versachlichen, wurden Kriterien erstellt, durch die bestimmt werden sollte, ob ein Mikroorganismus Krankheiten verursacht oder nicht. Diese als Koch'schen Postulate bekannten Kriterien fordern,

  1. daß der Parasit in jedem einzelnen Fall der in Frage kommenden Krankheit vorhanden sein muß, unter Bedingungen, die die pathologischen Veränderungen und den klinischen Verlauf der Krankheit erklären können,

  2. daß er bei keiner anderen Krankheit vorhanden ist als zufälliger und nicht-pathogener Parasit,

  3. daß er, nachdem er von Kranken isoliert und wiederholt in Reinkultur gezüchtet wurde, die Krankheit von neuem hervorrufen kann.

Zumindest das erste Postulat ist logisch zwingend: ein Erreger muß vorhanden sein, um etwas zu erregen.

In diesem Jahrhundert verminderte sich das Interesse an Bakterien, während die Virologie entstand. Diesem Forschungszweig waren die Koch'schen Postulate lästig, also wurde mit deren Aufweichung begonnen: In den Dreißiger Jahren wurde statt des Virusnachweises der Nachweis einer "spezifischen Immunantwort" gefordert, und damit wurde die direkte Beweisführung durch eine indirekte ersetzt, die leichter zu erfüllen war.

Die Virologie hatte sich die Postulate gemacht, die sie selbst einzuhalten gedachte. Das tat sie auch einige Zeit mehr oder weniger, doch dann entstand ein neues Problem. Anlaß war die Einführung von "langsamen, unkonventionellen Viren", die angeblich Kuru (eine Nervenerkrankung in Neu-Guinea) verursachen. Das Problem war, daß diese "Phantomviren" [8] nie isoliert werden konnten, im Elektronenmikroskop nicht sichtbar waren und keine Immunreaktion nachweisbar war (wogegen auch?). Daraufhin wurde eines der Koch'schen Postulate wieder hervorgeholt und den eigenen Bedürfnissen angepaßt: Affen wurde Gehirnsuspension von toten Kuru-Kranken direkt ins Gehirn gespritzt, und nach dieser Brachialbehandlung hatten dann einige von ihnen nach 1 bis 2 Jahren neurologische Störungen. Obwohl die übliche Übertragung Kannibalismus gewesen sein soll (was u.a. mit falsch deklarierten Fotos suggeriert werden sollte) und dem angeblichen Kuru-Virus eine Latenzzeit von bis zu 30 Jahren zugesprochen wurde, wurde diese "Beweisführung" akzeptiert und der Erfinder der "langsamen, unkonventionellen Viren", Carleton Gajdusek, erhielt 1976 den Nobelpreis. Noch immer geistern diese "Phantomviren" herum: einige Wissenschaftler meinen, sie wären die Ursache für den "Rinderwahnsinn", während andere dafür Prionen favorisieren und mit diesen "infektiösen Proteinen" einen neuen Höhepunkt der Irrationalität erklimmen konnten.

Am Beginn der AIDS-Forschung standen also mehrere Möglichkeiten zur mehr oder weniger starken Beweissicherung zur Verfügung. Die Kriterien mit der stärksten Beweiskraft sind nach wie vor die Koch'schen Postulate, doch die erwiesen sich mit HIV als nicht erfüllbar. Aus den Dreißiger Jahren wurde stattdessen die einfachere Forderung nach einer Immunreaktion übernommen, die schon so lange von den Virologen als Ersatz für die tatsächliche Isolation eines Virus hingenommen worden war, daß die Gleichsetzung "Antikörper = Virus" zu einer Art Gewohnheitsrecht geworden war, das nicht hinterfragt wird. Darüber hinaus hat die AIDS-Forschung auch von der neuesten "Beweisführung", Gajduseks Methodik, etwas übernommen: den festen Glauben, daß dort, wo ein Virus gesucht wird, auch eines vorhanden sein muß.

Noch bevor Antikörper überhaupt entdeckt worden waren, hatten Forscher bereits postuliert, daß es sie geben müsse und daß sie absolut spezifisch seien, also nur zu "ihrem" Antigen und zu keinem anderen passen. Nach allem, was mittlerweile bekannt ist, war die erste Vorhersage richtig, die zweite jedoch nicht.

