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Die Bangui-Definition

von Guido Höner

 

1. Die Definition - Prüfung der Definition für Erwachsene - Prüfung der Definition für Kinder - Neue Krankheit - Neue Definition - Ausdehnung - Anwendungsbeispiel - Verbreitung
2. Mangelernährung - Produktion - Kolonialismus - Neokolonialismus - Schulden - 'Fall'-Beispiel - 'AIDS-Ethik'
3. Pestizide - Absatz - Folgen - Symptome - Weitere Gifte - Öko - Zukunft - Entsorgung
4. Krankheiten - Statistik - Symptomatik - Kolonialmedizin - Gesundheitsgürtel - Sozialmedizin - Demokratie - Propaganda - Unabhängigkeit - Weltbank
5. Medikamente - Tropenheilmittel - WHO - Markt - Erpressung - Werbung - Symptome - Die SMON-Viren 
6. Impfungen -Symptome - Ursachen - Pocken - Impfmüdigkeit - HIV-Impfungen - Folgen
7. Verhütungsmittel - Depo Provera - Norplant - Anti-Schwangerschafts-Impfung - Symptome - Institutionen
8. Babynahrung - Markt - Folgen - Strukturen
9. Kommentar

 

Dieser Text erschien 1995 in der Broschüre "AIDS - Afrika - Bevölkerungspolitik" des Projekts Kritische AIDS-Diskussion in Berlin. Für die Website wurde er im Mai 2001 geringfügig überarbeitet.
 

Die Definition von AIDS, die in Afrika überwiegend zur Anwendung kommt, unterscheidet sich wesentlich von den vorherrschenden Definitionen für die Metropolen. Sie ist benannt nach der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, in der 1985 ein Workshop der Weltgesundheitsorganisation WHO über AIDS in Afrika stattfand. Die Grundlagen wurden durch westliche Forscher in Zaire erarbeitet. Die Definition wurde zuerst 1985 von den US-Centers for Disease Control veröffentlicht und 1986 von der WHO übernommen. Sie soll 'Fall'-Diagnose und -Meldung aufgrund klinischer Zeichen ohne serologische Tests ermöglichen. Leicht verfälschend wird sie als 'provisorische klinische Falldefinition der WHO für AIDS in Gegenden mit begrenzten diagnostischen Ressourcen' bezeichnet.

Krankheit in der medizinischen Wissenschaft ist grundsätzlich als Abweichung von einer zuvor als gesund definierten Norm zu verstehen. Dafür müssen individuelle Befindlichkeiten vereinfacht und schematisiert werden. Insbesondere die Definition von komplexen Krankheitserscheinungen wie dem AID-Syndrom, die ja der Unterscheidung von anderen Symptomen dienen soll, hat etwas mit Macht zu tun, der Macht zu definieren und die Definition auch durchzusetzen. Wenn so etwas für einen ganzen Kontinent geschieht, genauer für dessen nicht-privilegierte Bewohner schwarzer Hautfarbe, ist es wichtig, die Definition von 'AIDS in Afrika' genauer zu untersuchen.

1. Die Definition

"Erwachsene:

AIDS bei einem Erwachsenen ist definiert als die Existenz von mindestens zwei Hauptzeichen zusammen mit mindestens einem Nebenzeichen, bei Abwesenheit von bekannten Gründen von Immunsuppression, wie Krebs oder schwerer Unterernährung oder anderer festgestellter Ursache.

Hauptzeichen

  • Gewichtsverlust von mehr als 10% des Körpergewichts
  • Chronischer Durchfall länger als einen Monat
  • Fieber länger als einen Monat (unterbrochen oder konstant)
Nebenzeichen
  • Anhaltender Husten länger als einen Monat
  • Ausgebreitete juckende Dermatitis
  • Wiederkehrender Herpes zoster
  • Verpilzung des Mund- und Rachenraumes
  • Chronische fortschreitende oder ausgebreitete Herpes simplex Infektion
  • Generalisierte Lymphknotenschwellung
Das Auftreten von generalisiertem Kaposi-Sarkom oder Cryptokokken-Hirnhautentzündung sind für die AIDS-Diagnose alleine ausreichend.

Kinder:

Pädiatrisches AIDS wird vermutet bei einem Säugling oder Kind mit mindestens zwei der folgenden Hauptzeichen zusammen mit mindestens zwei der folgenden Nebenzeichen, bei Abwesenheit von bekannten Gründen von Immunsuppression, wie Krebs oder schwerer Unterernährung oder anderer festgestellter Krankheitsursache.

