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Frei von Armut, frei von AIDS"

Ein südafrikanisches Experiment

von Ilse Lass

 

AIDS-Kritik in Südafrika / Mbekis AIDS Advisory Panel / Die andere Seite I: Konsensproduktion / Die andere Seite II: Profitmaximierung / „AIDS 2000" / Die Zuspitzung des Konflikts / Die andere Seite III: „mainstreaming AIDS" - Der Bericht des AIDS Advisory Panel

 

Die erste Fassung dieses Artikels erschien im Januar in alaska, der Zeitschrift der entwicklungspolitischen und internationalistischen Aktionsgruppen in der Bundesrepublik Deutschland, die sich im Rahmen des Bundeskongresses (BUKO) organisieren. Im März wurde eine erweiterte Fassung in der Zeitschrift des Aktions- und Kommunikationszentrums Alhambra in Oldenburg gedruckt. Der vorliegende Text, der eine überarbeitete und aktualisierte Version dieser zweiten Fassung ist, wurde Anfang April 2001 fertiggestellt.

 

Im vergangenen Jahr fand der Welt-AIDS-Kongress erstmals außerhalb der kapitalistischen Zentren statt. Veranstaltungsort von „AIDS 2000" war das südafrikanische Durban, wo im Juli über 10.000 Teilnehmer ein wissenschaftlich belangloses, aber politisch bedeutsames Ereignis miterlebten. Im Zentrum stand die sehr eigenwillige AIDS-Politik der südafrikanischen Regierung, von der Präsident Mbeki auch bei seiner Rede zur Eröffnung des Kongresses nicht abrückte. Zwar hieß er die Kongressteilnehmer freundlich willkommen („Genossen, meine Damen und Herren"), sprach dann aber vor allem über extreme Armut als weltweite Hauptursache für Krankheit und Tod und seinen Eindruck, „daß wir nicht alles einem einzigen Virus anlasten könnten." [1] Diese Wahrheit ist aber auf einem Welt-AIDS-Kongress unerwünscht, vor allem bei Organisatoren, Sponsoren (hauptsächlich Pharmakonzerne) und Karriereforschern. Einige von ihnen meinten dann auch, Mbeki zurechtstutzen zu müssen. So bezeichnete Mark Wainberg, Leiter der International AIDS Society, die den Kongress mitorganisiert hatte, die Rede als „verpaßte Gelegenheit". [2] David Ho vom Aaron Diamond AIDS Research Center in New York zeigte bei seinem Vortrag ein Bild, das HIV darstellen sollte und dozierte: „Das, meine Damen und Herren, ist die Ursache von AIDS." Solche Reaktionen waren aber nur der weithin sichtbare Höhepunkt einer Kontroverse, die bis ins Jahr 1999 zurückreicht.

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AIDS-Kritik in Südafrika

Im Oktober 1999 hielt Mbeki vor dem Parlament eine Rede über AZT (Azidothymidin/Retrovir). Dieses Medikament ist das älteste Mittel bei AIDS-Diagnosen und ist auch in den neueren Kombinationspräparaten enthalten, während es von einer wachsenden Zahl von Kritikern schlicht als „Gift auf Rezept" bezeichnet wird. Da AZT die Zellteilung verhindert, war es in den 60ern als Mittel gegen Krebs entwickelt worden. Es wurde aber wegen seiner hohen Giftigkeit nicht eingesetzt, denn AZT verhindert unterschiedslos die Teilung aller Zellen. Erst 1987 wurde es nach gefälschten klinischen Versuchen bei AIDS-Diagnosen zugelassen. [3
AZT als Medikament wird von GlaxoSmithKline (vor der kürzlich erfolgten Fusion Glaxo Wellcome) hergestellt, einem der weltgrößten Pharmakonzerne. Auf dem AZT-Beipackzettel werden als Gesundheitsschäden u.a. Anämie, Lähmung und schwere Lebererkrankungen aufgelistet.
  AZT
Deutlicher noch ist das Etikett, wenn dieselbe Substanz für Laborzwecke vertrieben wird: es trägt einen Totenkopf und die Warnung „Giftig bei Einatmen, Hautkontakt und Schlucken ... Tragen Sie passende Schutzkleidung." [4]

Einer der AZT-Kritiker ist ein südafrikanischer Rechtsanwalt, der die Ergebnisse seiner gründlichen Recherche im Frühjahr 1999 in einem Zeitungsartikel zusammenfaßte. [5] Die öffentliche Diskussion, die daraufhin entbrannte, führte schließlich zu Mbekis Rede über AZT, in der er sagte: „Es existiert eine große Menge wissenschaftlicher Literatur, in der unter anderem behauptet wird, daß dieses Medikament so giftig ist, daß es tatsächlich eine Gesundheitsgefahr darstellt ... Ich habe daher die Gesundheitsministerin angewiesen, das alles zu überprüfen, so daß wir, einschließlich der medizinischen Autoritäten des Landes, sicher sind, wo die Wahrheit liegt." Die Forderung von Glaxo, an der Überprüfung beteiligt zu werden, wurde für „keine gute Idee" gehalten und abgewiesen. [6] Das Ergebnis steht nach wie vor aus und weiterhin wird in staatlichen Gesundheitseinrichtungen kein AZT vergeben. Im Frühjahr 2000 wurde die AZT-Vergabe auch bei der südafrikanischen Armee eingestellt.

Für einige Forscher war die Parlamentssitzung schon Grund genug, dem Kongress in Durban mit Boykott zu drohen. Verstärkung erhielten sie, als Ende Februar bekannt wurde, daß sich Mbeki mit David Rasnick in Verbindung gesetzt hatte. Rasnick ist Biochemiker und Vorstandsmitglied der Group for the Scientific Reappraisal of the HIV/AIDS Hypothesis. Dieser internationalen Gruppe mit Sitz in den USA gehören Wissenschaftler, Ärzte, Journalisten und Aktivisten an, die gemeinsam mit einigen weiteren AIDS-Kritikern [7] eklatante Fehler in der HIV/AIDS-Theorie benennen und argumentieren, daß es keine Beweise für eine Verursacherrolle von HIV gibt. Als Alternative verweisen sie darauf, daß das Syndrom aus einer Reihe altbekannter Krankheiten besteht und nennen jeweils spezifische Ursachen, vor allem pharmakologische, toxikologische, immunologische und psychologische. Als eine wichtige pharmakologische Ursache sehen sie auch die Medikamente an, mit denen Menschen mit AIDS-Diagnose behandelt werden. Dazu gehören neben AZT vor allem verschiedene Proteasehemmer, die in den seit 1996 verwendeten Kombinationspräparaten enthalten sind. Ihre Verwendung geht auf das mathematische Krankheitsmodell von David Ho zurück, aus dem er den Einsatz dieser Präparate nach dem Motto „hit hard and early" ableitete. Das Scheitern dieses Ansatzes, der mathematisch wegen Hos Rechenfehlern ohnehin nicht stimmt [8], wird inzwischen immer offensichtlicher. Vier Jahre und eine unbekannte Anzahl von Kombinationstherapie-Opfern später wurden im Sommer zunächst die 'Behandlungsferien' eingeführt und zur Jahreswende in den USA neue Therapierichtlinien vorgelegt, die einen späteren Einsatz der Medikamente vorsehen. Begründet wurde das mit der hohen Giftigkeit, die u.a. zu Leber-, Nieren- und Herzversagen sowie Diabetes führt.

Besonders in Afrika sehen die Kritiker AIDS als „Medikalisierung der Armut" [9], da dort nach einer speziellen Definition verbreitete Gesundheitsschäden in AIDS umbenannt werden können. Diese 'Bangui-Definition', die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannt ist, wurde den afrikanischen Regierungen 1985 unter fragwürdigen Umständen aufgezwungen. [10] Sie sieht eine Diagnosestellung ohne Labortest nur nach klinischen Symptomen wie z.B. Husten, Fieber, Gewichtsverlust vor: „Das heißt, die Krankheit Aids, die nach den Worten von Professor Luc Montagnier, dem Entdecker des HIV, 'keine typischen Symptome hat', wird in den Entwicklungsländern ausschließlich aufgrund von vollkommen unspezifischen Symptomen diagnostiziert." [11] So finden sich inzwischen unter dem neuen Kürzel AIDS u.a. alte Krankheiten (z.B. Tuberkulose), Zustände (z.B. Mangelernährung), Vergiftungserscheinugen (z.B. durch Pestizide), Nebenwirkungen (z.B. von Medikamenten) zusammen. An die Fehldiagnose AIDS schließt sich dann eine Fehltherapie an - wenn überhaupt behandelt wird, denn angesichts der wenigen vorhandenen Medikamente kann es auch geschehen, daß diese Menschen wegen ihrer angeblich ohnehin tödlichen Krankheit keine Behandlung mehr erhalten.