Antikörper sind Proteine. Abb.1: Antikörper
Das sind große Moleküle, die aus langen, gefalteten Ketten von kleineren Molekülen, den 20 Aminosäuren, bestehen. Die im Blut am häufigsten vorkommenden Antikörper (Immunglobuline G) haben ein Molekulargewicht von etwa 150.000 Dalton, grob entspricht das etwas mehr als 1.000 Aminosäuren. Nur ein sehr kleiner Teil davon ist die Antigen-Bindungsstelle (s.Abb.1), also die Struktur, die bei einem anderen Protein (dem Antigen) die zu ihm passende Stelle (das Epitop) erkennt und daran binden kann. Dieses Epitop ist - begrenzt durch die Größe der Antigen-Bindungsstelle des Antikörpers - sehr klein, es besteht aus weniger als 10 Aminosäuren. Ist beispielsweise ein anderer Antikörper das Antigen, macht das Epitop weniger als 1% seiner Aminosäuren - und damit des gesamten Proteins - aus. Das Epitop muß außerdem nicht absolut zur Antigen-Bindungsstelle passen, aber je weniger es paßt, desto schwächer wird die Bindung. Da sich Proteine aus den 20 Aminosäuren aufbauen, deren Kombinationsmöglichkeit endlich ist, sind gleiche oder ähnliche Strukturen auf unterschiedlichen Proteinen wahrscheinlich. Ist dies beim Epitop der Fall, kann ein Antikörper an mehrere verschiedene Proteine binden (das wird als Kreuzreaktion bezeichnet). Kein Antikörper kann durch seine Bindung an das Epitop erkennen, um welches Protein es sich gerade handelt.

Im Sprachgebrauch haben sich einige Redewendungen etabliert, die sehr ungenau sind und Verwirrung stiften:

  • Antikörper gegen ein Virus gibt es nicht, sondern nur verschiedene Antikörper gegen verschiedene Virusproteine, genauer gesagt Teile davon,

  • ist die Rede von Antikörpern gegen ein bestimmtes Protein, spiegelt sich darin meist das eigene Forschungsinteresse wider, das sich gerade auf dieses Protein richtet und unerwünschte Bindungen der Antikörper an andere Proteine als Kreuzreaktionen bezeichnet, ohne jedoch die tatsächlichen Prioritäten zu kennen,

  • der Begriff Antikörper (im Plural verwendet) kann sich einmal auf eine (polyklonale) Mischung unterschiedlicher Antikörper beziehen, wie sie beispielsweise im Blut vorhanden ist oder auch auf viele (monoklonale) Antikörper mit identischen Eigenschaften.

Die gebräuchlichsten Antikörpertests sind:

  • der EIA (Enzyme Immuno Assay) oder ELISA (Enzyme-linked Immuno Assay), als Suchtest verwendet,

  • die Immunfluoreszenz, wird als Bestätigungstest bezeichnet,

  • der Western Blot oder Immunoblot, gilt ebenfalls als Bestätigungstest.

Zuerst wird ein Suchtest durchgeführt, und wenn der positiv ausfällt, soll sich ein sogenannter Bestätigungstest anschließen, üblicherweise der Western Blot, seltener die Immunfluoreszenz. ELISA, Western Blot und Immunfluoreszenz beruhen auf demselben Prinzip: bestimmte Proteine (eines Virus, eines Bakteriums oder welchen Ursprungs auch immer) sind fest an eine Trägersubstanz gebunden, dazu wird das Blutserum eines Menschen gegeben, der getestet werden soll. Die Antikörper in diesem Serum, die zu einem oder mehreren Proteinen passen, binden daran. Dann werden die ungebundenen Antikörper entfernt und üblicherweise Konjugat-Antikörper dazugegeben, die von einer anderen Tierart stammen und an menschliche Antikörper binden können. Die Konjugat-Antikörper tragen eine Markierung, durch die die Bindung sichtbar gemacht werden kann. Die Unterschiede der Methoden liegen im Detail.

ELISA

Für den ELISA wurden anfangs Viren aus Zellkulturen verwendet, doch seit einigen Jahren benutzen die Herstellerfirmen gentechnisch produzierte Proteine oder Teile davon. Im ELISA sind die Proteine an Plastikplatten oder -kugeln gebunden. Sind die menschlichen Antikörper im ersten Arbeitsschritt gebunden worden, wird die Reaktion sichtbar, weil die Konjugat-Antikörper ein Enzym tragen, das nach Zugabe von bestimmten Substanzen eine Farbreaktion erzeugt, die sichtbar und meßbar ist.

Für die Spezifität des ELISA werden immer wieder Werte genannt, die über 99% liegen, das soll bedeuten, daß weniger als 1% der Tests falsch positiv ausfallen. Solche Zahlen sind beeindruckend, doch keine der beiden Möglichkeiten, durch die sie produziert werden, ist solide.

  • Möglichkeit 1: Für den ELISA von Abbott (eine der wichtigsten Firmen in diesem Bereich) heißt es, daß "die Spezifität bei angenommenem absoluten Fehlen von HIV-1- und/oder HIV-2-Antikörpern bei randomisierten Blutspendern (7.704 getestete Spender) auf 99,92% bei Verfahren A und 99,94% bei Verfahren B geschätzt wurde." Hier beruhen diese Zahlen also auf Annahmen und Schätzungen.