Hauptzeichen

  • Gewichtsverlust oder verlangsamtes Wachstum
  • Chronischer Durchfall länger als einen Monat
  • Fieber länger als einen Monat
Nebenzeichen
  • Generalisierte Lymphknotenschwellung
  • Wiederholte gewöhnliche Infektionen (Ohrentzündung, Rachenschleimhautentzündung etc.)
  • Mund- und Rachenverpilzung
  • Anhaltender Husten
  • Generalisierte Dermatitis
  • Gesicherte LAV/HTLV-III Infektion der Mutter" [1]
 

Prüfung der Definition für Erwachsene

Die Definition für Erwachsene wurde von Mann, Quinn, Curran, Piot und anderen Forschern, die selbst auch die Vorarbeiten zur Definition geleistet hatten, im Mama Yemo Hospital in Kinshasa überprüft. Dabei errechneten sie eine Spezifität von 90 %, d.h. 90 % der von ihnen diagnostizierten AIDS-'Fälle' sollen wirklich AIDS gehabt haben (Diese Zahl wurde in späteren Veröffentlichungen der gleichen Autoren immer wieder als 93 % zitiert). Bei Überprüfung der Daten fällt auf, daß sie die Anzahl der 12 falsch diagnostizierten Patienten (definiert als AIDS-Diagnose bei negativem ELISA) gegen die Gesamtzahl (12 + 104 = 116) ausgewählter schwerkranker testnegativer Patienten des Mama Yemo Hospitals aufrechnen. Würden hingegen die falsch diagnostizierten gegen die Zahl (12 + 34 = 46) der positiv getesteten und somit definitionsgemäß richtig diagnostizierten Patienten gerechnet, würde die Spezifität auf 74% fallen (wobei natürlich die Zahl der falsch positiven Tests nicht berücksichtigt ist). Es handelt sich somit um den gleichen Rechentrick wie bei der 'Eichung' der Antikörpertests, der zusätzlich von der Auswahl der Patienten abhängt. Für Tuberkulosepatienten beträgt selbst nach Angaben der Autoren die Spezifität der AIDS-Definition nur 33%. Bei 63% der seronegativen Patienten dieser Studie wurde ein Gewichtsverlust von mehr als 10% des Körpergewichts verzeichnet. Dabei geben die Forscher auch noch zu, daß bei ihrer Studie "die HIV-Seroprävalenz sehr hoch und andere Krankheiten mit AIDS-ähnlichen Symptomen sehr selten waren", d.h. Verwechslungen eigentlich ausgeschlossen sein sollten [2].

Dies ist wichtig, so berichten die gleichen Forscher, denn "Afrikaner sind aufgrund der hygienischen Verhältnisse und anderer Umstände einem weiten Spektrum von Viren ausgesetzt, einschließlich CMV, EBV, HBV, und HSV, von denen allen bekannt ist, daß sie das Immunsystem modulieren ... Die Afrikaner ... haben ein zusätzliches Risiko für immunologische Veränderungen, weil sie oft an einem weiten Spektrum von Krankheiten leiden, wie Malaria, Trypanosomiasis und Filariasis, die bekanntermaßen schwere Auswirkungen auf das Immunsystem haben" [3]. Ferner können "Tuberkulose, Protein-Kalorien-Mangelernährung und eine Vielzahl parasitärer Erkrankungen alle mit einer Unterdrückung der zellulären Immunität verbunden sein" [4]. Darüber hinaus wurden "eine signifikante Abnahme der Gesamtzahl der T-Zellen und der T4-Lymphozyten-Zahl mit zunehmendem Alter bei bestimmten Populationen in West-Afrika" und "eine unterdrückte Immunantwort nach einer akuten Malaria und bestimmten bakteriellen oder viralen Infektionen gefunden" [5].

Die Arbeitsgruppe von De Cock konnte in einer Tuberkulose-Klinik in Abidjan bei 48 % der seronegativen Patienten AIDS nach Bangui-Definition diagnostizieren, bei 50,1 % sogar "HIV-Auszehrung", aber eben keine Anti-HIV-Antikörper finden. So kamen weitere 1200 test-negative 'AIDS-Fälle' in die Statistik. [6] Die Behauptung einer hundertprozentigen Korrelation zwischen positivem Test und AIDS-Diagnose läßt sich so nicht aufrechterhalten. De Cock meint dazu: "Jede Fall-Definition, besonders eine klinische, kann eben nicht perfekt sein ... Wenn wir über AIDS reden, sollten wir vielleicht dieses Wort über Bord werfen und von HIV-Krankheit reden. Es ist klar, was HIV-Krankheit ist. Dann ist es nicht erstaunlich, daß die Konstellation von Symptomen, Zeichen und tatsächlich auch opportunistischen Infektionen bei Leuten ohne HIV-Infektion auftauchen". [7] Erstaunlich ist dann allerdings, daß diese offenbar nicht so seltene 'Konstellation' als 'neues' Syndrom definiert wurde und den Anlaß zu Konferenzen wie der in Bangui gegeben hat.

Prüfung der Definition für Kinder

Zu der Definition von AIDS bei Kindern schreiben Mann, Quinn, Piot, Curran und andere Autoren: "Das Erkennen von AIDS-Fällen bei Kindern ist in Kinshasa besonders schwierig, weil viele Kinder schwere Kinder- und andere Krankheiten mit gleichartigen Manifestationen (z.B. Gewichtsverlust, chronischer Durchfall) haben" [8].

