Peter H. Duesberg: 
HIV und AIDS: Korrelation, aber nicht Ursache

HIV erfüllt nicht Kochs Postulate - HIV erfüllt nicht die üblichen epidemiologischen, biochemischen, serologischen, kinetischen, genetischen und evolutionären Kriterien eines viralen Pathogens - Schlußfolgerungen und Perspektiven - References

Quelle: AIDS-Forschung (AIFO) März 1989, Heft 3, S. 115-130
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AIFO 3/1989 - Leitartikel - Top Artikel

HIV und AIDS: Korrelation, aber nicht Ursache *

HIV and AIDS: Correlation but Not Causation

Peter H. Duesberg

Prof. Dr. Peter H. Duesberg: Department of Molecular Biology, Stanley Hall, University of California, Berkeley, CA 94720

* Überarbeitete deutsche Fassung eines englischen Artikels der gleichzeitig in den Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (86, 755 - 764) erscheint.

Zusammenfassung:  

AIDS ist ein erworbenes Immunschwächesyndrom, definiert durch einen kritischen Mangel an T-Zellen und durch über 20 bereits bekannte, degenerative und neoplastische Krankheiten. In den USA und Europa korreliert AIDS zu 95% mit Risikofaktoren wie zum Beispiel 8 Jahre homosexuelle Promiskuität, Drogenkonsum oder Hämophilie. AIDS korreliert außerdem mit dem Vorkommen von Antikörpern gegen ein Retrovirus; der Nachweis gelingt bei ca. 40 % aller Fälle. Diese Korrelation ist die Grundlage für die Hypothese, daß dieses Virus AIDS durch Abtöten von T-Zellen verursacht. Deshalb wurde das Virus humanes Immundefizienz-Virus (HIV) genannt, und der Nachweis von Antikörpern gegen das Virus gehört zu den Definitionskriterien von AIDS. Die Hypothese, daß HIV AIDS verursacht, wird hier untersucht im Hinblick auf Kochs Postulate und auf epidemiologische, biochemische, serologische, kinetische, genetische und evolutionäre Voraussetzungen für eine virale Pathogenese. 
HIV erfüllt Kochs Postulate nicht: 
1. Freies Virus ist in den meisten AIDS-Fällen nicht nachweisbar. 
2. Virus kann nur isoliert werden in Gewebekultur über eine Virusreaktivierung aus den wenigen latent infizierten Lymphozyten, die unter Millionen nicht infizierter Lymphozyten vorkommen. 
3. Mit reinem HIV infizierte Schimpansen erkranken nicht an AIDS; eine iatrogene Infektion führt ebenfalls nicht zum Krankheitsausbruch.

Überdies verletzt HIV klassische Bedingungen für eine virale Pathogenese:
1. Epidemiologische Untersuchungen zeigen, daß die jährliche Inzidenz an AIDS-Fällen unter Seropositiven von 0 bis 10 % in Abhängigkeit von nichtviralen Risikofaktoren variiert. 
2. Höchstens 1 von 104 T-Zellen produziert HIV-RNA. 5 % aller menschlichen T-Zellen wurden innerhalb der HIV-Replikationszeit von zwei Tagen regeneriert. Diese Zahlen lassen eine HIV-bedingte Zerstörung des T-Zell-Systems fraglich erscheinen. 
3. Wenn HIV AIDS hervorriefe, wäre es das erste Virus, das ein Krankheitssyndrom erst nach dem Auftreten von antiviraler Immunität verursacht, - dieselbe Immunität, die im "AIDS-Test" erfaßt wird. 
4. AIDS folgt dem Auftreten antiviraler Immunität nur nach unvorhersehbar langen, asymptomatischen Intervallen, die im Durchschnitt 8 Jahre dauern, obwohl sich HIV in nur zwei Tagen reproduziert und antivirale Immunität in 1 bis 2 Monaten induziert. 
5. HIV soll AIDS verursachen durch Zerstörung von T-Zellen, obwohl Retroviren sich nur in lebensfähigen Zellen vermehren. In der Tat teilen sich infizierte TZellen unbegrenzt in Gewebekultur. 
6. Der Genomaufbau von HIV ist mit dem der bekannten Retroviren identisch; er enthält kein AIDS-spezifisches Gen, das spät nach der Infektion aktiv wird. 
7. Wenn HIV AIDS verursachen würde, würde es eine paradoxe länderspezifische Pathogenese entfalten, in den USA und Europa zu 90% Pneumocystis-carinii-Pneumonie und KaposiSarkom und in Afrika zu 90 % Slim disease, Fieber und Diarrhö. 
8. Es ist evolutionsmäßig äußerst unwahrscheinlich, daß sich innerhalb weniger Jahre zwei AIDS-Viren (HIV-1 und HIV-2) entwickelt hätten, die zu nur 40 % nukleotidsequenzhomolog sind. Es ist außerdem unwahrscheinlich, daß es Viren geben soll, die ihren einzigen natürlichen Wirt mit 50 bis 100%iger Effizienz töten, wie es für die HI-Viren behauptet wird.

HIV ist deshalb keine ausreichende Ursache für AIDS. Möglicherweise ist HIV für AIDS nicht einmal eine notwendige Voraussetzung, weil seine Aktivität in symptomatischen und symptomlosen Trägern gleichermaßen gering ist. Die Korrelation zwischen dem Nachweis von Antikörpern gegen HIV und AIDS beweist keine Kausalität, weil sonst nicht unterscheidbare Krankheiten heute nur auf der Grundlage dieser Antikörper auseinandergehalten werden. Ich behaupte, daß AIDS kein ansteckendes Krankheitssyndrom ist, das von einem bisher bekannten Virus oder Bakterium verursacht wird. Kein solches Virus oder Bakterium würde beinahe eine Dekade benötigen, um eine Krankheit zu erzeugen, wie es von HIV behauptet wird. Außerdem kann kein konventionelles Virus oder Bakterium so wirtsselektiv sein wie HIV, noch könnte es überleben, wenn es so ineffizient übertragen würde wie AIDS. Da AIDS definiert ist durch neue Kombinationen bereits bekannter Krankheiten, sind möglicherweise neue Kombinationen bekannter Pathogene für AIDS verantwortlich, wie zum Beispiel akute virale und bakterielle Infektionen, chronischer Drogenkonsum und Unterernährung. Die langen, in ihrer Dauer nicht vorhersehbaren Intervalle zwischen der HIV-Infektion und dem Auftreten von AIDS stellen sich damit als Voraussetzungen heraus, die diese pathogenen Faktoren zur Erzeugung von AIDS-Krankheiten benötigen, und nicht ein unwahrscheinlich langsamer Mechanismus der HIV-Pathogenese. (AIFO 4, 115 -130, 1989)

Summary: 

AIDS is an acquired immunodeficiency syndrome defined by a severe depletion of T-cells and over 20 conventional degenerative and neoplastic diseases. In the US and Europe, AIDS correlates to 95 % with risk factors, such as about 8 years of promiscous homosexuality, intravenous drug use, or hemophilia. Since AIDS also correlates with antibody to a retrovirus, confirmed in about 40 % of American cases, it has been hypothesized that this virus causes AIDS by killing Tcells. Consequently, the virus was termed human immunodeficiency virus (HIV), and antibody to HIV became part of the definition of AIDS. The hypothesis that HIV causes AIDS is examined in terms of Koch's postulates and epidemiological, biochemical, serological, kinetic, genetic and evolutionary conditions of viral pathology. HIV does not fulfill Koch's postulates: 1. free virus is not detectable in most cases of AIDS, 2. virus can only be isolated by recreativating virus in vitro from a few latently infeeted lymphocytes among millions of uninfected ones, 3. pure HIV does not eause AIDS upon experimental infeetion of chimpanzees or accidental infection of healthy humans.

Further, HIV violates classical conditions of viral pathology: 1. Epidemiological surveys indicate that the annual incidence of AIDS among antibody-positive persons varies from nearly 0 to over 10 %, depending critieally on non-viral risk factors. 2. HIV is expressed in </=1 of every 104 T-cells it supposedly kills in AIDS, whereas about 5 % of all T-cells are regenerated during the 2 days it takes the virus to Infekt a cell. 3. i.f. HIV is the cause of AIDS, it would be the first virus to eause a disease syndrome only after the onset of antiviral immunity, as detected by a positive "AIDS test". 4. AIDS follows the onset of antiviral immunity only after long and unpredictable asymptomatic intervals averaging 8 years, although HIV replicates within 1 to 2 days and induees immunity within 1 to 2 months. 5. HIV supposedly causes AIDS by killing T-cells, although retroviruses can only Replikate in viable cells. In fact, infeeted T-cells grown in eulture continue to divide. 6. HIV is isogenie with all other retroviruses that do not eause AIDS, and does not express a late, AIDS-specific gene. 7. I.f. HIV were to cause AIDS, it would habe a paradoxical, country specific pathology, causing over 90% Pneumocystis pneumonia and Kaposi sarcoma in the U. S., but over 90 % slim disease, fever and diarrhoe in Africa. 8. It is highly improbable that within the last few years two viruses (HIV-1 and HIV-2) that are only 40% sequence-related would habe evolved that could both eause the newly defined syndrome AIDS. Also, it is improbable that a virus would exist which kills ist only natural host with an efficieney of 50-100%, as is claimed for HIV.

It is concluded that HIV is not sufficient for AIDS , and that it may not even be necessary for AIDS because ist activity is just as low in symptomatic carriers as in asymptomatic carriers. The correlation between antibody to HIV and AIDS does not prove causation, because otherwise indistinguishable diseases are now set apart only on the basis of this antibody. 1 propose that AIDS is not a contagious syndrome eaused by one conventional virus or microbe. No such virus or microbe would Racker almost a decade to eause primary disease, nor would it eause the diverse collection of AIDS diseases. Neither would ist host range be as selective as that of AIDS, nor could it survive i.f. it were as inefficiently transmitted as AIDS. Since AIDS is defined by new combinations of conventional diseases, it may be eaused by new combinations of conventional pathogens, including acute viral or microbial infections and chronic drug use and malnutrition. The long and unpredictable intervals between infeetion with HIV and AIDS would then reflect the thresholds for these pathogenic factors to eause AIDS diseases, instead of an unlikely mechanism of HIV pathogenesis.

Schlüsselwörter: HIV-Pathogenese - HIV-Ersatzmarker für AIDS-Risiken - Kochs Postulate - HIV biochemisch inaktiv bei AIDS - biochemische Bedingungen für Pathogenese - AIDS trotz antiviraler Immunität.