  • Möglichkeit 2: In Rußland wurden 1990 und 1991 etwa 50 Millionen Menschen getestet, etwa 50.000 waren ELISA-positiv. Von denen wurden schließlich 178 als Blot-positiv herausgefunden [9], die als richtig-positiv gelten, da der Western Blot zum "Goldstandard" erklärt worden ist. In der AIDS-Forschung wird dann so gerechnet, daß die Falsch-positiven (fast alle der etwa 50.000) auf die Gesamtzahl der Getesteten (etwa 50 Millionen) bezogen werden, was 0,1% Falsch-positive ergibt. Wenn also nur ein sehr kleiner Anteil der Suchtests positiv ausfällt, ist mit dieser Rechenoperation die falsch-positive Rate zwangsläufig verschwindend gering.

Wenn aber die traditionelle Definition angewandt wird, sieht es völlig anders aus: danach ist die Zahl der falsch-positiven Tests (fast alle der etwa 50.000) ihr Anteil an allen positiven Tests - also der falsch- und der richtig-positiven (etwa 50.000). Bezogen auf die russischen Zahlen sind nach dieser Definition fast 100% der ELISAs falsch-positiv.

In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, daß in afrikanischen Ländern bei AIDS-Diagnosen oft nur der ELISA durchgeführt wird, wenn überhaupt getestet wird.

Immunfluoreszenz / Western Blot

Für die Immunfluoreszenz und den Western Blot werden die Viren in der Zellkultur gezüchtet. Da sie nicht alleine existieren können, werden sie zusammen mit Zellen kultiviert, und zwar mit menschlichen Krebszellen, die unendlich wachsen können. Kultiviert werden Zellen und Viren meist in Plastikgefäßen, denen Zellkulturmedium (Flüssigkeit mit Aminosäuren, Vitaminen etc.) und fötalem Kälberserum (das eine unübersichtliche und schwankende Anzahl von Proteinen, möglicherweise auch Viren enthält) zugegeben wird. Außerdem werden Substanzen (Mitogene) dazugegeben, die die Zellteilung fördern und die Virusproduktion der Zellen erst ermöglichen.

Eine Kombination, mit der immer noch gearbeitet wird, weil sie sich durch eine besonders hohe Virusproduktion auszeichnet, ist das Virus HTLV-3 und die Zellinie H9, die Robert Gallo an viele seiner Kollegen geschickt hat und die die Grundlage für den von ihm patentierten Antikörpertest ist. Inzwischen ist bekannt, daß das Virus, das er HTLV-3 genannt hat, von Montagnier stammt. Weniger bekannt ist, daß die Zellinie ursprünglich auch nicht aus seinem Labor, sondern von einem Kollegen kam [10], was von Gallo solange bestritten wurde, bis ihm schließlich das Gegenteil bewiesen werden konnte.

Für die Immunfluoreszenz werden Zellen und Viren aus der Kultur heraus auf einen Objektträger gebracht, auf dem sie dann fest sitzen. Nach dem menschlichen Blutserum folgen die Konjugat-Antikörper, die mit einem Fluoreszenzfarbstoff markiert sind. Hatten im ersten Schritt die Antikörper gebunden, fluoreszieren diese Stellen, während der Rest dunkel bleibt. Die Immunfluoreszenz wird mit dem Lichtmikroskop ausgewertet, und damit sind nur Zellen, aber keine Viren sichtbar. Abgesehen davon, daß es bei dieser Technik viele Fehlerquellen gibt, die in Extremfällen dazu führen können, daß alles oder gar nichts leuchtet, ist die Interpretation des Ergebnisses schwierig.

Als Myron Essex noch beweisen wollte, daß HTLV-1 (das erste von Gallo's Retroviren) die Ursache von AIDS ist, verwendete er dafür die Immunfluoreszenz. Obwohl seine Ergebnisse offensichtlich dubios waren (nur ein Teil der Menschen mit der Diagnose AIDS, aber auch viele in der Kontrollgruppe hatten dabei einen positiven Test), meldete die Universität Harvard, an der Essex arbeitet, diese Methode 1983 ernsthaft zum Patent an, das letztlich aber abgelehnt wurde. [10]

Abb. 2: Gel Auch für den Western Blot werden Zellen und Viren zusammen mit dem Zellkulturmedium und allem, was darin ist, aus den Kulturgefäßen herausgenommen. Durch Zentrifugation werden schwerere Bestandteile dieser Mischung (wie Zellen) und leichtere Bestandteile (wie Proteine) abgetrennt, darauf folgt eine weitere Auftrennung nach einem anderen Kriterium, der Dichte (Dichtegradienten-Zentrifugation). Damit ist die Reinigung üblicherweise abgeschlossen, angeblich enthält die Probe jetzt nur HIVs. Gleiches Gewicht und gleiche Dichte wie dieses Virus können aber auch andere Retroviren und Teile von Zellen haben. In der Präparation, die für "sauber" erklärt wird, sind dann auch die Proteine, die HIV zugerechnet werden, mit 20% in der Minderheit [11].

