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Botswana - zwischen Aussterben und Unsterblichkeit

von Ilse Lass

 

"Wir befinden uns wirklich in einer nationalen Krise. Wir sind vom Aussterben bedroht." So wurde im Juli 2000 Botswanas Präsident zitiert, der von den Folgen von AIDS auf sein Land sprach [1]. Genauere Angaben machte er nicht, doch für Zahlen gibt es in Botswana eine Regierungseinrichtung, das Central Statistics Office [2]. Dort sollte man es wissen.

Deren Website bietet jede Menge Zahlen, über die Industrie, die Landwirtschaft und auch über die Bevölkerung. Im Jahr 1999 lebten 1.611.021 Menschen in Botswana, knapp 300.000 mehr als 8 Jahre zuvor. Die jährliche Geburtenrate lag 1999 bei 32,1/1.000 Einwohner und die jährliche Todesrate bei 10,6/1.000 Einwohner (in etwa vergleichbar mit der hiesigen), beide Raten weisen eine fallende Tendenz auf. Die durchschnittliche Lebenserwartung wurde für 1999 mitl 67,6 Jahren angegeben, eine Steigerung von fast zwei Jahren im Vergleich zu 1991. HIV/AIDS-Zahlen allerdings waren nicht einmal bei den Gesundheitsstatistiken zu finden, stattdessen wurde auf eine Sonderabteilung, die AIDS/STD Unit, verwiesen. Doch auch dort war nichts Weiterführendes aufzutreiben und insgesamt macht diese Website einen etwas verwaisten Eindruck [3].

So blieb nur noch der Bericht von UNAIDS/WHO als Informationsquelle [4]. Bei der Landesübersicht gab es die ersten Überraschungen. Waren die Zahlen zur Einwohnerzahl und zur jährlichen Geburtenrate grob deckungsgleich mit den Daten des Central Statistics Office, wurde für 1999 eine jährliche Todesrate von 17/1.000 Einwohner und für 1998 eine durchschnittliche Lebenserwartung von 47 Jahren angegeben (alle Daten von UNPOP). UNAIDS/WHO schätzen in ihrem Bericht, daß 1999 in Botswana 24.000 Menschen an AIDS gestorben sind. Das sind erstaunliche Zahlen, ist doch wenige Seiten weiter zu lesen, daß Botswana kumulativ - also insgesamt seit Beginn der AIDS-Meldungen Mitte der 80er - lediglich 10.142 AIDS-Kranke gemeldet hat. Werden zudem die UN-Angaben zu jährlicher Todesrate und geschätzten AIDS-Toten miteinander verrechnet, wird es noch wunderlicher. Eine Rate von 17/1.000 ergibt bei einer Bevölkerungs von 1,6 Millionen ca. 27.000 Tote im Jahr. Werden die 24.000 AIDS-Toten abgezogen, verbleiben für andere Todesursachen lediglich 3.000 Menschen. Das wäre eine Todesrate von ca. 2/1.000 Einwohner, womit die Bevölkerung Botswanas ohne AIDS fast unsterblich wäre.

Die vom Central Statistics Office angegebene jährliche Todesrate von 10,6/1.000 Einwohner entspricht ca. 17.000 Toten. Wenn man davon die 24.000 AIDS-Toten subtrahiert, erhält man sogar eine negativen Todesrate - ohne AIDS wären danach die Menschen in Botswana unsterblicher als unsterblich, mit AIDS wären die einen Toten töter als die anderen. Am tötesten ist bei diesen HIV/AIDS-Zahlen ganz sicher der Verstand.

[1] Mogae warns of extinction threat. Business Day 10.7.2000
[2] http://www.cso.gov.bw
[3] http://www.info.bw/~aidstd.unit
[4] http://www.who.int/eme-hiv/fact_sheets/index.html

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Zum obigen Artikel die passende Zeitungsmeldung, die gleichzeitig verrät, warum HIV in Afrika so "wüten" könne: weil die Afrikaner so häufig ihre Sexualpartner wechseln und dabei auf Kondome verzichten! [H.-W.L.]   

 

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