Keywords: HIV pathogenesis - HIV an AIDS risk surrogate marker - Koch's postulates - HIV biochemically inactive in AIDS - biochemical conditions of pathogenesis - AIDS despite antiviral immunity.


1981 wurde angenommen, daß die erworbene Immunschwäche der gemeinsame Nenner eines neu definierten Krankheitssyndroms (AIDS) sei, das bei ursprünglich promisken männlichen Homosexuellen und später bei Drogensüchtigen zunahm, die deshalb als AIDS-Risikogruppen gelten (1, 2). Seither sind in den USA etwa 80000 AIDS-Fälle registriert worden, von denen über 90 % nach wie vor zu diesen zwei Risikogruppen gehören (3, 4). Das Typische an AIDS ist ein kritischer Abfall von T-Zellen (3, 5 - 7). Definitionsgemäß äußert sich die Immundefizienz in über 20 bereits bekannten, degenerativen und neoplastischen Krankheiten, einschließlich Kaposi-Sarkom, Burkitt's Lymphom und anderen Lymphomen, Pneumocystis-carinii-Pneumonie, Diarrhö, Demenz, Candidiasis, Tuberkulose, Lymphadenopathie, Slim disease, Fieber, Herpes und vielen anderen (5, 7-11). Daß AIDS häufig als neue Krankheit (12-14) statt als neues Syndrom alter Krankheiten bezeichnet wird, hat die Suche nach einem neuen Erreger inspiriert (12). Jedoch ist zweifelhaft, ob ein einziger Erreger für über 20 Krankheiten verantwortlich sein kann, ob eine Häufung von alten Krankheiten bei Risikogruppen, die erst neuerdings erkennbar ist, einen neuen Erreger signalisiert, und ob AIDS ansteckend ist. In der Tat ist AIDS äußerst schwer zu erwerben, hat einen sehr selektiven Wirtsbereich und kommt gewöhnlich nur bei Personen vor, die im Durchschnitt 8 Jahre lang AIDS-Risiken ausgesetzt waren.

Die "Virus - AIDS" - Hypothese

Bei etwa 40 % der Patienten in den USA (5) und bei vielen, die sich AIDS-Risiken aussetzen (3, 7), sind Antikörper gegen ein Retrovirus nachgewiesen worden. Dieses Virus wurde 1983 entdeckt (15). Der "AIDS-Test" stellt Antikörper gegen dieses Virus fest (3, 7). Weniger als ein Jahr später wurde das Virus 1984 vom US-Gesundheitsministerium als Ursache für AIDS angenommen und der AIDS-Test als Patent angemeldet - noch bevor die erste amerikanische AIDS-Arbeit veröffentlicht war (16). Die epidemiologische Korrelation zwischen diesen Antikörpern und AIDS bildet die primäre Basis für die Hypothese, daß AIDS von diesem Virus verursacht wird (3, 7, 12, 14, 17, 18). AIDS wird außerdem für eine Viruserkrankung gehalten, weil es bei einem kleinen Prozentsatz von seropositiven Bluttransfusionsempfängern gefunden wird (siehe unten*, 3, 12, 19-22). Im Hinblick darauf wurde das Virus von einer internationalen Kommission von Retrovirologen "menschliches Immundefizienz-Virus (HIV)" genannt (18), und der Nachweis von Antikörpern gegen HIV wurde Bestandteil der AIDS-Definition (3, 5, 7).*
<      * "Die Diagnose AIDS ist nicht zulässig, wenn Tests für Serum-Antikörper gegen HIV negativ sind oder der Virus-Isolationstest nicht gelingt.")

Wenn sich diese Hypothese als richtig erweist, wäre HIV das erste klinisch relevante Retrovirus überhaupt und besonders seit das "US-Virus Cancer Program" 1971 zur Suche nach viralen Karzinogenen aufgerufen hat (23, 24).

Die Virus-AIDS-Hypothese besagt, daß das Retrovirus HIV AIDS durch Zerstörung von T-Zellen nach dem Muster der zytoziden Viren verursacht (3, 6, 7, 12, 18) und daß AIDS sexuell und parenteral übertragen wird (3, 7, 12, 19, 22). Anfängliche Hinweise für einen T-Zellspezifischen HIV-Rezeptor stützten diese Hypothese (25). Neuerdings jedoch hat die angebliche T-Zell-Spezifität von HIV an Bedeutung verloren, weil HIV in T-Zellen kaum nachweisbar ist und oft nur in Monozyten (26 - 28) und anderen Körperzellen (23, 29 - 32) gefunden wird. Damit zeigt dieses Virus den gleichen Mangel an Virulenz und den gleichen breiten Wirtsbereich gegenüber differenzierten Zellen wie alle anderen menschlichen und tierischen Retroviren (17, 23).

Die Virus-AIDS-Hypothese postuliert weiter, daß AIDS bei etwa 50 % derjenigen, die regelmäßig Risikoverhalten praktizieren oder regelmäßig Bluttransfusionen erhalten, 8 Jahre nach dem Auftreten antiviraler Antikörper vorkommt und bei etwa 100 % der Seropositiven nach 15 Jahren (5 - 7, 20 - 22, 33 -38). Deshalb wird HIV als "langsames" Virus oder Lentivirus bezeichnet (40). Wegen der 50-100% effizienten Konversion von seropositiv nach AIDS wird heute Seropositivität bereits als "HIV-Krankheit" bezeichnet (7), und selbst symptomlose Seropositive werden chemotherapeutischer Behandlung unterzogen (39). Die Dauer der asymptomatischen Intervalle ist im Einzelfall nicht vorauszusagen und variiert zwischen weniger als 1 Jahr und mehr als 15 Jahren (22, 33-38). Ist AIDS diagnostiziert, beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung etwa 1 Jahr (35).

Die schnelle Annahme der "Virus-AIDS-Hypothese" durch das US-Gesundheitsministerium (16) und durch die Retrovirologen (17, 18) ist der wahrscheinliche Grund dafür, daß die Hypothese allgemein kritiklos übernommen wurde. Zum Beispiel wird das Virus typischerweise als "tödlich" bezeichnet von der Presse (41, 42) und als "öffentlicher Feind Nr. 1' vom US-Gesundheitsministerium (43). Im Hinblick darauf ist es überraschend, daß das Virus noch keinen einzigen AIDS-Fall unter Hunderten von ungeimpften AIDS-Forschern gefordert hat, obwohl diese das Virus bereits 5 Jahre in Titern züchten, die die Konzentration des Virus bei AIDS-Patienten um millionenfach übertreffen, und dabei nicht mehr Vorsichtsmaßnahmen treffen als für andere, mäßig pathogene Viren (44). Es ist ferner überraschend, daß trotz 2000 bekannter (und wahrscheinlich viel mehr unbekannter) parenteraler Kontakte mit HIV-infiziertem Material unter ungeimpften Krankenpflegern (19, 22, 186) prozentual nicht mehr AIDS-Fälle auftreten als in der übrigen amerikanischen Bevölkerung (45). Außerdem ist nicht anzunehmen, daß ein sexuell übertragbares Virus (7, 12) im Laufe von 8 Jahren nicht mehr als 1649 sexuell bedingte AIDS-Fälle unter 125 Millionen amerikanischer Frauen hervorgerufen haben soll (4) - und diese Zahl ist noch nicht einmal korrigiert für seropositive Frauen, die solche Krankheiten binnen 8 Jahren sowieso entwickelt hätten. Überdies ist es paradox für eine angeblich neue Virusepidemie (12 - 14), daß die geschätzte Zahl infizierter Personen in den USA seit Entwicklung des AIDS-Tests mit 0,5 bis 1,5 Millionen konstant geblieben (46-48) oder sogar auf weniger als 1 Million abgesunken ist (7, 38).

Etwa vor 2 Jahren habe ich meine Vermutung geäußert, daß HIV wahrscheinlich nicht die Ursache für AIDS ist (23, 48 - 50, 180). Mein Standpunkt wurde auf Konferenzen und in Publikationen scharf angegriffen oder verteidigt (14, 32, 51-65, 180). Im folgenden nehme ich Stellung zu diesen Angriffen.

HIV erfüllt nicht Kochs Postulate

HIV kann den Untergang von T-Zellen und den klinischen Verlauf von AIDS nicht erklären.

Der kausale Erreger einer Infektionskrankheit ist klassisch definiert durch die Postulate von Robert Koch und Jacob Henle (66, 67). Sie wurden a priori von Henle formuliert etwa 50 Jahre, bevor Bakterien und Viren als Pathogene bekannt wurden (67). Der definitive Text stammt jedoch von Koch, um kausale von nichtkausalen Erregern zu unterscheiden, zu einer Zeit, als Bakteriologen auf der Suche nach pathogenen Mikroben mit Kochs neuentwickeltem Bakterientest alle möglichen Bakterien fanden. Diese Situation ähnelte derjenigen, die wir heute durch unsere effizienten Nachweismethoden für Viren geschaffen haben (68). Das erste Postulat besagt, daß "der Parasit in jedem einzelnen Falle der betreffenden Krankheit anzutreffen ist, und zwar unter Verhältnissen, welche den pathologischen Veränderungen und dem klinischen Verlauf der Krankheit entsprechen" (6 7). Jedoch ist kein freies Virus bei den meisten und nur sehr wenig bei einigen Personen mit AIDS oder bei symptomlosen Trägern zu finden (69, 70). Virustiter variieren von 0-10 infektiösen Einheiten pro Milliliter Blut (69, 70). Virale RNA ist nur bei einem sehr kleinen Prozentsatz der Blutzellen in 50-80% aller seropositiven Personen nachweisbar (71-74, 187). Überdies ist kein Provirus in 70 - 100 % aller symptomatischen oder symptomlosen seropositiven Personen durch direkte molekulare Hybridisierung von zellulärer DNA mit klonierter proviraler DNA (73, 75, 18 7) an der Grenze der Empfindlichkeit dieser Methode nachweisbar (76). Antikörper gegen HIV sind lediglich in 40 % aller amerikanischen Fälle bestätigt und nur in 7 % der AIDS-Fälle von New York und San Francisco, die etwa ein Drittel aller amerikanischen AIDS-Fälle ausmachen (5). In einigen Fällen verschwinden selbst die Antikörper gegen HIV, wegen chronischer HIV-Latenz oder wegen des totalen Verlustes des HI-Provirus (77, 88) - ähnlich dem Verlust von Antikörpern gegen andere Viren lange nach der Infektion. Dementsprechend veröffentlichten die Centers for Disease Control Kriterien zur Diagnose von AIDS, wenn alle Labornachweise für HIV negativ sind (5). Das heißt, daß HIV, obwohl virale Elemente bei vielen AIDS-Patienten aufspürbar und Antikörper zumindest per definitionem bei allen vorhanden sind. Kochs erstes Postulat im Hinblick auf eine spürbare Präsenz und auf "Verhältnisse, welche den pathologischen Veränderungen und dem klinischen Verlauf der Krankheit entsprechen", nicht erfüllt. Im Falle von AIDS und HIV erscheinen AIDS-Symptome, wenn überhaupt, mit durchschnittlich 8jähriger Verzögerung nach der Infektion. Die Abwesenheit von freiem Virus -bei den meisten AIDS-Fällen und auch bei seropositiven symptomlosen HIV-Trägern erklärt, warum HIV nicht leicht übertragbar ist (19, 22, 23, 35). Zum Beispiel ist die Wahrscheinlichkeit, das Virus durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr von einem Seropositiven auf einen Seronegativen zu übertragen, etwa 1:500 (79, 80).

