Hans-Walter Leonhard:

Was ist die entscheidende Frage bei der Auseinandersetzung mit der HIV-AIDS-Theorie?

Vorwort zur Neuauflage von "H.-W. Leonhard: Alles nur ein Irrtum? Zur Kritik von Peter H. Duesberg an der AIDS-Forschung und zu seinem alternativen Erklärungsansatz

Der erste Satz im ersten Kapitel des 650 Seiten starken Standardwerks "AIDS 2000" lautet "AIDS ist das letzte Stadium einer Infektionskrankheit, die durch das human immunodeficiency virus (im folgenden kurz HIV genannt) hervorgerufen wird."(a) 
Dieser Satz enthält das zentrale Dogma der etablierten HIV-AIDS-Theorie, 

Duesbergs Kritik in den drei AIFO-Aufsätzen von 1989, 1991 u. 1992 (b), die in meinem Text "Alles nur ein Irrtum?" zusammengefaßt wird, enthält hingegen folgende Kernaussagen:
- Die virologischen Daten sprechen dagegen, daß HIV die Krankheit AIDS verursacht.
- Der Krankheitsverlauf und die epidemiologischen Daten sprechen dagegen, daß AIDS eine durch HIV verursachte Infektionskrankheit ist.

1.

Duesberg setzte bei dieser Kritik voraus, daß HIV tatsächlich existiert und bei vielen AIDS-Kranken nachweisbar ist, behauptete jedoch, daß HIV die Krankheit nicht verursacht. Es gebe, wie der Titel des ersten zu referierenden Aufsatzes sagt, zwar eine Korrelation zwischen HIV und AIDS, aber keinen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang.

Inzwischen aber ist innerhalb der Kritiker an der HIV-AIDS-Theorie eine Kontroverse darüber entstanden, ob man zurecht von der Existenz des HI-Virus ausgehen könne. Während Duesberg weiterhin sagt, HIV existiert, ist aber ungefährlich, vertritt die sog. Perth Group um Papadopulos et al. die These, daß es bislang nicht gelungen ist, die Existenz von HIV zu beweisen. Diese These, die inzwischen auch Sänger vertritt,  wurde von Lanka dahingehend ausgeweitet, daß er die Existenz von Retroviren überhaupt bezweifelt. (c)

Welchen Bedeutung hat nun diese Kontroverse bzw. die jeweils eingenommene Position für die Kritik an der HIV/AIDS-Theorie? Meine Einschätzung lautet: Sie hat keine entscheidende Bedeutung, denn beide Positionen führen gleichermaßen zum Ergebnis, daß die These "HIV verursacht AIDS" falsch ist.

Das bedeutet zugleich: Ich halte die virologischen Argumente von Duesberg keineswegs für überholt, sondern weiterhin für zentrale Einwände gegen die virologische Lehrmeinung in Sachen HIV und AIDS. Sogar wenn sich herausstellen sollte, daß HIV in der Tat nicht nachweisbar ist, wären wesentliche Argumente seiner Kritik weiterhin gültig, weil sie eine sogenannte ‘immanente’ Kritik darstellt, die sich auf die Voraussetzungen des Gegners einläßt und ihm auf dieser Grundlage Fehlschlüsse und innere Widersprüche nachweist, um ihn zu widerlegen.

Kleine, formallogische Ergänzung: Man muß vorsichtig sein mit der Aussage "HIV existiert nicht", die man häufig seitens bestimmter Kritiker hört. Man kann sagen und behaupten: "Solange kein stichhaltiger Beweis für die Existenz von HIV vorgelegt wird, gehe ich von der Nicht-Existenz aus." Man kann auch sagen: "Die bisherigen Nachweis bzw. Nachweisversuche von HIV sind unzureichend oder fehlerhaft und beweisen nicht, daß HIV existiert." Aber man kann daraus rein logisch nicht folgern: "HIV existiert nicht". Der Nicht-Beweis der Existenz von X ist keineswegs der Beweis der Nicht-Existenz von X. Die Nicht-Existenz von etwas ist nicht beweisbar!

2.

Welche Reichweite hat die Kritik "HIV ist ungefährlich" bzw. "HIV ist nicht nachgewiesen"? Ist damit das zentrale HIV-AIDS-Dogma insgesamt kritisiert?
Wie bereits zitiert, enthält dieses Dogma zwei Teilaussagen: AIDS ist (a) eine Infektionskrankheit, die (b) durch HIV hervorgerufen wird.

