Peter H. Duesberg / Bryan J. Ellison

Ist das AIDS-Virus Science-fiction?

Vortrag auf einem Kongreß in Hannover 1990

 

Zur website von Peter H. Duesberg

 

Ein Report, der am 5. Juni 1981 vom Center for Disease Control veröffentlicht wurde, schreckte die Mediziner in den USA auf. In dem Bericht wurden fünf ungewöhnliche medizinische Fälle beschrieben, die man zwischen Oktober 1980 und Mai 1981 beobachtet hatte. Alle fünf Patienten hatten eine Lungenentzündung der Art Pneumocystis carinii entwickelt. P.carinii ist eine Mikrobe, die in den Lungen der meisten gesunden Menschen vorhanden ist, aber zur Erkrankung führen kann, wenn das Immunsystem des Gastes auf irgendeine Weise stark geschwächt wurde. Die Immunitätsunterdrückung wurde in diesen Fällen durch das Auftreten verschiedener anderer opportunistischer Infektionen bestätigt. Die Mediziner waren besonders über die Identität der Patienten überrascht: Bei diesen Patienten, die unter einem ernsthaften Immunitätskollaps litten, handelte es sich ausschließlich um 20-40jährige Männer, die normalerweise als gesunde Altersgruppe gelten. Außerdem waren die Männer alle homosexuell.

Ein Folgereport des CDC vom 28. August führte 21 weitere Fälle auf, die ähnlich schwere Probleme mit der Immunitätsunterdrückung hatten. Neben der P. carinii-Pneumonie traten eine Candidiasis (Hefeinfektion) der Speiseröhre und andere Krankheiten auf, die typisch sind für eine Schwächung der Immunität. Einige Patienten litten zudem unter einer seltenen Krankheit, dem Kaposi-Sarkom. Dabei handelt es sich um eine Geschwulst in der Auskleidung der Blutgefäße, die sich durch rötliche Läsionen auf der Haut manifestiert. Das CDC bezeichnete diese neuen Patienten, die unter einer seltsamen Mischung von Krankheiten litten, als «zuvor gesunde, homosexuelle Männer». Da eine wachsende Zahl von gesunden Männern nicht gleichzeitig an schweren Krankheiten erkranken sollte, wurden alle bei ihnen beobachteten Krankheiten in einem Syndrom mit einer einzigen, zugrunde-liegenden Ursache zusammengefaßt. Das Syndrom, das zuerst als Gay-Related Immune Deficiency (GRID) bezeichnet wurde, erhielt schließlich die Bezeichnung Acquired Immune Deficiency Syndrome (erworbenes Immunmangelsyndrom) oder AIDS. Seitdem dieses Syndrom zum ersten Mal definiert wurde, hat man bei über 130.000 Amerikanern die Diagnose AIDS gestellt, und mehr als 80.000 sind daran gestorben. Männliche Homosexuelle bilden weiterhin die Hauptrisikogruppe für AIDS, aber Drogenabhängige, die sich intravenös spritzen, Empfänger von Bluttransfusionen und Bluter zählen ebenfalls zu den AIDS-Opfern. Seit 1981 wurde die Liste der Indikator-Krankheiten durch das CDC erweitert. Jetzt zählen die P.carinii Pneumonie, Tuberkulose, das Kaposi-Sarkom, Dementia, Lymphom, Candidiasis und Diarrhöe dazu - insgesamt sind es 25 konventionelle Krankheiten. Die am häufigsten diagnostizierte Krankheit ist die P. carinii-Pneumonie, die bei etwa 53% der neuen AIDS-Fälle gefunden wird, gefolgt von der Schwindsucht mit 19%, vom Kaposi-Sarkom mit 11% und von der Dementia mit 6%.

Mit dem Syndrom wuchsen auch die Fonds der Regierung. In den ersten Jahren der Epidemie betrugen die Ausgaben ein paar Millionen Dollar. Seit 1984, als das Gesundheitsministerium bekannt gab, daß ein AIDS-Virus entdeckt worden sei und möglicherweise die Gesamtbevölkerung befallen könne, sind die Ausgaben für die AIDS-Forschung, für Erziehung und Behandlung enorm gestiegen und haben jetzt im laufenden Finanzjahr die Summe von $2.9 Milliarden erreicht.

Der Zusammenbruch des Immunsystems

Als Syndrom, das durch mehrere konventionelle Krankheiten definiert wird, betrachtete man AIDS als Resultat einer zugrundeliegenden Schwächung des Immunsystems. Bei einem Großteil der ersten Patienten schien der Raubbau an einer bestimmten Zell-Untergruppe im Immunsystem, an den T-Zellen, die Hauptabnormität zu sein; diese Zellen reagieren auf die Gegenwart von eindringenden Mikroben und regen andere Zellen an, die entsprechenden Antikörper gegen die neuen Bakterien zu produzieren. Die tatsächliche Einschätzung des «richtigen» Spiegels von T-Helferzellen war jedoch größtenteils spekulativ, da dieser Aspekt des Immunsystems von der Forschung bisher wenig untersucht worden war. Da die Durchschnittszahl von T-Helferzellen bei AIDS-Patienten niedriger war als bei Nichtbetroffenen, gelangte man zu der Überzeugung, daß dieses Syndrom durch etwas verursacht wurde, das dem Körper speziell diese Zellen entzog.

Zu den anfänglich vorgeschlagenen Ursachen von AIDS zählten die Nitrit-Inhalationspräparate, die fast ausschließlich von Homosexuellen in Bädern verwendet wurden. Einige frühe Arbeiten brachten ihre Anwendung in Zusammenhang mit dem Auftreten des Kaposi-Sarkoms, aber diese Hypothese konnte weder das volle Spektrum der AIDS-Krankheiten erklären noch das Auftreten von AIDS unter Heterosexuellen. Aus diesem Grund wurde sie bald wieder fallengelassen.

Das Hauptinteresse konzentrierte sich statt dessen auf die Suche nach einem Infektionswirkstoff, der AIDS verursacht. Schon bei dem ersten Bericht über AIDS-Fälle bemerkte das CDC, daß alle der ersten Betroffenen unter einer akuten oder zurückliegenden Infektion durch das Cytomegalovirus litten, das zur Herpes-Gruppe der Viren zählt. Vom Cytomegalovirus war bekannt, daß es die Immunität unterdrücken kann, und man ging dieser Möglichkeit für eine Weile nach. Aber da dieses Virus in der allgemeinen Bevölkerung weitverbreitet ist und da nicht alle AIDS-Patienten infiziert worden waren, ließ man auch diesen Gedanken schließlich fallen.

Die Frage nach der Ursache von AIDS wurde offiziell am 23. April 1984 entschieden, als das Gesundheitsministerium die Isolierung des AIDS-Virus bekannt gab. Das Virus wurde von seinen französischen Entdeckern als Lymphadenopathy-Associated Virus (LAV) bezeichnet und von amerikanischen Wissenschaftlern als Human T-cell Leukemia Virus III (HTLV-III). Seit 1986 wird es offiziell als Human Immunodeficiency Virus (humanes Immundefizienzvirus) (HIV) bezeichnet. Die Ansicht, daß HIV die Immunitätsunterdrückung verursacht, die AIDS zugrunde liegt, wurde 1986 durch die laborwissenschaftliche Veröffentlichung Confronting AIDS, die von der National Academy of Sciences and the Institute of Medicine veröffentlicht wurde, unter Wissenschaftlern zur akzeptierten Meinung. Die vorherrschende Meinung heute lautet daß dieses Virus eine Immunschwäche auslöst, indem es die T-Helferzellen dezimiert, so daß 50 bis 100% der Infizierten dazu verurteilt sind, an AIDS zu erkranken und zu sterben.

Seit 1987 stellt eine zunehmende Zahl von Wissenschaftlern und Ärzten jedoch in Frage, ob AIDS tatsächlich durch HIV verursacht wird. Einige dieser andersdenkenden Wissenschaftler erheben dagegen Einspruch, daß es Beweise für HIV als Ursache von AIDS gibt. Sie sind der Meinung, daß die Rolle des Virus unklar ist. Andere glauben, daß die Beweise im wesentlichen ausschließen, daß HIV bei AIDS überhaupt eine Rolle spielt. Wieder andere behaupten, daß HIV allein AIDS nicht verursachen könne und daß weitere, nicht identifizierte Faktoren nötig seien. Zur Zeit ziehen es die meisten dieser Zweifler noch vor, nicht zitiert zu werden, weil sie befürchten, daß sie Forschungsgelder verlieren oder bei Kollegen Mißfallen erregen könnten. Diese Einwände sind bisher die Ansicht einer Minderheit, was in erster Linie darauf zurückzuführen ist, daß ihnen in den Medien nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt wird. Obwohl ein großer Teil dieser freimütigeren Oppositionswissenschaftler einen guten Ruf haben, sind ihre Ansichten dem größten Teil der Bevölkerung noch unbekannt.