Da die Kritiker HIV nicht als Krankheitsursache ansehen, werden von ihnen HIV-bezogene Tests, Medikamente und Impfungen als sinnlos und schädlich abgelehnt und Forderungen nach einer gründlichen Überprüfung der wissenschaftlichen Grundlagen der HIV/AIDS-Theorie gestellt. Über ein Jahrzehnt hatten sie sich ziemlich vergeblich bemüht, ihre Kritik öffentlich zu machen. Um die Kommunikationsblockade zu brechen, plante Mbeki, Kritiker und Vertreter der HIV/AIDS-Theorie in sein Presidential AIDS Advisory Panel einzuladen und gemeinsam die sinnvollste AIDS-Politik für Südafrika zu erarbeiten.

Inmitten der Aufregung, die dieser Plan auslöste, schrieb Mbeki Anfang April einen vertraulichen Brief an US-Präsident Clinton, UN-Generalsekretär Annan, Premierminister Blair und Bundeskanzler Schröder, der am 19. April von der Washington Post veröffentlicht wurde. Mbeki zitierte Daten aus den USA und von der UNO, nach denen sich AIDS in Afrika grundlegend von AIDS in den westlichen Industriestaaten unterscheidet. Daraus leitete er die Forderung nach einem eigenen Weg der Afrikaner in der AIDS-Politik ab, um am Ende des Briefes vehement Partei für eine offene Diskussion zu ergreifen: „Es ist nicht lange her, da wurden in unserem eigenen Land Menschen ermordet, gefoltert, eingesperrt und es war verboten, sie privat und öffentlich zu zitieren, weil die etablierte Macht glaubte, daß ihre Ansichten gefährlich und diskreditiert wären. Es wird nun von uns verlangt, genau dasselbe zu tun, was die rassistische, von uns bekämpfte Apartheid-Tyrannei tat, weil, so wird gesagt, es eine wissenschaftliche Ansicht gibt, die von der Mehrheit unterstützt wird, gegen die eine andere Meinung verboten ist. Die Wissenschaftler, die wir in wissenschaftliche Quarantäne stecken sollen, schließen Nobelpreisträger, Mitglieder der Akademien der Wissenschaft und emeritierte Professoren verschiedener Fachrichtungen der Medizin ein!" [12]

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Mbekis AIDS Advisory Panel

Am 6./7. Mai trafen sich in Pretoria 32 Wissenschaftler und Ärzte, unter ihnen ein Drittel AIDS-Kritiker. Der bekannteste von ihnen war der in den USA lebende Molekularbiologie-Professor Peter Duesberg, der seit 1987 eine öffentliche Diskussion fordert und wie Rasnick Vorstandsmitglied der Group for the Scientific Reappraisal of the HIV/AIDS Hypothesis ist. Die Kommissionsmehrheit bildeten u.a. Vertreter des südafrikanischen Medical Research Council (MRC), des AIDS-Programms der UNO (UNAIDS) [13] und der US-Bundesbehörde Centers for Disease Control (CDC) [14] sowie Luc Montagnier, der als der eigentliche HIV-Entdecker gilt [15] - während sein Konkurrent Robert Gallo zwar eingeladen war, aber nicht erschien. Am zweiten Tag waren auf Intervention von Clinton hin vier weitere Teilnehmer aus Washington dazugekommen, die die Sitzung beobachteten.

Nach Mbekis Eröffnungsrede wurden Verursachung, Vorbeugung und Behandlung von AIDS diskutiert. Wurde auch in den Grundpositionen erwartungsgemäß keine Annäherung erreicht, so konnten die Kritiker doch in einem wichtigen Teilbereich Boden gewinnen: als Rasnick sagte, daß AZT „viele Menschen umgebracht hat", widersprachen ihm auch die Mitglieder der Kommissionsmehrheit nicht. Er selbst „würde die Zahl bei mindestens Zehntausenden Getöteten ansetzen, bei den Dosierungen, die sie den Leuten in den frühen Jahren gegeben haben". Am zweiten Tag verfaßten die Kritiker einen Minderheitsbericht, in dem sie sich gegen Medikamente, die HIV bekämpfen sollen und Tests zum HIV-Nachweis aussprachen. Außerdem forderten sie, Ressourcen sowohl gegen „die häufigsten AIDS-definierenden Krankheiten in Südafrika wie TB, Malaria und Darminfektionen" einzusetzen als auch „der Verbesserung der Ernährung, der Versorgung mit verbesserter Gesundheitspflege und sauberem Wasser" zu widmen. Dieser Minderheitsbericht war der Versuch, dem Treffen doch noch eine konstruktive Richtung zu geben, nachdem ihre Kontrahenten durch Mehrheitsbeschluß getrennte Beratungen der beiden Parteien durchgesetzt hatten und damit zur Kommunikationsblockade zurückgekehrt waren. Bis zum zweiten Treffen sollte die Diskussion nach der Planung der südafrikanischen Regierung per Internet geführt werden. [16

Am 3./4. Juli trat das Advisory Panel in Johannesburg wieder zusammen. Die meisten Teilnehmer des ersten Treffens waren wiedergekommen (Montagnier fehlte), zusätzlich waren weitere eingeladen worden. Einer von ihnen war Winston Zulu, der vor 10 Jahren als erster Zambier seinen positiven Test öffentlich gemacht hatte und seitdem als AIDS-Aktivist bekannt geworden war - an der Sitzung nahm er allerdings auf seiten der Kritiker teil. [17] Bei der Eröffnung des Treffens empörte sich die Gesundheitsministerin darüber, daß einige Mitglieder der Kommissionsmehrheit trotz Aufforderung der südafrikanischen Regierung die Internet-Diskussion verweigert und darüber hinaus andere Teilnehmer zum Boykott gedrängt hatten. Das hatte zur Folge, daß fast nur Kritiker an der Debatte beteiligt waren.

Die Sitzungen fanden dieses Mal zwar nicht getrennt statt, brachten die Diskussion aber auch nicht voran. Wichtigstes Ergebnis war, daß MRC, CDC und Kritiker gemeinsam einige Versuche durchführen werden, um Argumente zu bestätigen oder zu widerlegen. Einer dieser Versuche betrifft die Tests. Mit ihnen werden Antikörper im Blut nachgewiesen, von denen lediglich angenommen wird, daß sie durch eine Infektion mit HIV gebildet wurden. Bisher wurden sie aber nie darauf geeicht, in welchen Fällen bei einem positiv Getesteten tatsächlich HIV vorhanden ist. Bekannt sind dagegen mehr als 60 Gründe, die ganz ohne Virus zu einem positiven Test führen können wie z.B. Malaria, Tuberkulose, Impfungen, Nierenversagen, Autoimmunkrankheiten, Schwangerschaft. [18] Die Eichung der Tests soll jetzt nachgeholt werden, außerdem wurde der Versuch angekündigt, HIV nach klassischen virologischen Standards zu isolieren. Bislang ist das noch nicht gelungen, woraus ein Teil der Kritiker schließt, daß nicht einmal die Existenz dieses Virus bewiesen ist. Es ist zu erwarten, daß bei der Überprüfung der Tests ein hoher Anteil falsch-positiver Resultate gefunden wird. Sollte zudem der Isolationsversuch wieder mißlingen, wären mangels Virus ausnahmslos alle Tests falsch-postiv.

Auch davon sprach Mbeki wenige Tage später in seiner Rede zur Eröffnung des Welt-AIDS-Kongresses: „Es ist mir eine Freude, Sie darüber zu informieren, daß einige renommierte Wissenschaftler sich entschlossen haben, auf unsere bescheidene Anfrage zu reagieren, um uns Antworten auf bestimmte Fragen zu geben ... Sie haben zugestimmt, zum Ende des Jahres Bericht zu erstatten, nachdem sie sich unter anderem mit der Verläßlichkeit und der Aussagekraft unserer derzeitigen HIV-Tests und der Verbesserung unseres Krankheitsüberwachungssystems beschäftigt haben. Wir freuen uns auf die Ergebnisse dieser wichtigen Arbeit, die uns helfen wird sicherzustellen, daß wir bessere Resultate erzielen im Sinne der Rettung des Lebens unserer Bevölkerung und der Verbesserung des Lebens von Millionen."