Wegen der extrem niedrigen Titer kann HIV nur mit größten Schwierigkeiten von AIDS-Patienten Isoliert werden.

Koch postulierte weiter, daß der Erreger bei allen Krankheitsfällen isoliert und vermehrt werden kann. Obwohl eine Virusisolierung bei AIDS-Patienten bei 80 % aller Seropositiven möglich ist, ist sie technisch äußerst schwierig (23, 69, 70, 81-84). Isolierung gelingt nur über Reaktivierung von ruhendem Provirus, das nur in wenigen unter Millionen nichtinfizierter Lymphozyten vorkommt. Das erfordert die Züchtung von etwa 5 Millionen Lymphozyten in Gewebekultur, außerhalb des virusunterdrückenden Immunsystems des Wirtes (23, 48-50). Selbst dann ist dieses Verfahren manchmal erst nach 15 (!) Versuchen erfolgreich (85). Diese Schwierigkeiten und die häufig über 20%ige Mißerfolgsrate (84) bei Virusisolationsversuchen entsprechen den extrem niedrigen Virustitern bei AIDS-Patienten. Das heißt: HIV erfüllt Kochs zweites Postulat nicht. Die In-vitro Reaktivierung von latentem HIV aus Zellen von seropositiven HIV-Tägern verläuft genau analog der Isolierung von Epstein-Barr-Virus (EBV) von gesunden Menschen mit Antikörpern gegen EBV (86). Wie im Fall von HIV (siehe unten) können akute EBV-Infektionen manchmal eine Mononukleose verursachen (86 - 88). Die darauffolgende antivirale Immunität beschränkt EBV dann auf chronische Latenz (86). Da latentes EBV, genau wie latentes HIV, nur in etwa 1 von 107 Lymphozyten vorkommt, müssen Millionen von Zellen in Gewebekultur gezüchtet werden, um das latente EBV zu aktivieren (86).

Infektionen mit reinem HIV führen weder beim Menschen noch beim Tier zu AIDS.

Tiermodell: Kochs drittes Postulat verlangt, daß ein gereinigter Erreger nach experimenteller Infektion eines geeigneten tierischen oder menschlichen Wirts Krankheit hervorruft. Infizierte Schimpansen produzieren Antikörper - ein Beweis dafür, daß sie für das Virus empfänglich sind. Jedoch waren alle Versuche, AIDS bei Schimpansen zu verursachen, erfolglos - der Zeitpunkt der Serokonversion liegt bisher bis zu 5 Jahre zurück (23). Demzufolge ist Kochs drittes Postulat des Tiermodells nicht erfüllt.

Iatrogene Infektionen von Menschen: Wegen der extrem niedrigen Virustiter in allen antikörperpositiven Materialien sind nur sehr wenige Zufallsinfektionen bekannt geworden. Vier Frauen, die 1984 künstlich befruchtet wurden, haben Antikörper gegen HIV entwickelt. Doch keine bekam AIDS oder hat HIV auf ihren Mann übertragen, obwohl die im Durchschnitt angeblich 8jährige Inkubationszeit noch nicht abgelaufen ist (siehe unten). Überdies haben drei dieser Frauen gesunde Kinder geboren (89). Hinzu kommen 15 bis 20 bekannt gewordene seropositive Krankenpfleger und Wissenschaftler, die sich während der letzten 4 Jahre während ihrer Berufsausübung infiziert haben - doch keiner von diesen hat bisher AIDS entwickelt (19, 22, 23, 45, 85, 90, 186).

Neuerdings wurde ein einzelner Fall beschrieben, in dem eine zufällige Infektion eines Krankenpflegers zu AIDS geführt haben soll (45). Der Bericht war allerdings anonym und ohne Angaben über die Symptome, das Geschlecht des Patienten und die Latenzperiode zwischen Infektion und dem Auftreten von AIDS-Symptomen (45). Dieser Fall wurde als Beweis für das dritte KochPostulat angeführt (14). Doch 2 586 Krankenpfleger haben AIDS ohne vorausgegangene, beruflich bedingte Infektion bekommen. Etwa 95 % dieser Fälle sind den bekannten Risikogruppen zuzuordnen, und 5 % sind ohne verifizierbare AIDS-Risiken (45), - welche bekanntlich schwer zu eruieren sind (91, 92). Von den 135 Krankenpflegern (5 % von 2 586), die AIDS ohne nachweisbare Risiken bekommen haben, wurde der eine Fall mit beruflich bedingter Infektion als Beweis für die VirusHypothese ausgewählt, obwohl 134 andere AIDS-Fälle sich ohne eine solche Infektion entwickelt haben. Es erscheint jedoch willkürlich, eine Hypothese auf einen Fall aufzubauen, wenn 134 andere Fälle die Hypothese nicht stützen. Um die Hypothese zu beweisen, ist es notwendig zu zeigen, daß der Anteil von Krankenpflegern mit AIDS, die nicht zu den bekannten Risikogruppen gehören, höher ist als der in der Gesamtbevölkerung, und daß er der Geschlechtsverteilung beim Pflegepersonal entspricht. Doch sowohl die Häufigkeit als auch die Geschlechtsverteilung der AIDS-Fälle unter Krankenpflegern sind genau die gleichen wie in der Gesamtbevölkerung (4): 92 % sind männlich, obwohl 75 % des Pflegepersonals weiblich sind (45). Hinzu kommt, daß ein späterer Bericht, der den o. g. Fall einschloß, von keinem AIDS-Fall bei im Beruf infizierten Krankenpflegern berichtet, sondern nur von vorübergehenden mononukleoseartigen Krankheitsbildern (186).

Bluttransfusionen sind eine weitere Quelle iatrogener Infektionen. Die am besten dokumentierten Fälle sind die 10000-14000 amerikanischen Bluter mit HIVAntikörpern (19, 38, 47, 93, 94), von denen nur 646 zwischen 1981 und August 1988 AIDS-Symptome entwickelt haben (4). Von Januar bis August 1988 entwickelten 290 AIDS (im gesamten Vorjahr waren es 178) (4). Das entspricht einer jährlichen Erkrankungsrate unter Seropositiven von 1-3 %. Höhere Raten von bis zu 25 % sind bei manchen Hämophilengruppen beobachtet worden (20, 21, 35, 36, 38). Jedoch ist die Hypothese, daß AIDS bei Transfusionsempfängern von HIV herrührt, aus mehreren Gründen spekulativ:

1. Bluttransfusionen unterscheiden nicht zwischen HIV und anderen unentdeckten Viren, Mikroben und Toxinen. Das trifft besonders auf HIV zu, da HIV-positives Blut zur Zeit der Übertragung überhaupt nicht auf HIVAntikörper getestet werden konnte, weil der Test erst 1985 entwickelt wurde.

2. Es ist Spekulation, daß Transfusionsempfänger keine anderen AIDS-Risiken als HIV während der 8 Jahre, die durchschnittlich zwischen einer HIV-Infektion und AIDS verstreichen, gehabt haben sollen (20, 21). Die Transfusionshypothese wäre überzeugender, wenn AIDS gleichzeitig mit der akuten Virusreplikation kurz nach einer bestimmten Transfusion auftreten würde.

3. Transfusions-AIDS-Fälle kommen hauptsächlich bei Personen mit anderen Gesundheitsrisiken wie zum Beispiel Hämophilie vor und sind deshalb für die Gesamtbevölkerung nicht repräsentativ.

4. Vor allem sind alle Studien über Transfusionsfälle nur anekdotisch (95, 96). Es gibt bisher keine kontrollierten Studien, die zeigen, daß Transfusionsempfänger mit HIV-Antikörpern häufiger Krankheiten entwickeln, die heute AIDS heißen, als solche ohne HIV-Antikörper. Die Behauptung, daß HIV AIDS hervorruft, ist auch in der irrtümlichen Versicherung enthalten, daß neue AIDS-Fälle durch Transfusion nicht mehr vorgekommen sind, seit der AIDS-Test 1985 eingeführt wurde (12, 14), und zwar durch eine 40fache Reduzierung von Transfusionen mit antikörperpositivem Blut (95). In Wirklichkeit haben sich die AIDS-Fälle durch Transfusion bei Erwachsenen von Januar bis August 1988 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt (4, 49). Den Zuwachs unter den Erwachsenen könnte man erwarten, wenn man erstens die 8jährige Inkubationszeit von HIV bis AIDS akzeptiert (siehe unten) und zweitens davon ausgeht, daß HIVÜbertragungen durch Transfusionen vor etwa 8 Jahren rapide zugenommen haben und dann vor drei Jahren gestoppt wurden. Die Zunahme der pädiatrischen Fälle angesichts der 40fachen Reduzierung der Transfusion von antikörperpositivern Blut spricht jedoch direkt gegen HIV als Ursache für AIDS, weil die durchschnittliche Inkubationszeit bei Kindern nur zwei Jahre betragen soll (21,36).

HIV erfüllt nicht die üblichen epidemiologischen, biochemischen, serologischen, kinetischen, genetischen und evolutionären Kriterien eines viralen Pathogens.

Die epidemiologischen Daten von HIV und AIDS stimmen nicht überein.