Argumente für HIV

Ein Artikel von Luc Montagnier, dem französischen Entdecker von HIV, und Robert Gallo, dem führenden amerikanischen HIV-Forscher, befaßte sich in der Ausgabe des Scientific American vom Oktober 1988 teilweise mit den Gründen, warum überhaupt nach einem AIDS-Virus gesucht wurde. Da es plötzlich zum Ausbruch von Krankheiten kam, die vorher bei jungen Männern als ungewöhnlich galten, argumentierten sie, daß nur die Einschleppung einer neuen Mikrobe für diese Steigerung verantwortlich sein konnte.

Die Art und Weise, wie HIV die T-Zellen tötet, ist immer noch nicht genau bekannt. Gallo und seine Kollegen haben wiederholt darauf hingewiesen, daß der Beweis, daß HIV AIDS verursache, erbracht worden sei, obwohl man die Mechanismen noch nicht kenne. Sie zitieren in erster Linie Beweismaterial aus der Epidemiologie, aus der Wissenschaft also, die sich mit der Verbreitung von Krankheiten befaßt.

Sie weisen darauf hin, daß die Menschen, die an AIDS erkranken, jene sind, die Antikörper gegen HIV haben. Untersuchungen, die HIVinfizierte Menschen in AIDS-Risikogruppen längere Zeit überwachen, beobachten eine Weiterentwicklung zu Krankheiten, die charakteristisch für AIDS sind.

Gegner der Virus- AIDS-Hypothese betonen die geographische Beziehung zwischen AIDS und der HIV-Infektion. AIDS kommt am häufigsten in Afrika vor und in Städten wie New York und San Francisco, wo HIV weitverbreitet ist. Weder AIDS noch HIV sind in Asien oder der Sowjetunion und Osteuropa weitverbreitet.

Befürworter schenken auch den über 1600 Kindern, den mehr als 1100 Blutern und den etwa 8000 Empfängern von Bluttransfusionen in den USA besondere Aufmerksamkeit, die Jahre, nachdem sie mit HIV infiziert worden waren, an AIDS erkrankt sind. Die Ausgabe des Scientific American vom Oktober 1988 zitierte das Beispiel einer Bluterfamilie, in der Vater und Sohn sich mit HIV infiziert hatten und an AIDS erkrankt waren. Ein Beispiel, das in den Medien starke Beachtung fand, war Ryan White, der junge Bluter, der sich mit HIV infiziert hatte und an AIDS erkrankt war und vor kurzem im Alter von 18 Jahren gestorben ist. Dem verstorbenen kalifornischen Politiker Paul Gann, der den Antrag der Antisteuerbewegung unterstützte, wurde auch einige Aufmerksamkeit zuteil. Er hatte sich durch eine Bluttransfusion mit HIV infiziert und erkrankte anschließend an einer tödlichen AIDS-Lungenentzündung. Da Kinder und die Mehrheit der Bluter und Empfänger von Bluttransfusionen wahrscheinlich keine Drogenabhängigen sind, die sich intravenös spritzen, und auch nicht homosexuell aktiv sind, war der Hauptfaktor bei ihnen offensichtlich ihre Infektion mit HIV.

Obwohl die meisten Viren innerhalb weniger Wochen nach der akuten Infektion eine Krankheit verursachen, führt HIV angeblich nach einer Latenzzeit von durchschnittlich 10 bis 11 Jahren zu AIDS. Zur Unterstützung dieser Theorie zitieren Verteidiger der Virus- AIDS-Hypothese die Modelle anderer Viren, die bei Tieren und Menschen Krankheiten verursachen, die oft erst nach einer Latenzzeit von 10 bis 50 Jahren zwischen der Infektion mit dem Virus und der Entwicklung der Krankheit ausbrechen. Solche «langsamen Viren» wurden in den letzten Jahren für verschiedene Formen der Leukämie bei Mensch und Tier verantwortlich gemacht sowie für bestimmte andere spezifische Krebserkrankungen. Beim Muttermundkrebs der Frau nimmt man weithin an, daß er durch verschiedenartige Arten des menschlichen Warzen-Virus verursacht wird, während der Krebs, der als Burkitt-Lymphom bekannt ist, oft auf das Virus zurückgeführt wird, das auch die Mononukleose verursacht.

Außerdem führen der Simian Immunodeficiency Virus und der Fehne Immunodeficiency Virus (immunitätsunterdrückende Viren bei Affen und Katzen), die beide derselben Klasse wie HIV angehören, häufig zu Krankheit oder sogar zum Tod, wenn Affen und Katzen im Labor damit infiziert werden. Dabei kommt es zu Krankheiten, die oft denen beim AIDS des Menschen entsprechen.

Die Kochschen Postulate werden nicht erfüllt

Wissenschaftler, die mit dieser weithin akzeptierten Virus- AIDS-Hypothese nicht übereinstimmen, machen oft als wichtigsten Punkt geltend, daß diese Theorie einfach nie bewiesen wurde. Die klassischen Kriterien, die anzeigen, ob eine Krankheit infektiös ist und ob sie von einer bestimmten Mikrobe verursacht wird, wurden im letzten Jahrhundert von Robert Koch eingeführt und werden als Kochsche Postulate bezeichnet. Aber wie Walter Gilbert, Molekularbiologe an der Harvard Universität und Nobelpreisträger, betont, erfüllt HIV diese Kriterien nicht.

1. Postulat: Der Erreger sollte in jedem Krankheitsfall im betroffenen Gewebe gefunden werden.

Bei mindestens 10 bis 20% der AIDS-Patienten ist jedoch überhaupt kein HIV nachweisbar; bis zum Auftreten von äußerst genauen Methoden in der letzten Zeit konnte in der Mehrzahl der AIDS-Fälle HIV nicht direkt nachgewiesen werden. Außerdem kann HIV nicht in den Läsionen des Kaposi-Sarkoms isoliert werden und auch nicht in den Nervenzellen des Patienten, die unter der AIDS-Dementia leiden.

2. Postulat: Der Erreger sollte aus anderen Erregern und aus dem Körper des Wirts isoliert werden.

Die HIV-Mengen bei AIDS-Patienten sind typischerweise so niedrig, daß das Virus indirekt von dem Patienten isoliert werden muß. Dies geschieht, indem zuerst riesige Zellmengen von dem Patienten entnommen werden, bevor das Virus reaktiviert wird. Bei klassischen Krankheiten sind genug aktive Viren vorhanden, um direkt aus dem Blut oder dem betroffenen Gewebe isoliert werden zu können; zwischen einer Million bis einer Milliarde Viruseinheiten pro Milliliter Körperflüssigkeit können in der Zeit nachgewiesen werden, in der die meisten Viren Krankheiten verursachen, und Viren derselben Klasse wie HIV werden in einer Menge von 100.000 bis 10 Millionen Einheiten pro Millimeter gefunden. 1-UV dagegen wird meistens in weniger als fünf Einheiten und nie in mehr als ein paar Tausend Einheiten pro Milliliter Blutplasma isoliert.

3. Postulat: Der Erreger muß die gleiche Krankheit erzeugen, wenn er einem gesunden Wirt injiziert wird.

HIV wurde in Experimenten Schimpansen injiziert und hat keine Krankheit verursacht. Auch bei zufälligen Injektionen bei Menschen, die im Gesundheitswesen tätig sind, kam es nicht zum Krankheitsausbruch, obwohl diese Wirte erfolgreich infiziert wurden. Wenn aus ethischen oder anderen Gründen dieses dritte Postulat nicht auf einen bestimmten Erreger hin überprüft werden kann, müssen starke, alternative Beweise durch spezifische Therapien geliefert werden, die die Mikrobe neutralisieren und dadurch die Krankheit verhindern; zu derartigen Therapien zählen Antibiotika oder Schutzimpfungen. Therapien oder Antikörper gegen HIV haben jedoch AIDS-Erkrankungen nicht verhindern können, obwohl ständig neue Medikamente und Impfstoffe vorgeschlagen werden.

4. Postulat: Derselbe Erreger sollte beim neuerkrankten Wirt zu gewinnen sein.
Bis das dritte Postulat erfüllt werden kann, ist das vierte irrelevant.

Die Tatsache, daß die Kochschen Postulate nicht erfüllt werden, wirft die Frage auf, ob AIDS überhaupt infektiös ist. Die Kochschen Postulate sind die Standardkriterien bei der Ermittlung von Krankheitsverursachern. Wenn sie nicht erfüllt werden, müssen starke, alternative Beweismittel vorgelegt werden, um die Hypothese eines infektiösen Verursachers zu unterstützen.

Die Last des Beweises liegt also bei jenen, die behaupten, daß HIV AIDS verursache, wie Beverly Griffin, die Direktorin der Abteilung für Virologie an der Royal Postgraduate Medical School in London, bemerkte. Diese Last ist für die Befürworter der HIV-Hypothese besonders schwer, wenn man bedenkt, welche speziellen Merkmale HIV zugesprochen wurden, um es mit AIDS in Verbindung zu bringen. Zuerst mußte man bei dem Virus von einer Latenzzeit von mehreren Jahren zwischen der Infektion und AIDS ausgehen. Aber wenn Krankheiten erst Jahre nach der Infektion mit einem Virus ausbrechen, kann man nicht mit Sicherheit sagen, ob nicht statt dessen andere Risikofaktoren die Krankheit verursacht haben. Auffällig ist außerdem, daß HIV in Läsionen nicht vorhanden ist. Daher mußten die Wissenschaftler die Hypothese aufstellen, daß das Virus die Krankheit im Körper durch indirekte Mittel verursacht, obwohl für derartige Auffassungen die Beweise ganz fehlen. Durch derartige Erfindungen läßt sich praktisch jede Mikrobe für jede Krankheit verantwortlich machen.