In einer in diesem Zusammenhang aufschlußreichen Studie der gleichen Autoren an verschiedenen Krankenhäusern in Kinshasa wurden 449 kranke Kinder im Alter von 1 bis 24 Monaten untersucht. Sie wurden zunächst alle auf Anti-HIV-Antikörper getestet. Das scheint überflüssig, da bei Kleinkindern die Antikörper von der Mutter nachgewiesen werden. In der BRD werden positive Antikörpertests deshalb erst ab einem Alter von 15 Monaten als "Beweis einer Infektion" angesehen [9]. Bei 16 seropositiven Kindern (15 Jungen, 1 Mädchen, mittleres Alter 10 Monate), deren Mütter negativ getestet wurden, waren im Mittel "44 medizinische Injektionen" (ohne Impfungen) verabreicht worden, im Vergleich zu 'nur' 23 Injektionen bei seronegativen Kindern. Es taucht also die Frage auf, was mit den Kindern in Kinshasas Krankenhäusern angestellt wird bzw. welche Krankheiten zu solchem medizinischen Vorgehen veranlassen. Magen-Darm-Erkrankungen und Mangelernährung waren nach Angaben der Autoren mit Seropositivität assoziiert. Unterernährung wurde bei 21 % aller Kinder über 9 Monaten festgestellt, wobei die 12 seropositiven Kinder "den 21 seronegativen glichen in Bezug auf ... absoluten und prozentualen Gewichtsverlust während der letzten 2 Monate (mittlerer Gewichtsverlust 21%) und die damit verbundene medizinische Diagnose. Genauso glichen die 11 seropositiven den 39 seronegativen mit Magen-Darm-Erkrankungen in Bezug auf ... die Dauer des Durchfalls". Daraus wird gefolgert: "Eine HIV-Krankheit ist bei Kindern in Kinshasa aus verschiedenen Gründen schwer zu erkennen: Wegen der geringen Spezifität der klinischen HIV-Manifestationen, besonders bei jüngeren Kindern; wegen der begrenzten Laborausstattung für den Ausschluß von zugrundeliegenden Immundefekten ...; und wegen des Fehlens eines speziellen epidemiologischen Hochrisiko-Profiles im Zusammenhang mit mütterlicher oder kindlicher HIV-Infektion". Daraus wiederum ist für die Autoren eindeutig zu schließen, "daß frühere Schätzungen über AIDS bei Kindern ... viel zu niedrig waren" [10]. Der umgekehrte Schluß wäre durch die Daten eher zu belegen.

Neue Krankheit - Neue Definition

Aus diesen Beispielen wird der Zirkelschluß deutlich, der das definierte 'Vollbild' in Afrika mit positivem Antikörpertest als AIDS definiert (egal, wo die Antikörper herkommen), mit negativem Test jedoch als 'normale' Krankheiten, ganz ohne Test aber wiederum als AIDS. Dabei ist die Bangui-Definition explizit eine klinische, d.h. AIDS soll in Afrika ohne Antikörpertest diagnostiziert werden.

AIDS in Afrika ist also kein unverwechselbares Krankheitsgeschehen, daß neu auftauchte und für das dann die Ursache gesucht wurde. Vielmehr waren die Forscher bestrebt, einen afrikanischen Ursprung von AIDS und für sich eine global bedeutende Stellung zu finden. So suchten sie in Afrika nach dem Phänomen, das insbesondere in den USA als AIDS definiert und als Viruserkrankung etabliert worden war. Als sie dieses nicht finden konnten, wurden die Symptome von üblichen Infektionen und anderen Beeinträchtigungen der Gesundheit zu 'AIDS in Afrika' definiert. Erst mit dieser Konstruktion ließ sich die Aufmerksamkeit erzeugen, die das Global Programme on AIDS der WHO ins Rollen brachte, in dessen Folge AIDS zu einem afrikanischen Gesundheitsproblem wurde und die 'Fall'-Meldungen und erst recht die -Schätzungen in die Höhe schnellten. Deshalb schreibt Mann an anderer Stelle: "Eine Einführung des Virus in jüngster Zeit kann nicht von dem Neuerkennen oder dem neuen Bewußtsein für das Problem unterschieden werden" [11].

Ausdehnung

Aus den Beispielen wird deutlich, daß von den Forschern AIDS lieber zu oft als zu wenig diagnostiziert wird. Daher gibt es ständig Bestrebungen, die Bangui-Definition auszuweiten. So schlugen die oben zitierten Forscher vor, das Kriterium 'wiederkehrender Herpes zoster' durch "Herpes zoster Infektion in den letzten fünf Jahren" zu ersetzen, da dieses ebenso wie "Genitalgeschwür in den letzten sechs Monaten" zu 99% mit einem positiven Antikörpertest verbunden und somit spezifisch für AIDS sei. "Schmerzvolle Genitalgeschwüre länger als einen Monat" soll gar hundertprozentig spezifisch gewesen sein [12].

