Die afrikanische AIDS-Epidemie: 
Neu und ansteckend - oder - 
alt unter einem neuen Namen? 

Bericht an das AIDS-Panel (22.6.00)
von Peter Duesberg 

Übersetzt von Eugen Bartuska, Berlin

Englische Originalfassung:
The african AIDS epidemic: new and contagious - or - old under a new name. From Peter Duesberg to the AIDS panel, 6/22/00
http://www.duesberg.com/africa2.html

 

Wissenschaftler und Laien verstehen unter der Ausbreitung einer Infektionskrankheit einen plötzlichen Anstieg der Erkrankungsziffer und der Sterblichkeitszahl. Folglich schwindet die betroffene Bevölkerung deutlich und ein relativ immuner Bevölkerungsbestand wächst heran - höchst lesenswert geschildert in "Die Pest" von Albert Camus. 

Der Zoologie-Professor des Wellcome Trust Centre for Epidemiology of Infectious Diseases in Oxford, England, Roy Anderson, beschreibt in seiner kürzlich erschienenen wissenschaftlichen Arbeit mit dem Titel "The spread of HIV and sexual mixing patterns" (Anderson, 1996): "Die epidemiologische Literatur in der Vergangenheit wimmelt von Berichten über menschliche Gruppen befallende Infektionskrankheiten und deren Auswirkungen auf das soziale Funktionieren und die weitere historische Tragweite. Wir denken bei einer neuen epidemieartigen Ausbreitung in einer bislang "unberührten" Population typischerweise an ein plötzliches Aufkommen und Hindurchfegen binnen weniger Monate, welches sich abschwächt und dann verschwindet. Und tatsächlich verläuft die klassische Kurve für viele virale Erkrankungen des Atmungs- und Verdauungstraktes glockenförmig - und insgesamt dauert sie einige Monate bis zu ungefähr einem Jahr. Abbildung 4-1 zeigt ein gut dokumentiertes Beispiel: die Londoner Pest von 1665, vermutlich hat sie etwa ein Drittel der gesamten Bevölkerung innerhalb weniger Monate dahingerafft." Einzelne Beispiele viraler Krankheiten jüngerer Zeit sind die jahreszeitlich gehäufte Poliomyelitis aus der Ära vor der Einführung des Impfstoffes und die saisonalen Grippe-Epidemien. 

All diese viralen und mikrobiellen Epidemien haben folgende Gemeinsamkeiten:

(i) exponentieller Anstieg und Abfall binnen Wochen oder Monaten, so wie das William Farr im frühen 19.Jahrhundert (Bregman&Langmuir, 1990) beschrieb. Der Kurvenanstieg spiegelt exponentielles Anwachsen des infektiösen Agens wider - das Senken der Kurve ist Ausdruck des heraufkommenden natürlichen Schutzaufbaus oder der Immunität der Überlebenden.

(ii) Epidemien breiten sich zufallsmäßig aus (mit Worten der AIDS-Wissenschaftler:in der heterosexuellen Population)

(iii) resultierende Infektionskrankheiten sind hoch spezifisch und Ausdruck der beschränkten genetischen Information der verursachenden Mikrobe. Und infolgedessen: ganz typisch für die viralen Krankheiten weit spezifischer als die der viel komplexeren Bakterien oder Pilze. Deshalb benennt man die Viren oder Mikroben ja auch nach der Krankheit, die sie verursachen. So wird zum Beispiel das Influenza-Virus nach der Grippe benannt, das Poliovirus nach der Poliomyelitis, das Hepatitis-Virus nach der Lebererkrankung, die es auslöst

(iv) mikrobielle und besonders virale Epidemien begrenzen sich selbst und flammen so typischerweise saisonal, da sie eine antimikrobielle und antivirale Immunität hervorrufen und dementsprechend nach genetisch resistenten Wirten selektieren. 