Paradoxa in der Definition

Ein zweiter Satz von Kritikpunkten an der HIV-Hypothese betrifft die klinische Definition von AIDS. Zu dieser Definition zählt eine Liste, die 1987 vom CDC für etwa 25 konventionelle Krankheiten geschaffen wurde; wenn eine dieser Krankheiten diagnostiziert und bei demselben Patienten Antikörper gegen HIV gefunden werden, wird die Diagnose AIDS gestellt. Die Krankheitsliste führt nicht nur das Kaposi-Sarkom und die P.carinii-Pneumonie auf, sondern auch Tuberkulose, die Cytomegalovirus-Infektion, Herpes, Diarrhöe, Candidiasis, Lymphom, Dementia und viele andere Krankheiten. Wenn eine dieser sehr unterschiedlichen Krankheiten allein gefunden wird, wird sie wahrscheinlich unter ihrem klassischen Namen diagnostiziert. Wird dieselbe Krankheit zusammen mit Antikörpern gegen HIV gefunden, bezeichnet man sie als AIDS. Die Korrelation zwischen AIDS und HIV ist daher ein Kunstprodukt der Definition selbst.

Ein weiteres Problem mit dieser Definition ist wie ein einzelnes Virus zu einem solch unterschiedlichen Spektrum an Krankheiten führen kann. Harry Rubin, Biologe an der Universität von Kalifornien in Berkeley, ist einer von mehreren andersdenkenden Wissenschaftlern, die argumentieren, daß diese Krankheiten nie hätten zusammen gruppiert werden dürfen und daß man keine neue Mikrobe brauche, um das Auftreten dieser alten Krankheiten in den letzten Jahren unter AIDS-Patienten, die durch ihr Verhalten einer Risikogruppe angehören, zu erklären.

Die logische Grundlage für eine Kombination dieser separaten Krankheiten in einem einzelnen Syndrom ist die Annahme, daß ihnen allen eine einzelne Ursache zugrunde liegt: ein Immunitätsmangel, der angeblich durch HIV verursacht wird. Das Versagen des Immunsystems kann jedoch einige der Krankheiten auf der AIDS-Liste, speziell die Krebserkrankungen und die Dementia, nicht erklären. Obwohl viele Wissenschaftler immer noch hoffen, Möglichkeiten zur Krebsbekämpfung über das Immunsystem zu finden, zeigt die experimentelle Arbeit seit langem, daß Krebserkrankungen bei einem vorhandenen Immunitätsmangel nicht unbedingt zunehmen. Schließlich kann das Immunsystem nur fremde Partikel bekämpfen, Krebszellen sind jedoch Teil des Körpers des Patienten. Die Dementia wird ebenfalls nicht direkt durch das Immunsystem verhindert, da Antikörper normalerweise das Hirngewebe nicht erreichen. Mikroben, die in das zentrale Nervensystem eindringen, können sich selbst bei einem völlig gesunden Individuum ohne Einmischung des Antikörper-Schutzes frei vermehren. HIV muß also viel mehr tun als nur das Immunsystem erschöpfen; es müßte Neuronen zerstören und bestimmte andere Zellen krebsartig machen und gleichzeitig Immunzellen abtöten oder deren Wachstum verhindern. In der Tat würde jede AIDS-Mikrobe vor denselben Schwierigkeiten stehen.

Eine geringe Menge an nachweisbaren Viren

Eine dritte Schwierigkeit der HIV-Hypothese besteht darin, daß es bei AIDS-Patienten nur sehr wenige nachweisbare Viren gibt. Weniger als 1 unter 10000 T-Helferzellen des Wirts sind aktiv mit HIV infiziert, selbst nachdem die AIDS-Erkrankung ausgebrochen ist; außerdem wird die winzige Virenmenge, die von diesen wenigen Zellen produziert wird, durch dieselben antiviralen Antikörper neutralisiert, die beim « AIDS-Test» entdeckt werden. Weniger als 1 von 500 T-Zellen des Wirts enthalten latentes HIV, das nur gefunden werden kann, wenn man diese Zellen aus dem Körper isoliert und mit Zusammensetzungen, die helfen, diese latenten Viren aus den Zellen heraus zu reaktivieren, künstlich stimuliert. Durch die daraus resultierende Schwierigkeit und oft auch die Unmöglichkeit, HIV bei AIDS-Patienten zu isolieren, wird die Gegenwart von Antikörpern gegen das Virus zur einzig praktischen Grundlage für die Diagnose.

Es ist sehr schwer, sich vorzustellen, wie HIV das Immunsystem zerstören kann, obwohl es nie mehr als einen winzigen Bruchteil seiner Zellen infiziert. Selbst wenn jede infizierte Zelle getötet würde, entspräche die Zahl der verlorengegangenen T-Zellen immer nur etwa der Anzahl, die bei einer blutenden Schnittverletzung, etwa beim Rasieren, verloren geht. Derartige Verluste können unendlich lange aufgefangen werden, ohne Auswirkungen auf das Immunsystem zu haben, da der Körper ständig neue T-Zellen in viel höheren Zahlen produziert. Fast gar keine Reaktivierung des Virus tritt auf, wenn AIDS-Patienten krank werden, was unerklärt läßt, wie das Virus überhaupt eine Immununterdrückung verursachen kann und zudem noch nach einer so langen Latenzzeit. Wenn der Körper Antikörper gegen HIV produziert, ist das Virus für den Rest des Lebens auf niedrigem Niveau vorhanden, genau wie es bei allen Viren seiner Klasse der Fall ist. Dies würde erklären, warum es so schwierig ist, HIV zu übertragen; antikörper-positive Menschen haben fast keine Viren zu verbreiten.

Einige wenige Untersuchungen beschreiben Fälle von kurzen, grippeähnlichen Erkrankungen kurz nach der Infektion mit HIV, aber diese Patienten erholen sich relativ rasch wieder, sobald ihr Immunsystem Antikörper gegen HIV gebildet hat. Dies unterstreicht das Paradoxon: Wie kann ein inaktives Virus nach 10 Jahren eine tödliche Krankheit verursachen, wenn dasselbe Virus nur zu einer leichten Erkrankung führte, als es zum ersten Mal aktiv war?

Irreführende Tiermodelle

Mehrere Virologen wiesen auf ein viertes Paradoxon der HIV-Hypothese hin. HIV gehört zu einer Virenklasse, die als Retroviren bezeichnet werden. Diese sind von ihrer Struktur her sehr einfach und enthalten viel weniger genetische Informationen als die meisten anderen Viren. Die meisten Virenarten sind lytisch, das heißt, sie töten die Zellen, die sie infizieren und verursachen auf diese Weise Krankheiten. Retroviren hingegen töten im allgemeinen die Zellen nicht. Nach der Infektion der Zellen kopieren sie ihre genetische Informationen in die DNS der neuen Wirtszellen hinein. Von diesem Punkt an hängt das Leben der Retroviren davon ab, daß sie ihre Wirtszellen weiterleben lassen, während sie langsam neue Viruspartikel produzieren, die von der Zelle ausgestoßen werden. Retroviren sind daher als Verursacher ernster Krankheiten klägliche Kandidaten, speziell von tödlichen Krankheiten wie beispielsweise AIDS, bei denen es zum Tod von riesigen Zellenmengen kommt. Tatsächlich hat man 50 bis 100 latente Retroviren in der DNS aller Menschen gefunden, die seit Bestehen der Menschheit an jede nachfolgende Generation weitergegeben werden.

Frühere Untersuchungen von Harry Rubin haben gezeigt, daß Retroviren Zellen, die sich nicht teilen, nicht infizieren können. Die Neuronen im menschlichen Gehirn teilen sich nach dem ersten Lebensjahr nicht mehr, daher kann HIV diese Zellen keinesfalls infizieren. Dies würde erklären, warum HIV nicht aus diesen Zellen isoliert wurde, und bestätigt die Schwierigkeit, vor der es bei der Verursachung einer Dementia stehen würde.

Harvey Bialy, Herausgeber der Fachzeitschrift Bio/Technology, argumentiert, daß die einfache genetische Struktur von HIV sich nicht genug von der anderer Retroviren unterscheidet, um dieses angeblich andere Verhalten zu erklären. Die genetische Information, die von HIV weitergegeben wird, ist für Retroviren nicht ungewöhnlich; es enthält keine Gene, die sich stark genug von den Genen anderer Retroviren unterscheiden, um ein mögliches « AIDS-Gen» zu sein. Außerdem braucht HIV all seine genetische Informationen auf, wenn es zum ersten Mal infiziert und bewahrt keine Informationen auf, um sie Jahre später zu verwenden. Mit anderen Worten, es gibt keinen denkbaren Grund, warum HIV 10 Jahre nach der ursprünglichen Infektion AIDS verursachen sollte und nicht schon am Anfang, wenn es vom Immunsystem noch nicht überprüft wurde.