Die Proteine in dieser Probe werden so behandelt, daß sie alle negativ geladen sind, dann werden sie auf ein Gel aufgetragen. An dieses Gel wird eine Spannung angelegt, und die Proteine, die sich am negativen Pol befinden, wandern wegen ihrer negativen Ladung zum Pluspol. Kleine Proteine wandern schnell durch das Gel, große langsam, und Proteine mit gleichem Molekulargewicht lagern sich zusammen und bilden eine Bande. Waren in der Probe viele Proteine mit unterschiedlichem Molekulargewicht, bilden sich viele Banden, die angefärbt werden müssen, um sichtbar zu sein. Wie so ein gefärbtes Gel dann aussieht, wird in den Veröffentlichungen der AIDS-Forschung nur selten dokumentiert. Geschieht das aber doch einmal [
11], sind darauf sehr viel mehr Banden zu erkennen, als HIV zugeschrieben werden (s.Abb.2)

Wenn die Elektrophorese beendet ist und sich daran ein Blot anschließen soll, wird keine Färbung gemacht. In diesem Fall werden die Proteinbanden vom Gel auf eine Membran übertragen, auch jetzt sind sie noch unsichtbar. Dieser Schritt wird als Blotten bezeichnet, und der Begriff Western Blot bezeichnet die Übertragung von Proteinen auf eine Membran (im Gegensatz zum Southern und Northern Blot, bei denen Nucleinsäuren übertragen werden). Auf die Membran wird das Blutserum eines Menschen gegeben, der getestet werden soll. Dann folgen wieder die markierten Konjugat-Antikörper, die durch eine Farbreaktion sichtbar gemacht werden. Das Ergebnis sind Banden, wenn Antikörper aus dem Serum mit Proteinen auf der Membran reagiert haben.

Wer nach dem Western Blot das Etikett "positiv" erhält, wurde nach gängiger Lehrmeinung mit dem "Goldstandard", der für absolut richtig erklärt wurde, als VirusträgerIn identifiziert. Diese Bewertung des Blots wurde öffentlich nicht in Frage gestellt, bis 1993 ein Artikel von Eleni Papadopulos-Eleopulos und ihren Kollegen
[12] erschien. Im Titel fragen sie: "Is a positive Western Blot Proof of HIV Infection?" und in ihrer Arbeit zählen sie die Fakten auf, die dagegen sprechen. Nachdem DIE WOCHE daraus die Schlagzeile "Glücksspiel AIDS-Test" [13] gemacht hatte, bemühte sich die bundesdeutsche AIDS-Forschung um Schadensbegrenzung:

  • Im FOCUS [14] trat Reinhard Kurth auf, der hier für die Zulassung von HIV-Antikörpertests zuständig ist. In einem Artikel mit der aufmunternden Überschrift "Lieber falsch-positiv als falsch-negativ" wurde er mit der Aussage zitiert, er sei "mit der Qualität der Aidstests in Deutschland sehr zufrieden". Dann wurde der ELISA besprochen, und zum Western Blot, um den es ja eigentlich ging, war lediglich zu lesen, er sei "sehr differenziert".

  • Die Medical Tribune [15], ein deutschsprachiges Boulevardblatt für Ärzte, titelte: "Unseriöse Studie bringt HIV-Diagnostik in Verruf" und druckte dazu den Artikel des berliner Virologen und Präsidenten des Welt-AIDS-Kongresses 1993, Karl-Otto Habermehl, ab. Der schrieb sachlich wie grammatikalisch unkorrekt: "Bei der gesamten HIV-Problematik ist gegenwärtig die Virusdiagnostik eines der wenigen sicheren Fakten, auf die sich Klinik und Forschung verlassen können." Insgesamt berief er sich statt auf Argumente auf höhere Instanzen: so seien Antikörpertests "in enger Absprache mit den wissenschaftlichen Fachgesellschaften" entstanden, die wiederum "in Abstimmung mit der Weltgesundheitsorganisation" arbeiteten. Zum Western Blot wurde laut Habermehl "festgelegt," daß ihm "aus einer Reihe von Gründen der Vorzug zu geben" sei und daß die Kriterien "in internationaler Übereinstimmung festgelegt worden" seien. Was da warum abgesprochen und abgestimmt wurde, ist aus dem Text nicht zu erfahren.

  • In der Wochenpost [16] wurde Meinrad Koch, der Leiter des AIDS-Zentrums des BGA, gefragt: "Herr Koch, sind die Aids-Tests untauglich ..." Das verneinte er natürlich, und über die Studie selbst sagte er: "Sie stellt im Überblick die bekannten Fehlerquellen des Aids-Tests dar." Und, im Kontrast zur Medical Tribune : "Diese Studie gibt nur gesichertes Wissen wieder." Dieses Wissen stammt aus den Veröffentlichungen der AIDS-Forschung selbst, den wenigsten Getesteten ist es aber bekannt, ebensowenig die Konsequenzen daraus. Da dies aber überlebenswichtig sein kann, folgen jetzt einige Informationen aus der Studie.

