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AIDS und Alternativen
Mein Weg

Claudia

 


Mit Einverständnis der Autorin übernommen aus:
Motz. Berliner Stadtmagazin. Ausgabe 14/01 vom 29.6.2001


 

Im Sommer 1986 mußte ich wegen einer schweren Entzündung im Unterleib ins Krankenhaus.  
Ich wurde operiert und anschließend mit schweren Antibiotika behandelt.
Nach einer Woche meines Krankenhausaufenthaltes wurde ich zum Chefarzt zitiert. Er legte mir nahe, einen HIV-Test zu machen, da ihm einige Blutwerte zu Denken geben.
Ich ahnte nichts Böses, hatte ich bisher lediglich die Titelseiten der großen Magazine wahrgenommen, die von der neuen „Schwulenseuche“ sprachen.
Mehr Zeit hatte ich ohnehin nicht, mich mit dem alltäglichen Geschehen zu befassen, denn mein Leben war durch meinen Drogenkonsum ein Fulltime-Job.

Wenige Tage später rief mich der Chefarzt wieder zu sich und teilte mir mit, daß der Test positiv ausgefallen sei und mir noch etwa sieben Monate, höchstens aber 2 Jahre verbleiben.
Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Ich versuchte die Ärzte dazu zu bewegen, mir doch Informationen zu geben, blieb aber mit meinen Gefühlen und meiner Angst allein. Ich entließ mich selbst aus dem Krankenhaus. Das Ergebnis des Bestätigungstests holte ich mir ein paar Tage später ab: Es war negativ.

Ich war erleichtert, konnte aber gar nicht so schnell mit meinen Gefühlen mithalten, um diese Ergebnisse, sowohl das positive als auch das negative, zu verarbeiten. Außerdem trieb mich die Sucht wieder. Ich hatte im Krankenhaus starke Schmerzmittel bekommen und daher keinen Entzug verspürt. Mein Drogenalltag setzte wieder ein und ich vergaß die ganze Geschichte wieder. Als mein damaliger Freund getestet wurde, viel sein Ergebnis positiv aus und hat mich auch davon ausgehen lassen, daß ich auch positiv bin und das negative Ergebnis aus dem Krankenhaus falsch sein mußte. Ich wollte jedoch das Procedere nicht so schnell wieder durchmachen. Ich lebte in der Annahme weiter, positiv zu sein.

Drei Jahre lang mißbrauchte ich Heroin, Tabletten, Psychopharmaka, Antidepressiva und Alkohol, aß oft tagelang nichts als ein paar Süßigkeiten und schlief oft für mehrere Nächte nicht. Die Beschaffung der Drogen hielt mich auf den Beinen, ob ich wollte oder nicht.

Am Ende mit meinen Kräften, begab ich mich in eine Langzeit- Therapieeinrichtung. Dort wurde mir nahe gelegt, einen erneuten HIV- Test zu machen. Vorsorglich aufgrund meiner Annahme wurde ich schon mal in der Positiven- Gruppe untergebracht. Dort warf man mir vor unfair den anderen gegenüber zu sein, wenn ich den Test nicht mache. Einige Wochen wurde intensiv auf mich eingeredet und mit moralischen Argumenten gearbeitet, bis ich einwilligte. Der Test war positiv. Da saß ich nun und konnte das gar nicht an mich heran lassen, verwirrte mich schon allein mein Gefühlsleben, daß sich durch die fehlenden Betäubungsmittel langsam wieder einstellte.

Ich lernte in der Therapie- Einrichtung meinen Partner kennen, der ebenso positiv getestet war und eine lange Zeit schon AZT in hohen Dosen einnahm. Ich las mir den Beipackzettel durch und beschloß, dieses Mittel niemals zu nehmen, komme was wolle.
Wir verließen beide die Einrichtung, wurden gemeinsam wieder rückfällig. Die Angst, die das positive Testergebnis mir plötzlich bereitete, konnte ich nicht aushalten, meine Zukunftsperspektive war in düsteren Farben gezeichnet. Auch mein Partner litt zunehmend unter der Krankheit, die sich in Form von Pilzen, Gewichtsverlust, mehreren Lungenentzündungen und Schwäche zeigte, seltsamer weise ging es ihm immer besser, wenn er die Medikamente nicht nahm. Nach kurzer Zeit entschieden wir beide, Polamidon zu nehmen und zu versuchen, dem Leben noch etwas abzugewinnen.