Bialy weist auch auf die falschen Interpretationen von Tiermodellen hin. AIDS bei Affen ähnelt beispielsweise nicht der AIDS-Erkrankung des Menschen. Bei den Tieren entwickelt sich kein großes Spektrum an Krankheiten, auch leiden sie nicht unter Krankheiten, die im entferntesten an das Kaposi-Sarkom oder die Dementia erinnern. Es besteht keine lange Latenzzeit zwischen der Infektion mit dem Simian Immunodeficiency Virus (dem Immundefizienzvirus des Affen) und dem Ausbruch der Krankheit. Die Tiere erkranken innerhalb von Tagen oder Wochen nach der Infektion oder überhaupt nicht. Die Krankheit, die sich durch solche Viren manchmal bei diesen Tieren entwickelt, ähnelt eher den grippeähnlichen Erkrankungen, die man bisweilen bei Menschen kurz nach einer HIV-Infektion beobachtet hat. Solche Viren verursachen tödliche Krankheiten beim Tier nur dann, wenn sie in großen Mengen vorhanden sind, und nur bei stark anfälligen, durch Inzucht gezüchteten Tieren, die unter Laborbedingungen leben.

Obwohl der Glaube weitverbreitet ist, daß bestimmte Retroviren nach langen Latenzzeiten bei Schafen, Ziegen und Pferden andere tödliche Krankheiten verursachen, findet man diese Viren tatsächlich in der Mehrheit aller gesunden Tiere. Nur eine kleine Anzahl der Tiere erkrankt tatsächlich an derartigen Krankheiten, was die Rolle dieser Viren in Zweifel zieht.

HIV ohne AIDS

Die Argumente, die am häufigsten zur Verteidigung der HIV-Hypothese angeführt werden, betreffen die Epidemiologie, die wissenschaftliche Untersuchung der Ausbreitung von Krankheiten.

Heute besteht die häufigste Methode bei der Suche nach einer Krankheitsursache in der Epidemiologie darin, die Korrelationen zu finden, die zwischen Phänomenen und ihren möglichen Ursachen bestehen. Die einzige, wissenschaftlich schlüssige Methode ist die kontrollierte Studie, in der zwei Gruppen von Menschen für jeden potentiell wichtigen Faktor, die mögliche Ursache allerdings ausgenommen, aufeinander abgestimmt werden. Die beiden Gruppen werden dann verglichen, um festzustellen, ob eine Gruppe sich eher mit der Krankheit ansteckt. Zur Unterstützung der HIV-Hypothese wurde nur die unkontrollierte Epidemiologie zitiert. Die Gegner der Virus AIDS-Hypothese weisen jedoch auf eine Reihe von Paradoxa in der unkontrollierten Epidemiologie hin.

Beweise deuten immer stärker darauf hin, daß viele Menschen, die mit HIV infiziert sind, wahrscheinlich die Mehrheit, nie an AIDS erkranken werden. 1986 schätzte das CDC das Ausmaß der HIV-Infektion in den USA auf 1 bis 1,5 Millionen Fälle. Die Zahl wurde in den letzten Monaten im Nachhinein zu einer Schätzung von 750.000 HIV-positiven Amerikanern im Jahr 1986 abgeschwächt, und für heute geht man von etwa einer Million Fällen aus. Diese Korrektur beruht einfach auf Rückrechnungsmodellen; da weniger AIDS-Fälle als erwartet aufgetreten sind, kam das CDC zu dem Schluß, daß weniger Menschen mit HIV infiziert gewesen sein müssen, als die erste Schätzung stattfand. Bei 130.000 Amerikanern wurde in den letzten zehn Jahren AIDS diagnostiziert, das sind weniger als 15 Prozent der neugeschätzten Zahl HIV-positiver Amerikaner.

AIDS scheint jetzt abzuflachen. Michael Fumento, Autor von The Myth of Heterosexual AIDS, aber kein Gegner der HIV-Hypothese, hat darauf hingewiesen, daß die AIDS-Diagnosen Ende 1987 zurückgegangen sind. Eine Untersuchung, die in der Ausgabe des Journal of the American Medical Association vom 16. März 1990 veröffentlicht wurde und die auf einem mathematischen Modell des AIDS-Wachstums basierte, kam zu dem Schluß, daß dieses Syndrom 1988 abgeflacht ist.

Aufgrund dieser Trends entsteht eine ungeheure Lücke zwischen der großen Zahl an Menschen, die schätzungsweise mit HIV infiziert sind, und den relativ wenigen, die tatsächlich an AIDS erkranken. Um eine Erklärung für diese Diskrepanz zu finden, hat das CDC langsam die Schätzung der Latenzzeit zwischen der HIV-Infektion und der AIDS-Diagnose von drei oder vier Jahren bis auf zur Zeit 10 Jahre erhöht. Grob gesehen wird für jedes vergangene Jahr ein zusätzliches Jahr zu dieser Latenzzeit hinzugerechnet.

Afrikas Epidemie, die keine ist

Die Situation in Afrika ist sogar noch rätselhafter und wirft weitere Zweifel bei der HIV-Hypothese auf. Der Großteil der Veröffentlichungen in den amerikanischen Medien über AIDS in Afrika bezieht sich auf die Vielzahl der HIV-Infektionen, nicht auf die Verbreitung von AIDS-Fällen an sich. Obwohl die HIV-Infektion sehr weitverbreitet zu sein scheint und in vielen Gebieten bei 10 bis 15% der Bevölkerung vorhanden ist, beläuft sich die Gesamtzahl der bisher gemeldeten AIDS-Fälle in ganz Afrika nur auf 41.000 Betroffene. Anhänger der HIV-Hypothese argumentieren oft, daß diese geringe Zahl darauf zurückzuführen ist, daß nicht alle AIDS-Fälle gemeldet werden. Aber selbst in Uganda, das den Ruf hat, Krankheitsfälle sehr gewissenhaft zu registrieren, sind 800.000 Menschen HIV-positiv, es wurden jedoch nur 10.000 Menschen gemeldet, die an AIDS gestorben sind. In einem Vortrag und in einem ihn begleitenden Leitartikel in der Ausgabe der britischen Medizinerzeitschrift The Lancet vom 25.Juli 1987wurde argumentiert, daß AIDS in Afrika eigentlich keine große Epidemie sei; die Abhandlung wurde von Felix Konotey-Ahulu, einem Arzt am Cromwell Hospital in London geschrieben, der gerade von einer ausgedehnten Forschungsreise aus den Gebieten Afrikas zurückgekehrt war, in denen es die meisten AIDS-Fälle gibt.

In Haiti liegt die Sache ähnlich. In einem Land, in dem die HIV-Infektion stark grassieren soll, wurden nur 2300 AIDS-Fälle gemeldet. Selbst wenn diese Zahl nicht der Gesamtzahl entspricht, ist das Auftreten von AIDS viel geringer, als durch die HIV-Hypothese vorhergesagt wird.

Es wurden keine kontrollierten Untersuchungen durchgeführt, um festzustellen, ob HIV AIDS verursacht. Eine einigermaßen kontrollierte Untersuchung von 19 Blutern wurde in der Ausgabe des Journal of Allergy and Clinical Immunology vom Januar 1989 veröffentlicht. In ihr wurden die Patienten mit HIV-Antikörpern mit jenen ohne Antikörper verglichen. Die Forscher fanden in der Immunschwäche zwischen diesen beiden Gruppen keinen Unterschied, obwohl das Sample zu klein war, um feste Schlüsse daraus ziehen zu können.

Zufällige Infektionen von Menschen mit HIV, die nicht durch spezifisches Risikoverhalten verursacht werden, sind besonders aufschlußreich. Etwa 19 im Gesundheitswesen Beschäftigte in den USA wurden vermutlich durch zufällige Nadelstiche oder andere medizinische Verletzungen mit HIV infiziert. Diese Vermutung basierte auf der Unfähigkeit, in diesen Fällen andere Übertragungsarten zu identifizieren. Von einem dieser Betroffenen wurde 1988 berichtet, daß er an AIDS erkrankt sei, aber die Diagnose wurde kurz darauf wieder geändert, nachdem der Patient sich spontan erholt hatte. Jetzt behauptet das CDC, daß zwei dieser Betroffenen an AIDS erkrankt seien; es wurden jedoch keine Daten veröffentlicht, die diese Behauptung bestätigen. Es gibt also immer noch keine bestätigten AIDS-Fälle unter Beschäftigten des Gesundheitswesens nach einer zufälligen Infektion mit HIV, während die HIV-Hypothese voraussagt, daß die meisten dieser Infizierten jetzt an AIDS erkrankt sein müßten.