Im Gegensatz hierzu sind folgende Krankheiten charakteristisch für nicht-ansteckende, chemische oder physikalische Faktoren:

(i) ihr zeitlicher unspezifischer Ablauf richtet sich nach der Dosis und der Dauer der Toxinexposition,

(ii) sie verbreiten sich nicht exponentiell, sondern entsprechend der Menge oder der Expositionszeit der Toxine,

(iii) sie verbreiten sich nicht zufällig in Abhängigkeit von beruflichen Faktoren und der Lebensführung, oder aber blindlings gemäß Faktoren, die die Umwelt oder die Ernährung betreffen,

(iv) ihr spezifisches wie auch unspezifisches Spektrum hängt von der Toxinart ab,

(v) sie werden begrenzt durch die Beendigung der Intoxikation, nicht aber durch Selbst-Begrenzung, da sie keine Immunität hervorrrufen. 

Beispielsweise währte die Amerikanische Pellagra-Epidemie der ländlichen Süd-Staaten in den ersten Jahrzehnten des 20.Jahrhunderts mehrere Jahrzehnte und es entwickelte sich keine Immunität: bis sich herausstellte, daß eine Vitamin B-reiche Diät die Heilung bewirkte. Ganz ähnlich wuchs in den 50iger Jahren die unspezifische amerikanische Epidemie der Lungenkrebs-Emphysem-Herz-Erkrankung stetig - aber nicht exponentiell - an und dauert jetzt schon über 50 Jahre ohne Anschein irgendeiner Immunität. Sie hat sich in der Bevölkerung nicht blindlings ausgeweitet, sondern beschränkte sich auf Raucher. Und jetzt geht sie langsam zurück, da die Zahl der Raucher abnimmt (Greenlee et al., 2000) 

Ähnlich die amerikanische und europäische AIDS-Epidemie:

(i) stetiges, nicht exponentielles Ansteigen,

(ii) betraf vorzugsweise zu 85 % die männliche Bevölkerung,

(iii) folgte erst dem übermäßigen Gebrauch von Freizeit-Drogen und dann dem weitreichenden Einsatz von Medikamenten gegen das AIDS-Virus (Duesberg&Rasnick, 1998),

(iv) sie manifestiert sich nicht in einer oder nur einiger weniger spezifischer Krankheiten, so wie es von Epidemien durch Mikroben zu erwarten ist,

(v) kein Ausbreiten auf die allgemeine Bevölkerung, die keine Drogen konsumiert. Man sieht bei AIDS ein verwirrendes Spektrum von 30 unspezifischen, heterogenen Krankheiten, was sich mit der Heterogenität der verursachenden Toxine verträgt. Eine Immunität in diesen 18 Jahren zeichnet sich nicht ab - aber die amerikanisch-europäische AIDS-Epidemie geht langsam zurück, da weniger Leute Freizeit-Drogen gebrauchen (Duesberg&Rasnick, 1998). 

Obige Zusammenfassung der amerikanisch-europäischen AIDS-Epidemie zeigt Krankheitsmerkmale wie sie nur nicht-ansteckende, chemische oder physikalische Faktoren zeigen, nicht aber Viren!

 

AIDS in Afrika

AIDS in Afrika in Zahlen

Hier nun eine kurze Analyse, wie AIDS in Afrika den epidemiologischen Literaturdaten in der Vergangenheit gerecht wird, so beschrieben von Anderson und anderen (Fenner et al.,1974).

Meine Analyse beruht auf statistischen Angaben der World Health Organization (WHO), Genf, der United Nations und der US Agency for International Development (USAID) sowie dem US Census Bureau

Gemäß den wöchentlichen epidemiologischen Berichten der WHO (Weekly Epidemiological Records) gab es im ganzen afrikanischen Kontinent zwischen 1991 und 1999 eine ziemlich gleichmäßige Zahl von 60000 bis 90000 AIDS-Fälle jährlich, im Durchschnitt etwa 75000 (WHO`s Weekly Epidemiological Records seit 1991). Bezogen auf die letzten verfügbaren Daten aus Süd-Afrika: es wurden 8976 Fälle zwischen 1994 und 1996 von der WHO berichtet, entsprechend etwa 4500 pro Jahr (WHO`s Weekly Epidemiological Records 1998 und 1995). Die WHO sagt nichts darüber über die hierin enthaltenen Todesfälle, nichts wieviele überleben und auch nicht, wieviele wieder gesund werden. 