Beide eben benannten Kritik-Positionen, also sowohl "HIV ist ungefährlich" als auch "HIV ist nicht nachgewiesen", führen zur Kritik der Teilaussage (b): "AIDS wird durch HIV hervorgerufen."
Aber damit ist die andere Teilaussage (a): "AIDS ist eine Infektionskrankheit", noch nicht kritisiert, denn es könnte ja sein, daß es irgendein anderes, bislang nicht gefundenes infektiöses Agens gibt. Wenn AIDS tatsächlich die Merkmale einer Infektionskrankheit aufweisen würde, wie die Lehrmeinung behauptet, dann müßte man in der Tat danach suchen!
Das bedeutet: Die Kritik an der vorherrschenden AIDS-Entstehungstheorie ist nicht dadurch abgeschlossen, daß man HIV für ungefährlich hält oder die vorgelegten HIV-Nachweise für ungültig erklärt. Zusätzlich muß der Nachweis geführt werden, daß die erworbene Immunschwäche AIDS nicht die Merkmale einer Infektionskrankheit besitzt.
Umgekehrt gilt jedoch: Wenn nachgewiesen werden kann, daß AIDS keine Infektionskrankheit ist, dann ist damit zugleich auch die andere (Teil)Aussage widerlegt, AIDS werde durch HIV hervorgerufen. Es mag dann noch eine spannende Frage für die (Retro)Virologie bzw. die Kritik an ihr sein, ob HIV tatsächlich existiert oder nicht existiert, aber mit AIDS hat das dann nichts mehr zu tun. 

Aus diesen Gründen halte ich die Frage: "Ist AIDS wirklich eine Infektionskrankheit?" für die zentrale und entscheidende Frage in der Auseinandersetzung mit der Lehrmeinung über AIDS, nicht etwa die Frage nach der Gültigkeit von HIV-Nachweisen.

Um jedoch zu prüfen, ob AIDS eine Infektionskrankheit ist, muß geklärt werden: Entspricht das übliche Erscheinungsbild und der übliche Krankheitsverlauf bei AIDS-Patienten den charakteristischen Merkmalen einer Infektionskrankheit?
Und da AIDS ja als ‘Epidemie’ oder ‘moderne Seuche’ gilt: Entspricht die Ausbreitung der Krankheit und die Verteilung der Krankheitsfälle in der allgemeinen Bevölkerung den charakteristischen Merkmalen einer epidemisch auftretenden Infektionskrankheit bzw. Seuche?

Zu beiden Fragekomplexen bieten die genannten Duesberg-Texte viele weiterhin gültigen Daten und Argumente. Zudem enthalten sie Argumente für seinen eigenen Erklärungsansatz: AIDS sei vor allem eine ‘Vergiftungskrankheit’ und werde vor allem durch den Mißbrauch von Drogen und Medikamenten verursacht.

Zusatz: 
Auch bei den praktischen Konsequenzen, die aus der jeweiligen Kritik folgen, macht es keinen Unterschied, ob man eher der Duesberg- oder der Papadopulos-Position zuneigt. Denn, wie der Nobelpreisträger Kary Mullis einmal sagte: "Der menschliche Körper ist voll von Retroviren. Wir wissen nicht, ob es hunderte, tausende oder hunderttausende sind. Wir haben erst vor kurzem begonnen, sie zu erforschen. Aber sie haben bisher niemals irgendjemand getötet. Die Menschen haben immer mit Retroviren überlebt." Ob man also annimmt: 'HIV gibt es nicht', oder ob man annimmt: 'HIV gibt es zwar, aber es hat keinerlei krankmachende Potenz' - in beiden Fällen braucht man sich zwecks HIV keinerlei Sorgen zu machen. Und in beiden Fällen gibt es kein Argument für eine antiretrovirale Therapie, um HIV zu bekämpfen. (d)

Anmerkungen

(a) Kamps, Bernd Sebastian, Hans-Reinhard Brodt, Eilke Brigitte Helm: AIDS 2000, S. 23 ( http://hiv.net/2010/aids2000.htm )

(b) Duesberg, Peter: HIV und AIDS: Korrelation, aber nicht Ursache. In: AIDS-FORSCHUNG, Heft 3/1989 (= a)
Ders.: AIDS-Epidemiologie: Widersprüchlichkeiten zur Annahme einer HIV-Ätiologie und Infektionskrankheit. In: AIDS-FORSCHUNG, Heft 6/1991
Ders.: Die Rolle von psychoaktiven Drogen und Medikamenten bei AIDS. The Role of Drugs in the Origin of AIDS. In: AIDS-FORSCHUNG, Heft 12/1992

(c) Zur Kontroverse Duesberg /Papadopulos et al. / Lanka vgl. http://www.virusmyth.net/aids/award.htm
Zur Position von Sänger vgl. sein Geleitwort zu Michael Leitner: Mythos HIV. Eine kritische Analyse der AIDS-Hysterie. Absurde Statistiken, schlampige Virusnachweise, untaugliche Tests und illegale Medikamente. Verlag videel, ISBN 3-935111-28-2.

(d) Vgl. dazu auch Claus Köhnlein: Die große Illusion. Das Dilemma der antiretroviralen Therapie HAART* aus einem kritischen Blickwinkel

[Leonhard 2001]