 Die Banden im Western Blot werden nach ihrem Molekulargewicht benannt (s.Abb.3). So ist z.B. p24 ein Protein mit einem Molekulargewicht von 24.000 Dalton oder 24 Kilo-Dalton (was grob einem Sechstel eines Antikörpers entspricht). Dies sind die Banden, die für die Auswertung des Blot wichtig sind:Abb. 3: HIV

  • p160 soll ein Vorläufer-Protein sein, das sich in p120 und p41 aufspaltet, die wiederum in oder auf der Virushülle sitzen. Obwohl es also beim "fertigen" HIV nicht mehr vorhanden (und im Virusmodell nicht enthalten) ist, taucht diese Bande seltsamerweise auf dem Western Blot auf. Es liegt also nahe, daß es sich hier um ein anderes Protein handelt.

  • p120 soll die "Knöpfe" darstellen, die die Bindung des Virus an das CD4-Protein der T-Zelle und damit die Infektion ermöglichen. Diese "Knöpfe" werden aber bei freien Viren außerhalb der Zelle nicht mehr gefunden, sondern nur bei "knospenden" Viren, die jedoch nur sehr selten beobachtet werden. Trotzdem taucht auch diese Bande erstaunlicherweise auf den Blots auf, die logische Konsequenz ist dieselbe wie beim p160.

  • p41 soll das p120 in der Virushülle verankern. Luc Montagnier hatte festgestellt, daß Antikörper von Menschen mit der Diagnose AIDS mit p41 reagieren konnten, allerdings war diese Reaktion nicht nur mit dem p41 aus HIV-infizierten Zellkulturen möglich, sondern auch mit einem p41 aus Zellkulturen ohne HIV. Er nahm an, daß es sich um Actin handelt, das aus den Zellen selbst stammt. Actin ist ein Protein, das Bewegungsvorgänge ermöglicht und in allen Zellen vorkommt. Es hat ein Molekulargewicht von etwa 40.000, und wenn sich 3 Actin-Moleküle aneinander binden, ergibt das 120.000, wenn es 4 sind, 160.000. Möglicherweise handelt es sich bei p120 und p160 einfach um Actin-Oligomere.

  • p32 soll ein Virusprotein sein, doch nach seiner Aminosäure-Zusammensetzung ist es identisch mit einem Bestandteil der MHC ( Major Histocompatibility Complex ) Proteine der Klasse II, die auf einigen Zellarten im menschlichen Blut vorkommen.

  • p24 (oder p25) soll das Protein sein, das die Hülle um den Viruskern bildet. Ein p24/25, an das Antikörper von Menschen mit der Diagnose AIDS binden können, gibt es jedoch beispielsweise auch bei HTLV-1, menschlichen Blutplättchen und Nierenzellen der grünen Meerkatze. Antikörper gegen ein solches Protein aus HIV-infizierten Zellen können außerdem gesunde Menschen ebenso haben wie kranke, die die AIDS-Definition erfüllen oder nicht erfüllen. Übrigens war die Bande p24 1985, in der Anfangszeit der Western Blot-Tests für HIV, ausreichend, um einen Menschen für test-positiv zu erklären.

  • p17 (oder p18) soll das Protein sein, das die Virushülle im Inneren auskleidet. Ein p17/18 taucht bei Zellkulturen mit und ohne HIV auf, wenn die Zellteilungsaktivität durch Mitogene angeregt wird. Sowohl bei Menschen mit der Diagnose AIDS als auch bei gesunden Blutspendern wurden Antikörper gefunden, die mit diesem Protein reagieren. Bei Menschen mit der Diagnose AIDS wurden zudem oft Antikörper gegen das Protein Myosin gefunden, das zusammen mit Actin Zellbewegungen ermöglicht. Es besteht aus zwei Aminosäureketten mit den Molekulargewichten 18.000 (p18) und 25.000 (p25).

Die Verfasser der Studie kamen nach diesen Betrachtungen der einzelnen Western Blot-Banden zu folgendem Schluß: "In Anbetracht des oben ausgeführten ist es schwierig, die Sichtweise zu verteidigen, daß die Banden p41 (und damit p160 und p120), p32, p24 oder p18 spezifische HIV-Proteine darstellen. Darüber hinaus, sogar wenn gezeigt werden könnte, daß alle diese Proteine HIV-spezifisch sind, kann nicht daraus geschlossen werden, daß Antikörper, die damit reagieren, diagnostisch für eine Infektion mit HIV sind."

Es sind nie alle Banden, die eine Reaktion zeigen müssen, damit ein Mensch als test-positiv eingestuft wird. Welche sichtbar sein müssen, ist unterschiedlich, je nachdem, welche Organisation die Richtlinien herausgegeben hat. Die australische Studie nennt 5 Maßstäbe, die nebeneinander existieren und unterschiedliche Anforderungen stellen (s.Abb.4).

Abb. 4: Banden

Beispielsweise hat danach jemand, den die Weltgesundheitsorganisation für test-positiv hält, nach anderen Kriterien noch lange keinen positiven Test.