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Die andere Seite I: Konsensproduktion

Auf der anderen Seite des Globus wurden diese Entwicklungen nicht gerade mit Begeisterung verfolgt. Vor allem in den USA störten sie die Regierungsarbeit, fielen sie doch ausgerechnet in eine Zeit, in der sowohl Afrika als auch AIDS politisch 'wiederentdeckt' wurden. Im Januar hatten die USA den Vorsitz im Weltsicherheitsrat und widmeten den Monat Afrika, in der Auftaktsitzung stand mit AIDS erstmals ein medizinisches Thema auf der Tagesordnung. Die Initiative für die Themenwahl soll vom UN-Botschafter der USA Holbrooke ausgegangen sein, der eine Reihe illustrer Neulinge eingeladen hatte. So hielt nicht nur der UNAIDS-Leiter Piot eine seiner typischen Ansprachen, sonden auch der Weltbankpräsident, der in seiner Rede „Frei von Armut, frei von AIDS", elegant gegenwärtige und zukünftige Opfer der eigenen Politik entsorgte: „Nichts wird Afrika schneller zurückwerfen, die Errungenschaften umkehren und Länder in Verwirrung stürzen als die gegenwärtige AIDS-Epidemie." Die angekündigten „Taten zum Thema Ressourcen" folgten bei der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank: „Ich sagte heute den Ministern, und ich glaube, ich habe ihre Zustimmung für Anstrengungen, AIDS zu finanzieren [sic], daß es keine Grenze gibt für die Geldmittel, die wir von der Bank haben." [19]

Doch damit nicht genug der Premieren beim Sicherheitsrat, denn mit Gore leitete erstmals ein US-Vizepräsident eine Sitzung. In seiner Rede hieß es: „Durch die Stärke des Beispiels [AIDS] verlangt dieses Treffen von uns, daß wir Sicherheit durch ein neues und weiteres Prisma sehen und danach immer gemäß einer neuen, expansiveren Definition darüber nachdenken." Konkret nannte er die „globale Umweltherausforderung", die „globale Herausforderung bei der Bekämpfung von Drogen und Korruption", die „globale Herausforderung des Terrors" sowie „neue Pandemien", zu denen AIDS gerechnet wird, vor allem in Afrika. Für Gore war dieser Auftritt nicht nur Teil seines Wahlkampfs. Der überwältigende Konsens bei AIDS sollte dazu benutzt werden, neue Vorwände für Interventionen der USA zu etablieren und die UNO darin einzubinden.

Im darauffolgenden Monat fand der National Summit on Africa (NSA) in Washington statt, dominiert von Politikern wie Gore und Albright und Konzernen wie Chevron und Monsanto. [20] Bedauernd wurde festgestellt, daß der Handel mit afrikanischen Ländern südlich der Sahara nur etwa 1% des Außenhandels ausmacht und ein Handelsbilanzdefizit von 5 Milliarden US-$ aufweist. Den größten Anteil hat das Öl (1996 21% der US-Ölimporte), das wegen der relativ kurzen Transportwege nicht leicht zu ersetzen wäre. Die US-Exporte beliefen sich im gleichen Jahr auf 6,1 Milliarden US-$, was 100.000 US-Arbeitsplätze geschaffen haben soll. Mehrere Vorschläge des NSA zur Expansion auf diesen „riesigen unzureichend ausgebeuteten Markt von 700 Millionen Menschen" wurden inzwischen umgesetzt.

So hieß es, „Afrika braucht einen Marshall-Plan", und im Mai wurde vom Repräsentantenhaus der World Bank AIDS Marshall Plan Trust Fund Act angenommen, den Clinton im August als Global AIDS and Tuberculosis Relief Act of 2000 unterzeichnete. Er beinhaltet, der Weltbank über zwei Jahre verteilt 300 Millionen US-$ zu übergeben und den Jahresbetrag durch weitere Geldgeber auf 1 Milliarde US-$ aufstocken zu lassen. Der NSA unterstützte besonders den Africa Growth and Opportunity Act (AGOA) [21] den Clinton im Mai unterzeichnete. Dieses Gesetz, das von den afrikanischen Regierungen u.a. die Privatisierung von Staatseigentum und die Verminderung der öffentlichen Ausgaben verlangt, ist laut US-Regierung „das erste Handelsgesetz, das die Herausforderung von AIDS/HIV direkt anspricht." Die Aussage des NSA „Die Export-Import Bank ... ist im größten Teil Afrikas inaktiv" war im Juli überholt, als die Bank verkündete, 1 Milliarde US-$ Kredite für den Kauf von AIDS-Medikamenten nach Afrika vergeben zu wollen.

Bei den abschließenden Beratungen des AGOA wurde eine nachträglich eingefügte AIDS-Klausel wieder aus dem Gesetzestext gestrichen. Danach wollten die USA bestehende internationale Handelsabkommen weniger eng auslegen und afrikanische Länder nicht mehr an der Beschaffung billigerer „HIV/AIDS-Medikamente und Medizintechnologien" hindern. Damit stünden, wie es eine südafrikanische Wirtschaftszeitung ausdrückte, „große Mengen Medikamente, die in der entwickelten Welt zunehmend unwirksam sind, für das Dumping ... in arme Länder bereit, von denen erwartet wird, daß sie nicht für sich selbst denken, sondern nur eine Politik machen, die wohlgenährte Westler für sie entworfen haben ... Afrika muß für sich selbst denken, oder es wird von der schwachsinnigen und egoistischen Freundlichkeit von Fremden umgebracht." [22] Von Clinton wurde die Klausel am 10. Mai fast identisch als Erlaß herausgegeben.

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Die andere Seite II: Profitmaximierung

Bereits einen Tag nach dem Clinton-Erlaß stellten die Pharmakonzerne Boehringer Ingelheim, Bristol Myers Squibb, Glaxo, Hoffmann-LaRoche und Merck „deutlich reduziertePreise für HIV-Medikamente in Entwicklungsländen, besonders in Afrika" in Aussicht. Begleitet von UNAIDS machte allerdings nur Glaxo das konkrete Angebot einer mindestens 80%igen Preissenkung für Combivir (AZT und Proteasehemmer). Gleichzeitig rechnete eine Wirtschafts-Beratungsagentur aus, was sich dabei verdienen ließe. [23] Ausgehend von einer 90%igen Preissenkung werden im Jahr 2004 allein für Combivir auf den „emerging markets" Indien [24], Thailand, China, Brasilien und Südafrika 6,3 Milliarden US-$ vorhergesagt. Zum Vergleich: Alle diese Medikamente zusammen haben in den USA, fünf europäischen Ländern und Japan im Jahr 1999 weniger als 3,4 Milliarden US-$ eingebracht. Hier stagniert der Verkauf, weil sich die Konsumentengruppe kaum mehr vergrößern läßt und die schädlichen bis tödlichen Wirkungen zunehmend bekannt werden. Die 'Behandlungsferien' und der spätere Einnahmebeginn werden sich weiter negativ auf die Medikamentenumsätze auswirken. Das sollen die „emerging markets" mehr als kompensieren, die nun mit staatlicher Hilfe und Unterstützung der UNO erschlossen werden. Die Subventionierung wird in großem Ausmaß der Pharmaindustrie zugute kommen, wobei der Löwenanteil Glaxo, Bristol Myers Squibb und Boehringer Ingelheim (mit Nevirapine) prophezeit wird. Solche Umsätze lassen sich allerdings nur unter bestimmten Bedingungen erzielen. Die Grundvoraussetzung ist, daß HIV AIDS verursacht oder daß das zumindest weiter die maßgebliche Theorie bleibt. Darüber hinaus wird das Umsatzwachstum "hauptsächlich davon abhängen, wie diese Regierungen auf die HIV-Krise reagieren". Was im Falle Südafrikas äußerst fraglich ist.