Es wurde angenommen, daß epidemiologische Daten ausreichen, um einen kausalen Erreger zu identifizieren, insbesondere bei Krankheiten, bei denen Kochs Postulate nur schwer zu erfüllen sind (67), wie im Fall von HIV (12, 14, 32). Dennoch bestätigt selbst eine übereinstimmende Korrelation mit dem Virus - nicht mit Antikörpern - höchstens das erste Koch-Postulat. Aber die epidemiologischen Daten von AIDS und HIV stimmen in verschiedenen Risikogruppen und Ländern nicht überein.

Etwa 10 % der 30 Millionen Einwohner von Zaire sind seit 1985 seropositiv (46, 98, 184). Dennoch sind bis 1988 nur 335 AIDS-Fälle aus Zaire gemeldet worden (97, 99). Das entspricht einerjährlichen Erkrankungsrate bei Seropositiven von 0,004 %. Seit 1985 ist bekannt, daß 6 % der 6 Millionen Haitianer seropositiv sind (46, 100), aber nur 912 AIDS-Fälle wurden bis 1988 von Haiti gemeldet (97). Das entspricht einer jährlichen Erkrankungsrate von 0, 1 %. Von den 0, 5 - 1,5 Millionen seropositiven Amerikanern haben etwa 29000 von August 1987 bis August 1988 AIDS entwickelt (4). Das schließt etwa 9000 ein, die nur nach der AIDS-Definition von 1987 AIDS hatten (5). In den beiden Vorjahren hatten jeweils 16 000 und 17 000 AIDS entwickelt, so wie es vor 1987 definiert war (4). Das entspricht jährlichen Erkrankungsraten von etwa 1,5 % für den durchschnittlichen seropositiven Amerikaner. Folglich variiert das AIDS-Risiko eines Seropositiven mit dem Land, in dem er wohnt. Diese Berechnungen gehen alle davon aus, daß die Anzahl der kurz- oder langzeitigen HIV-Träger in diesen Ländern vergleichbar sei. Diese Annahme stützt sich auf die Behauptung, daß HIV vor etwa 10-20 Jahren in all diesen Ländern neu eingeführt wurde (3, 7, 12 - 14).

Hinzu kommt, daß das AIDS-Risiko eines seropositiven Amerikaners stark mit der Risikogruppe variiert, zu der er oder sie gehört. Zum Beispiel entwickeln jedes Jahr 3 - 25 % der seropositiven Amerikaner, die sich regelmäßig AIDS-Risiken aussetzen oder Bluter sind, AIDS (7, 21, 22, 33 - 38). Das heißt, die durchschnittliche amerikanische AIDS-Inzidenz im Verhältnis zur Zahl der Seropositiven von 1,5 % pro Jahr setzt sich aus Minderheiten zusammen, die zu 3-25% erkranken, und Mehrheiten, die nur zu fast 0 % erkranken. Da die AIDS-Inzidenz von 0 bis über 10 % bei Seropositiven von deren Lebensstil, Gesundheitszustand und Wohnsitz abhängt (35), kann HIV folglich keine ausreichende Ursache für AIDS sein.

AIDS trotz minimaler Aktivität von HIV

Während der Replikation sind alle Viren in ihrer Wirtszelle sehr aktiv. Wenn sie sich in mehr Zellen vermehren als der Wirt erübrigen oder regenerieren kann, dann rufen sie gewöhnlich eine Krankheit hervor (48, 86).

Paradoxerweise ist HIV äußerst inaktiv, selbst wenn es eine tödliche Immundefizienz erzeugen soll. Virale RNA-Synthese ist nur in 1 von 104 - 106 mononuklearen Lymphozyten, einschließlich T-Zellen, nachweisbar (21-24). Häufig kann Virus nur in Monozyten und Makrophagen und nicht in T-Zellen gefunden werden (26 - 28). Virale RNA-Synthese in Monozyten und Makrophagen findet auf dem gleichen niedrigen Niveau wie in anderen Lymphozyten statt (72). Folglich gibt es bisher keinen experimentellen Beweis für die auf Ergebnissen in Gewebekultur basierende Vorstellung, daß Monozyten und Makrophagen die Reservoire des Virus in vivo seien (6, 12, 28). Außerdem produzieren nur ganz wenige Lungen- und Gehirnzellen HIV-RNA (101, 102, 187). Mit diesem Infiltrationsgrad kann HIV nach keinem bekannten Mechanismus für den Untergang von T-Zellen, das Merkmal von AIDS, verantwortlich sein, selbst wenn alle infizierten T-Zellen absterben würden. Während der zwei Tage, die ein Retrovirus zur Replikation benötigt, regeneriert der Körper etwa 5 % seiner T-Zellen (23, 103), mehr als genug, um die angeblichen Verluste durch HIV zu kompensieren. Also kann HIV keine ausreichende Ursache für AIDS sein.

Obwohl praktisch kein freies Virus und nur eine minimale RNA-Synthese bei AIDS-Patienten und symptomlosen Virusträgern nachweisbar ist (71 - 74), wird argumentiert, das virale p24-Protein werde bei AIDSPatienten mehr produziert als bei symptomlosen HIVTrägem (83, 84, 104 -108, 183). Alle Arbeiten über p24 berichten aber über AIDS-Fälle ohne p24-Antigenämie; das bedeutet, daß p24 für AIDS nicht erforderlich ist (83, 84, 104-108, 183). Diese Arbeiten beschreiben auch p24-Antigenämien ohne AIDS; also ist p24 für AIDS keine hinreichende Voraussetzung (72, 84, 104 - 108, 183). Ferner sind antigenämische HIV-Träger nicht virämisch, weil sie immer einen Überschuß an virusneutralisierenden Antikörpern gegen das virale Hüllprotein und somit einen positiven AIDS-Test haben (72, 83, 104-108, 183). Hinzu kommt, daß der kolorimetrische Antikörpertest für p24 ungelöste Fragen aufwirft. Angeblich ist die Nachweisgrenze der Tests bei 50 pg / ml, und bis zu 100mal mehr p24 soll bei einigen Virusträgern gefunden werden (83, 84, 104-109). 500 pg p24 sind das Proteinäquivalent für 106 HIV-Partikel, (ein Retrovirus wiegt nur 10-3 pg, wovon etwa die Hälfte aus p24 besteht (110╗. Solche hohen Konzentrationen an p24 sind weder mit den extrem wenigen Zellen in Einklang zu bringen, die bei AIDS-Patienten HIV-RNA produzieren (6, 71- 74, 101, 102), noch mit dem Scheitern von Virusisolationsversuchen bei 20-50% der antigenämischen Patienten (83, 84). Nach meiner 24jährigen Erfahrung mit Retroviren können nur große Mengen von infizierten Zellen, die bei fehlender antiviraler Immunität in vivo oder in vitro wachsen, solch hohe Titer von Virus oder Virusprotein produzieren. Deshalb sind die Behauptungen, daß HIV beim Auftreten von AIDS aktiv würde oder daß eine p24-Antigenämie für AIDS notwendig wäre (6, 7,12, 31, 35), ohne experimentelle Basis.

AIDS entwickelt sich trotz antiviraler Immunität.

Viren sind gewöhnlich pathogen, bevor virusneutralisierende Antikörper auftreten und sich eine zelluläre Immunität entwickelt. Antikörper signalisieren eine erfolgreiche Abwehr gegen das Virus und einen dauerhaften Schutz (Vakzination) gegen Krankheiten durch gleiche oder ähnliche Viren. Immunität ist die einzige Waffe gegen virale Krankheiten.

Paradoxerweise soll HIV AIDS definitionsgemäß erst Jahre nach Entwicklung einer sehr aktiven antiviralen Immunität erzeugen (3, 5). Wenn diese Behauptung stimmt, wäre HIV das erste Virus, das eine Krankheit erst nach dem Entstehen antiviraler Immunität erzeugt. Überdies ist die Effizienz dieser Immunität der Grund dafür, daß das HI-Provirus chronisch latent bleibt und daß freies Virus bei AIDS-Patienten nicht nachweisbar ist (69). Die Behauptungen einiger Wissenschaftler, daß antivirale Antikörper HIV nicht neutralisieren (3, 32, 55, 56, 59, 113-115), sind nicht vereinbar mit der effizienten Immunität in vivo und mit der experimentellen Evidenz für virusneutralisierende Aktivität in vitro (23, 115-119). In dieser Hinsicht ist eine Impfung von Seropositiven völlig überflüssig, selbst wenn HIV die Ursache für AIDS wäre (3, 7, 12, 111-113).

Obwohl die meisten Viren durch Immunität eliminiert werden, persistieren einige in latenter Form, stark eingeschränkt durch antivirale Immunität, wie zum Beispiel Retroviren und Herpes-Viren (23, 86, 87). Solche Viren können nach Reaktivierung wieder pathogen werden. Zum Beispiel erzeugen reaktivierte Herpes-Viren Fieberblasen oder Zoster selbst in Gegenwart von Antikörpern (120). Reaktivierung kann erfolgen nach einem Schwinden zellulärer Immunität als Folge von anderen, parasitären Infektionen, Bestrahlung oder immunsuppressiver Behandlung (23, 86). Außerdem wurde behauptet, daß 8 Jahre nach Primärinfektion und Immunitätsentwicklung latente Masern-Viren eine subakute Panenzephalitis (121) bei etwa einer von 1 Million Infektionen erzeugen (86) und daß ein anderes latentes Paramyxovirus Multiple Sklerose hervorruft (121). Jedoch konnten diese Viren in jedem System nur in zwei von acht Fällen in Gewebekultur von Millionen von Patientenzellen isoliert werden (121). Hinzu kommt, daß Multiple Sklerose neuerdings von einem latenten Retrovirus erzeugt werden soll, das dem HIV nahe verwandt ist (122), und daß eine subakute Enzephalitis von HIV hervorgerufen werden soll (28, 187). Das heißt, es gibt keinen bewiesenen Präzedenzfall für die Hypothese, daß HIV AIDS erst Jahre nach dem Auftreten antiviraler Immunität erzeugen und außerdem dabei so inaktiv bleiben soll wie bei asymptomatischen Infektionen.