Jedoch geht aus den WHO-Daten klar hervor: die afrikanische AIDS-Epidemie hat keinen Glockenkurvenverlauf eines exponentiellen Anstieges, dem ein steiler Abfall durch Immunität folgt, so wie man das von infektiösen Epidemien typischerweise kennt. Stattdessen zieht sie sich hin wie eine Krankheit, die ernährungs- oder umweltbedingt entsteht (Seligmann et al., 1984) und fortwährend, so scheint es, nur einen sehr kleinen Prozentsatz der afrikanischen Bevölkerung trifft

Ausgehend von der jetzigen afrikanischen Bevölkerung von 616 Millionen (United Nations Environment Programme, 15.Juni 2000) und der durchschnittlich jährlichen 75000 AIDS-Fälle in Afrika errechnet man nur 0,012 Prozent, mit dem die dortige Bevökerung jährlich von AIDS betroffen ist oder daran stirbt. Entsprechend waren in Süd-Afrikazwischen 1994 und 1996 nur 0,01 Prozent betroffen, wenn man von 4500 der jährlichen Fälle ausgeht und an der Bevölkerung von etwa 44 Millionen bemißt (US Agency for International Development, "HIV/AIDS in the developing World", Mai 1999). Das bedeutet, daß die neue afrikanische AIDS-Epidemie nur einen sehr kleinen Teil der normalen afrikanischen Mortalität ausmacht.

Gehen wir von einer Lebenserwartung in Afrika von etwa 50 Jahren aus (US Agency for International Development, "HIV/AIDS in the developing World", Mai 1999) so errechnet sich die jährliche Mortalität bei 616 Millionen mit 12,3 Millionen. Selbst unter der Annahme, daß alle von der WHO berichteten AIDS-Fälle als Todesfälle anzusehen sind, so berechnet sich die afrikanische AIDS-Epidemie mit 75000 bei 12,3 Millionen Todesfällen pro Jahr mit 0,6 Prozent der gesamten afrikanischen Mortalität. So gesehen zeigt sich AIDS in Afrika sicherlich nicht wie eine der vergangenen mikrobiellen Epidemien wie sie Camus und Anderson beschreiben (siehe oben). Nach über 10 Jahren zeichnet sich keine Immunität ab: und AIDS in Afrika trifft nur einen verhältnismäßig kleinen Teil eines riesig zugänglichen Reservoirs an Individuen und dies zeigt, daß nicht ansteckungsfähige Risikofaktoren sich auf eine kleine Untergruppe der afrikanischen Population beschränken.

 Angesichts des sehr geringen Prozentsatzes von 0,6, den die afrikanische AIDS-Epidemie an der dortigen Gesamtmortalität ausmacht, fragt man sich, ob diese für AIDS behauptete wirklich eine neu aufkommende Sterblichkeit ist, die von der herkömmlich-bekannten zu unterscheiden wäre, oder ist sie relativ unbedeutend - und nur Teil der bekannten Mortalität aber die man jetzt anders benennt. Zur Antwort dieser Fragen müssen wir versuchen, AIDS in Afrika von den uns bekannten dortigen Krankheiten zu unterscheiden und zwar (i) nach klinischen und (ii) nach statistischen Kriterien.