AIDS-Krankheiten ohne HIV

Eine kritische Frage bei der Rolle von HIV ist, wie es mit den verschiedenen AIDS-Krankheiten in Zusammenhang gebracht wird. Der Eindruck, daß viele der AIDS-Krankheiten vor 1980 äußerst selten waren und nur durch die angenommene Einschleppung von HIV wieder auftraten, scheint weitverbreitet zu sein. Tatsächlich sind nicht nur alle 25 AIDS-Krankheiten jahrzehntelang bei einer geringen Zahl der Bevölkerung aufgetreten - HIV-freie Fälle derselben Krankheiten werden auch heute noch diagnostiziert. Diese Krankheiten wachsen sogar parallel mit ihren Gegenstücken, die mit HIV in Zusammenhang gebracht werden. Ein Brief von CDC-Forschern in der Ausgabe des Lancet vom 20. Januar berichtet von männlichen Homosexuellen, die unter dem Kaposi-Sarkom leiden, aber nicht HIV-infiziert sind. Robert Root-Bernstein, ein MacArthur-Fellow und planmäßiger außerordentlicher Professor an der Michigan State-Universität, veröffentlichte ebenfalls einen Aufsatz im Lancet vom 25. April, in dem er die' vorhandene Literatur auf das Auftreten des Kaposi-Sarkoms vor AIDS überprüfte. Seit dem ersten Auftreten dieser Krankheit im Jahr 1872 wurden jedes Jahr eine Reihe von Fällen in den USA und Europa gemeldet. Bei vielen Fällen handelte es sich um Menschen unter fünfzig und sogar um Kinder - die Krankheit trat also nicht nur bei Männern auf, wie ursprünglich angenommen wurde. Eine Reihe dieser Fälle wurden mit Bluttransfusionen in Verbindung gebracht oder mit Lungenentzündungen, obwohl bei vielen offenbar kein Zusammenhang mit anderen Krankheiten bestand. Root-Bernstein kam zu dem Schluß, daß in den siebziger Jahren etwa 100 amerikanische Fälle des Kaposi-Sarkoms als AIDS hätten diagnostiziert werden können. Das Kaposi-Sarkom war jedoch keine Krankheit, die vor AIDS meldepflichtig war, und daher wurden diese Fälle nicht erkannt. Das Kaposi-Sarkom rückte erst in den Mittelpunkt des Interesses, als es in den Jahren 1980/81 gehäuft unter jungen homosexuellen Männern auftrat.

Eine ähnliche Situation finden wir bei der P.carinii-Pneumonie. Diese Krankheit wurde zum ersten Mal 1911 erkannt und kann einen überraschend großen Prozentanteil der Bevölkerung affizieren; eine Untersuchung von Europäern aus dem Jahr 1973 kam zu dem Schluß, daß bei einer Autopsie bei 1 bis 10% der Bevölkerung diese Art der Lungenentzündung nachgewiesen werden konnte. Oft wurde die P.carinii-Pneumonie mit der Bluterkrankheit, Tuberkulose, der Cytomegalovirus-Infektion, Geschlechtskrankheiten und Unterernährung in Verbindung gebracht. Bei Patienten, die Transplantate erhalten, eine Therapie mit starken Antibiotika oder eine Chemotherapie bei Krebs durchmachen, tritt diese Krankheit ebenfalls in hohem Maße auf. Die meisten Fälle wurden jedoch mit Unterernährung und nicht so sehr mit zu grunde liegenden Infektionskrankheiten in Verbindung gebracht. Bis zu den achtziger Jahren wurde diese Krankheit meistens nur bei einer Autopsie diagnostiziert; dies und die Verfügbarkeit von Medikamenten zur Behandlung der P.carinii-Pneumonie in den siebziger Jahren führte zu der geringen Registrierung dieser an sich nicht ungewöhnlichen Krankheit. Die P.carinii-Pneumonie wurde bei der Diagnose wahrscheinlich bisher auch mit anderen Arten der Lungenentzündung verwechselt. Erleichterungen bei der Diagnose und das gehäufte Auftreten dieser Krankheit unter aktiven Homosexuellen spielte eine große Rolle dabei, mit dem Auftreten von AIDS die Aufmerksamkeit erneut auf diese Krankheit zu konzentrieren.

Root-Bernstein hat ähnliche Daten für die Cryptococosis, die Cytomegalovirus-Infektion und die progressive multifokale Leukoenzephalopathie vor der AIDS-Epidemie gesammelt.

Die merkwürdige Verteilung der AIDS-Krankheiten

Gordon Stewart, emeritierter Professor für das Gesundheitswesen an der Universität Glasgow, betrachtet die fortgesetzte Beschränkung von AIDS auf sehr ausgewählte Risikogruppen selbst 10 Jahre nach der ersten AIDS-Diagnose als eine der größten epidemiologischen Schwächen der HIV-Hypothese. Die Verteilung der AIDS-Krankheiten und der HIV-Infektion sind miteinander nicht vereinbar.

Obwohl AIDS in Afrika zwischen Männern und Frauen gleichmäßig verteilt ist, werden über 90% der AIDS-Fälle in den USA immer noch bei Männern diagnostiziert. Dieser Anteil hat sich nicht verändert, seit AIDS zum ersten Mal definiert wurde. Dieses Paradoxon wird durch eine Untersuchung in der Ausgabe des Journal of the American Medical Association vom 18. April betont bei der über eine Million Jugendliche, die sich zwischen 1985 und 1989 zum Militär gemeldet hatten, untersucht wurden. In der größten Untersuchung ihrer Art, die bisher veröffentlicht wurde, war der Anteil von Männern mit Antikörpern gegen HIV identisch mit dem Anteil infizierter Frauen, obwohl für dieses Lebensalter AIDS bei viermal so vielen Männern wie Frauen diagnostiziert wird. Das bedeutet also, daß Männer mit HIV eher als Frauen an AIDS erkranken, obwohl sie dasselbe Virus haben.

Die Jahresrate, mit der HIV-positive Menschen Krankheiten entwickeln, die als AIDS diagnostiziert werden, ist unter den verschiedenen Risikogruppen sehr unterschiedlich. Die Jahresrate unter HIV-positiven Amerikanern mit Risikoverhalten oder mit der Bluterkrankheit schwankt zwischen 2 und 25 Prozent. Obwohl Dreiviertel der amerikanischen Bluter HIV-positiv sind, wurde nur bei 6% von ihnen während der letzten zehn Jahre AIDS diagnostiziert.

Die Gesamtzahl von AIDS-Diagnosen unter amerikanischen Kindern, die Bluttransfusionen erhalten, wächst immer weiter. So wurden 1989 40 neue Fälle gemeldet, obwohl vor vier Jahren eine drastische Reduzierung der HIV-Übertragung durch die Blutkonserven stattgefunden hat. Dies ist mit der Latenzzeit von zwei Jahren, die AIDS angeblich bei diesen Kindern hat, nicht vereinbar.

Beschäftigte des Gesundheitswesens, von denen man annehmen würde, daß sie ein mehr als durchschnittlich hohes Risiko haben, sich mit HIV zu infizieren, stellen eine weitere Anomalie dar: Dreiviertel von ihnen sind Frauen, aber dennoch handelt es sich bei über 90% der an AIDS erkrankten Beschäftigten um Männer. Noch merkwürdiger ist die Tatsache, daß 95% von ihnen unter dieselben Risikogruppen fallen wie 95% aller anderen AIDS-Fälle.

Neben der unbeständigen Verteilung von AIDS als Syndrom entwickeln sich spezifische AIDS-Krankheiten größtenteils auch bei spezifischen Risikogruppen. Dies geschieht, obwohl diese Gruppen alle mit demselben Virus infiziert sind.

So findet man beispielsweise das Kaposi-Sarkom in den USA fast ausschließlich bei homosexuellen Männern. Das Kaposi-Sarkom unterscheidet sich weiter dadurch, daß es die einzige AIDS-Krankheit ist die seit mehreren Jahren im Abnehmen begriffen ist, während die anderen weiter zunehmen. Die P.carinii-Pneumonie andererseits wurde bei einer wachsenden Zahl aller AIDS-Fälle in den USA diagnostiziert. Bei den AIDS-Krankheiten bei Kindern handelt es sich um typische Kinderkrankheiten, einschließlich Tuberkulose, Lungenentzündung und verschiedene bakterielle Infektionen. In Afrika ist die vorherrschende AIDS-Krankheit eine Schwindsucht, die oft als «Schlankheits-Krankheit» bezeichnet wird. Obwohl diese Krankheit auch bei einigen AIDS Patienten in den USA auftritt ist sie keinesfalls so gleichbedeutend mit AIDS wie in Afrika.

Ein alarmierendes Eingeständnis von Montagnier

Die neuesten Entwicklungen signalisieren den Beginn eines Rückzugs der Anhänger der HIV-Hypothese. Ein alarmierendes Eingeständnis von Luc Montagnier, dem französischen Entdecker von HIV, wurde in der Ausgabe von Research in Virology im März 1990 veröffentlicht. Montagnier demonstrierte schlüssig, daß HIV T-Zellen in angelegten Kulturen nicht töten kann, was im Gegensatz zu früheren Argumenten steht, die von den Anhängern der HIV-Hypothese geltend gemacht wurden.