Es wurde angenommen, daß während der langen Intervalle zwischen HIV-Infektion und AIDS pathogene HIVMutanten entstehen und daß diese der antiviralen Immunität durch den Verlust spezifischer Epitope (28, 31, 82, 90, 112, 113, 123, 124) entgehen könnten oder sogar dadurch, daß sie ihren Wirtsbereich von T-Zellen auf Makrophagen wechselten (44). Jedoch gibt es keinen einzigen Bericht, der eine HIV-Mutante beschreiben würde, die sich mit hohen Titern bei AIDS-Patienten repliziert. Weiterhin ist es sehr unwahrscheinlich, daß eine Mutante einer bestehenden Immunität entgehen könnte, weil sie die meisten variablen und notwendigerweise alle konstanten Determinanten mit der vorausgegangenen Virusgeneration teilt. Obwohl alle Retroviren einschließlich HIV (125-128) mit einer Rate von 1:104 Nukleotiden während der Replikation mutieren, wurde bisher nie beobachtet, daß ein Retrovirus einer bestehenden Immunität entkam. Es wurde weiter angenommen, HIV entkäme dem Immunsystem dadurch, daß das Virus sich durch Kommunikation von Zelle zu Zelle verbreitet (28, 32, 115, 117, 129). In vivo verbreitet sich HIV jedoch nicht, ganz im Einklang mit der Synzytiablockierenden Funktion natürlicher antiviraler Antikörper (23, 115, 119).

Intervalle von 2 -15 Jahren zwischen HIV-Infektion und AIDS sind nicht mit einer HIV-Replikation vereinbar.

Wenn zytozide Viren oder Retroviren Krankheiten erzeugen, tun sie das innerhalb von 1 bis 2 Monaten nach der Infektion (23, 86). In dieser Zeit hat das Immunsystem entweder das Virus eliminiert oder zur Latenz gebracht, oder das Virus überwindet das Immunsystem und tötet den Wirt. Kliniker haben in der Tat beobachtet, daß HIV in seltenen Fällen eine mononukleoseartige Krankheit - wahrscheinlich durch eine akute Infektion - hervorruft, bevor eine antivirale Immunität auftritt (23, 69, 130, 186). Da diese Krankheit mit viraler Aktivität korreliert (69) und innerhalb weniger Wochen verschwindet, während der Wirt antivirale Immunität entwickelt, ist sie möglicherweise die wahre HIVKrankheit.

Bedenkt man, daß HIV sich binnen zweier Tage in Gewebekultur vermehrt und binnen 1-2 Monaten antivirale Immunität induziert (19, 23, 69, 130), sind die langen und in ihrer Dauer nicht vorhersehbaren Intervalle zwischen HIV-Infektion und AIDS, die sich über 1-15 Jahre erstrecken (20, 35, 38), äußerst seltsam. Die durchschnittliche Latenzperiode soll bei Erwachsenen 8 Jahre dauern (21, 33 - 38) und bei Kindern 2 Jahre (21, 36). Tatsächlich sind 2 Jahre Immunität erforderlich, bevor sich AIDS bei Erwachsenen manifestiert (7, 38). Es ist außerdem unbegreiflich, daß HIV bei Erwachsenen durchschnittlich 6 Jahre länger brauchen soll, um AIDS zu erzeugen, als bei Kindern. Wenn man akzeptiert, daß 50 - 100 % der seropositiven Amerikaner irgendwann AIDS bekommen sollen (7, 20 - 22, 33 - 3 7), dann entspricht die durchschnittliche jährliche Erkrankungsrate von 1,5 % bei seropositiven Amerikanern grotesken Latenzperioden von 30-65 Jahren. Diese Intervalle machen deutlich, daß HIV alleine nicht ausreicht, um AIDS zu initiieren. Da alle HIV-Gene während der frühen immunogenen Phase der Infektion aktiv sind, würde man erwarten, daß AIDS gleich nach der Infektion in Erscheinung tritt statt Jahre später, wenn HIV inaktiv ist (23).

In der Absicht, diese langen Intervalle zwischen HIVInfektion und AIDS zu erklären, wurde HIV ein langsames oder Lenti-Virus genannt (40). Das ist eine Retrovirus-Art, die erst nach langer Inkubationszeit pathogen sein soll (129). In Wirklichkeit gibt es jedoch keine "langsamen" Viren. Da virale Nukleinsäuren und Proteine von der Zelle synthetisiert werden, müssen Viren sich genauso schnell oder schneller als Zellen vermehren (d. h. in Stunden oder Tagen), um zu überleben (86, 87).

Dennoch können sich Viren als Pathogene sehr verschieden verhalten: 1. Sie können schnell sein bei akuten Infektionen, die viele aktiv infizierte Zellen betreffen. 2. Sie können langsam sein bei subakuten Infektionen, die eine begrenzte Zellzahl betreffen. 3. Oder sie können latent und deshalb asymptomatisch vorhanden sein.

Retroviren geben für jede dieser pathogenen Rollen Beispiele ab. Akute Infektionen mit dem "langsamen" Visna/Maedi-Retrovirus der Schafe (ein Lentivirus) führen kurzfristig zu Pneumonie (131), und Infektionen mit dem Pferde-Anämie-Lentivirus rufen Fieber und Anämie innerhalb von Tagen oder Wochen nach der Infektion hervor (132). Solche Infektionen führen gewöhnlich zu Titern von 104-105 Einheiten pro Milliliter oder Gramm Gewebe (132, 133). Das Ziegen-ArthritisEnzephalitis-Lentivirus ist auch binnen 2 Monaten nach der Infektion pathogen (134). Akute Infektionen mit anderen Retroviren führen ebenfalls kurzfristig zu degenerativen Krankheiten oder Krebs (23), Das schließt Retrovirusinfektionen ein, die heute als Tiermodelle für AIDS vorgestellt werden, z. B. Affen- oder Katzen-AIDS (12, 23, 30, 111, 135). Im Gegensatz zu HIV in bezug auf AIDS sind diese Viren alle sehr aktiv, wenn sie Krankheiten erzeugen, und die entsprechenden Krankheiten treten alle kurz nach der Infektion auf (23). In seltenen Fällen, wenn die antivirale Immunität nicht in der Lage ist, Visna / Maedi- oder andere Retroviren ausreichend zu limitieren, persistieren diese Viren als subakute Infektionen (3, 86, 129, 133). Unter diesen Bedingungen ruft das Visna / Maedi-Virus eine langsame, progressive Pneumonie hervor (129, 133, 136), bei der es chronisch eine begrenzte Zellzahl infiziert, die mäßig hohe Virustiter von 102-105 Viren pro Gramm Gewebe produziert (136). Jedoch wird in über 99% aller Visna / Maedi- oder Ziegen-Arthritis-Enzephalitis-Virusinfektionen das Retrovirus entweder eliminiert oder durch Ausbildung einer Immunität zur Latenz gebracht. Diese Viren sind dann asymptomatisch genau wie nahezu alle Retroviren bei Mäusen, Hühnern, Katzen und anderen Tieren (23). Zum Beispiel haben 30 - 50 % aller gesunden Schafe in den USA, Holland und in der Bundesrepublik Deutschland symptomlose Visna / MaediVirus-Infektionen (129, 137, 138), und 80 % aller Ziegen in den USA haben symptomlose Ziegen-ArthritisEnzephalitis-Virus-Infektionen (133) in Gegenwart von antiviraler Immunität.

Das heißt: Die progressiven Krankheiten, die chronisch akute Retrovirus-Infektionen hervorrufen, hängen von der relativen Toleranz gegenüber dem Virus ab, die ihrerseits das Produkt seltener, angeborener oder erworbener Immundefizienzen oder von kongenitalen Infektionen ist, die erworben wurden, bevor das Immunsystem arbeitete. Da einer Toleranz gegen HIV akute, chronische HIV-Infektionen folgen müßten, die niemals beobachtet wurden und mit Sicherheit nicht in 50 - 100 % aller HIV-Infektionen zu erwarten wären (der Prozentsatz, der zu AIDS führen soll (ref. 7, siehe oben), sind die seltenen Retrovirus-Infektionen von Tieren, die langsame, progressive Krankheiten hervorrufen, auch keine Modelle dafür, wie HIV AIDS erzeugen könnte. Tatsächlich wurde nicht eine einzige akute Retrovirusinfektion jemals bei Menschen beobachtet (23).

Das Paradox, daß HIV, ein nicht zytozides Retrovirus, durch T-Zell-Zerstörung AIDS erzeugen soll.

Im Gegensatz zu den zytoziden Viren, die bei der Replikation obligatorisch die Wirtszellen zerstören, brauchen Retroviren lebensfähige Zellen zur Replikation (139). Im Infektionsverlauf wird provirale DNA durch Integration in die Zell-DNA ein zelluläres Gen. Ein solcher Mechanismus wäre für ein zytozides Virus überflüssig. Daran anknüpfend ist Retrovirusreplikation dasselbe wie zelluläre Genexpression in lebendigen Zellen und kann sogar hyperplastisches Zellwachstum auslösen (17, 23). Andererseits können Retroviren als latente Proviren genau wie latente zelluläre Gene überleben. Ihre Besonderheit, Zellen nicht abzutöten, ist der Grund dafür, daß Forscher Retroviren so lange für die plausibelsten viralen Karzinogene gehalten haben (17, 23, 140).

Dennoch soll HIV, ein Retrovirus, sich wie ein zytozides Virus verhalten, das AIDS durch Zerstörung von Milliarden von T-Zellen hervorruft (3, 5, 6, 12, 31). Dies wird behauptet, obwohl HIV-infizierte T-Zellinien unsterblich bleiben (12, 23) und primäre Nabelschnurzellen sich in Gewebekultur nach der Infektion weiterteilen und dabei bis zu 106 infektiöse HIV-Einheiten pro Milliliter synthetisieren (82), viel mehr als bei AIDS-Patienten. Außerdem wachsen HIV-infizierte Monozyten, Makrophagen(28,141-146) und B-Zellen(17,23, 147)ohne zytopathische Veränderungen oder Zelltod in vitro. Es ist typisch für Retroviren, daß HIV seine Wirtszellen nicht tötet.

Die zytopathischen Effekte, die manchmal kurz nach der Infektion in HIV-infizierten Zellen in vitro beobachtet werden (aber bisher nie bei Menschen), brechen diese Regel nicht (23). Diese frühen Infektionseffekte stammen von Zellfusionen zwischen HIV-infizierten und nichtinfizierten Zellen. Solche Fusionen hängen vom Virusisolat und Gewebekulturbedingungen ab (23, 82, 146, 147) und können durch antivirale Antikörper völlig blockiert werden (23,115,119). Diese Fusionen sind nicht HIV-spezifisch, weil viele tierische und menschliche Retroviren in vitro zytopathische, aber niemals zytozide Eigenschaften haben (23). Deshalb könnte der Fusionseffekt in vitro relevant sein für die Mononukleose, die bei manchen Patienten kurz nach der Infektion beobachtet wird, wenn freies Virus, aber keine fusionsinhibierenden Antikörper vorhanden sind. Der Fusionseffekt kann aber für AIDS nicht von Bedeutung sein, weil dann reichlich fusionsinhibierende Antikörper vorhanden sind, und weil die Virusisolate von einigen Patienten fusionieren und die von anderen nicht (23, 82, 146, 147). Daraus folgt, daß HIV nicht einmal fähig ist, die wenigen T-Zellen zu zerstören, die es bei AIDS infiziert.