Die Arbeitsgruppe um De Cock von der Elfenbeinküste testete mehrere Wochen lang die Toten in zwei Leichenschauhäusern von Abidjan auf Anti-HIV-Antikörper und fahndete in den Krankenakten und Sterbeurkunden nach den klinischen Zeichen von 'AIDS in Afrika'. Im Gegensatz zur Bangui-Definition reichten bei positiv getesteten Toten zwei Hauptzeichen oder ein Haupt- und ein Nebenzeichen zur AIDS-Diagnose, ferner allein der Vermerk auf dem Totenschein von Auszehrung, Lungenentzündung, chronischem Durchfall oder Tuberkulose außerhalb der Lunge. Dennoch gelang es den Forschern nicht, bei allen testpositiven Leichen (41% der toten Männer, 32% der toten Frauen) auch klinisches AIDS zu diagnostizieren (16 % der Männer, 15 % der Frauen). Dies wurde als Unterdiagnose aufgrund der "Rigidität der benutzten Fall-Definition" gedeutet, reichte jedoch aus, um AIDS zur "häufigsten Todesursache bei Erwachsenen" in Abidjan zu machen [13].

Auch auf dem Welt-AIDS-Kongress 1992 in Amsterdam wurde beklagt, daß bei einer Studie in Ruanda 20 testpositive Frauen gestorben seien, aber nur 14 mal die klinische Diagnose AIDS gestellt wurde. Daraus war nach Ansicht der Forscher zu schließen, daß "die auftretenden Erkrankungen ... bei Kindern wie bei Erwachsenen nur teilweise durch die AIDS-Falldefinition (Bangui-Definition für Afrika, Caracas-Definition für Lateinamerika) erfaßt" werden [14]. Die obige Definition ist den Forschern immer noch nicht flexibel genug. Ziel ist offenbar, sämtliche in Afrika (und letztendlich weltweit) vorkommenden Krankheitsbilder bei Bedarf in AIDS umdefinieren zu können.

Anwendungsbeispiel

Die obige Definition wurde vielfach überarbeitet, abgewandelt und ausgedehnt. Sie dient keineswegs nur der 'epidemiologischen Erfassung', sondern ist Grundlage der 'Aufklärung', wie das Beispiel aus Kamerun zeigt. Bei der Definition aus Kamerun von 1990 fehlen u.a. die entscheidenden Sätze, die andere Gründe für Immunsuppression ausschließen sollen, d.h. in Kamerun werden alle Kombinationen der oben beschriebenen Zeichen zur Diagnose AIDS führen, egal ob eine andere Ursache vorhanden ist, "insbesondere in Regionen, wo die Krankheit häufig ist". So wird eine Kettenreaktion überall dort ausgelöst, wo (westliche) Forscher einmal mit den AIDS-Diagnosen begonnen haben. Bezeichnenderweise meldet Kamerun nach einer "unbekannten" Definition die 'Fälle' an die WHO [15].

Selbst die Zahlen dieser Meldungen werden für afrikanische Länder grundsätzlich als zu niedrig bezeichnet. Deshalb schätzte 1993 die WHO die AIDS-'Fälle' für Schwarzafrika von 210.000 offiziell gemeldeten auf mehr als 1,5 Millionen, die Global AIDS Policy Coalition (GAPC) des Forschers Mann schätzte mehr als 2,5 Millionen (für Südostasien sind die Zahlen noch deutlicher: 1500 gemeldet, WHO: 30.000, GPAC: 400.000) [16]. Begründet wird dies mit der angeblichen Unfähigkeit afrikanischer Ärzte, eine vernünftige Diagnose zu stellen (deshalb ist die Definition für Afrika ja auch so weit ausgelegt), und mit der politischen Interessenlage der afrikanischen Gesundheitsbehörden. Unfähigkeit westlicher Reise-Experten, mit der Gesundheitssituation in Afrika umzugehen, oder gar ein politisches Interesse von WHO-Abteilungen oder der GAPC sind (trotz ihres Namens) offenbar ausgeschlossen. Selbst eine Kritik an der Bangui-Definition, die analog zu den HIV-Antikörpertests als nicht spezifisch, nicht reproduzierbar und nicht standardisiert bezeichnet werden muß, ist in den wenigsten Fachveröffentlichungen zu 'AIDS in Afrika' zu finden.

Verbreitung

Auch die 'kritische' Laienpresse der BRD beteiligt sich größtenteils an der weiteren Ausdehnung der Definition von 'AIDS in Afrika', zumindest in den Köpfen der Leser: "Eine Ärztin ... stellte die Aids-Diagnose, wenn die ... Symptome in besonderer Weise auftraten: nämlich, wenn Durchfall, Fieber und Gewichtsverlust ohne erkennbare Ursache für länger als einen Monat anhalten" Da wird dann der Tod durch Malaria, die unter AIDS-Forschern ein Musterbeispiel für eine Krankheit ist, deren Verlauf eben nicht durch die 'AIDS-Immunschwäche' beeinflußt wird, zur Folge einer mutmaßlichen 'HIV-Infektion': "In Sambia habe ich mich mehrere Male gewundert, daß Menschen, mit denen ich noch vor kurzem zusammengearbeitet hatte und die mir gesund erschienen waren, plötzlich und binnen weniger Wochen an einer 'normalen' Malaria, Grippe oder anderen Krankheit starben. Heute erkläre ich mir diese Beobachtung damit, daß diese Menschen wahrscheinlich HIV-infiziert waren, aber das Vollbild Aids noch nicht entwickelt hatten, so daß scheinbar gesunde Menschen starben" [17]. Die AIDS-Forschung behauptet, daß AIDS in Afrika deshalb eine andere Symptomatik habe, weil gerade die gefährlicheren Krankheiten wie Tuberkulose so verbreitet seien, daß die betroffenen Menschen das Afrika-spezifische 'Vollbild' schon bei relativ 'intaktem Immunsystem' entwickelten, noch bevor die Krankheiten ausbrechen könnten, die in den Industriestaaten AIDS definieren. Und eine Grippe als HIV-bedingte Todesursache bei gesunden Menschen? Die FR-Autorin erspart sich und ihren Lesern jedenfalls das weitere Nachdenken über die Todesursachen in Afrika, da die Menschen ja nur 'scheinbar gesund' waren. Zumindest in dieser Hinsicht besteht ein Konsens zwischen ihr und der vorherrschenden medizinischen Wissenschaft.