Dort liefen zwecks Reaktion „auf die HIV-Krise" gerade die Vorbereitungen für das zweite Treffen des Advisory Panel, als UNAIDS Ende Juni seine neuesten Zahlen der „Menschen, die mit HIV und AIDS leben" bekanntgab: weltweit 34,3 Millionen, davon in Afrika südlich der Sahara 24,5 Millionen, davon wiederum 4,2 Millionen in Südafrika (etwa 10% der Bevölkerung). Die daraus entwickelten Schreckensszenarien lenkten die Aufmerksamkeit auf den in Kürze stattfindenden Kongress in Durban, den UNAIDS mitorganisierte, und boten einen neuerlichen Anlaß für Angriffe auf die südafrikanische AIDS-Politik.

Allerdings sind diese Zahlen Makulatur. In Südafrika werden jährlich etwa 18.000 Frauen in Schwangerenkliniken getestet und diese Ergebnisse auf die Gesamtbevölkerung hochgeschätzt. Getestet wird mit den Antikörpertests, die auch aufgrund von Schwangerschaft zu einem falsch-positiven Resultat führen können. Zudem suchen vor allem ärmere Frauen diese Kliniken auf und bei ihnen ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, auch weitere Gründe wie Malaria und Tuberkulose anzutreffen. Auf der Basis dieser dubiosen Daten (1998 22,8% und 1999 22.4%) schätzte das südafrikanische Gesundheitsministerium für 1998 3,6 Millionen und UNAIDS für 1999 4,2 Millionen Betroffene. Diese inflationären UNAIDS-Zahlen betreffen nicht nur Südafrika, sondern das gesamte Afrika südlich der Sahara, für das die enormen Zahlen ähnlich zusammengeschätzt werden. Werden dagegen die kumulierten AIDS-Meldungen - also alle Meldungen für die 80er und 90er zusammen - verglichen, liegen die USA und Afrika südlich der Sahara mit 700.000 bis 800.000 (1999) Kranken etwa gleichauf, was angesichts der unspezifischen 'Bangui-Definition' und der höheren Bevölkerungszahl in Afrika weitaus größere Sorgen um das Wohlergehen der US-Ameikaner bereiten müßte. Doch dank der UNAIDS-Schätzungen wird diese Relation umgedreht. Das hat zwar nichts mit Mathematik, aber viel mit Politik zu tun.

Mögen die Afrikaner damit auch unzufrieden sein, die Pharmaindustrie ist es mit Sicherheit nicht. Die Milliarden, die die Konzerne aus Afrika (sowie Asien und Lateinamerika) herausholen wollen, steigen proportional zu den UNAIDS-Statistiken, was sich schon jetzt positiv auf die Aktienkurse auswirken dürfte. Zudem ist dieser AIDS-Markt nicht nur für Medikamente gut, sondern in absehbarer Zeit auch für Impfstoffe, die rein rechnerisch den noch größeren Abnehmerkreis der Test-Negativen haben und für die damit verbundenen Produkte wie Tests sowie schließlich immer neue AIDS-Kampagnen. Die Nachfrage wird nicht zuletzt durch UNAIDS und seine inflationären Statistiken angekurbelt, was den Werbeetat der Pharmakonzerne - etwa zwei Drittel der Einnahmen - entlasten dürfte, zudem hat UNAIDS den Vorteil, als seriös und unparteiisch zu gelten. Auch darüber, wie das alles bezahlt werden soll, hat UNAIDS diverse Vorschläge parat, wie einen an AIDS gekoppelten Schuldenerlaß. Noch perfider ist allerdings die Aufforderung an afrikanische Finanz- und Planungsminister auf einer Konferenz in Addis Abeba im Mai 1999, jährlich mindestens 1 Milliarde US-$, „die AIDS unterstützen [sic] könnten" zu mobilisieren, und zwar dadurch, daß Gelder aus den Projekten umgeleitet werden, die den größten Nutzen für die Menschen haben: 

„Sozialmittel; Bildungs- und Gesundheitsprojekte; Infrastruktur; ländliche Entwicklung". [25] Die Folge wären noch mehr Armutskrakheiten, die wiederum in AIDS umbenannt werden können.

Noch während sich die Medien an den UNAIDS-Zahlen abarbeiteten, wurde ihnen eine vergleichbare Sensation vorgesetzt. Anfang Juli wurde vorab bekannt, daß über 5.000 Forscher eine Erklärung unterzeichnet hatten, die kurz vor dem Kongress in der britischen Wissenschaftszeitschrift Nature veröffentlicht werden sollte. Darin bekräftigten sie ihre Ansicht, daß HIV die Ursache von AIDS ist - belegen konnten sie sie allerdings nicht. [26] Diese 'Durban-Deklaration' war vor allem ein Werbegag, was auch dadurch deutlich wurde, daß sie von der PR-Agentur Burson-Marsteller verbreitet wurde, die gern von Konzernen und Regierungen mit Imageproblemen konsultiert wird und laut Eigendarstellung Erfahrung mit „Management und Herstellung eines wissenschaftlichen und politischen Konsens" besitzt. [27] Gerade billig dürfte die Einbeziehung dieser PR-Agentur nicht gewesen sein, gelohnt hat sie sich aber sicher. Eine Folge der Aktion war, daß das zweite Treffen des Advisory Panel kaum wahrgenommen wurde und über die abschließende Pressekonferenz, auf der hochrangige Vertreter von MRC, CDC und Kritiker die gemeinsame Versuchsplanung bekanntgaben, außerhalb Südafrikas fast nicht berichtet wurde. Auf einen der Adressaten hatte die 'Durban-Deklaration' allerdings nicht die gewünschte Wirkung: sie würde im Papierkorb landen, sollte sie der südafrikanischen Regierung zugeschickt werden, verkündete deren Sprecher Mankahlana. [28]

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AIDS 2000"

Mbeki zeigte sich entsprechend unbeeindruckt und wer gehofft hatte, er würde angesichts der großen Übermacht endlich kapitulieren und in seiner Rede zur Eröffnung des Kongresses öffentlich widerrufen, wurde schwer enttäuscht. Was nach dieser Rede bei „AIDS 2000" folgte, war inhaltlich so unerheblich, daß zur Beschreibung des Niveaus zwei von Forschern und Medien als wichtig dargestellte Themen ausreichen, um einen Eindruck von „AIDS 2000" zu vermitteln.

Als „Enttäuschung" wurden die Ergebnisse der Versuche mit dem intravaginalen Spermizid Nonoxynol-9 (N-9) bezeichnet. UNAIDS hatte von 1996 bis 2000 u.a. in Südafrika Versuche mit fast 1.000 test-negativen Prostituierten unterstützt, um herauszufinden, ob Frauen sich mit N-9 „unbemerkt vor der Infektion schützen" können. Das Ergebnis, das auf dem Kongress vorgetragen wurde, war: „Einfach gesagt, N-9 hat nicht vor einer HIV-Infektion geschützt und könnte mehr Übertragungen verursacht haben. Frauen, die N-9 verwendet haben, hatten auch mehr Vaginalwunden, die die HIV-Übertragung erleichtert haben könnten."

Dieses UNAIDS-Programm hatte wohl historische Gründe, war doch der UNAIDS-Leiter Piot schon lange aktiv bei der Erforschung afrikanischer Prostituierter. Bereits Mitte der 80er hatte er im Blut der Frauen aus Nairobi HIV gesucht und ohne Beweise behauptet: „Prostituierte spielen wahrscheinlich eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung des AIDS-Virus." Das ebnete den Weg für die Experimente mit N-9, an denen Piot beteiligt war und die 1988 erstmals auf einem Welt-AIDS-Kongress vorgestellt wurden. Es wurde berichtet, daß 98 test-negativen Frauen entweder N-9 oder ein Placebo gegeben wurde - von Kondomen war nicht die Rede - und daß am Ende 35 Frauen einen positiven Test hatten. 20 von ihnen waren in der N-9-Gruppe, in der zudem vermehrt Genitalgeschwüre festgestellt wurden. Wer an das 'Todesvirus HIV' glaubt, sollte eigentlich entsetzt sein, daß das Leben anderer Menschen so leichtfertig und kaltblütig riskiert wird, doch regte sich bei den Kongressteilnehmern kein Protest. Auch die Forscher machten weiter und veröffentlichten 1992 einen weiteren Bericht, in dem sie es auf 47 test-positive Frauen gebracht hatten. Piot, der es Mitte der 90er zum Leiter der Research and Development-Abteilung beim Global Programme on AIDS der WHO gebracht hatte, räumte lediglich ein, daß die Einverständniserklärung der Frauen „auf dubiose Weise" zustandegekommen sei, um dann die WHO einen weiteren Versuch mit N-9 fördern zu lassen. Dieser Versuch ging 1996 zusammen mit ihm zu UNAIDS. Laut N-9-Hersteller Columbia Laboratories wurden die Experimente jahrelang mit bekanntermaßen toxischen Dosierungen durchgeführt. Es ist kein Wunder, wenn dann Entzündungen und Geschwüre auftreten - und möglicherweise auch Antikörper, die einen positiven Test verursachen. Das alles wissen die Frauen nicht, und so stellt sich die Frage, wieviele von ihnen schon den Glauben, an einer tödlichen Infektion zu leiden, bisher überlebt haben.