HIV, Ein gewöhnliches Retrovirus ohne AIDS-Gene.

Die "Virus-AIDS"-Hypothese sagt aus, HIV sei ein unorthodoxes Retrovirus (6, 12, 14, 31, 32), das spezifische Suppressor- und Aktivatorgene enthält, welche die 2-15jährigen Intervalle zwischen HIV-Infektion und AIDS kontrollieren (12, 3 7, 188). Jedoch sind die beiden bekannten HI-Viren (siehe unten) völlig konventionelle Retroviren. Sie haben dieselbe genetische Zusammensetzung aus etwa 9 150 Nukleotiden, dieselbe genetische Struktur einschließlich der drei essentiellen Hauptgene der Retroviren in der bekannten Verbindung gag-pol-env, denselben Replikationsmechanismus und dieselbe Mutationsfrequenz (3, 7, 17, 90, 125, 126, 148) wie alle anderen Retroviren (17, 12 7, 128, 149, 150). Menschen haben 50 bis 100 solcher Retroviren in der Keimbahn? meistens als latente Proviren (151). Die angeblich spezifischen Gene der HI-Viren (12, 188) sind alternative Leserahmen der essentiellen Gene, die allen Retroviren gemeinsam sind (3, 7, 12, 23, 90, 148). Ihre scheinbare Neuigkeit ist wohl eher das Ergebnis neuer Genanalysetechniken als HIV-spezifische retrovirale Information. In der Tat sind analoge Gene neuerdings bei anderen Retroviren gefunden worden, die kein AIDS hervorrufen, wie zum Beispiel in einem Rindervirus und in drei menschlichen Retroviren (23, 152, 188). Weil HIV und alle anderen Retroviren den gleichen genetischen Aufbau haben, können die neu entdeckten Gene nicht AIDS-spezifisch sein.

Überdies ist es sogar unwahrscheinlich, daß diese Gene die Replikation von HIV kontrollieren. In vivo ist HIV chronisch latent, obwohl die angeblichen SuppressorGene nicht aktiv sind. In vitro wird HIV in den gleichen Zellen, in denen es in vivo latent ist, in Titern bis zu 106 pro Milliliter produziert, obwohl die angeblichen Suppressor-Gene hochgradig exprimiert sind (23, 188). Deshalb meine ich, daß antivirale Immunität und nicht virale Gene die HIV-Replikation in vivo unterdrücken, wie es bei praktisch allen Retroviren bei wilden Tieren der Fall ist (23). Außerdem denke ich, daß die Vielfalt der AIDS-Symptomatik durch die Vielzahl von AIDSRisiken (siehe unten) und nicht durch ein oder wenige virale Aktivatorgene hervorgerufen wird, weil die Virus-Genexpression bei AIDS-Patienten genauso niedrig ist wie bei symptomlosen HIV-Trägern. Hinzu kommt, daß die extrem geringe genetische Information von HIV kaum dafür ausreichen kann, die unvorhersehbar langen Zeitintervalle zwischen Infektion und AIDS und das vielseitige klinische Erscheinungsbild von AIDS zu erklären. Das heißt, es gibt weder eine biochemische noch eine genetische Evidenz für die Annahme, daß HIV-Gene AIDS initiieren oder aufrechterhalten.

Das Paradox eines länder- und risikospezifischen Wirkspektrums von HIV

Ein weiterer Widerspruch der "HIV-AIDS-Hypothese" liegt darin, daß HIV in verschiedenen Risikogruppen und Ländern verschiedene Krankheiten auslösen soll. Zum Beispiel haben in den USA über 90 % aller AIDSPatienten eine Pneumocystis-carinii-Pneumonie oder ein Kaposi-Sarkom. Aber Kaposi-Sarkome kommen fast ausschließlich bei homosexuellen Männern vor (8, 191). Im Gegensatz dazu haben über 90 % aller AIDS-Patienten in Afrika Slim disease, Fieber und Diarrhö (9, 10, 64). Ferner ist es widersprüchlich, daß die Häufigkeit von Kaposi-Sarkomen bei AIDS-Fällen in den USA von 35 % im Jahr 1983 (156) auf 6 % im Jahr 1988 (4) abgesunken ist (siehe unten und ref. 190, 191) und die Häufigkeit der Pneumocystis-carinii-Pneumonie von 42 % auf 64 % angestiegen ist (8), während die angebliche Ursache - HIV - dieselbe geblieben sein soll.

Diese Tatsachen lassen sich dahingehend interpretieren, daß HIV allein nicht AIDS erzeugen kann und daß der Krankheitsausbruch wesentlich von länder- und risikospezifischen Kofaktoren abhängt. Die einfachste Erklärung wäre jedoch die Annahme, daß HIV ein harmloses, inaktives Retrovirus und kein AIDS-Erreger ist.

Im Hinblick auf die Behauptung, AIDS sei ein sexuell übertragbares Krankheitssyndrom viraler Genese (3, 7, 12), überrascht die Tatsache (4 7, 64, 65, 91, 154, 155), daß in den USA etwa 90% aller HIV-Träger und AIDSPatienten männlich sind (4, 7, 22, 38, 47). Selbst wenn man annimmt, daß HIV ursprünglich durch Homosexuelle in die USA gelangte (7), ist diese Zahl 8 Jahre später schwer mit der Geschlechtsverteilung eines sexuell übertragbaren Virus in Einklang zu bringen. Um überleben zu können, muß ein Virus neue Wirte infizieren, und das gelingt ihm am besten bei maximalen Virustitern (153). Im Fall von HIV wäre das etwa 1-2 Monate nach der Infektion vor Entwicklung der antiviralen Immunität (69). Das heißt, die 8 Jahre AIDS in den USA bedeuten etwa 50 bis 100 menschliche Passagen von HIV -genug Zeit für ein sexuell übertragbares Virus, sich unter den beiden Geschlechtern gleichmäßig zu verteilen. Im Gegensatz dazu scheint die ausgewogene Geschlechtsverteilung von HIV in Afrika mit einem sexuell übertragbaren Virus übereinzustimmen, was den Widerspruch der US-Verteilung weiter unterstreicht, insbesondere weil die HI-Viren (12) wie auch AIDS (12 - 14, 90, 113) in beiden Kontinenten für gleich neu gehalten werden.

Eine Lösung dieses Widerspruches wäre die Annahme, daß HIV nicht neu ist, sondern in Afrika endemisch vorkommt und wie die meisten Retroviren perinatal statt sexuell übertragen wird (23). Damit stimmt überein, daß 10 % der gesunden Einwohner von Zaire seropositiv sind (46, 98, 184) und daß nicht mehr als 30 % der afrikanischen Kaposi-Sarkom-Patienten HIV-infiziert sind (157, 158). Tatsächlich ist die perinatale Übertragung von der Mutter auf das Kind zu 30 - 50 % effizient (7, 22, 39), während die sexuelle Übertragung mit 1 : 500 extern ineffizient ist (siehe oben, 65, 79, 80, 154, 155). Da HIV in den USA nicht endemisch vorkommt, wird es jedoch häufiger parenteral als perinatal im Zusammenhang mit den AIDS-Risiken übertragen (siehe unten).

Evolutionäre Argumente gegen "AIDS-Viren"

Es wird behauptet, es gäbe mindestens zwei neue Retroviren, die in der Lage sind, AIDS zu erzeugen, HIV-1 und HIV-2 (3, 7, 12-14), und die sich zu 60 % in ihrer Nukleotidsequenz unterscheiden (148). Beide sollen sich erst in den letzten 20 bis 100 Jahren nach den Gesetzen der Evolution entwickelt haben (12). Da Viren wie auch Zellen Produkte stufenweiser Evolution sind, ist die Annahme, daß sich zwei so verschiedene AIDS-Viren in so kurzer Zeit entwickelt haben sollten oder von anderen Spezies auf den Menschen übergewechselt haben könnten, äußerst unwahrscheinlich (56, 65, 159). Es erscheint ebenso unwahrscheinlich, daß sich Viren entwickeln könnten, die ihren einzigen natürlichen Wirt mit 50-100%iger Effizienz töten, wie es von den HI-Viren behauptet wird (7, 33 - 98).

Schlußfolgerungen und Perspektiven

Weil HIV weder Kochs Postulate noch etablierte epidemiologische~ biochemische, serologische, kinetische, genetische und evolutionäre Kriterien eines viralen Pathogens erfüllt, schließe ich, daß HIV keine ausreichende Ursache für AIDS sein kann. Weiterhin folgt, daß HIV für AIDS nicht einmal notwendig sein müßte, weil es weder eine biochemische noch eine genetische Evidenz dafür gibt, daß es AIDS initiiert oder aufrechterhält. HIV-Infiltration und -aktivität sind gleichermaßen gering bei symptomatischen wie bei symptomlosen HIVTrägern, und HIV fehlt ein AIDS-spezifisches Gen. Die Korrelation zwischen AIDS und HIV-Antikörpern - jetzt Bestandteil der AIDS-Definition - beweist nicht, daß HIV AIDS erzeugt, da sonst nicht unterscheidbare Krankheiten jetzt allein auf der Basis von Antikörpern gegen HIV auseinandergehalten werden. Nach dieser Ansicht ist HIV ein gewöhnliches, harmloses Retrovirus, das möglicherweise bei seltenen Infektionen eine mononukleoseartige Krankheit auslöst, bevor es eine antivirale Immunität erzeugt.

Antikörper gegen HIV sind Ersatzmarker für AIDSRisiken.