Die lange Liste der afrikanischen AIDS-Erkrankungen lässt sich klinisch nicht von den bekannten Entsprechungen unterscheiden

Orientiert man sich an der WHO-Bangui Definition von AIDS (Widy-Wirski et al., 1998; Fiala, 1998) und den "Anonymous AIDS Notification"- Formularen der Süd-Afrikanischen Gesundheitsbehörde dann ist AIDS in Afrika nicht eine spezifische klinische Krankheit, sondern eine Sammlung bekannter und total unspezifscher Erkrankungen, zum Beispiel:

(i) Gewichtsverlust über 10 Prozent
(ii) chronischer Durchfall länger als l Monat
(iii) über einmonatiges Fieber
(iv) anhaltender Husten
(v) generalisierte juckende Dermatitis
(vi) wiederkehrender Herpes zoster (Gürtelrose)
(vii) Candidiasis im Mund- oder Pharynxbereich
(viii) chronischer oder persistierender Herpes
(ix) Kryptokokken-Meningitis
(x) Kaposi-Sarkom

Dies sind die meist-bekannten Krankheiten in Afrika und in der übrigen Welt; AIDS in Afrika läßt sich nach klinischen Kriterien nicht von früheren und noch immer diagnostizierten, herkömmlichen afrikanischen Erkrankungen unterscheiden. Und dortiges AIDS ist klinisch unspezifisch - nicht wie mikrobielle Krankheiten - sondern imponiert wie ernährungs- oder chemikalienverursachte Krankheitsleiden (siehe oben).

AIDS in Afrika hat einen zu geringen Anteil, um sich statistisch gegen die normale Erkrankungsziffer, Sterblichkeit und seinen Wachstumsraten abzugrenzen.

Wir haben schon darauf hingewiesen: es ist nahezu unmöglich, von der Existenz einer neu aufgekommenen Epidemie von AIDS in Afrika zu sprechen, die sich nur mit 0,6prozentiger afrikanischer Mortalität zeigt und gerade auch, weil alle AIDS-definierenden Erkrankungen nichts anderes als dort wohlbekannte Leiden darstellen.

Bestimmt man die Auswirkungen der angeblich neuen afrikanischen AIDS-Epidemie auf das jetzige Bevölkerungswachstum, so ergibt sich das gleiche Ergebnis. Die jährliche Bevölkerungszunahme in Afrika liegt seit 1960 zwischen 2,4 und 2,8 Prozent, basierend auf den Daten aus "HIV/AIDS in the Developing World"der American Agency for International Development & des U.S. Census Bureau (U.S.Agency for International Development & U.S. Census Bureau, Feb&Mai 1999) und denen aus "African population Database Documentation" der United Nations (United Nations Environement Programme, 15.Juni 2000).

Im Ergebnis dieser hohen Wachstumsraten in Afrika: Bevölkerungszunahme auf dem gesamten afrikanischen Kontinent von 274 Millionen (1960) auf 356 Millionen (1970), von 469 Millionen (1980) auf 616 Millionen (1990) - United Nations Environement Programme, 15.Juni 2000 - vergleichen sich die jährlichen Zuwachsraten der USA mit 1 Prozent und der Europas mit nur 0,5 Prozent (USAID, Feb&Mai 1999).

Diese numerische Diskrepanz zwischen den relativ hohen afrikanischen Zuwachsraten (2,4-2,8 Prozent) und den geringen jährlichen Defiziten dieser Bevölkerungszunahme aufgrund der AIDS-Mortalität (0,6 Prozent) läßt weder eine AIDS-Epidemie in Afrika herauslesen noch kann man sie anhand der hohen afrikanischen Wachstumsrate irgendwie bestätigen. Berücksichtigt man dies und die völlige Überlappung von AIDS definierenden Erkrankungen mit den herkömmlich-bekannten Krankheitsentsprechungen wird klar: die vermeintlich neu heraufgekommene AIDS-Epidemie läßt sich weder epidemiologisch noch klinisch von den altbekannten dortigen Krankheiten und Mortalität unterscheiden.