1991 starb dann mein Partner.  
Mir wurde immer wieder zu Beginn der 90er Jahre nahegelegt aufgrund meiner niedrigen Helferzellen- Anzahl endlich AZT zu nehmen, wenn ich mein Leben wenigstens noch ein wenig verlängern wolle. Ich lehnte jedes Mal ab (und darüber bin ich heute sehr glücklich). Irgendwie - es war wohl Intuition - sah ich zwischen dem Tod meines Freundes und der Verabreichung des AZT einen Zusammenhang.

Aber was bot sich mir sonst?
Mein inneres Wohlbefinden war von CD 4 Zahlen abhängig, die sehr schwankten, jedoch aber einige Zeit einen Aufwärts- Trend zeigten.
Das Polamidon nahm mir die Angst nicht, ich wollte aber auch keine anderen Drogen mehr nehmen. So war ich ziemlich einsam in dieser Zeit. Ich wollte vollkommen weg von jeglichen Drogen und noch mal neu anfangen.

Kurz bevor ich mich entschied, ganz clean zu werden, ließ ich noch einmal einen Bluttest machen. Die T4 befanden sich in einem Bereich jenseits von tausend. Für mich Beweis, daß das ganze HIV-Modell bezweifelbar war. Warum war ich nicht schon tot, wie mir prophezeit worden war, und das nach dem diesem selbstzerstörerischen Lebensstil?
Ich begab mich in ärztliche Behandlung, wenn ich akut krank war. Immer mit der Angst im Nacken, daß es jetzt losgehen könnte. Die Angst war stetig mein Begleiter und da ich jetzt völlig clean war, spürte ich sie zunehmend. Allerdings war ich zu dem Punkt gekommen, daß ich um nichts in der Welt wieder deswegen Drogen nehmen wollte.

Ich wollte nicht mehr so schlecht mit mir umgehen, wie ich es all die Jahre getan hatte. Ich ließ dennoch einige Zeit vergehen und hielt mich an den hohen T4 Messungen des letzten Tests fest, wollte einige Zeit von HIV und AIDS nichts hören, lesen oder sehen. Meine Ärzte, die ich in dieser Zeit im Akutfall aufsuchte ermahnten mich, mich nicht so gehen zu lassen und die Kontrolluntersuchungen nicht zu vernachlässigen. Die nächste Untersuchung die ich dann durchführen ließ, zeigte miserable Werte an und ich geriet in Panik.

Ich hatte Entscheidungen zu treffen, entweder die neue Kombitherapie zu nehmen oder bald zu sterben. Jetzt sei es höchste Eisenbahn und es müsse schnell gehandelt werden, sagte man mir.

Schnelle Lösungen hatte ich mir jahrelang in die Venen gespritzt
und die Panikmache der Ärzte in den Schwerpunktpraxen war fragwürdig. Ich saß zum Beispiel bei einem dieser Ärzte im Behandlungszimmer, während er am Telefon mit jemandem über die Plazierung seines Namens in einem Buch, an dem er mitgearbeitet hatte, stritt. Das ganze Gespräch dauerte 15 Minuten. Mir gewährte er nicht einmal 2 Minuten: „Nimm AZT oder du stirbst“, lautete seine Prognose. In der Praxis habe ich mich nie mehr blicken lassen, weil ich aufgrund dieser Erfahrung hinter dem ganzen Apparat HIV nur noch ein Geschäft mit der Angst witterte unter dem Deckmäntelchen, den Betroffenen zu helfen.

Ich suchte nach Alternativen. Das Angebot war nicht groß. Ich fand eine homöopathische Ärztin, die mich sehr unterstützte und einen großen Beitrag dazu leistete, meine Angst zu vermindern. Diese war lange nicht verschwunden, doch gab sie mir zu verstehen, daß mir einige Möglichkeiten zur Verfügung stehen und ich mich nicht von der ganzen Panikmache ergreifen lassen soll. Leicht gesagt, doch gab mir diese Handlungsfähigkeit Mut.