In einem Kommentar des ANC werden dadurch „beunruhigende Fragen nach der Forschungsethik, den Profiten von Pharmafirmen und der Rolle internationaler Entwicklungsorganisationen in Afrika" aufgeworfen. Konkret gefragt wird u.a., wie es zur Genehmigung dieser Versuche kommen konnte, wie die gesundheitsgeschädigten Frauen versorgt wurden und ob anderen UN-Organisationen einschließlich des Weltsicherheitsrats und der Generalversammlung diese Vorgänge bekanntgegeben wurden. Schon jetzt lautet das Fazit des ANC: „Es erzählt eine Geschichte, wie leicht es für einige ist, den Mißbrauch von schon mißbrauchten afrikanischen Frauen weiter zu vertiefen - dieses Mal im Namen von Wissenschaft und Gesundheit ... Wir fragen, was noch im Zusammenhang mit HIV/AIDS mehr des Profits und weniger der Gesundheit unserer Leute wegen geschieht. Die Zeit wird es zeigen." [29]

Als Positivbeispiel des Kongresses galt Boehringer Ingelheim mit der Ankündigung, Nevirapine für fünf Jahre Ländern im Trikont [30] für Schwangere kostenlos zur Verfügung zu stellen. Vergessen war dann nicht nur die unrühmliche Firmengeschichte [31], sondern auch die EU-weite offizielle Warnung vor Nevirapine-Schäden vom April. Darin wird die Anwendung in Kombinationspräparaten eingeschränkt, weil es „schwere und lebensbedrohende Hautreaktionen und ernsthafte Leberschäden ... hauptsächlich in den ersten 8 Behandlungswochen" gegeben hat. Die nächste - und sicher nicht die letzte - Meldung über Nevirapine-Schäden kam Anfang 2001 aus den USA, als die CDC Gesundheitpersonal davor warnten, das Mittel nach Nadelstichverletzungen prophylaktisch zu nehmen. [32] In Europa und den USA hat Nevirapine seine beste Zeit hinter sich, und so liegt es in der Logik des Systems, im Trikont einen neuen Markt zu suchen. Der Einstieg erfolgt über Schwangere, bei denen die Giftwirkungen wegen der relativ geringen Dosis und kurzen Einnahmedauer wohl weniger offensichtlich sind. Behilflich sind dabei UNAIDS und die WHO, die im Oktober 2000 empfohlen hatten, Nevirapine für Schwangere auch über Pilotprojekte hinaus zu verwenden. Sollte es dazu kommen, gibt es die Überlegung, entweder alle Schwangeren zu testen und den test-positiven Frauen Nevirapine zu geben oder alle Schwangeren ohne Test gleichermaßen zu versorgen - in Ländern „mit Seroprävalenz-Raten über 10%". Argumentiert wird nicht nur mit der angeblichen Verträglichkeit und daß es „hochgradig kosteneffektiv" sei, sondern auch so: „Massenbehandlung kann auch beim weitverbreiteten Stigma helfen, das noch immer in vielen Ländern mit HIV verbunden ist. Wenn jeder die Pillen nimmt, wird niemand stigmatisiert."

Mit HIV soll nicht nur Nevirapine an die afrikanische Frau gebracht werden, sondern auch das lange zurecht in Verruf geratene Milchpulver. Es hat nicht nur einen geringeren Nährgehalt im Vergleich zum Stillen, sondern birgt darüber hinaus die Gefahr von lebensgefährlichen Krankheiten für die Kinder besonders dort, wo kein sauberes Wasser für die Zubereitung zur Verfügung steht. [33] Diese bekannten Probleme wurden mit der Behauptung, HIV werde durch das Stillen übertragen, relativiert. UNAIDS hatte zunächst Milchpulver empfohlen, überläßt derzeit aber nach Protesten den Müttern die Entscheidung. Beim Kongress in Durban wurde über die Richtlinien diskutiert, und auch Hoosen Coovadia, Kongress-Vorsitzender und Vertreter der HIV/AIDS-Theorie beim Advisory Panel, empfahl test-positiven Müttern Milchpulver. Coovadia, der außerdem selbst an einer großen Untersuchung über die Auswirkungen des Stillens und des Milchpulvers auf die Kinder beteiligt ist, gab dagegen Anfang Februar 2001 die Empfehlung an test-positive Mütter, ihre Kinder zu stillen. Das war das Ergebnis seiner eigenen Untersuchung, die festgestellt hatte, daß die gestillten Kinder nicht nur gesünder waren, sondern auch verblüffend selten einen positiven Test hatten. Zwar hat dieses Kriterium wegen der Unklarheiten über die Tests [34] keine Aussagekraft, doch der Vorteil für die Gesundheit der Kinder ist sehr real. Das späte öffentliche Eingeständnis dieses einflußreichen Forschers - er hätte es schon in Durban sagen müssen - könnte helfen, in Südafrika einen eigenen Weg in der AIDS-Prävention für Kinder zu finden. Die Krankheiten nämlich, die durch Milchpulver entstehen können, lassen sich nach der 'Bangui-Definition' als AIDS diagnostizieren.

Somit war beim Kongress das Positivbeispiel eigentlich keines, und das Negativbeispiel war noch weitaus negativer alsdargestellt.

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Die Zuspitzung des Konflikts

Auch nach dem Kongress wurde weiter Druck auf Mbeki ausgeübt. Nach der Sommerpause begann in Großbritannien, dem Sitz von Glaxo, eine regelrechte Pressekampagne. So hieß es, er leide „unter einem gigantischen Verfolgungskomplex", sei „geisteskrank" und „sitzt schon in einem Loch und wenn er weiter gräbt, kann er nur als Südafrikas Mugabe enden". [35] Einige südafrikanische Zeitungen zogen im September nach, vor allem die Ableger der britischem Zeitungshäuser. Den Höhepunkt bildete Anfang Oktober die Publikation von Aussagen einer nicht-öffentlichen Rede Mbekis vor einem ANC-Gremium. Unklar ist nach wie vor, woher dieses Wissen stammt und inwieweit der Inhalt authentisch ist. Darin soll er schwere Anschuldigungen gegen die Pharmakonzerne und die USA (einschließlich CIA) erhoben haben, gemeinsam Propaganda für die HIV/AIDS-Theorie zu machen, um die Medikamente zu verkaufen. Darüber hinaus soll er „die wichtigsten westlichen Wirtschaftsmächte" beschuldigt haben, die bestehende Wirtschaftsordnung gegen die Versuche Südafrikas, eine Machtverschiebung zugunsten des Trikont herbeizuführen, zu verteidigen. [36] Diese Meldungen aktivierten auch die US-Presse, die ihm unter anderem vorhielt, wie „ein von Verschwörungstheorien besessener Mann" zu wirken. So der Herausgeber von Newsweek, der unter der Überschrift „Paranoia ... oder Politik?" [37] Mbekis AIDS-Position, seine Person und Art der Amtsführung als untragbar hinstellte und dem ANC per Zitat [38] empfahl, ihn zum Rücktritt zu bewegen. In dieser Situation sah der Herausgeber des New African aufgrund der feindseligen Propaganda gegen Mbeki und seine AIDS-Position „die Haie kreisen" und erinnerte an Kwame Nkrumah und Patrice Lumumba, deren Kampf für die Befreiung Afrikas aus den USA und Europa gewaltsam beendet wurde: sie „wurden gefällt, weil die Leute sie nicht beschützt haben. Werden wir den Haien erlauben, wieder zu töten?" [39]