In demselben Aufsatz schrieb Montagnier zum ersten Mal, daß HIV allein die Krankheit nicht verursachen könne; er erwähnte die Möglichkeit, daß auch eine nichtidentifizierte Bakterie damit zu tun haben könne. Seitdem hat er sich dem Vorschlag von Shyh-Ching Lo vom U.S. Armed Forces Institute of Pathology angeschlossen, der in der Science-Ausgabe vom 11. Mai 1990 argumentierte, daß seine neuentdeckte Bakterie Mycoplasma incognitus bei AIDS eine Rolle spielen könne. Montagnier ist heute der Meinung, daß HIV und die Bakterie gemeinsam die Krankheit verursachen. Alle Mykoplasmen würden jedoch zum Großteil denselben Schwierigkeiten wie HIV gegenüberstehen: Es würde nicht den vollen Satz an AIDS-Krankheiten verursachen, es hätte AIDS schon in der allgemeinen Bevölkerung verbreitet und, was am wichtigsten ist, dieses eine Mykoplasma unterscheidet sich nicht stark genug von anderen Arten, daß solch ungewöhnliche Fähigkeiten gerechtfertigt wären. Mykoplasmen treten als Erreger recht häufig auf, sie existieren in der gesamten Bevölkerung und sind verantwortlich für etwa ein Drittel aller leichten Lungenentzündungen, an denen Menschen bisweilen erkranken. HIV und M.incognitus werden wahrscheinlich bald als gemeinsame Faktoren bei der Verursachung von AIDS bezeichnet werden, aber dies wäre einfach eine Erfindung, um die Lücken in den Theorien schließen zu können, die eine Mikrobe für AIDS verantwortlich machen.

Die wahrscheinlich spektakulärste Untersuchung über AIDS in der letzten Zeit wurde am 20.Januar 1990 in der Lancet veröffentlicht. Forscher des CDC kamen zu dem Schluß, daß das Kaposi-Sarkom doch nicht durch HIV verursacht wird. Die Grundlage für diesen Schluß war die Tatsache, daß das Kaposi-Sarkom unter den AIDS-Risikogruppen einfach nicht gleichmäßig genug verteilt ist und daß HIV-freie Fälle bei Homosexuellen, die am Kaposi-Sarkom erkrankt sind, in den USA diagnostiziert werden, Argumente, die bereits früher von dem Autor dieses Artikels geltend gemacht wurden. Obwohl die grundlegenden Daten in diesem Aufsatz nicht neu sind, zeigt dieses alarmierende Eingeständnis von CDC-Epidemiologen zum ersten Mal, daß HIV offiziell als Ursache von AIDS in Frage gestellt wurde, obwohl das CDC das Kaposi-Sarkom immer noch nicht von der Krankheitsliste in der AIDS-Definition gestrichen hat. Dennoch hat die Veröffentlichung dieses Aufsatzes möglicherweise die Tür für weitere Untersuchungen geöffnet die feststellen können, ob HIV für andere AIDS-Krankheiten verantwortlich ist und ob diese Krankheiten wirklich als einzelnes Syndrom zusammengehören.

Die Risiko-AIDS-Hypothese

Wenn eine Reihe von Wissenschaftlern und Ärzten nicht glauben, daß HIV irgendeine bedeutende Rolle bei AIDS spielt was halten sie dann für die wahre Ursache? Zum größten Teil können die alternativen Ansichten über AIDS als «Risiko-Hypothese» zusammengefaßt werden - dieser Hypothese zufolge handelt es sich bei den AIDS-Erkrankungen um völlig getrennte Krankheiten, die von einer Vielzahl von Faktoren verursacht werden, von denen den meisten gemein ist daß sie ein Risikoverhalten einschließen. Diese Theorie betrachtet AIDS nicht als übertragbare Krankheit.

Dennoch muß eine Risikohypothese das Ansteigen der verschiedenen AIDS-Krankheiten der letzten Zeit erklären und die Frage, warum sich diese in bestimmten Risikogruppen konzentriert haben. Während der letzten zehn Jahre hat sich das Auftreten dieser 25 konventionellen Krankheiten in Gruppen, in denen sie vorher selten waren, dramatisch gesteigert.

Das Kaposi-Sarkom ist wahrscheinlich die am klarsten verständliche AIDS-Krankheit. Wie oben bereits ausgeführt, ist sie in der Bevölkerung seit ihrer Entdeckung in geringer Zahl aufgetreten. Zweifellos spielen verschiedene, nicht identifizierte Faktoren beim Zustandekommen dieser Krankheit eine Rolle. Aber die relativ neue Anhäufung des Kaposi-Sarkoms unter Homosexuellen ist möglicherweise auf den gruppenspezifischen Gebrauch von Nitrit-Inhalationsmitteln oder «Poppers» zurückzuführen. Diese aphrodisische Droge wurde unter aktiven Homosexuellen in den siebziger Jahren populär. Der Gebrauch dieses Inhalationsmittels ließ nach, als es als mögliche Ursache für AIDS aufgeführt wurde, und dieser Verhaltensänderung folgte auch eine entsprechende Abnahme der Krankheitsfälle, die unter dem KaposiSarkom litten. Frühe Tests an Tieren haben diese Inhalationsmittel mit dem Kaposi-Sarkom ebenfalls in Verbindung gebracht. Der Nachweis der Gefahren von Nitrit-Inhalationsmitteln hat sogar den Kongreß 1988 veranlaßt, den Gebrauch derartiger Medikamente ohne Verschreibung nicht mehr zu gestatten. Obwohl diese Nitrite offiziell bei der Suche nach den Ursachen von AIDS fallengelassen wurden, da sie nicht mit allen AIDS-Krankheiten im Zusammenhang standen, sollten sie als spezifische Verursacher des Kaposi-Sarkoms unbedingt wieder in Betracht gezogen werden.

Bestimmte andere Krankheiten auf der AIDS-Liste, die nicht unbedingt eine Folge von Immunproblemen sind, scheinen bessere Erklärungen als HIV zu bieten. Die Dementia ist am wahrscheinlichsten das Ergebnis des ausgedehnten Gebrauchs von psychoaktiven Freizeitdrogen und/oder einer nicht diagnostizierten Syphilis; die gesteigerte sexuelle Aktivität scheint zu neuen Epidemien von Geschlechtskrankheiten, einschließlich Syphilis, geführt zu haben, die sich durch Tests nur schwer nachweisen lassen. Die Schwindsucht, die besonders bei afrikanischen AIDS-Patienten auftritt, ist eine endemische Krankheit, die durch starke Unterernährung und fehlende Hygiene auf dem gesamten Kontinent verursacht wird. Eine Vielzahl von Kriegen und totalitären Regimes in den letzten Jahren hat nur dazu gedient, diesen Zustand weiter zu verschlimmern. Die afrikanische Krankheit wurde bei der AIDS-Epidemie nur miteingeschlossen, weil HIV in der industriellen Welt bereits mit Krankheiten in Verbindung gebracht worden war und dasselbe Virus in Afrika endemisch gefunden wurde.

Zu den meisten AIDS-Krankheiten gehört ein gewisses Maß an Immunschwäche. Dieser Zustand wird durch viele verschiedene Faktoren verursacht. Drogenmißbrauch, besonders von Heroin, ist einer dieser Faktoren. Freizeitdrogen werden von aktiven Homosexuellen in den Bädern oft verwendet. Alkohol, Heroin, Kokain, Marihuana, Valium und Amphetamine sind Teil der Lebensgeschichte vieler AIDS-Patienten. In Verbindung mit regelmäßiger und langanhaltender Fehlernährung, wie sie bei vielen aktiven Homosexuellen und Heroinabhängigen häufig anzutreffen ist, kann dies zu einem völligen Irnmunitätszusammenbruch führen. Antibiotika, die in großen Mengen oder über lange Zeit hinweg eingenommen werden, schwächen das Immunsystem ebenfalls. Aktive Homosexuelle gehören zu den stärksten Benutzern. Sie nehmen oft jeden Abend TetrazykIine und andere Antibiotika, bevor sie ins Bad gehen.

Joseph Sonnabend, ein New Yorker Arzt, der 1983 die Zeitschrift AIDS Research gegründet hat, hat darauf hingewiesen, daß wiederholte, ständige Infektionen schließlich das Immunsystem überlasten und zu seinem Versagen führen können; noch schlimmer sind gleichzeitige Infektionen mit zwei oder mehr Krankheiten. Aktive Homosexuelle haben im allgemeinen nicht nur wiederholte Attacken des Gesamtspektrums der Geschlechtskrankheiten erlebt, sondern auch alle Formen der Hepatitis, Cytomegalovirus-Infektion, Epstein-Barr-Virusinfektion und verschiedener Protozoen-Infektionen. Häufig bestehen multiple Infektionen nebeneinander, oft sogar wiederholt.

Verhaltensweisen, die für den Körper traumatisch sind, können bei der Schwächung des Immunsystems eine große Rolle spielen. Die Praxis des «fisting» (das Einführen der ganzen Faust in den After) ist fast ausschließlich auf die homosexuelle Gemeinde beschränkt; sie kann genau wie der Analverkehr zu einer Verletzung des Mastdarms führen. Derartige Verletzungen führen dazu, daß viele infizierende Wirkstoffe Zugang in den Blutstrom haben.