Warum war dieser Konsens bei den meisten Metropolenmenschen so leicht durchzusetzen, bzw. was ließ sich damit aus deren Köpfen verdrängen?

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2. Mangelernährung

"Die häufigste Ursache für T-Lymphozyten Immundefizienz weltweit ist das sogenannte Protein-Energie-Mangelsyndrom. Unterernährte Kinder weisen Defekte in der Funktion der Makrophagen und der T-Lymphozyten auf, zusammen mit ... einer vermehrten Anfälligkeit für Infektionen. Diese Auswirkungen sind bei unterernährten Kindern mit Masern besonders ausgeprägt, einer Infektionskrankheit, die die Aktivität der T-Lymphozyten herabsetzt. Bei diesen Kindern sind bakterielle Superinfektionen die Hauptursache für schwere Krankheiten und Todesfälle" [18].

Soweit ein Zitat eines weiteren AIDS-Forschers zu den akuten klinischen Auswirkungen unmenschlicher Lebensumstände. Die Folgen von Mangelernährung gleichen also bis in den zellulären Bereich hinein dem, was als AIDS definiert wurde. Weniger 'spektakulär' und daher weniger häufig in den Medien sind die subklinischen Langzeitfolgen vorenthaltener Nahrung. "Nach einer Statistik der WHO von 1985, sind in Afrika 38 Prozent der Bevölkerung als Folge von Unterernährung zu kleinwüchsig, in Südostasien sollen es sogar 48 % der Menschen sein" [19]. (Die WHO besitzt wie alle anderen UN-Organisationen ein Daten- und Informationsmonopol. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt solcher Schätzungen oder der prinzipiellen Kritik an dieser mathematischen Reduktion menschlichen Lebens, kann es sinnvoll sein, verschiedene Statistiken miteinander zu vergleichen.)

Zur Klärung der Dimensionen: Wenn diese WHO-Statistik stimmt, erfüllte jeder dritte Mensch in Afrika, mehr als 200 Millionen Menschen, als Kind ein Hauptkriterium für die Bangui-AIDS-Diagnose ('verlangsamtes Wachstum'; d.h. wenn 'verlangsamtes Wachstum' zu 'Kleinwüchsigkeit' führt, bzw. wenn 'verlangsamtes Wachstum' oder 'Kleinwüchsigkeit' überhaupt Kriterien für irgend etwas sind). Den danach suchenden Experten wird es leichtfallen, auch die übrigen Zeichen zu finden und die gewünschte Diagnose bei Millionen Menschen zu stellen. So läßt sich auch die statistische Prognose der WHO von über einer Million neuen AIDS-'Fällen' jährlich verwirklichen, ohne daß bei anderen geschätzten Statistiken Lücken nachweisbar wären.

Produktion

Wenn die Statistiken einer anderen UN-Institution mit Informations-Monopol, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, glaubwürdig sind, wurde auf dem afrikanischen Kontinent 1986 1,32 kg Grundnahrungsmittel pro Tag pro EinwohnerIn produziert. Gleichzeitig wurde mehr Getreide exportiert, als zur Ernährung des 'Hungerkontinents' nötig wäre. Afrikas Bauern erarbeiteten Handelsbilanzüberschüsse, die weit über den 'Entwicklungshilfe'-Zahlungen lagen. Weitere Berechnungen der FAO ergeben, daß der Kontinent 'ohne Mitteleinsatz', d.h. mit reiner Handarbeit, ohne Dünger usw. bei Nutzung der bebaubaren Flächen das Doppelte seiner jetzigen geschätzten Bevölkerungszahl von etwa 700 Millionen ausreichend ernähren könnte, bei 'mittlerem Mitteleinsatz' die derzeitige Weltbevölkerung von geschätzten 5 bis 6 Milliarden [20].