Unbefriedigende Berichterstattung verschleiert AIDS in Afrika

Wir alle wurden Opfer der amerikanischen AIDS-Rhetorik und der Sprachgebrauch bei unserer ersten Konferenz in Pretoria letzten Mai über die "katastrophalen Ausmaße" von AIDS in Afrika (Washington Post, 30.April 2000) überrascht angesichts des vielmehr gesunden afrikanischen Bevölkerungszuwachses. Nehmen wir als Beispiel Präsident Clintons kürzliche Einstufung von AIDS: als eine "Bedrohung der nationalen US-Sicherheit ..., angefeuert von Berichten des USA-Geheimdienstes, der die allgemeine Ausbreitung der Epidemie mit den entsprechenden Konsequenzen voraussah ... besonders in Afrika ...und vorhersagte, daß ein Viertel der Süd-Regionen der afrikanischen Bevölkerung wahrscheinlich an AIDS sterben wird ..." (Washington Post, 30.April 2000).

Angesichts solcher Sprachdemagogie scheint es, daß weder Präsident Clinton noch der "US-Geheimdienst" die Informationen kennen, die über die American Agency for International Development & the U.S. Census Bureau herausgegeben werden. Wohl haben die USAID & Census Bureau gesehen, wie sehr die Fakten gegen die an die Öffentlichkeit gebrachten (Fehl)-Informationen sprechen und beide versuchen dies zu verbergen.

Warum beschreibt man wohl die "größten demographischen Auswirkungen von AIDS" vorsichtig als nur eine geringere Lebenserwartung oder einen geringer erwarteten Bevölkerungsanstieg (nicht Verringerung!): "Beträchtlich sind die Unterschiede in den Bevölkerungszahlen zwischen den AIDS-angepaßten und nicht angepaßten Entwicklungsszenarien.... Im Jahre 2010.... wird es in Südafrika 5,6 Millionen weniger Einwohner geben", als zufolge der jetzigen Wachstumszahlen vorhersehbar war ("HIV/AIDS in the Developing World", U.S.Agency for International Development & U.S.Census Bureau, Mai 1999). Wirklich eine "Katastrophe", die da in 10 Jahren ansteht - und eine jetzige "Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA"!

Der alarmierende Ton der WHO in Zusammenarbeit mit dem United Nations Programme über HIV/AIDS, im veröffentlichten Papier "AIDS epidemic update: December 1999" (UNAIDS December 1999) zeichnet sich wie folgt ab: die afrikanische Bevölkerung bekam ein Mehr von 23 Millionen Menschen, "die mit AIDS/HIV leben" und man "vermutet", daß sie Träger von Antikörpern gegen HIV seit den "frühen 80iger Jahren" sind (WHO, Weekly Epidemiological Record 73, 373-380, 1998) und auch diese Stellungnahme überrascht angesichts der Information, die der Organisation zugänglich ist. Weder die WHO noch die United Nations deuten auf die 147 Millionen Menschen hin, mit denen sich die afrikanische Bevölkerung in der gleichen Zeit vermehrte - zeitparallel, als Afrika von der AIDS-Epidemie heimgesucht wurde. Ganz ähnlich vermehrten sich die Süd-Afrikaner von 17 Millionen auf 37 Millionen im Jahre 1990 (United Nations Environment Programme, 15.Juni 2000)und auf einen jetzigen Bestand von 44 Millionen ("HIV/AIDS in the Developing World", U.S.Agency for International Development & U.S.Census Bureau, Mai 1999). In den vergangenen 10 Jahren bekam Süd-Afrika aber auch 4 Millionen HIV-positiver Individuen hinzu (A.Kinghorn & M.Steinberg, South African Department of Health, ein undatiertes Dokument vermutlich von 1998, welches der Pretoria-Konferenz vorlag). Folglich wuchs die Zahl der Süd-Afrikaner um 4 Millionen HIV-Positiver in der gleichen Dekade, wie sie sich um 7 Millionen zahlenmäßig vergrößerte. Darüberhinaus bietet die Organisation keinerlei Andeutungen hinsichtlich der Erkrankungs- und Sterblichkeitszahl, die die bescheidenen Zahlen von ca 75000 Fällen jährlich - wie ihre Weekly Epidemiological Records (siehe oben) darlegen - übersteigen sollen, obwohl nach der WHO 23 Millionen HIV-positiver Antikörperträger "bereits mit HIV/AIDS leben". 