Mein Wohlbefinden besserte sich zunehmend. Mein Körper war vergiftet durch Fehlernährung und denn jahrelangen Drogenkonsum und das zeigte sich sehr deutlich an meinem Darm, der so wichtig für das Immunsystem ist. Ich führte eine Darmsanierung durch, änderte meine Ernährung, lernte Reiki, das ich seit Jahren täglich praktiziere.

Letztlich wollte ich auch nicht mein ganzes neues cleanes Leben auf ein „Virus“ ausrichten. Ich kramte in meinen Träumen und fand einen ganz alten wieder. Wollte ich nicht mein Abitur machen?
Ich meldete mich auf einem Abendgymnasium an und machte nach drei Jahren die Prüfung. Das war wichtig für mich, wenn ich auch mein darauf folgendes Studium wieder abbrach, weil es mich überforderte.

Ich habe neue lang- und mittelfristige Pläne für mein Leben.

Zwischendurch folgten immer wieder seelische Einbrüche und die Angst überkam mich. So verwies mich meine homöopathische Ärztin dann doch an die Fachmediziner, denn meine T4 Werte blieben ungleich niedrig. Ich habe zwei Kombi- Therapien begonnen und innerlich das Gefühl gehabt, erst richtig krank zu werden, denn ich war in der Zeit als ich sie nahm viel infektanfälliger als ohne und sie erhöhten auch die für mich so bedeutende Zahl der T4 Helferzellen nur unmerklich. Die beschriebenen Nebenwirkungen machten mir Angst und ich war sehr unglücklich mit dieser Maßnahme, die mein Leben doch verbessern sollte.

Ich hatte schwere Nebenwirkungen, unter deren Folgen ich heute noch zu Leiden habe, wie zum Beispiel Neuropathien.
Ich habe sie wieder abgesetzt und gehe meinen alternativen Weg weiter.

Ich kann hier nur von mir sprechen. Jeder muß gerade bei solch existentiellen Fragen seinen Weg finden.. Der Glaube spielt für mich eine gewichtige Rolle. Ich glaube eben nicht an die langfristige Lösung in Form von antiretroviralen Mitteln, zumal das Virus, das behandelt werden soll, bisher noch nicht einmal isoliert worden ist, was die Voraussetzung wäre, um von einer Viruserkrankung zu sprechen.

Ich bin verantwortlich für meinen Körper und dafür, was ich für meine Gesundheit tun möchte und was nicht.

Seit längerer Zeit werde ich mit Akupunktur und chinesischen Kräutern behandelt. Ich habe die Kosten für die Behandlung bei der Krankenkasse beantragt. Der Antrag wurde abgelehnt. Die Kosten der Akupunktur Behandlung betrügen 400 DM im Monat, die Kosten für die Kombi- Therapie belaufen sich auf mindestens 2000.- DM im Monat. Ich bekomme also keine Unterstützung bei der Wahl dessen, was mir gut tut. Auch das warf weitere Fragen auf und ließ mich nur kritischer werden.

Im letzten Jahr habe ich durch einen Zufall von einer Selbsthilfegruppe gelesen, deren Slogan direkt in mein Herz traf: „Gib der Angst keine Chance“. Diese Angst hat mir die vielen Jahre am meisten zu schaffen gemacht und geschadet.
Bei HEAL finde ich die zahlreichen Antworten auf meine offen gebliebenen kritischen Fragen, einen Gesprächskreis, der sich auf Erfahrungen und Lösungen konzentriert und immer wieder Ärzte und Heilpraktiker einlädt, die alternative Heilmethoden anbieten. Ich fühle mich in diesem Kreis aufgehoben. Er ist eine Kraftquelle geworden und meine verbliebenen Ängste, die mich so lange Jahre begleitet hatten, sind äußerst selten spürbar, doch lange nicht mehr so tiefgreifend und permanent. Ich nehme wahr, welch enormer psychischer Streß von mir abgefallen ist, der mein Immunsystem und mein Wohlbefinden lange Zeit drastisch belastet hat. Es gibt noch einiges, was ich für mich selbst tun kann, als selbst- verantwortlicher Mensch und die nötige Bereitschaft bringe ich dazu mit.