Den persönlichen Attacken wurde der Wind aus den Segeln genommen, als Mbeki sich Mitte Oktober aus der öffentlichen Diskussion um AIDS zurückzog und die Arbeit mit dem Advisory Panel dem Vizepräsidenten und Leiter des National AIDS Council Zuma übergeben wurde. Durch Mbekis Rückzug aus der öffentlichen AIDS-Kontroverse hatte sich die Situation - zumindest äußerlich - beruhigt. Zwar brach er Mitte Dezember bei einem Staatsbesuch in Brasilien ein einziges Mal sein Schweigen und sagte, die Wissenschaftler wüßten nicht, was sie beim Test überhaupt suchen würden, doch wurde das außerhalb Brasiliens und Südafrikas kaum zur Kenntnis genommen. Weiterer Grund zur Aufregung bestand auch nicht, denn das Jahr 2000 endete ohne die angekündigten Versuchsergebnisse von MRC, CDC und Kritikern, auch der Bericht des Advisory Panel erschien nicht, denn seine Anfertigung hatte länger gedauert als geplant. Der Leiter der südafrikanischen National Research Foundation hatte den Bericht Ende Oktober fertiggestellt, allerdings ohne die Versuchsprotokolle. Die südafrikanische Journalistin Anita Allen, die eine wichtige Rolle beim Zustandekommen des Advisory Panel gespielt hatte, erklärte: „Trotz aller Bemühungen, die Orthodoxen zur Zusammenarbeit zu bewegen, weigerten sie sich ... Sie sagen, sie würden HIV in hunderten von Labors weltweit isolieren, kultivieren und testen, sind aber nicht in der Lage, die Methoden, die sie anwenden, genau darzulegen ... Als es offensichtlich war, daß sie nicht mitarbeiten würden, mußten die Kritiker Versuchsprotokolle erstellen, für deren Durchführung sie nie die Mittel erhalten hatten, d.h. sie mußten von Null anfangen und mit Labors zusammenarbeiten, die noch nie mit HIV gearbeitet hatten." Das letzte Protokoll mit einer Kostenplanung wurde im November eingereicht. Danach begann in Südafrika die Sommerpause.

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Die andere Seite III: „mainstreaming AIDS"

Auf der anderen Seite des Globus begannen die Weihnachtsvorbereitungen und wie üblich verkündete UNAIDS anläßlich des Welt-AIDS-Tages am 1. Dezember seine neuesten Zahlen, dieses Mal aus Berlin und begleitet von der Deutschen AIDS-Hilfe und medico international. UNAIDS konnte auf ein außerordentlich erfolgreiches Jahr zurückblicken. Die AIDS-Sitzung des Weltsicherheitsrates im Januar hatte zur Folge, daß dort am 17. Juli die Resolution 1308 angenommen wurde, „die darauf abzielt, den Kampf gegen AIDS zu intensivieren und Länder dazu aufruft, langfristige Strategien zum Zurückrollen [roll back] der Epidemie zu planen und auszuführen." Eine Zielgruppe der Resolution sind „alle nationalen uniformierten Kräfte, besonders die international eingesetzten", die es nicht nur zu belehren, sondern auch zu testen gilt, eine Erweiterung auf „humanitäres Personal" wurde angestrebt. Schon im Dezember wurde bei einem Nachfolgetreffen von Militärs und Zivilisten die Zielgruppe auf „humanitäre Helfer und andere verwundbare Gruppen - Flüchtlinge, Frauen und Kinder - die von Friedenseinsätzen betroffen sind" erweitert, womit in einem derart betroffenen Land ein Gutteil der Bevölkerung AIDS-politisch erfaßt würde. Dem Pentagon stehen bereits im laufenden Haushaltsjahr 10 Millionen US-$ zur Verfügung, um anderen Ländern in dieser Hinsicht Entwicklungshilfe zu leisten.

Eine weitere Folge der Aktivitäten des Weltsicherheitsrates war die Annahme einer Resolution beim Millenniumsgipfel der UNO über eine AIDS-Sondersitzung der UN-Generalversammlung. Vom 25. bis zum 27. Juni 2001 soll es dort um „die Vereinbarung konkreter internationaler Maßnahmen" gehen, und schon vier Monate vorher forderte Annan unter Hinweis auf diese Sitzung einen härteren Kampf gegen AIDS, die angeblich „gewaltigste Entwicklungsherausforderung unserer Zeit". Ähnlich hatte er sich geäußert, als er im Dezember den offiziellen Beginn der Partnership Against AIDS in Africa (IPAA) bekanntgab. Dieses Programm soll „afrikanische Regierungen, die Vereinten Nationen, Geber, den privaten Sektor und den Community-Sektor" zusammenführen und hatte schon in seiner Vorbereitungsphase deutliche Spuren hinterlassen wie die Konferenz im Mai 1999 in Addis Abeba. Damals billigten die afrikanischen Finanz- und Planungsminister nicht nur IPAA, sondern wurden auch von UNAIDS aufgefordert, eine Umverteilung der Budgets zugunsten AIDS vorzunehmen. Seitdem ist die „politische und finanzielle Mobilisierung" vorangekommen, was sicher durch den offiziellen Charakter von IPAA in Zukunft noch verstärkt wird.

Ebenfalls im Dezember gab die Weltbank zusammen mit dem IWF und einigen Gläubigerstaaten einen Schuldenerlaß bekannt: Für 22 Länder, unter ihnen viele in Afrika, stehen 42 Milliarden US-$ zur Verfügung, weitere 28 Milliarden US-$ sollen entsprechend vergeben werden. Gekoppelt ist der Erlaß an „Armutsbekämpfung" (der neue Name für die alte Strukturanpassung), deren integraler Bestandteil inzwischen AIDS geworden ist. Das nennt BMZ-Ministerin Wieczorek-Zeul [40] „eine frohe Botschaft für Millionen von Menschen", während es in UNAIDSpeak treffender unter „mainstreaming AIDS" läuft.

Auch dieses Jahr begann gut für UNAIDS. Am 19. Januar wurde im Weltsicherheitsrat eine weitere AIDS-Sitzung abgehalten und Holbrooke, der seine Abschiedsvorstellung als UN-Botschafter der USA gab, wurde mit Lob und Dank dafür überhäuft, daß er AIDS als Thema in diesem Gremium etabliert hatte. Er selbst sagte: „Wir ... fügten HIV/AIDS der Agenda hinzu, wie auch internationalen Terrorismus." Womit ein Gutteil der Wünsche, die Gore vor einem Jahr geäußert hatte, erfüllt waren und Holbrooke Bilanz ziehen konnte: „Ich bin auch sehr erfreut, daß dieser Rat sich daran beteiligt hat, die Definition von Sicherheit zu erweitern."

Holbrooke wurde nun doch nicht US-Außenminister, da Gore nicht Präsident geworden war. Mit ihnen wäre klarer gewesen, welche Außendarstellung der AIDS-Politik aus Washington in den kommenden vier Jahren zu erwarten gewesen wäre, hatten sie doch keine Gelegenheit ausgelassen, AIDS auch als Problem für die 'nationale Sicherheit' [41] zu bezeichnen. Eine einheitliche Form der Bush-Regierung, deren Funktionäre teilweise widersprüchliche Signale aussenden, steht dagegen noch aus. Sicher ist aber, daß es inhaltlich keinen Bruch mit der bisherigen AIDS-Politik und den im vergangenen Jahr begonnenen Initiativen - besonders gegenüber dem Trikont - geben wird. Diese Politik hängt nicht vom Namen eines US-Präsidenten ab.

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Der Bericht des AIDS Advisory Panel

In Südafrika dagegen ist der Präsident der entscheidende Faktor für die weitere Entwicklung in der AIDS-Politik des Landes und das Advisory Panel bleibt ein wichtiges Element dieser Politik. Dessen Bericht wurde nach der Sommerpause am 18. Januar der Gesundheitsministerin übergeben, die mit Spannung erwartete Veröffentlichung blieb jedoch aus. Vermutet wurde, der Bericht würde wegen der schweren Krankheit des elfjährigen Nkosi zurückgehalten. Der test-positive Junge war weltbekannt geworden, als er beim Kongress in Durban aufgetreten war und die Freigabe von AZT für Schwangere gefordert hatte. Als er im Januar erkrankte, tauchten auch hierzulande Schlagzeilen auf wie „Elfjähriger stirbt an Aids" und in keinem dieser Artikel fehlten Vorwürfe gegen Mbeki: Er habe Nkosi nicht besucht und schlimmer noch, er bleibe bei seiner AIDS-Position, so hieß es. Versäumt wurde allerdings zu erwähnen, daß Nkosi seit langem hochgiftige Medikamente bekam, die seine Krankheit ausreichend erklären können und daß er seinen zwölften Geburtstag erlebte, wenn auch immer noch schwerkrank.