Die Schätzungen der Agentur sind wirklich nur "Schätzungen", denn gemäss der 1985iger Bangui Definition über AIDS in Afrika und gemäss der "anonymous AIDS notification" Formularen des südafrikanischen Gesundheitswesens sind HIV-Tests für eine AIDS-Diagnose unnötig (Widy-Wirski et al., 1988; Fiala, 1998).

Ferner unterstützt es die WHO, wenn der Eindruck einer mikrobiellen AIDS-Epidemie entsteht, indem sie über AIDS-Fälle in Afrika kumulativ statt in ihren jährlichen Anhäufungen berichtet (weekly epidemiological records der WHO seit Anbeginn der Epidemie). Und diese Machart gibt dem Ganzen den deprimierenden Stempel eines stetig zunehmenden, geradezu exponentiellen Epidemie-Anwachsens, wenn auch die jährliche Inzidenz zurückgeht (Fiala, 1998). 

Demzufolge bestünde keine Korrelation zwischen der Zunahme der HIV-Antikörper!-positiven Afrikaner und der Abnahme irgendeiner afrikanischen Bevölkerungszahl. Im Gegenteil, sie korreliert mit dem noch nie dagewesenem gleichzeitigem Anwachsen der dortigen Bevölkerung - das ist ja wohl kaum die Katastrophe wie sie sich die Washington Post vorstellt und wie sie die WHO und das amerikanische AIDS-Establishment propagieren. Aber diese irreführende AIDS-Propaganda arbeitet einer wissenschaftlichen Analyse von AIDS in Afrika all jenen entgegen, die die Tatsachen nicht kennen.

 

Schlußfolgerungen

1) AIDS in Afrika erfüllt keines der Kriterien einer mikrobiellen oder viralen Epidemie:

(i) Es ist gleichbleibend, d.h. circa 75000 AIDS-Fälle pro Jahr seit Anbeginn der frühen 1990iger Jahre, anstelle einer exponentiellen Vermehrung im großen Reservoir von 617 Millionen ansteckungsfähiger Individuen, so wie es für eine neu heraufgekommene virale oder mikrobielle Epidemie typisch wäre;

(ii) Es ist nicht selbstbegrenzend durch Immunitätsaufbau innerhalb Wochen oder Monaten - wie man es typischerweise bei einer mikrobiellen und besonders viralen Erkrankung erwarten würde.

(iii) In seinen klinischen Erscheinungsbildern ist es über die Maßen heterogen und es hat keinerlei eigene Spezifität - nicht im Einklang zu bringen mit allen bekannten und sogar bakteriellen Krankheiten. Nach all dem vorgetragenen hat die afrikanische AIDS-Epidemie auch nicht ein einziges der spezifischen Merkmale einer viralen oder mikrobiellen Epidemie.

2) Die vermutete afrikanische AIDS-Epidemie kann mit ihren durchschnittlich 75000 Fällen pro Jahr auch nicht als eine neue Epidemie bezeichnet werden

(i) weder nach klinischen Merkmalen, da ihr keinerlei klinische Identität eigen ist,

(ii) noch zahlenmäßig: sie macht nur einen kleinen Teil der Gesamtmorbidität in Afrika aus und Auswirkungen auf die rasante Bevölkerungszunahme zeichnen sich nicht ab. Die vorrangige wissenschaftliche Aufgabe unseres AIDS-Panels wird nun sein, festzusstellen, ob da wirklich eine bislang nie dagewesene Epidemie ist, die AIDS-definierende Krankheiten in Afrika hervorbringt, oder ob man einen Teil normaler Morbidität und Mortalität mit dem neuem Namen "AIDS" versieht. Als einer der ersten Tagespunkte aller AIDS-Prophylaxe und -Therapie-Programme - so wie sie Präsident Mbeki anpeilt - gälte es hierauf eine Antwort zu finden. Und damit unterstütze ich den Vorschlag eines afrikanischen AIDS-Forschers vor 13 Jahren: "Epidemiologie nach klinischen Gesichtspunkten, nicht aber (HIV)-Seroepidemiologie ist die Antwort auf Afrikas AIDS-Problem" (Konotey-Ahulu, 1987).