Kolonialismus

Solch zweifelhafte Berechnungen und Schätzungen sind nicht neu. So formulierte der deutsche Geographentag 1931: "Verläßliche Berechnungen haben gezeigt, daß Afrika an Stelle von 140 Millionen etwa 2320 Millionen Menschen Boden und Nahrung zu spenden vermag. Der schwarze Erdteil könnte demnach zu seiner heutigen Bevölkerung noch die gesamte übrige Menschheit aufnehmen, ohne daß man ihn als übervölkert bezeichnen dürfte". Daraus wurde seinerzeit die Schaffung eines Weltreiches Eurafrika unter Führung des geeinten Europas, namentlich der faschistischen Achsenmächte, weiterentwickelt: "Die Sicherung Afrikas als tropischer Ergänzungsraum Europas wird Sache der politischen Führung und der Wehrmacht sein; hernach aber wird in der Tat der Gelehrte in die vorderste Front zu treten haben" [21].

Bekanntlich waren andere Kolonialmächte erfolgreicher bei der Sicherung des 'Ergänzungsraumes' für Europa und letztlich auch für die USA. Bei der Degradierung des Kontinents und seiner Bewohnern zu 'Rohstoff'-Lieferanten für die 'Mutterländer' verfolgten sie ähnliche Ziele wie der auf einer Abbildung wiedergegebene Teil der Nazi-Planung. Hier wird dargestellt, wie die 'Arbeitsteilung' zwischen Kolonien und 'Mutterland' auszusehen hatte, damit das 'Mutterland' den Profit eben nicht teilen mußte. Die Kolonialherren betrieben die Verarmung der Bevölkerung durch direkte Enteignung, Vertreibung und Besteuerung. So wurden die besten Böden für die Exportproduktion gesichert und die Ausbeutung der Arbeitskraft auf den Plantagen der 'Siedlern' und den Höfen der Bauern betrieben. Der Anbau wurde nicht nach den Interessen der dort Arbeitenden ausgerichtet, sondern mußte den Profitinteressen der Mächtigen gehorchen.

Neokolonialismus

Die UNO und ihre Unterorganisationen wie FAO, Weltbank, IWF und GATT wurden zu einer Zeit gegründet, als fast alle Staaten Afrikas noch Kolonien waren. Zudem sicherten sich die Industriestaaten unter Führung der USA den entscheidenden Einfluß auf diese Institutionen (z.B. IWF und Weltbank). So sollte es nicht verwundern, daß von den Industriestaaten genau wie von den UN-Institutionen auch nach der formellen Unabhängigkeit der meisten afrikanischen Staaten eine Politik betrieben wurde und wird, die mit dem Wort neokolonial beinahe euphemistisch beschrieben ist.

So fördert die FAO als größte UN-Organisation eine weitere Exportorientierung und Durchindustrialisierung der Landwirtschaft, angeblich um die Ernährung der Weltbevölkerung sicherzustellen. Die Folgen z.B. der 'grünen Revolution' sind soziale und ökologische Verwüstungen, die weitere Marginalisierung der Kleinbauern bei zunehmender Arbeitsbelastung, Abhängigkeit von Pestizid-, Saatgut-, und Düngemittelherstellern, Landvernutzung und Wasserknappheit, niedrige Löhne, Arbeitslosigkeit und Landflucht. Auf der anderen Seite stehen gestiegene Profite und Kapitalkonzentration. 1989 kontrollierten sechs transnationale Konzerne 85% des Weltgetreidehandels, vier Unternehmen 80% des Kakaohandels, ein Unternehmen den gesamten Palmöl- und ein Drittel des Speiseölhandels [22].

Schulden

Während der achtziger Jahre fielen als Folge dieser Entwicklung die Rohstoffpreise auf das niedrigste Niveau seit dem 2. Weltkrieg, wohlgemerkt bei steigenden Preisen für ein Überangebot 'verarbeiteter' Produkte. Allein dadurch entstand dem afrikanischen Kontinent ein Einnahmeverlust von 150 Milliarden US-Dollar, bei 'gerechter' Weltwirtschaft wären es 400 bis 500 Milliarden gewesen. Im vergangenen Jahrzehnt wurden 105 Mrd. Dollar an 'Entwicklungshilfe' in dem Kontinent angelegt. Etwa 90% dieser 'Hilfe zur Selbsthilfe' fließen in Form von Aufträgen direkt in die Industriestaaten zurück. Gleichzeitig stieg die Verschuldung Afrikas bei multi- und bilateralen Kreditgebern von 73 auf 160 Mrd. Dollar, so daß noch einmal knapp 50 Mrd. US-Dollar an Zinsen abkassiert wurden [23]

Diese Schulden und die resultierenden Abhängigkeiten haben die Kolonialsteuern ersetzt. Sie zwingen die Länder des Trikonts zu weiteren Exportanstrengungen und über die Strukturanpassung von IWF/Weltbank zu Subventionsstreichungen z.B. bei Nahrungsmitteln. Über das GATT werden Nahrungsmittelexporte selbst bei akuten Hungersnöten gesichert und die Märkte des Trikonts für subventionierte landwirtschaftliche Billigimporte aus den Industriestaaten geöffnet. Auf diese Art und z.B. durch 'Nahrungsmittelhilfe' wird die landwirtschaftliche Basis der Länder des Trikonts 'nachhaltig' zerstört und den Bauern jeder Produktionsanreiz genommen. Es entsteht ein Teufelskreis wachsender Abhängigkeit.