Obwohl HIV nicht AIDS verursacht, scheint es in den USA und in Europa ein geeigneter Ersatzmarker für AIDS-Risiken zu sein, und zwar aus folgenden Gründen: 1. In diesen Ländern ist HIV nicht weitverbreitet, aber eine der spezifischsten Infektionen von Personen mit AIDS-Risiken (3, 7, 38, 4 7, 61, 94, 160). 2. Da HIV wie alle latenten Viren schwer zu übertragen ist, infiziert es speziell diejenigen, die regelmäßig Bluttransfusionen erhalten oder Drogen konsumieren oder promisk sind. Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit, seropositiv zu sein, direkt abhängig von Drogenkonsum (38, 47, 160), Bluttransfusionen (94, 161) und männlicher, homosexueller Promiskuität (38, 160). 3. Da HIV nicht zytozid ist, persistiert es als minimal aktives Virus in einer kleinen Anzahl von Zellen, die deshalb eine chronische antivirale Immunität und damit einen positiven AIDSTest aufrechterhalten.

Analog unterhalten latente EBV-, Zytomegalievirus oder andere Herpesvirus-Infektionen eine chronische antivirale Immunität (86, 100), aber diese Infektionen sind weniger AIDS-spezifisch als HIV. Im Gegensatz dazu gehen Antikörper gegen Viren und Bakterien, die nicht persistieren können, nach der primären Infektion mit der Zeit verloren.

Epidemiologische Daten sind kein ausreichender ätiologischer Beweis.

Es ist argumentiert worden, daß Kochs Postulate durch epidemiologische Korrelationen ersetzt werden können (67, 68, 162), neuerdings im Fall von HIV (14, 32). Jedoch hat dieses epidemiologische Konzept (68, 162) als Ersatz für biochemische oder genetische Beweise zu einigen der spektakulärsten Fehldiagnosen der Virologie geführt:

1. Aufgrund epidemiologischer Korrelation wurde gefolgert, daß EBV die Ursache für Burkitt's Lymphome sei - bis Burkitt's Lymphome ohne EBV entdeckt wurden (163). (Es ist eine Ironie, daß gegenwärtig HIV als Ursache für Burkitt's Lymphome angenommen wird (5)).

2. Aufgrund seroepidemiologischer Befunde wurden Retroviren für die Erreger von menschlicher und RinderLeukämie gehalten, nach bizarren Latenzperioden von bis zu 40 Jahren bei Menschen (164). Diese Hypothese ist jedoch fragwürdig, seit bekannt wurde, daß diese Viren in Milliarden von normalen Zellen bei Millionen symptomloser Träger vorkommen (23). Es überrascht deshalb kaum, daß auch diejenige T-Zelle, von der eine seltene klonale Leukämie ausging, virusinfiziert war. Mit dieser Ansicht stimmt überein, daß diese Leukämien klonal und nicht ansteckend sind, und daß das angeblich kausale Virus in menschlichen wie in Rinder-Leukämien biochemisch völlig inaktiv ist (23). Anstelle von Viren sind klonale Chromosomenveränderungen die einzigen spezifischen Marker dieser Leukämien (23). 

3. In gleicher Weise wurden "langsame" Viren als Ursache für Krankheiten wie Kuru, Creutzfeld-Jacob und M. Alzheimer auf der Basis epidemiologischer Befunde akzeptiert (165), obwohl diese Viren niemals entdeckt wurden.

Der Ätiologie-Beweis hängt von der Evidenz für biochemische Aktivität ab.

Leider hat die eilige Annahme der "Virus-AIDSHypothese" (16), signalisiert durch den Namen HIV (18), eine Orthodoxie geschaffen, deren Anhänger lieber diskutieren, "wie" statt "ob" HIV AIDS erzeugt. Sie behaupten, das Wissen über die Ätiologie beanspruchen zu können, ohne die HIV-Pathologie verstehen zu müssen oder verstehen zu müssen, wie ein latentes Virus Zellen zerstört (7, 14, 32, 51). Dies ist dieselbe Einstellung wie die der Mikrobenjäger vor 100 Jahren, deren Begeisterung, Krankheitserreger zu entdecken, durch Kochs Postulate gebremst wurde. Wegen der Ungewißheit bezüglich der HIV-Pathogenese werden viele verschiedene Mechanismen diskutiert, wie HIV AIDS erzeugt, auch solche, bei denen HIV von Kofaktoren abhängt (6, 12, 31, 35, 61, 91). Einer oder alle diese Mechanismen sollen erklären, wie HIV möglicherweise 104 mal mehr T-Zellen abtötet als es aktiv infiziert (26 - 28, 71 - 74). Jedoch stellen alle Spekulationen, daß HIV AIDS mit Hilfe von Kofaktoren erzeugt, HIV selbst solange als Ursache für AIDS in Frage, bis bewiesen ist, daß diese AIDSFaktoren wirklich von HIV abhängen.

Im Gegensatz zu dem, was für HIV beansprucht wird, gibt es einwandfreie genetische Befunde, die besagen, daß eine biochemische Aktivität in oder an mehr Zellen als der Körper erübrigen oder regenerieren kann, für eine virale oder bakterielle Pathogenese absolut notwendig ist. Beispiele sind transformationsdefekte RousSarkom-Virusmutanten (166) und replikationsdefekte Mutanten von zytoziden Viren (87). Wenn latente Viren oder Mikroben auf dem Aktivitätsniveau von HIV pathogen wären, würden die meisten von uns Pneumocystis-carinii-Pneumonie (80 - 100 %) (16 7), Zytomegalie (50 %) (88), Mononukleose durch EBV (50 - 100 %) (siehe oben, ref. 88) und Herpes (25 - 50 %) (88) haben, und zwar alle auf einmal, und 5 - 10 % würden noch an Tuberkulose erkranken, weil die entsprechenden Pathogene latente, durch Immunität unterdrückte "Passagiere" in der US-Bevölkerung zu den angegebenen Prozentsätzen sind. Da wir neuerdings mit molekular klonierten, radioaktiven Proben latente Viren oder Mikroben entdecken können, in Konzentrationen, die weit unterhalb derer liegen, die klinisch bemerkbar oder relevant sind, ist eine Prüfung der Hypothese, daß HIV AIDS erzeuge, notwendig. Als Antwort hierzu wird behauptet, daß ein biochemisch inaktives HIV AIDS indirekt erzeugen kann über Mechanismen, die neue biologische Phänomene darstellen (12, 14, 31, 32). Dies wird behauptet, obwohl HIV sich nicht von zahllosen anderen Retroviren unterscheidet, die im US-Virus-Cancer Program in den letzten 20 Jahren untersucht wurden (17, 140) und die nur pathogen sind, wenn sie biochemisch aktiv sind (23). Trotzdem wird angenommen, daß einige Retroviren und DNA-Viren indirekt Krebs dadurch erzeugen, daß sie ein zelluläres Gen durch eine seltene spezifische Integration in ein Krebsgen verwandeln, wie es zum Beispiel für das Hepatitis-Virus bei Hepatomen vermutet wird (169). Eine solche Krebszelle könnte dann durch autonomes Wachstum einen klonalen Tumor erzeugen, in welchem das Virus inaktiv und sogar defekt ist (17, 23, 140, 169). Jedoch können solche hochspezifischen und daher seltenen Virus-Zell-Interaktionen nicht den Untergang von Milliarden von T-Zellen erklären, der das Merkmal von AIDS ist. Es ist auch kaum zu glauben, daß HIV AIDS durch eine T-Zell-Autoimmunität erzeugen soll (12, 31, 32, 170), weil es bei weitem nicht genügend Zellen erreicht, um als direktes Immunogen zu funktionieren. Die fehlende Verwandtschaft von HIV mit menschlichen Zellen ist ein weiteres Argument gegen eine indirekte immunogene Funktion (73, 75, 77). Ferner ist es extrem unwahrscheinlich, daß ein Virus so effizient Autoimmunität erzeugen könnte, wie HIV AIDS induzieren soll, nämlich in 50 - 100 % aller Infektionen, weil Autoimmunität eine sehr seltene Folge von Virusinfektionen ist.

Immunschwäche kann nicht alle AIDS-Symptome erklären.

Immunschwäche ist eine plausible Erklärung für die bakteriellen und viralen Erkrankungen bei AIDS (5) und für die Pneumocystis-carinii-Pneumonie. Die effektive Immunität gegen HIV, die AIDS definiert, zusammen mit den Immunitäten gegen Zytomegalie-Virus, Herpes-Virus, Hepatitis-Virus und andere Viren (3, 23, 61, 94) ist jedoch schwer mit erworbener Immunschwäche in Einklang zu bringen. Man müßte argumentieren, daß der Verlust von T-Zellen bei AIDS so selektiv ist, daß er Pneumocystis, aber nicht HIV oder anderen Viren gestattet, aktiv zu werden. Wenn HIV in der Lage wäre, eine Immunschwäche gegen sich selbst zu induzieren, sollte sein Titer bei AIDS-Patienten so hoch sein wie in Gewebekulturen von infizierten Monozyten, nämlich bis zu 106 infektiöse Einheiten pro Milliliter (siehe oben) - genauso hoch wie die Titer aller anderen Retroviren, wenn sie bei Tieren pathogen sind (23).

Hinzu kommt, daß eine Immunschwäche nicht AIDS-Neoplasien wie z. B. Lymphome oder das Kaposi-Sarkorn erklärt, das möglicherweise eine Hyperplasie ist (175, 178). Die Hypothese, daß Krebs oder Neoplasien von einer Immunschwäche stammen - die "Immunüberwachungshypothese" (176) -, wurde widerlegt, insbesondere durch athymische (nude) Mäuse, die nicht häufiger Krebs als andere Mäuse entwickeln (177). Tatsächlich wurde keinerlei Immunschwäche bei HIV-infizierten Afrikanern mit Kaposi-Sarkom festgestellt (157, 158). Außerdem enthält Kaposi-Sarkom-Gewebe überhaupt kein HIV (23, 178, 179). Immunschwäche kann auch nicht die AIDS-Demenz erklären; auch kann Demenz nicht durch eine HIV-Infektion von Neuronen erklärt werden, weil Retroviren sich nur nach Zellteilung vermehren (17, 23, 139, 140) und Neuronen sich nicht teilen (169). Damit ist die Annahme, daß alle AIDS-Krankheiten eine direkte Folge des Verlustes von T-Zellen sind, hinfällig geworden. Weiterhin wäre HIV in der Tat ein "mysteriöses Virus" (31) oder das "intelligenteste Pathogen der Welt" (197) wenn es T-Zellen zerstören könnte, die nicht einmal infiziert sind, und zu gleicher Zeit hyperplastisches oder neoplastisches Wachstum in anderen Zellen induzieren könnte, die ebenfalls nicht infiziert sind.

Eine HIV-Infektion stellt keine Rechtfertigung für eine AIDS-Therapie dar.