3) Afrikanische Statistiken über AIDS und HIV-Antikörper-positiven Individuen bestätigen Mbekis Vermutung, dass da Diskrepanzen zwischen der AIDS-Epidemie in Afrika und der in Amerika existieren (Mbekis Brief an U.S.-Präsident Clinton, Washington Post, 19.April 2000):

23 Millionen HIV-positiver Afrikaner bringen 75000 AIDS- Patienten pro Jahr hervor, das heißt 1 AIDS-Fall auf 300 HIV-Positiver. Aber in den Vereinigten Staaten werden aus 0,9 Millionen HIV-Positiven (WHO, Weekly Epidemiological Record 73, 373- 380,1998 jetzt jährlich 45000 AIDS-Fälle (Centers for Disease Control, 1999), sprich 1 AIDS-Fall auf 20 HIV-Positive. 

Folglich ist das AIDS-Risiko eines amerikanischen HIV-Positiven etwa 15 mal höher als das eines Afrikaners! Und da man gegenwärtig über 150000 HIV-positiver Amerikaner mit DNA-Ketten-abbrechenden oder anderen anti-HIV-Medikamenten behandelt (Duesberg&Rasnick, 1998) und - beim 15 mal höheren AIDS-Risiko der US-HIV-Positiver verglichen zu jenem eines afrikanischen HIV-Positiven - kann man Präsident Mbeki nur warnen, was die US-Ratschläge zur "Behandlung" von HIV-Positiven angeht.

4) Die Diskrepanzen zwischen AIDS in Afrika und Infektionskrankheiten und die Diskrepanzen zwischen dem hohen amerikanischen AIDS-Erkrankungsrisiko und dem der afrikanischen HIV-Positiven lassen sich leicht mit der Hypothese erklären, daß AIDS durch nicht-ansteckende Risikofaktoren verursacht wird und HIV ein harmloses Passenger-Virus ist (Duesberg, 1996; Duesberg&Rasnick, 1998).

Herkömmlich-bekannte, weitverbreitete Ursachen, Mangelernährung, Parasitenerkrankungen und Hygienemängel sind dieser Hypothese zufolge verantwortlich für die AIDS-Krankheiten in Afrika, so wie dies von Anfang an führende AIDS-Forscher wie Fauci, Seligman et al. (Seligman et al. 1984) nahelegten.

Diese Hypothese liefert auch eine einfache Erklärung für die "heterosexuelle" Verteilung von AIDS bei den Afrikanern, eine Frage, die Mbeki an Präsident Clinton in seinem Brief stellte (siehe oben). Mangelernährung, Parasitosen und Hygienemisstände machen bei den Geschlechtern keinen Unterschied. Andererseits verursachen AIDS in Amerika die millionenfach-konsumierten Freizeitdrogen und anti-HIV-Medikamente die man etwa an 200000 Menschen, einschliesslich der 150000 noch gesunden HIV-Positiven verschreibt (Duesberg&Rasnick, 1998). Epidemiologisch sind in den USA zu 85 Prozent männliche Individuen mit AIDS betroffen, was deren Vorliebe für harte Freizeitdrogen (Heroin, Kokain)und den weitverbreiteten Gebrauch von Sexualstimulantien bei männlichen Homosexuellen widerspiegelt (Haverkos&Dougherty, 1988; Duesberg&Rasnick, 1998).