Die Auswertung ist also nicht einheitlich, nicht einmal die Durchführung ist es. Unterschiedliche Labors können unterschiedliche Ergebnisse liefern, wie Versuche gezeigt haben, bei denen dasselbe Serum in verschiedenen Labors mit grundverschiedenen Resultaten getestet wurde. Doch damit nicht genug. Bei einem weiteren Versuch der Standardisierung wurden an mehrere Referenzlabors - das sind ausgesuchte, für besonders gut erachtete Labors - Serumproben geschickt. Wurde dieselbe Probe mehrmals in einem dieser Labors getestet, war zwischen "positiv" und "negativ" alles an Ergebnissen möglich. Dieses Resultat war hier keine Ausnahme, sondern die Regel.

So schlimm es auch ist, wie im Norden mit den Western Blots gearbeitet wird, es ist im Süden noch übler. Dokumentiert ist dies beispielsweise in einem Artikel, an dem auch Robert Gallo beteiligt war.
[17] Darin wird eine Testreihe beschrieben, in der Seren von Afrikanern zunächst mit dem ELISA getestet wurden. Im Widerspruch zu den hiesigen Gepflogenheiten, die ELISA-positiven Seren im Western Blot zu überprüfen, wurde nur bei den "unklaren" Ergebnissen, die zwischen "positiv" und "negativ" lagen, Blots durchgeführt. Und auf denen waren keine Banden zu erkennen, weil sie durchgehend schwarz waren. Über die Seren sagt das nichts aus, aber sehr viel über die schlechte Qualität der beteiligten Labors, die sich nicht scheuen, solche Schlampereien auch noch veröffentlichen.

Bezeichnend ist, daß sich die Hersteller der Tests mit Aussagen zur Interpretation zurückhalten. Ein Zitat aus der Arbeitsanleitung der Firma Bio-Rad von 1989: "Der Immunoblot-Test für den Nachweis von Antikörpern gegen AIDS-assoziertes Virus ist kein Diagnostikum für AIDS und AIDS-ähnliche Erkrankungen. Negative Testergebnisse schließen nicht die Möglichkeit eines Kontaktes oder einer Infektion mit dem AIDS-assoziierten Virus aus. Positive Testergebnisse beweisen nicht, daß eine Person den AIDS- oder prä-AIDS-Krankheitsstatus hat oder ihn erwerben wird." Darin ist also aufgeführt, was der Blot alles nicht beweist, aber nicht, was er beweist.

Der "Goldstandard" ist der Western Blot mit Sicherheit nicht, auch wenn Habermehl, Koch, Kurth & Co. dies noch so oft behaupten. Er ist

  • nicht standardisiert (dasselbe Testergebnis hat nicht dieselbe Bedeutung bei allen Patienten, in allen Labors, allen Ländern),

  • nicht reproduzierbar (die Ergebnisse können in demselben Labor mal so und mal so ausfallen),

  • nicht spezifisch (es wird alles mögliche andere nachgewiesen, was nichts mit HIV zu tun hat).

Was ein positiver Western Blot bedeutet, weiß niemand, auch nicht die, die behaupten, sie könnten irgend etwas daraus schließen.

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3. Weitere Nachweismethoden

Der eigentliche "Goldstandard" für den Nachweis einer Virusinfektion ist der Nachweis des Virus selbst, gemeint ist damit dessen Isolation und ausreichend genaue Charakterisierung. Im Gebrauch sind 4 Methoden, die jeweils nur eine Teilcharakterisierung ermöglichen, und nicht einmal die wirklich zuverlässig.

P24-Antigentest

Mit dieser Methode soll das Kernprotein p24 im Blut nachgewiesen werden können. Sie ist einige Jahre alt und wurde schon früh rechnerisch widerlegt [18]: Es lassen sich Werte ab 50 Pikogramm (pg) p24 pro Milliliter Serum bestimmen, in einigen Fällen werden bis zu 500pg p24 gemessen. Das ist einerseits sehr wenig, denn 1pg ist 1 billionstel Gramm, aber andererseits müßten 50pg p24 von 100.000 HIVs stammen und 500pg von 1.000.000. Wenn aber überhaupt mal freie HIVs im Serum gefunden werden, dann nur zu einem winzigen Bruchteil dieser Menge. Es gibt also keine Entsprechung für dieses p24, das gefunden wird, sein Ursprung ist unklar.