Erst Ende März wurde der Bericht des Advisory Panel wieder erwähnt, und zwar von Mbeki selbst: „Sie haben ihn mir noch nicht übergeben, aber sie haben den Bericht fertiggestellt und er wird ziemlich bald verteilt." Gleichzeitig wurde er auf de Zahlen der letztjährigen Schwangerentestungen in Südafrika angesprochen, die gerade erschienen waren: 24,5% der Frauen hatten einen positiven Test, woraus das Gesundheitsministerium 4,7 Millionen südafrikanische Betroffene errechnete. Dazu Mbeki: „Ich denke, wir sollten damit auf die Wissenschaftler warten, weil das genau die Frage ist, die sie stellen, diese Wissenschaftler - wie kommt man zu diesen Zahlen ... sie könnten zeigen, daß wir unter- oder überschätzen. Das ist eines der Probleme, das angesprochen werden muß." Während sich die Stimmen derer mehren, die die Zahl von 4,7 Millionen für eine Untertreibung halten und mit ihren Schätzungen auf über 5 Millionen kommen, dürften die Zahlen bei einer kritischen Überprüfung in sich zusammenfallen.
Am 4 . April wurde der Bericht dem Kabinett vorgestellt und gleichzeitig öffentlich zugänglich gemacht. [42] Er faßt die Beiträge der beiden Treffen zusammen und und stellt die gegensätzlichen Empfehlungen der beiden Gruppen für die AIDS-Politik vor, ohne für eine der Seiten Partei zu ergreifen.
Einerseits sieht die südafrikanische Regierung aufgrund des bisherigen Verlaufs der Diskussion keinen Anlaß, von der Prämisse, daß HIV AIDS verursacht, abzuweichen. Andererseits wurde eingeräumt: „Es war während der Beratungen auch offensichtlich, daß es viele legitime wissenschaftliche Fragen gibt, auf die die wissenschaftliche Forschung noch keine Antworten gefunden hat. In diesem Fall können noch so viele Debatten zwischen Vertretern unterschiedlicher Meinungen keine Antwort geben. Der einzige Weg, der zu den Antworten führt, ist die Durchführung korrekter wissenschaftlicher Untersuchungen." Vor allem von den Kritikern wurden Experimente vorgeschlagen. Neben den Versuchen zu den Antikörpertests und der Virusisolation wurde die Überprüfung eines weiteren Tests („Viruslast"-PCR), der UNAIDS-Statistiken, der AIDS-Definition für Afrika, der Gesundheitsschäden durch Kombinationspräparate, der Korrelation von positivem Antikörpertest und AIDS-Diagnose genannt. Dazu die Gesundheitsministerin: „Die Früchte der Kommissionsberatungen bestehen hauptsächlich in der Formulierung von Vorschägen für die weitere empirische Erforschung. Solche Forschung wäre original in dem Sinne, daß sie nicht einfach an einem Ort das, was woanders schon untersucht wurde, wiederholen würde, sondern Neuland betreten und weltweit zu einem größeren Verständnis von HIV/AIDS beitragen würde. Ein Teil dieser Forschung wird schon durchgeführt - aber eine Anzahl möglicher Forschungsprojekte, die in der Liste der Empfehlungen ausgeführt sind, müssen noch bewertet und in Frage kommende Forscher gefunden werden." [43]

Für einen der Versuche wurde die Entnahme von 2.500 Blutproben schon im Dezember abgeschlossen. Sie stammen aus verschiedenen Regionen Südafrikas, in denen sich die Rate der positiven Tests stark unterscheidet. Die Proben werden sowohl in Südafrika (MRC) als auch in den USA (CDC) getestet, um festzustellen, ob und in welchem Ausmaß sich die Ergebnisse unterscheiden. Die Resultate werden „in Kürze" erwartet und sollen die Basis für Versuche zur weiteren Überprüfung der Antikörpertests und zur Virusisolation sein. Schon der Vergleich der südafrikanischen und US-amerikanischen Testergebnisse könnte einen Unterschied in den beiden Testreihen zeigen. Bei der weiteren Testüberprüfung wird sicherlich eine Anzahl von Faktoren identifiziert werden, die Antikörper hervorrufen können, durch die ein Antikörpertest ganz ohne HIV positiv - also falsch-positiv - ausfallen kann. Das Scheitern der Virusisolation würde dem Antikörpertest die Basis völlig entziehen. (Vgl. dazu auch: Die südafrikanischen Experimente

Faktisch spricht viel dafür, daß die Versuche - eine wissenschaftlich korrekte Durchführung vorausgesetzt - das Ende der HIV/AIDS-Theorie bedeuten können. Sollte die Kritik Recht behalten und iher Forderungen auch umgesetzt werden, würde das tatsächlich für Millionen eine Verbesserung ihres Lebens bedeuten, für nicht wenige sogar die Lebensrettung, wie Mbeki sagte. Die Konsequenzen, die dann zu ziehen wären, wären im Trikont besonders weitreichend, denn dort ist das Ziel letztlich „Frei von Armut, frei von AIDS" - in einem ganz realen Sinn.

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Anmerkungen


1 http://www.virusmyth.net/aids/news/durbspmbeki.htm

2 Wainberg wurde durch den Vorschlag bekannt, Kritiker der AIDS-Lehrmeinung zu inhaftieren und per Verfassungszusatz die Kritik zu verbieten.

3 Vgl. J.Lauritsen: Poison by Prescription - The AZT Story. Asklepios, New York 1990

4 „Das Etikett erscheint auf Flaschen, die nur 25mg AZT enthalten, einen kleinen Teil (1/20 bis 1/50) der verschriebenen Tagesdosis", s. P.Duesberg: Inventing the AIDS Virus. Regnery Publishing, Washington DC 1996 bzw. http://www.duesberg.com/azt.html

5 http://www.aidsmyth.addr.com/debatingazt/contents.htm

6 C.Farber: A Timely Firestorm, s. http://www.rocktheboat2001.com/article02.htm - Wahrscheinlich ist das die erste AZT-Untersuchung weltweit, an der der Hersteller nicht beteiligt ist.

7 Genauere Informationen unter http://virusmyth.net/aids, http://www.aliveandwell.org/ http://aidsmyth.addr.com/index1.htm

8 Ho hatte ein mathematisches Modell präsentiert, nach dem es bei einer HIV-Infektion von Anfang an eine massive Virenvermehrung gibt, die nach Jahren zur Erschöpfung des Immunsystems führt. Dieses Modell bildet auch die Basis der HAART (Highly Active Retroviral Therapy) mit Kombinationspräparaten. Zur mathematischen Analyse s. http://www.virusmyth.net/aids/data/mcreplyho.htm

9 Daneben gibt es auch in Afrika Kranke, bei denen nach hiesiger Definition AIDS diagnostiziert würde. Das trifft insbesondere dort zu, wo sich wie z.B. in Südafrika ein Bürgertum herausgebildet hat.

10 Auf der Konferenz in Bangui (Zentralafrikanische Republik), die die WHO gemeinsam mit den CDC organisierte, wurden die Weichen für AIDS in Afrika gestellt. Die 'Bangui-Definition' wurde durchgesetzt und die ersten Länderzahlen erpreßt: Der Leiter des WHO-Programms für übertragbare Krankheiten „drohte, WHO-Lieferungen von Cholera-Impfstoff und anderen lebenswichtigen Gütern für Länder auszusetzen, die nicht offen sprechen. Am nächsten Tag nannten die meisten afrikanischen Vertreter Zahlen ..." Die Konferenz wurde der Beginn des Global Programme on AIDS der WHO, das unter finanzieller und personeller Mithilfe der CDC eingerichtet wurde. (nach Laurie Garrett: The Coming Plague. Virago, London 1995) - UNAIDS ist seit 1996 das Nachfolgeprogramm des GPA.

11 Christian Fiala, Wiener Arzt und Mitglied in Mbekis Advisory Panel in seinem Beitrag zum ersten Treffen im Mai, s. http://www.aids-kritik.de/aids/SA/Fiala-Aids_in_Afrika.htm - Darin ist auch die 'Bangui-Definition' enthalten.