So gesehen ist diese Hypothese lediglich Ausdruck einer neu heraufgekommenen Epidemie von HIV-Antikörpern und deren Erfassung durch Tests, eingeführt und getragen von einer neu entwickelten amerikanischen Biotechnologie, die sich in den letzten 20 Jahren herausbildete: damit wollte man in der Grundlagenforschung Korrelate biologischer Nadeln im Heuhaufen aufspüren - nicht aber massive Invasionen mit Viren, die vermeintlich alle diese herkömmlichen viralen Erkrankungen verursachten (Duesberg, 1992; Duesberg&Schwartz, 1992; Duesberg, 1996; Duesberg&Rasnick, 1998; Mullis, 1998). Tausende von AIDS-Virus Forschern und Aktivisten gebrauchen diese neue Technologie jetzt treuherzig, aber unangemessen und wollen damit ein latentes, das heißt biochemisch und biologisch inaktives HIV oder sogar nur die Antikörper dagegen nachweisen (Duesberg&Bialy,1996)! Dieselbe Technologie gewährleistet auch sichere Jobs für andere Virologen und Ärzte, die in den latenten und biologisch inaktiven Viren ihre bevorzugten Ursachen vom Kaposi-Sarkom, Zervix-Karzinom, der Leukämie, dem Leberkrebs und weiterer seltener neurologischer Krankheiten sehen - ohne irgendein Nutzen für das öffentliche Gesundheitswesen (Duesberg&Schwartz, 1992).

5) Präsident Mbeki sei auch gewarnt angesichts Dr. Joe Sonnabends Antwort auf seine Frage nach der epidemiologischen Diskrepanz zwischen der "heterosexuellen" Verteilung der AIDS-Epidemie in Afrika und der gruppenspezifischen Verbreitungl auf die zu 85 Prozent männliche Bevölkerung in den USA (Mbekis Brief an U.S.Präsident Clinton, Washington Post, 19.April 2000)

Sonnabend`s Hypothese führt aus: Afrikaner infizieren sich mit HIV auf heterosexuelle Weise, denn sie sind gleichzeitig an einer langen Liste von Krankheiten betroffen, einschließlich "Tuberkulose, Malaria, andere Protozoen-Infektionen, bakterielle Durchfallerkrankungen, Pneumonie, Plasmodiumbefall, Leishmaniose" usw. Das sehr niedrige AIDS-Erkrankungs-Risiko eines HIV-positiven Afrikaners im Vergleich zu dem eines Amerikaners stellt diese Hypothese allerdings in Frage. Wäre Sonnabends Hypothese richtig, dann müßten afrikanische HIV-Positive viel leichter an AIDS erkranken als die amerikanischen. Aber das Gegenteil ist richtig. Tatsächlich müßten nach Sonnabend die meisten Afrikaner bereits an AIDS erkrankt sein, als sie sich HIV "heterosexuell" aneigneten.

Darüberhinaus bietet Sonnabends Hypothese keine Erklärung für die Diskrepanz zwischen dem hohen Anteil der bis 14jährigen AIDS-erkrankten Kinder in Afrika mit etwa 7 Prozent, verglichen mit nur 1 Prozent amerikanischen Altersentsprechung (WHO, Weekly Epidemiological Record, vol. 49, pp381-384, 4.Dezember 1998). Nach der WHO ist "AIDS bei Kindern eine wichtige Erscheinung vieler afrikanischer Länder, wohingegen es man bei ihnen in den Industriestaaten relativ selten vorfindet".

Und wieder verträgt sich AIDS bei Kindern nicht mit der "heterosexuellen Übertragung von HIV", allerdings wohl mit Sonnabends bunter Krankheitsliste, an der Kinder dort leiden. Aber: AIDS in den Kinderjahren lässt sich gut erklären mit Mangelernährung, Parasitosen und schlechter Hygiene. Präsident Mbeki möge gewarnt sein, diese Kinder mit DNA-Kettenabbrechern und anderen HIV-Medikamenten zu behandeln, so wie das Sonnabend`s Hypothese nahelegt.

 

Danksagung: Ich danke Charles Geshekter, Geschichtsprofessor, Cal State University Chico, Chico, California für Hinweise und kritische Statistiken (siehe auch seine Poster an diesem Pannel)

Literatur

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