So kommt es, verkürzt dargestellt, daß Überproduktion, fehlende Märkte, sinkende Weltmarktpreise und verarmte arbeitslose Menschen die 'Grenzen des Wachstums' bestimmen, und eben nicht eine Verknappung der Ressourcen. Deshalb hungern am Rande fruchtbarer Satellitenplantagen, auf denen Luxusprodukte und Viehfutter für die Fleisch- und Butterberge der Reichen angebaut werden, diejenigen Menschen, die ihre Nahrung im 'globalen Supermarkt' nicht mehr bezahlen können.

'Fall'-Beispiel

Da abstrakte Statistiken und geschätzte Millionen Menschen mit den Symptomen von Bangui-AIDS das Leiden mehr verschleiern als klären, ein konkretes Beispiel aus der Zeit vor AIDS aus Amerika: "Ein guatemaltekisches Kind, dessen Gesundheitsfortschritte in allen Einzelheiten notiert worden sind, fing an mit einer Erkrankung der Atemwege und einer Bindehautentzündung, als es einen Monat alt war. Während der ersten 24 Monate folgte dann eine ununterbrochene Abfolge von Krankheiten und Gebrechen: fünf langanhaltende Durchfallerkrankungen, zehn Lungenentzündungen, vier Bronchitiserkrankungen, sechs Bindehautentzündungen, außerdem Masern, ein Abszeß, einmal Soor, eine Mundschleimhautentzündung, Verbrennungen, Rundwürmer, Salmonellen, die Ruhr und eine Mandelentzündung. Bei jeder Infektion ging das Gewicht des Kindes weiter zurück, ohne daß das Kind die Möglichkeit gehabt hätte, den Verlust wieder wettzumachen. Mit zwei Jahren hatte es dann das Gewicht eines normalen sechsmonatigen Babys" [24]

'AIDS-Ethik'

Es ist einsichtig, daß die oben nur grob umrissenen Strukturen nicht ohne Auswirkungen auf die Gesundheitssituation im Trikont bleiben. Diese hat sich in den achtziger Jahren wie nie zuvor verschlechtert und weder die 'Bevölkerungsexplosion' noch die 'explosive Verbreitung' eines Virus sind die Ursache. Im Gegenteil, beide Mythen reihen sich nahtlos ein in die (neo)kolonialen Strategien der verschärften Zurichtung der Weltwirtschaft auf die Verwertungs- und Akkumulationsinteressen des Kapitals. Genau in dieser zynischen wie skrupellosen Tradition ist es zu verstehen, wenn ein Vertreter der chemischen Industrie in seiner jetzigen Funktion als Bundeskanzler zur Eröffnung der '2. Internationalen AIDS-Ethik-Konferenz' sagt: "Die Entwicklungsländer müssen in die Lage versetzt werden, an der arbeitsteiligen Weltwirtschaft und damit an der Wohlstandsmehrung aus eigener Kraft teilzunehmen" [25].

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3. Pestizide

Eine Strategie dieser neokolonialen 'Wohlstandsmehrung' ist, wie bereits dargestellt, die Industrialisierung der Landwirtschaft für die Belieferung der 'arbeitsteiligen Weltwirtschaft' mit billigen 'nachwachsenden Rohstoffen', wie sie z.B. während der 'grünen Revolution' forciert wurde. Dies ging mit einem enormen Anstieg des Verbrauchs an 'Pflanzenschutzmitteln' einher. So stiegen die Pestizidimporte Asiens zwischen '72 und '85 um 261%, Afrikas um 95%, Lateinamerikas um 48%.

Absatz

Erreicht wurde dies u.a. durch die enge Zusammenarbeit von FAO und Beraterstäben der chemischen Großindustrie von Bayer bis Wellcome, die zu Beginn der 70er gemeinsame Seminare zum besseren Pestizidvertrieb im Trikont abhielten. Noch 1989 leitete ein Lobbyist der Agrochemie einen FAO-Workshop über Pestizidmanagement. Ein Hoechst-Mitarbeiter war zeitweilig Berater der tansanischen Regierung, was nur die Spitze der komplexen Abhängigkeits- und Vertuschungsstrukturen darstellt [26]. So sollen über 80% der afrikanischen Pestizidimporte als 'Entwicklungshilfe' von den Regierungen der Metropolen bezahlt worden sein [27].

Während in den Metropolen der Absatz stagnierte, wurde der Markt im Trikont insbesondere für Insektizide erschlossen. Abgesetzt wurden besonders auch solche Produkte, die in den Industriestaaten aufgrund des öffentlichen Drucks mit Einschränkungen oder Verboten belegt worden waren, für falsch deklarierte Stoffe, für mindere Qualitäten, Abfall-'Produkte', gestreckte und vermischte Wirkstoffe usw. All dies konnte und kann im Trikont ohne Kontrolle abgeladen und ohne Einhaltung minimaler Sicherheitsvorschriften verbraucht werden.

1985 führten internationale Proteste zu einem freiwilligen Verhaltenskodex seitens der Industrie, 1986 folgten FAO-Richtlinien, die genauso freiwillig sind und genausowenig eingehalten werden.