Viele chirurgische Eingriffe unterdrücken aufgrund des Traumas selbst oder aufgrund der Anästhesie, durch eine immunitätsunterdrückende Chemotherapie oder durch Bluttransfusionen die Immunität. Tatsächlich ist die Immununterdrückung proportional zum Volumen des übertragenen Bluts. Diese Probleme erklären möglicherweise das Auftreten der AIDS-Krankheiten unter den Empfängern von Bluttransfusionen; mit oder ohne HIV-Infektion überlebt die Hälfte dieser Empfänger das erste Jahr nach der Transfusion nicht.

Fälle unter Blutern und Kindern

Natürlich stellt sich die Frage, warum Menschen, einschließlich Bluter und Kinder außerhalb dieser Gruppe, die durch ihr Verhalten gefährdet ist, einige der AIDS-Krankheiten entwickeln. Die Antwort liegt in den Risikofaktoren, die in der Öffentlichkeit zu wenig bekannt sind.

Die Bluterkrankheit war immer eine Krankheit mit tödlichem Ausgang. Neuere Fortschritte in der Medizin haben daran nur teilweise etwas geändert. Es werden nicht nur häufig Bluttransfusionen gebraucht, sondern die Blutgerinnungsfaktoren, die heute von Blutern verwendet werden, sind an sich etwas immunitätsunterdrückend. Interessanterweise hat die kontrollierte epidemiologische Untersuchung von Blutern, die oben zitiert wurde, Beweise gefunden, die die Vorstellung unterstützen, daß die Bluterkrankheit möglicherweise selbst eine an sich die Immunität schwächende Krankheit ist. In dem Fall von Ryan White, der heute oft als Beispiel für einen Todesfall durch AIDS zitiert wird, hat die Hemophilia Foundation of Indiana bestätigt, daß sein Tod auf Komplikationen wie Leberversagen und innere Blutungen zurückzuführen war, Krankheiten, die typischerweise aus der Bluterkrankheit selbst resultieren. Tatsächlich war White bereits schwer an der Bluterkrankheit erkrankt, so daß schließlich eine tägliche Blutgerinnungsfaktor-Therapie nötig war. Er unterzog sich auch einer täglichen AZT-Therapie, deren Gefahren unten untersucht werden.

Kinder, bei denen die Diagnose AIDS gestellt wird, haben ihre Krankheiten aufgrund einer Kombination der meisten oben beschriebenen Risikofaktoren entwickelt. Veröffentlichte CDC-Daten zeigen, daß etwa 95% dieser Babys von Müttern geboren werden, die registrierte Drogenabhängige sind und/oder Sexualpartner von HIV-Drogenabhängigen (was häufig ein Code-Wort für Prostituierte ist), oder die Babys sind selbst Bluter oder Empfänger von Bluttransfusionen. Das Risikoverhalten vieler ihrer Mütter hat diese Opfer erreicht, aber ihre Krankheiten werden als AIDS bezeichnet, wenn Antikörper gegen HIV vorhanden sind.

Schließlich sind die wenigen AIDS-Fälle, bei denen keine Risikofaktoren bestehen, auf die klinische Definition von AIDS zurückzuführen. Wenn Menschen, aus welchem Grund auch immer, an einer oder mehreren Krankheiten auf der AIDS-Liste erkrankt sind und bei ihnen HIV-Antikörper vorhanden sind, wird bei ihnen die AIDS-Diagnose gestellt. In vielen Fällen bedeutet das, daß diesen Patienten nicht genug konventionelle Therapien für die konventionellen Krankheiten angeboten werden. Statt dessen werden sie mit dem Medikament AZT behandelt.

Verhaltensänderungen in den siebziger Jahren

Die AIDS-Krankheiten und die Risikofaktoren, die sie verursachen, haben sich vor und während derselben Zeit gesteigert, als AIDS offiziell definiert wurde. Obwohl die Homosexualität älter als die Geschichtsschreibung ist, setzte mit der Befreiungsbewegung der Homosexuellen im Jahr 1969 eine Welle von verstärkter Aktivität bei vielen Homosexuellen ein. In den Großstädten wurden Bäder eröffnet, in denen sich sexuelle Promiskuität und Drogenmißbrauch explosiv steigerten. Die Zahl der sexuellen Kontakte einzelner Homosexueller gingen innerhalb von wenigen Jahren in die Hunderte und Tausende, und die oben diskutierten Krankheiten nahmen im selben Zeitraum an Häufigkeit ebenfalls zu. Chronische Krankheitsepidemien wurden zum medizinischen Merkmal der Homosexuellen in New York und San Francisco. Die Praxis des «fisting» scheint in den frühen siebziger Jahren entstanden zu sein, zusammen mit dem Gebrauch von Nitrit-Inhalationsmitteln.

Der Drogenmißbrauch in anderen Gruppen stieg zu Beginn der sechziger Jahre ebenfalls stark an. Seitdem hat sich der Gebrauch von Substanzen wie Heroin und Kokain ebenfalls mehrmals vervielfacht. Das National Narcotics Intelligence Consumers Committee berichtet, daß sich der Verbrauch von Kokain allein von 1978 bis 1988 verfünffacht hat. In derselben Zeit wurden immer größere Blutmengen für immer kompliziertere chirurgische Eingriffe verbraucht. Wenn man die dramatische Steigerung dieser Risikofaktoren in den Gruppen zugrundelegt, die an AIDS erkranken, hätte das Auftreten von jungen, homosexuellen Männern, die an mehreren Krankheiten erkrankt waren, in den Jahren 1980 und 1981 nicht überraschen sollen; in der Tat waren die ersten fünf Homosexuellen, bei denen dieses Syndrom 1981 diagnostiziert wurde, starke Konsumenten von Nitrit-Inhalationsmitteln, ein Anzeichen für das Risikoverhalten, das bei allen frühen AIDSFällen praktiziert wurde.

Die Risiko-Hypothese erklärt die vielen Paradoxa von AIDS und HIV. Wenn man AIDS nicht als eine einzelne Infektionskrankheit oder als Syndrom betrachtet, sondern vielmehr als eine Gruppe von Krankheiten mit verschiedenen Risikofaktoren, die zu jedem einzelnen Fall beitragen, werden die Schwierigkeiten der HIV-Hypothese gelöst:

- warum die Kochschen Postulate für HIV nicht erfüllt werden können;
- die langen und unbeständigen Latenzzeiten zwischen der HIV-Infektion und AIDS;
- warum HIV in der Lage wäre, das Immunsystem zu zerstören, obwohl es nie mehr als einen winzigen Bruchteil seiner Zellen infiziert;
- die Tatsache, daß HIV sich nicht genug von anderen Retroviren unterscheidet, um das angeblich unterschiedliche Verhalten zu erklären;
- das Vorherrschen von Männern bei AIDS-Fällen in den USA, das übereinstimmt mit dem Vorherrschen von Männern unter den stark Drogenabhängigen;
- das Vorhandensein von AIDS-ähnlichen Krankheiten ohne HIV;
- die Sättigung der Anzahl von AIDS-Fällen auf einem Niveau, das viel niedriger ist als die Anzahl von HIV-Infizierten;
- die enorme Verschiedenheit und Risikogruppen-Spezifität der einzelnen AIDS-Krankheiten; und
- warum kontrollierte Untersuchungen, auch wenn es nur wenige und unvollständige sind, keinen Unterschied im Krankheitsbild zwischen Menschen mit HIV und Menschen ohne HIV zeigen.

Statt dessen schlägt die Risiko-Hypothese vor, daß AIDS-Krankheiten auf die Explosion beim Drogenmißbrauch und mehrfachen Infektionen im Zusammenhang mit sexueller Promiskuität in bestimmten Sektoren der Bevölkerung zurückzuführen ist. Die Bluterkrankheit ist ein separat bestehender Risikofaktor.

Die Risiko-Hypothese erklärt auch die grobe Korrelation zwischen der HIV-Infektion und der Entwicklung verschiedener Krankheiten; da HIV schwer zu übertragen ist, ist es natürlich zu einem stellvertretenden Anzeiger für Risikoverhalten geworden. Die Menschen mit den meisten Risiken sind oft jene, die eine solch inaktive Mikrobe am wahrscheinlichsten verbreiten.

Die Giftigkeit von AZT

Wenn die Virus- AIDS-Hypothese falsch ist und die Risiko-Hypothese richtig, lassen sich daraus mehrere wichtige Schlüsse ziehen. Der wichtigste betrifft die aktuelle Therapie, die für AIDS offiziell zugelassen ist, das Medikament Zidovudin (AZT). Man hofft, daß AZT die Vermehrung von HIV beim Wirt verhindert, indem das Kopieren der DNS innerhalb der Zellen verhindert wird. Dabei tötet dieses Medikament jedoch auch alle anderen wachsenden Zellen beim Patienten aktiv ab; zu den wichtigsten zählen dabei die Zellen des Immunsystems. Dies ist in Anbetracht der Risiko- AIDS-Hypothese tödlich: Die Hemmung von HIV erreicht nichts, während AZT genau die Immununterdrückung herbeiführt, die es eigentlich verhindern soll. Die Effektivität von AZT bei dieser Aufgabe wird durch die Tatsache demonstriert, daß das Medikament in den sechziger Jahren ursprünglich dafür vorgesehen war, Krebserkrankungen des Immunsystems zu bekämpfen, indem die sich schnell vermehrenden krebsartigen Immunzellen getötet wurden; AZT wurde schließlich zu den Akten gelegt, weil behandelte Mäuse, die an Leukämie litten, in Laboruntersuchungen genauso schnell starben wie jene, die kein AZT erhielten. Einige Symptome der Giftigkeit von AZT, beispielsweise Muskelerkrankungen und Anämie, ähneln denen voll entwickelter AIDS-Fälle.