Da es keinen bewiesenen Mechanismus für eine HIVPathogenese gibt, ist eine antivirale Therapie gegen HIV kein rational begründbares Mittel zur AIDSKontrolle. Das heißt, die Behandlung von symptomatischen und sogar symptomlosen HIV-Trägern mit Azidothymidin (AZT) (7, 39) kann im Rahmen des ursprünglichen Konzepts, nämlich Inhibition der HIV-DNA-Synthese durch DNA-Ketten-Terminierung (171) nicht gerechtfertigt werden. Selbst wenn HIV AIDS erzeugen könnte, würde es kaum ein legitimes Ziel für die AZT-Therapie abgeben, weil in 70-100% aller seropositiven Personen provirale DNA nicht auffindbar ist (73, 75, 187) - es sei denn, sie wird zuvor künstlich amplifiziert (77) -, und weil eine HIV-DNA-Biosynthese noch nie beobachtet wurde.

Dennoch wird behauptet, daß AZT vorteilhafte Wirkungen auf AIDS-Patienten habe, auf der Grundlage eines 16-24wöchigen Doppelblind-Versuches (194). AZT jedoch, das ursprünglich als Chemotherapie durch Terminierung der zellulären DNA-Synthese entwickelt wurde , zerstört wirkungsvoll sich teilende Blut- und andere Zellen (39, 84, 172-174,189,193,195) und ist deshalb auch direkt immunsuppressiv. Hinzu kommt, daß wegen der sofortigen Toxizität von AZT (174, 189, 193, 195) der erwähnte Versuch wohl kaum doppel-blind und deshalb objektiv gewesen sein kann.

Welches sind die Ursachen für AIDS?

Ich behaupte, daß AIDS kein ansteckendes Krankheitssyndrom ist, das von einem bisher bekannten Virus oder Bakterium verursacht wird, weil kein solches Virus oder Bakterium durchschnittlich 8 Jahre benötigen würde, um eine primäre Krankheit zu erzeugen, oder selektiv nur diejenigen infizieren würde, die sich gewohnheitsmäßig AIDS-Risiken aussetzen. Außerdem könnte kein bekannter Erreger diese Fülle von über 20 degenerativen und neoplastischen AIDS-Krankheiten erzeugen, noch könnte ein bekannter Erreger überleben, wenn er so ineffizient übertragen würde wie HIV, und dabei seinen Wirt mit 50 - 100 %iger Effizienz tötete. Bisher bekannte Viren sind entweder hochpathogen und leicht übertragbar oder nicht pathogen und latent und deshalb sehr schwer übertragbar (153). Es gibt allerdings Viren und Mikroben, die sekundäre oder selbst primäre Krankheiten erst lange nach der Infektion hervorrufen, aber nur, wenn sie nach der Latenz durch seltene, erworbene Schwächen des Immunsystems reaktiviert werden (86). Solche opportunistischen Infektionen sind die Folge und nicht die Ursache der Immunschwäche

Da AIDS durch neue Kombinationen alter Krankheiten definiert ist, könnte es auch durch neue Kombinationen alter Pathogene hervorgerufen werden. Die chronische Zufuhr von Gerinnungsfaktor VIII, von Bluttransfusionen (94, 161) oder von Drogen (47, 64, 160, 190-192) oder männliche homosexuelle Promiskuität zusammen mit Drogenkonsum (64, 160, 191), zahlreiche akute, parasitäre Infektionen und chronische Unterernährung, - jeweils für durchschnittlich 8 Jahre -, sind Faktoren, die biochemisch greifbarere und plausiblere Ursachen für AIDS darstellen als ein inaktives Retrovirus. Tatsächlich korrelieren diese Faktoren zu 95% mit AIDS 4, 5). Unter diesen Faktoren wurden das EBV, das Zytomegalievirus, das Herpes-Virus und die Zufuhr von Blutkomponenten und Faktor VIII alle bereits als immunsuppressiv charakterisiert, nicht nur bei HIV-positiven, sondern auch bei HIV-negativen Hämophilen (11, 61, 94, 161). Überdies wurde gefunden, daß die Dosierung von Faktor VIII direkt proportional zur anschließenden Immunschwäche ist (94, 161). Die gewohnheitsmäßige Einnahme von narkotischen Drogen scheint in den USA und in Europa eine besondere immunsuppressive Rolle zu spielen (11, 64). Etwa 30 % der amerikanischen AIDS-Patienten sind bestätigte Drogenkonsumenten (4, 47). Wegen der Schwierigkeiten, das Ausmaß des Drogenkonsums festzustellen, liegt wahrscheinlich der Prozentsatz von drogenkonsumierenden AIDS-Patienten sogar noch höher (64, 155, 185, 190-192). Zum Beispiel wurden Kombinationen von 9 verschiedenen Drogen von einer Gruppe seropositiver Homosexueller in San Francisco benutzt (160). Auch hier gibt es quantitative Drogen-AIDS-Korrelationen.

Der in den letzten 5 Jahren rückläufige Gebrauch von Alkylnitrit-Inhalation korrelierte mit der rückläufigen Inzidenz von Kaposi-Sarkomen bei Homosexuellen (190, 191). Hinzu kommt, daß die Zahl der Kaposi-SarkomFälle mit dem Rückgang des Nitritverbrauches sofort abgesunken ist und nicht 8 Jahre später, wie man es von der angeblichen Latenzperiode eines HIV-Kofaktors erwartet hätte. Das spricht direkt gegen eine kausale Rolle von HIV beim Kaposi-Sarkom. Weiterhin ist dokumentiert, daß Protein-Mangelernährung und parasitäre Infektionen weltweit die häufigsten Gründe für einen T-ZellMangel sind, besonders in Entwicklungsländern (181).

Diese Hypothese erklärt, im Gegensatz zur Virushypothese, warum spezifische Risikofaktoren risikospezifische AIDS-Krankheiten erzeugen. Weiterhin erklärt sie die langen, nicht vorhersehbaren Intervalle zwischen dem Auftreten von HIV-Antikörpern und AIDS als Schwellenwerte, die diese pathogenen Faktoren benötigen, um AIDS-Krankheiten zu erzeugen. Die Virushypothese hingegen bietet keine plausible Erklärung für die langen Latenzperioden zwischen Infektion und AIDS.

Als Antwort hierauf wird mir oft vorgehalten, daß AIDS-Risiken schon lange existieren (55, 59), während das AIDS-Krankheitssyndrom angeblich neu ist (3, 7, 12-14). Dieses Argument berücksichtigt jedoch nicht daß die Hauptrisikogruppen - männliche Homosexuelle und i. v.-Drogenkonsumenten - erst während der letzten 10 - 15 Jahre in den USA und in Europa erkannt worden sind - zur gleichen Zeit, als AIDS erkannt wurde. Anerkennung hat Risikoverhalten erleichtert und wahrscheinlich auch gefördert und damit die Häufigkeit der vielen Krankheiten, die heute AIDS genannt werden. Es wird zum Beispiel berichtet, daß durch gesteigerten Drogenkonsum die Zahl der drogenbezogenen Todesfälle zugenommen hat, obwohl unbestätigte HIVInfektionen die bevorzugte Interpretation waren (190,192). Weiterhin hat die besondere Toleranz gegen Risikogruppen in Großstädten die Konzentration von Fällen gefördert, die nötig war, um AIDS zu erkennen. Außerdem wurde betont, daß Slim disease, Fieber und Diarrhö in Afrika keine neuen Epidemien sind, sondern alte Krankheiten unter einem neuen Namen, verursacht durch altbekannte Erreger und Unterernährung (11, 64, 98, 182).

Die vorliegende Analyse bietet mehrere Vorteile. Sie beendet die Angst vor der HIV-Infektion und besonders vor HIV-Antikörpern, weil sie beweist, daß HIV allein nicht ausreicht, um AIDS zu erzeugen. Um herauszufinden, ob HIV überhaupt eine notwendige Voraussetzung für AIDS ist, müssen kontrollierte und randomisierte Studien (196) durchgeführt werden, entweder an AIDS-Risikogruppen, die sich nur durch HIV-Antikörper unterscheiden, oder an Seropositiven, die sich nur dadurch die Art der AIDS-Risiken unterscheiden, daß sie mit oder ohne AIDS-Risiko leben. Außerdem hängt eine Bewertung der Rolle von HIV bei AIDS davon ab, ob Seropositive früher sterben als seronegative Vergleichsgruppen wie z. B. Bluter. Ferner müßte man feststellen, ob AIDS-Risiken vor 1981 jemals die Krankheiten erzeugt haben, die heute AIDS genannt werden. Die vorliegende Analyse empfiehlt weiterhin Untersuchungen darüber, wie die Art, Häufigkeit und Dauer von AIDS-Risiken risikospezifische Krankheiten erzeugen. Solche Untersuchungen müßten Personen miteinbeziehen, die mit AZT vor oder nach dem Auftreten von AIDS-Symptomen behandelt wurden, um das AIDS-Risiko von AZT zu bestimmen. Zu diesem Zweck müßten AIDS-Krankheiten mit ihren ursprünglichen Namen registriert werden (8-10) anstatt als AIDS (4), weil sie in Gegenwart von Antikörpern gegen HIV vorkommen. Letztlich empfiehlt diese Analyse, daß sich die Bemühungen um AIDS-Prophylaxe auf die AIDS-Risiken konzentrieren sollten statt auf die Übertragung von HIV (43).

 

Anmerkung
Ich danke Klaus Cichutek, Dawn Davidson, Thelma Dunnebacke-Dixon, David Goodrich, Steve Martin, Harry Rubin, Russell Schoch, Günther Stent und RenPing Zhou aus Berkeley, Jad Adams und Mike VerneyElliott aus London, Nicholas Regush aus Montreal, Rüdiger Hehlmann aus Mannheim, George Miller aus New Haven und Harvey Bialy, Celia Farber, John Lauritsen, Nathaniel Lehrman, Katie Leishman, Anthony Leversidge, Craig Schoonmaker und Joseph Sonnabend aus New York für Ermutigung, kritische Information, Diskussionen und Durchsicht dieses Manuskriptes und vor allem für gesunden Menschenverstand. Susi Duesberg danke ich besonders für Word Processing und Mithilfe bei der Übersetzung. Meine Arbeiten werden unterstützt von einem Outstanding Investigator Grant #
5-R35-CA 39915-03 vom National Cancer Institute und Grant # 154 7AR1 vom Council for Tobacco Research.

Zu den References