In der Praxis hatte es bereits verwirrende Ergebnisse mit diesem Test gegeben: Bei Antikörpertest-positiven Menschen wird oft kein p24 gefunden, und bei denen, die p24 in ihrem Blut haben, kann es wieder von alleine verschwinden. Trotz aller Gegenargumente wird dieser Test aber immer noch angewandt und sogar erneut angepriesen. So tauchte 1993 die Schlagzeile auf: "Neuer Test mißt jetzt das Antigen"
[19], und der Nachweis von p24 wurde als angeblich verbesserter Test für Neugeborene propagiert. Dabei wurde bereits 1991 auf einer Konferenz der Arzneimittel-Zulassungsbehörde der USA zugegeben, daß der p24-Test unbrauchbar ist. Ist der Test unbrauchbar, gilt das auch für seine Ergebnisse: John Lauritsen, der bei dieser Konferenz dabei war, erinnert daran, "daß der p24-Antigentest jahrelang benutzt wurde, um die nutzbringende Wirksamkeit von AZT zu behaupten. Man kann das nicht einfach vergessen." [20]

Elektronenmikroskopische Aufnahmen

Diese Aufnahmen sind gut bekannt, sie tauchen auch außerhalb der Fachpresse in Artikeln über AIDS oft auf, meist mit dem Kommentar, HIV würde gerade in eine Zelle eindringen oder aus ihr herauskommen. Was mit dem Elektronenmikroskop sichtbar gemacht werden kann, ist aber nicht lebendig, sondern tot, daher kann damit nur ein bestimmter Moment, aber keine Aktion erfaßt werden. Außerdem können Kunstprodukte entstehen, die von übereifrigen Forschern den eigenen Wünschen gemäß interpretiert werden - ein Phänomen, das nicht nur in der AIDS-Forschung anzutreffen ist.

Einerseits werden nicht bei allen Antikörper-positiven Menschen Viruspartikel gefunden. Werden andererseits geschwollene Lymphknoten, die nicht mit HIV in Verbindung gebracht werden, untersucht, werden dort auch Viruspartikel gefunden, die nicht von HIV zu unterscheiden sind. Ein Beweis für HIV sind solche Partikel nicht.

Nicht zuletzt gibt es noch das Problem der Verunreinigung, und gerade in der AIDS-Forschung gibt es einige prominente Beispiele dafür: Luc Montagnier untersuchte ursprünglich Männer, die nicht schwerkrank waren, weil er meinte, daß er sonst zu viele Viren mit unklarer Pathogenität finden würde. Aus Gewebeproben eines Mannes mit Lymphadenopathie (Lymphdrüsenschwellung) isolierte er ein Virus und nannte es passenderweise Lymphadenopathie-assoziiertes Virus (LAV). Im Sommer 1983 geriet jedoch in die Kulturen mit diesem Virus ein anderes, das von einem kranken Mann mit der Diagnose AIDS stammte. Das wuchs besser als das alte LAV und verdrängte es allmählich. Als dieser Vorfall Jahre später bemerkt wurde, hatte Montagnier bereits einen Haufen Artikel über das Lymphadenopathie-assoziiertes Virus geschrieben, das eigentlich keines war. Die Proben, in denen das alte LAV und die neue Verunreinigung war, hatte er 1983 auch an Robert Gallo geschickt. Der wiederum kontaminierte damit seine Kulturen, nannte es HTLV-3 und verkündete öffentlich, dieses Virus sei die Ursache für AIDS.

Gallo, dessen Verunreinigungs-Geschichte schon in den Siebziger Jahren begonnen hatte, sagt selbst zu diesem Phänomen: "Verunreinigungen sind ein sehr weitverbreitetes Problem in allen Viruslabors, in denen mehrere Mikrobenarten untersucht werden, und besonders häufig sind sie bei Retroviren in sehr aktiven Arbeitsgruppen." [21]

Reverse Transkriptase

Dieses 1970 entdeckte Enzym soll spezifisch für Retroviren sein. Vorher galt die Lehrmeinung, daß die DNA (die Erbsubstanz im Zellkern) die Vorlage ist für die Synthese der RNA (die wiederum die Vorlage für die Bildung von Proteinen ist), aber die RNA nicht in DNA umgeschrieben werden kann. Postuliert wurde also eine Einbahnstraße: von der DNA zur RNA, von der RNA zu den Proteinen. Die Reverse Transkriptase ist aber ein Enzym, das die RNA in DNA umschreiben kann.

Sie wird nachgewiesen durch ihre Aktivität, also durch die Bildung von DNA nach der Vorlage von RNA. Wenn nur dieser Nachweis vorhanden ist, kann nicht auf die Anwesenheit des HIV rückgeschlossen werden, sondern höchstens auf die Anwesenheit irgend eines Retrovirus, das Problem der Verunreinigung taucht auch hier auf. Darüber hinaus wurden auch zelleigene Enzyme gefunden, die wie eine Reverse Transkriptase arbeiten und das Ergebnis beeinflussen können.