In zwei veröffentlichten klinischen Studien wurde behauptet, daß AZT den Verlauf von AIDS verlangsame, aber die Untersuchungen wurden beide beendet, als man zu unterschiedlichen Resultaten bei den behandelten und unbehandelten Gruppen kam. Einige Wissenschaftler stehen diesen Untersuchungen skeptisch gegenüber, teilweise weil das Doppelblind-Protokoll zusammengebrochen ist: Aufgrund der unmittelbaren Giftigkeit von AZT hatten Ärzte und Patienten zum Teil bereits herausgefunden, wer AZT erhielt und wer die Placebo. Trotz dieser entkräftenden Fehler wurden die Untersuchungen veröffentlicht, und AZT wurde nach der ersten Untersuchung schnell von der amerikanischen Zulassungsbehörde für Medikamente zugelassen. Interessanterweise hat sich bei einer neuen Untersuchung der Veterans Administration, zitiert in der Journal of the American Medical Association - Ausgabe vom 23./30. März 1990, kein Unterschied bei den langfristigen Todesraten zwischen Patienten, die mit AZT behandelt wurden, und jenen, die die Placebo erhielten, ergeben. Einige Forscher in Großbritannien und Frankreich bezweifeln die Effektivität von AZT ebenfalls, wie in demselben IAMA-Artikel erwähnt wurde.

Trotz seiner Giftigkeit sind die meisten Ärzte, die das Medikament einsetzen, der Meinung, daß es bei der Erleichterung der Symptome der AIDS-Krankheiten zu einigen kurzfristigen Verbesserungen beitrage. Dies mag aus zwei Gründen zutreffen: Da AZT sich teilende Zellen unspezifisch vernichtet, tötet es wahrscheinlich Krebszellen und parasitäre Bakterien zur selben Zeit wie die Zellen des Immunsystems beim Wirt; aber während AZT zeitweise die opportunistischen Krankheiten bekämpft, wird es aufgrund des Raubbaus am Immunsystem und an anderen wichtigen Zellen für den Patienten schwieriger, spätere Krankheiten zu bekämpfen. Der andere Grund für einen scheinbaren Vorteil von AZT liegt in der Beobachtung, daß viele Patienten bei diesem Medikamentenexperiment kurzfristige Steigerungen bei den Zellen ihres Immunsystems erleben. Dies ist jedoch nur ein zeitweiliger Pseudovorteil; wenn der Körper zu Anfang einem Giftstoff ausgesetzt ist, der die Blutzellen dezimiert, setzt eine Kompensationsreaktion ein, bei der große Mengen an neuen Blutzellen produziert werden, die die vergifteten ersetzen. Das vorübergehende Ansteigen in allen Blutzellen, einschließlich der Immunzellen, ist wahrscheinlich das Ergebnis der Körperreaktion auf AZT, die sich beim fortgesetzten Gebrauch des Medikaments schließlich als wirkungslos erweist.

Bundesbehörden fördern und finanzieren jetzt sogar die Anwendung dieses Medikaments nicht nur für voll entwickelte AIDS-Fälle, sondern auch für Menschen ohne Symptome, einschließlich schwangeren Müttern und Kindern; etwa 50.000 Menschen weltweit erhalten diese Behandlung. Viele andere AIDS-Therapien, die zur Zeit in Betracht gezogen werden, beispielsweise das neue Medikament ddI (Dideoxy-Inosin) funktioniert im Grunde auf dieselbe Weise. Selbst wenn die HIV-Hypothese richtig wäre, wäre diese Methode irrational, da HIV inaktiv ist, wenn AZT verabreicht wird.

Fehlgeleitete Programme

Die Risiko- AIDS-Hypothese stellt auch die Richtung des aktuellen AIDS-Erziehungsprogramms in Frage. Kondome und sterile Nadeln begrenzen vielleicht die Übertragung von Hepatitis und anderen Infektionskrankheiten, aber sie schützen nicht vor den immunitätsunterdrückenden Wirkungen von Heroin, Kokain und den übermäßigen Gebrauch von Antibiotika. Daher können Erziehungsprogramme, die Kondome und sterile Nadeln fördern, ohne die Gefahren des Risikoverhaltens selbst zu betonen - besonders den Drogenmißbrauch unbeabsichtigt die Verbreitung der Krankheit ermutigen.

Was AIDS selbst betrifft, sollte die Risikohypothese die Angst vor einer HIV-Infektion verringern. Menschen, die sich keinem Risikoverhalten hingeben und die nicht unter schweren medizinischen Problemen leiden, müssen sich wegen AIDS keine Sorgen machen. Es besteht kein Grund, die Sexualpartner HIV-positiver Menschen aufzuspüren oder mit dem Virus infizierten Menschen die Einreise in ein Land zu verbieten. Weder Polizisten noch Mitarbeiter des Gesundheitsdienstes noch Klassenkameraden müssen Angst haben, sich bei antikörper-positiven Menschen mit HIV anzustecken. Berechtigte Sorge besteht noch bei Tuberkulose, Hepatitis und anderen ansteckenden Krankheiten, die oft mit AIDS in Zusammenhang gebracht werden. Aber eine Infektion mit HIV wäre an sich nicht von Bedeutung.

Für Menschen, die unabhängig von einer HIV-Infektion AIDS-artige Krankheiten entwickeln, sind mehrere Schritte empfehlenswert. Die Einnahme von AZT und ähnlichen spezifischen, antiviralen Medikamenten sollte vermieden werden, während man konventionelle Therapien, die sich gegen bestimmte Krankheiten richten, in Betracht ziehen sollte. Zu solchen Therapien gehörten früher spezielle Medikamente für jede Krankheit, beispielsweise Pentamidin bei der P.carinii-Pneumonie sowie der begrenzte Einsatz von Antibiotika und Schutzimpfungen; keine dieser speziellen Methoden wird jedoch zwangsläufig

von dem Verfasser dieses Artikels gebilligt. Arzte sollten jede Krankheit für sich behandeln und versuchen, die zugrundeliegenden Ursachen bei jedem einzelnen herauszufinden; die Patienten sollten bei ihrem Arzt auf dieser Methode bestehen. Das Beste, was diese Patienten jedoch wahrscheinlich tun könnten, wäre, das Risikoverhalten einzustellen. Leider wurden bisher keine Untersuchungen durchgeführt, aber es gibt anekdotische Fallbeschreibungen von AIDS-Patienten, die sich wieder erholen, wenn sie Drogenmißbrauch, sexuelle Promiskuität und den prophylaktischen Gebrauch von Antibiotika einstellen und ihre Ernährungsweise verbessern.

Bezeichnenderweise hat eine Umfrage der Zeitschrift Parade (Ausgabe vom 10.Juni 1990) unter 13 AIDS-Patienten, die seit ihrer Diagnose mehr als fünf Jahre überlebt haben, ergeben, daß die Mehrheit AZT ablehnt. «Es ist unglaublich», sagte Mike Leonard, einer der Überlebenden, «daß das Medikament, das einen retten soll, einen auch töten kann.»

Fragen der öffentlichen Politik, die durch die Risiko-Hypothese zur Sprache gebracht werden, beziehen sich in erster Linie auf die öffentliche Finanzierung. Die HIV-Hypothese hat bisher kein einziges Leben gerettet, obwohl pro Jahr $3 Milliarden von der öffentlichen Hand aufgewendet werden. Anstelle der aktuellen Unterstützung von Forschungen, die ausschließlich die HIV-bezogene AIDS-Forschung finanziert, könnten Untersuchungen der Ursachen der einzelnen AIDS-Krankheiten und die entsprechenden Therapien durchgeführt werden. Der Rest der $3 Milliarden, die im nächsten Finanzjahr für die Virus-AIDS-Hypothese aufgewendet werden, könnte eingespart und an den Steuerzahler zurückgezahlt werden, bevor noch mehr Schaden angerichtet wird.

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Quelle:  
Peter H. Duesberg / Bryan J. Ellison*: Ist das AIDS-Virus Science-fiction? Übersetzt von Beate Gormann. Erschienen in: Was macht die Menschen krank? 18 kritische Analysen. [Vorträge anläßlich des Internationalen Kongresses "Gesundheit in eigener Verantwortung - Mensch - Medizin - Gesellschaft" vom 10.-14. Sept. 1990 in Hannover]. Hrsg. von Klaus York. Basel, Boston, Berlin 1991.
   *) Der Co-Autor B. J. Ellison wurde bei der Verlagspublikation versehentlich nicht genannt (pers. Mitteilung von P. Duesberg). 

 

Kommentar von Duesberg et. al. zum Panel-Report für Mbeki über die AIDS-Situation in Südafrika 

Zur website von Peter H. Duesberg