12 http://www.virusmyth.net/aids/news/lettermbeki.htm

13 UNAIDS ist ein Gemeinschaftsprogramm von UNDP, UNESCO, UNFPA, UNICEF, WHO und Weltbank.

14 Die CDC hatten von Anfang an die Definitionsmacht über AIDS. Sie legen in den USA die Definition und ihre Veränderungen fest, die auch in Europa fast immer übernommen wurden. Die 'Bangui-Definition' der WHO für Afrika südlich der Sahara war maßgeblich von CDC-Mitarbeitern entwickelt worden; die ersten leitenden Funktionäre des Global Programme on AIDS der WHO, das die HIV/AIDS-Theorie weltweit etablierte, kamen von den CDC. Die Behörde, deren Beamte militärische Ränge bekleiden, konnte durch AIDS sowohl ihre Macht als auch ihr Budget enorm vergrößern. Vor kurzem wurde beschlossen, daß die CDC Gesundheitsprogramme der Weltbank (u.a. AIDS) durchführen werden.

15 Montagniers Sitz im wissenschaftlichen Beirat von Calypte ist ein Beispiel für seine Interessenlage. Calypte will mit Urintests, die HIV nachweisen sollen, ganz Südafrika überziehen.

16 Berichte unter http://www.selbsthilfetreff.net/heal-berlin/bericht_panel_sa.htm, http://www.rethinkingaids.com/HomePage/Archive/
     2000/RA0006DuesRazInterviewOnSA.html
, http://www.virusmyth.net/aids/data/cfmbeki.htm

17 http://www.woza.co.za/news00/jul/zuluaids13.htm

18 http://www.aliveandwell.org/index.php?page=reasons - Das Problem der nicht geeichten Antikörpertests ist nicht nur in Afrika vorhanden, denn diese Art von Tests (ELISA und Western Blot) werden weltweit verwendet, um Menschen 'negativ' oder 'positiv' zu erklären.

19 Passenderweise wurde Wolfensohn im Sommer Ehrenpräsident des Global Business Council on HIV/AIDS, der von Glaxo gegründet worden war. Sein Vorgänger war (unpassenderweise) Nelson Mandela.

20 Der NSA kam nach vierjähriger Vorbereitungszeit zustande, in der sich viele NGOs beteiligt hatten. Ihr Einfluß wurde immer weiter eingeschränkt, bis er schließlich nach Kritikermeinung von den „neuen Kolonisatoren" kontrolliert wurde.

21Die Lobbyarbeit für die Durchsetzung des AGOA ließen sich Großkonzerne wie Texaco und General Electric 200 Millionen US-$ kosten.

22 Now come Africas friends ineffective AIDS drugs, Business Day 3.5.00

23 Discounted AIDS drugs can be profitable, Business Day 1.12.00

24 Indien ist Aktionsfeld für über 25.000 AIDS-NRO und -Institutionen und hat einen National AIDS Control Council, der seine Zahlen vor kurzem von 8,5 Millionen auf 3,5 Millionen Betroffene herunterschätzte - allerdings erst nach Protesten der dortigen, sehr aktiven AIDS-Kritikszene.

25 Dias (24 und 25) unter http://www.unaids.org/publications/graphics/addis/index.htm

26 Ausführlich widerlegt unter http://www.thedurbandeclaration.org/

27 Die Einschaltung von PR-Agenturen ist in diesem Bereich nicht ungewöhnlich. So konsultieren die CDC und UNAIDS (wie auch Glaxo) Ogilvy, während David Ho bei Fenton ist.

28 Mankahlanas Tod im Oktober 2000 wurde von den Medien zum AIDS-Tod umdiagnostiziert, um im Anschluß daran nicht nur ihm postum, sondern auch Mbeki 'Leugnung' vorzuwerfen.

29 http://www.anc.org.za/ancdocs/anctoday/2001/at04.htm

30 Die Bezeichnung 'Trikont' für die Länder Afrikas, Asiens und Lateinamerikas wurde hier gewählt, weil sie im Gegensatz zu den anderen Bezeichnungen 'Entwicklungsländer' und 'Dritte Welt' keine (Ab-)Wertung dieser Länder vermittelt.

31 C.Schnibben: „Das war der Tod persönlich" und Der Tod aus Ingelheim, Spiegel 31&32/91

32 U.a. gab es mehrere schwerste Lebererkrankungen, eine Frau erhielt nach „Leberversagen im Endstadium" eine Lebertransplantation.

33 UNICEF schätzte in den 80ern, daß jährlich eine Million Kinder an den Folgen der Ernährung mit Milchpulver sterben.

34 Das betrifft nicht nur die Antikörpertests, sondern auch die bei Neugeborenen angewandten Tests zur Messung von p24 und der 'Viruslast'.

35 Der Vergleich mit Mugabe ist insofern richtig, als auch dieser trotz massiven Drucks - begleitet von einer diffamierenden Pressekampagne - gewagt hatte, westliche Kapitalinteressen anzutasten. Es war vor allem die südafrikanische Regierung, die Mugabe nicht fallen ließ. Diese Haltung und die AIDS-Diskussion wurden von Analysten als Hauptgründe für den Wertverlust des südafrikanische Rand genannt.

36 In diesem Zusammenhang sei eine Meldung von Ende August erwähnt, in der es hieß, daß Hinweise auf ein Komplott gegen Mbeki untersucht würden. Anstifter seien Geschäftsleute und Politiker aus den USA und Großbritannien, die ihn wegen seiner Haltung zu AIDS und zu Mugabe bei den Wahlen 2002 als ANC-Präsident ersetzen wollten.

37 Wie ein Echo klang es im ARD-Weltspiegel am 22.10. Dort wurde ebenfalls gefragt, ob es um Paranoia oder Politik geht, auch der Tenor der Reportage erinnerte an Newsweek. Die taz folgte.mit einem entsprechenden Artikel, in dem nur der Stalinismus-Vorwurf einigermaßen originell war.

38 Der mittlerweile vom Dienst suspendierte Shell war auch der Verfasser einer der Texte, die im vergangenen Jahr in einer Veröffentlichung der Konrad-Adenauer-Stiftung über HIV/AIDS und die Afrikanische Renaissance erschienen sind. Gesellschaftliche Fortschritte möchte Shell mit AIDS als Begründung wieder abschaffen und schlagt eine Art AIDS-Notstandssystem vor. Bei seiner Vision dieser neuen Gesellschaft schlägt er allerdings so über die Stränge, daß auch die KAS hätte stutzig werden müssen: „Die Wiedereinführung der Todesstrafe sollte für Vergewaltigung und/oder [sic] die Kenntnis einer HIV-Infektion erwogenwerden."

39 Baffour Ankomah im New African Oktober 2000

40 Die Bundesrepublik beteiligt sich mit ca. 10 Milliarden DM

41 Am 30. April 2000 hatte die Washington Post gemeldet, die US-Regierung habe „die Krankheit erstmals formell als Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA bezeichnet ... Der National Security Council, der nie zuvor an der Bekämpfung einer Infektionskrankheit beteiligt war, beaufsichtigt eine schnelle Neubewertung der Regierungsanstrengunen." Beigefügt war ein freigegebener Bericht des National Intelligence Council (der den CIA-Direktor berät) mit Schwerpunkt AIDS, der inhaltlich nichts Neues bot, der Meldung aber eine zusätzliche Dramatik verlieh. Bei einer Pressekonferenz am folgenden Tag dementierte der Regierungssprecher zwar deutlich, daß es eine formelle Erklärung gegeben hat, bestätigte jedoch, daß sich der National Security Council seit etwa zwei Jahren mit AIDS beschäftigt. Das Dementi tauchte nicht in den Medien auf und auch Regierungsoffizielle äußerten sich in vagen, eher bestätigenden als dementierenden Kommentaren. So wird nach wie vor wird die Version der Washington Post weltweit verbreitet und es bleibt unklar, ob der 'Nationale Sicherheits'-Apparat bei AIDS tatsächlich in Betrieb gesetzt wurde. Anzunehmen ist allerdings eine Verbindung der Meldung mit den Ereignissen in Südafrika, zumal sie nur wenige Tage vor der ersten Beratung von Mbekis Presidential AIDS Advisory Panel erschienen war.

42 http://www.gov.za/reports/index.html oder http://www.aidspanelreport.com/

43 http://www.gov.za/events/aidspanel.htm

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http://www.rethinkingaids.de/