Polymerase-Kettenreaktion

Das Genom von Retroviren, das untersucht wird, kann entweder die RNA sein (bei freien Viren) oder die DNA (bei Viren, die in das Genom der menschlichen Zelle eingebaut sind). Die neueste Methode zur Genom-Untersuchung ist die Polymerase-Kettenreaktion (PCR), mit der winzige, vorher praktisch unauffindbare Mengen DNA oder RNA nachgewiesen und vermehrt werden können. Sie wurde in den Achtziger Jahren entwickelt und beschleunigte die Entwicklung der Gentechnik erheblich. In der AIDS-Forschung wurde mit dieser Neuentwicklung die Hoffnung verbunden, daß nun das Virus, das so schwer zu finden war, endlich viel leichter nachzuweisen wäre und so auch die Kritiker zum Schweigen gebracht werden könnten.

Doch auch mit der PCR ist das Problem nicht zu lösen. Sie ist nicht standardisiert und nicht ausreichend reproduzierbar, außerdem kann mit einem PCR-Durchgang nur ein Teil des Virusgenoms nachgewiesen werden, was die Aussagekraft einschränkt. Es gibt seronegative, PCR-positive Menschen, ebenso seropositive, PCR-negative Menschen, außerdem Menschen, die mit beiden Methoden positiv oder negativ sind. Was das nun jeweils bedeuten kann, weiß niemand.

Die PCR wurde von Kary Mullis entwickelt, der dafür 1993 den Chemie-Nobelpreis erhielt. Er gehört zu einer Gruppe, die sich für eine Überprüfung der AIDS-Forschung einsetzt und sagte: "Ich habe viele wirklich intelligente Leute gefragt - ich laufe in diesen Tagen herum, und ich spreche mit den allerbesten Wissenschaftlern. ... Ich sage meist: 'Entschuldigung, aber als unabhängiger Wissenschaftler muß ich oft Artikel über AIDS schreiben für die Firmen, bei denen ich angestellt bin, und der erste Satz, den ich schreibe, ist oft "HIV ist das verursachende Agens bei AIDS." Nun, ich würde das gerne belegen können. ... Würde es Ihnen etwas ausmachen, für mich die Referenzen aufzuschreiben, von denen Sie meinen, wenn ich sie lese, würde ich dieser Aussage zustimmen. Ich meine, ich will nicht, daß es meine Idee ist.' Ich habe auf diese Frage nie eine direkte Antwort von irgendeinem Virologen bekommen. Sie sagen: 'Ja, ja, natürlich. Sobald ich in mein Büro zurückkomme, werde ich das für Sie machen.' Und ich rufe sie an, und sie haben es nicht. Ich schreibe ihnen einen Brief. Sie haben es nicht. Es gibt kein solches Wissen." [22]

* * *

Was ein Arzt schon vor über 30 Jahren feststellte, trifft noch immer und immer mehr zu: "Der leidende Mensch ist in dieser Maschinenmedizin ebenso unsichtbar wie der Arzt, der durch den Kleinroboter ersetzt werden soll. Diese Primitivisierung der Diagnostik, der eigentlichen ärztlichen Leistung, ist um so bedauerlicher, als selbst die modernsten, kompliziertesten apparativen Untersuchungsmethoden zu Fehldiagnosen führen, wenn die genaue Vorgeschichte fehlt, das persönliche Gespräch mit dem Kranken unterbleibt. Eine der verbreitetsten Krankheiten ist - nach Karl Kraus - die Diagnose." [23]

Gerade mit AIDS konnte diese Testokratie unhinterfragt allgemeine Akzeptanz und unkontrollierte Macht gewinnen. Im biochemischen Labor werden kranke Menschen zu todkranken und gesunde zu kranken definiert, eine Entwicklung, die weit über AIDS hinausgeht.

[1] James Goodwin: JAMA 28.8.1981
[
2] Ärzte Zeitung 23.2.1993
[
3] Peter Duesberg: Pharmacology and Therapeutics 55/1992
[
4] Holger Strohm: Die Ansteckung, Reinbeck 1987
[
5] Frankfurter Rundschau 11.9.1992
[
6] WorldAIDS Januar 1992
[
7] Panos Dossier 6: The Hidden Cost of AIDS, 1992
[
8] Peter Duesberg & Jody Schwarz: Progress in Nucleic Acid Research and Molecular Biology 43/1992
[
9] AIDS-Nachrichten 3/1992
[
10] John Crewdson: Chicago Tribune 19.11.1989
[
11] Louis Henderson: Journal of Virology Februar 1987
[
12] Eleni Papadopulos-Eleopulos et al.: Bio/Technology 11/1993 (http://www.virusmyth.net/aids/data/epwbtest.htm)
[
13] Die Woche 5.8.1993
[
14] Focus 33/1993
[
15] Medical Tribune 17.9.1993
[
16] Wochenpost 12.8.1993
[
17] Nathan Clumeck et al.: JAMA 8.11.1985
[
18] Harvey Bialy: Bio/Technology 6/1988
[
19] Medical Tribune 16.7.1993
[
20] John Lauritsen: New York Native 4.3.1991
[
21] Robert Gallo: Die Jagd nach dem Virus, Frankfurt/M. 1991
[
22] Celia Farber: SPIN November 1993
[
23] Thomas Regau: Medizin auf Abwegen, München 1960

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