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Südafrika und AIDS

Vier Fragen von Michael an Ilse Lass



Quelle: Motz. Berliner Stadtmagazin.
Ausgabe 14/01 vom 29.6.2001


 

Michael: Verstehe ich es richtig, daß nicht alles, was in Afrika AIDS genannt wird, auch wirklich AIDS ist?

Ilse Lass: Ja, denn in Afrika gilt die „Bangui-Definition“. Danach können AIDS-Diagnosen gestellt werden bei Symptomen wie Husten, Fieber, Durchfall, Gewichtsverlust, ein HIV-Test ist nicht nötig. So werden viele Krankheiten und Zustände in AIDS umbenannt. Dazu gehören Mangelernährung, Pestizid-Vergiftungen, Nebenwirkungen von Medikamenten und Impfungen, Krankheiten wie Tuberkulose, Darminfektionen und Malaria. Es wird zwar auch in Afrika getestet, aber vor allem für die Statistik. In Südafrika wird bei Schwangeren ein Antikörpertest durchgeführt, der durch Malaria, Impfungen, Schwangerschaft und etwa 60 weitere Gründe positiv ausfallen kann. Diese völlig unbrauchbaren Grunddaten werden dann auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. In anderen Ländern Afrikas haben die Statistiken eine ähnliche oder noch schlechtere Grundlage. Die Angaben zu HIV/AIDS in Afrika sind also Humbug.

Michael: Warum will man die Statistik verschlechtern?

Ilse Lass: Anfangs ging es wohl vor allem darum, den AIDS-Schwerpunkt aus den USA nach Afrika zu verlagern. Dadurch wurde der HIV/AIDS-Theorie mehr Glaubwürdigkeit verliehen und die Weiterverbreitung auf andere Kontinente ermöglicht. Das geschah durch die Weltgesundheitsorganisation, die die „Bangui-Definition“ durchgesetzt und die statistischen Verfahren festgelegt hat. Ihr AIDS-Programm wurde hauptsächlich von den USA finanziert und personell ausgestattet. Inzwischen wurde es von UNAIDS abgelöst, das u.a. von der Weltgesundheitsorganisation und der Weltbank getragen wird. Auch UNAIDS verdankt diesen inflationären AIDS-Statistiken seine Existenz und für die Weltbank sind sie sehr praktisch, um die Opfer der eigenen Politk als Opfer eines Virus darzustellen. Inzwischen wurde Afrika von der Pharmaindustrie als Markt entdeckt, einer weiteren Gruppe mit großem Interesse an hohen Statistiken.

Michael: Wenn es billigere HIV-Medikamente gibt, warum dann nur für die 3. Welt?

Ilse Lass: Dort wird der Preis verringert, um den Umsatz zu erhöhen, der dann die Profite bringen soll. Je höher die Zahl der AIDS-Diagnosen und der positiven HIV-Tests ist, desto höher ist der Profit - egal, ob sie stimmen oder nicht. In den Industrieländern dagegen bringt ein Preisnachlaß keinen Umsatzanstieg. Hier gibt es mittlerweile sinkende Umsätze, weil die Giftigkeit der Medikamente sogar offiziell zugegeben wird. So sucht die Pharmaindustrie jetzt einen neuen Absatzmarkt in Afrika. Die Statistiken sind dafür von zentraler Bedeutung. Schon jetzt dürften sie die Aktienkurse in die Höhe treiben, ohne daß irgendwas verkauft wurde. Außerdem sind sie die beste Werbung, da sie die Nachfrage bei den Afrikanern wecken und in den Industrieländern einen gesellschaftlichen Konsens schaffen, Gelder bereitzustellen. So können Umschichtungen in den Budgets der afrikanischen Länder und Kredite, Zuschüsse oder ein Schuldenerlaß der Industrieländer zugunsten der Pharmaindustrie durchgesetzt werden. Das ist eine Subventionierung in ganz großem Stil.

Michael: Müssen für die 3. Welt NUR Medikamente als Lösung her?

Ilse Lass: Sicher nicht, wenn auch bei vielen Krankheiten Medikamente nötig sind. Allerdings nicht die HIV-Medikamente, die den Menschen bestenfalls nicht helfen und sie schlimmstenfalls umbringen. Die Lösung ist die Verbesserung der Lebensbedingungen. Allein der Zugang zu sauberem Wasser, einer guten Ernährung und Gesundheitsversorgung würde Zustände und Krankheiten, die in Afrika und zunehmend in Lateinamerika und Asien als AIDS bezeichnet werden, sehr verringern. Veränderungen wie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen einschließlich des Schutzes vor Giften würden ebenfalls helfen. Es geht also um grundsätzliche Rechte und letztlich um das jetzige Wirtschaftssystem. Die AIDS-Kampagnen, so gut sie von vielen gemeint sind, gehen in die falsche Richtung, weil ihre Voraussetzungen nicht stimmen. Wenn man sich die Daten über HIV/AIDS genau ansieht, wird das sehr deutlich. Gerade jetzt ist es dringend, sich darüber zu informieren, weil Afrika ein großangelegtes Pharmadumping bevorsteht und gleichzeitig starker Widerstand aus Südafrika kommt. Es geht um die Entscheidung, auf welcher Seite man steht.