Die Pestizide werden hauptsächlich auf den Exportplantagen verbraucht, um Qualitätsstandards und Profitinteressen der transnationalen Agrokonzerne zu befriedigen. Im Zuge der zunehmenden Einbindung der Kleinproduzenten in den Weltmarkt durch Vertragsproduktion oder einfach durch die Abhängigkeit von der Geldwirtschaft (Schulgeld, Medikamentenkosten usw.) und der daraus erwachsenden Notwendigkeit, Exportprodukte anzubauen, wird zunehmend auch dieser Markt für Pestizide erschlossen. Traurige Berühmtheit erlangte z.B. die Blumenproduktion in Kolumbien, Mexiko, Kenia oder Kamerun. Durch Verseuchung des Bodens, des Trinkwassers und der Nahrung bleibt letztendlich kein Mensch vom 'Kreislauf des Giftes' ausgeschlossen.

So wurden bei Tomaten in der Dominikanischen Republik Lannat-Werte festgestellt, die 175mal höher waren als der US-Grenzwert, bei Weißkohl gar die 2110fache Aldrinmenge [28]. Futtermittelimporte aus Indien mit einer 475fachen Lindankonzentration führten in der BRD zu einem Skandal [29].

Folgen

Obwohl der Trikont nur etwa 25% des Weltmarktes (ca. 10 Mrd. DM Umsatz im Trikont, Tendenz steigend) für die 80.000 verschiedenen Pestizidwirkstoffe ausmacht (für die es größtenteils nicht einmal Nachweisverfahren gibt), sind dort die meisten Opfer von Vergiftungen zu beklagen. In Sri Lanka sollen bereits 1977 mehr Menschen an Vergiftungen gestorben sein, als an Malaria, Tetanus, Diphterie, Keuchhusten und Polio zusammen. Die WHO schätzte 1989 jährlich 3 Millionen akute Vergiftungen (das sind fast 6 vergiftete Menschen pro Minute) und 20.000 Tote und liegt mit diesen Zahlen vermutlich wirklich sehr niedrig, zumal chronische Vergiftungen und Anreicherungen nicht mitgeschätzt werden [30].

Die meisten Todesfälle sollen durch Parathion (E 605) verursacht werden. E 605 ist die 'zivile' Weiterentwicklung von E 600, einem Organophosphat-Nervenkampfstoff des 2. Weltkrieges. Entwickelt wurde es von Gerhard Schrader, dem 'Vater' der chemischen Kampfstoffe Tabun und Sarin, der mit E 605 in der BRD seine Nachkriegskarriere startete. Dazu schrieb er in einem der "Beiträge zur hundertjährigen Firmengeschichte" von Bayer: "Wie segensreich sich die aufgeführten Mittel auswirken, zeigt sich immer wieder, wenn auswärtige Besucher aus fernen Ländern mit großen Monokulturen zu uns kommen ... Bei plötzlichem Auftreten von Schädlingen bangt ein ganzes Volk um den Ertrag der Ernte. Wenn dann wieder einmal durch den Großeinsatz von Transportflugzeugen, beladen mit Bayer-Phosphor-Insektiziden, die Ernte gerettet wird, bleibt verbindend und für uns verpflichtend und anspornend die tiefe Dankbarkeit eines auf seine Ernährung aus eigener Scholle angewiesenen Volkes" [31].

An diese Verpflichtung hielt sich Bayer und belegte 1984 Platz 1 der weltweit größten Pestizidhersteller (Hoechst Platz 7, BASF 8, Schering 11). Von den 169.000 Tonnen in der BRD 1984 produzierten Pestiziden wurden 159.000 t exportiert, ein knappes Drittel davon in den Trikont [32].

Symptome

Die Organophosphate (z.B. Parathion, Dichlorphos, Phosvel, Bromophos, Malathion) haben folgende bekannte Wirkungen, die hier sicher nicht vollständig aufgeführt sind. Leichte Vergiftung: Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwächegefühl, Schwitzen, Hautstörungen, Ausschläge, Appetitverlust; Schwere Vergiftung: Schweißausbrüche, Tränen- und Speichelsekretion,, Übelkeit, Erbrechen, Darmkrämpfe, Durchfälle, Enzymblockaden, Bewußtlosigkeit, Atemlähmung, Herzstillstand; Chronische Vergiftung: Stirnlappenschädigungen, Nervenstörungen, Lähmungen, Krebs, Embryonalschäden, Lungenblutungen, Chromosomenveränderungen. Ferner kann es zu vervielfachenden Wirkungen kommen, wenn gleichzeitig verschiedene Organophosphate aufgenommen werden oder z.B. Alkohol. Die Weltbank empfiehlt, Parathion nicht in der Agrarproduktion einzusetzen. Einsatzgebiete im Trikont: Baumwolle, Tabak, Nahrungsmittelproduktion [33].

Die Wirkungsliste anderer Insektizidgruppen liest sich ähnlich. Wie z.B. chlorierte Kohlenwasserstoffe (Aldrin, Dieldrin, DDT, Endrin, HCB, Lindan usw.): Kopfschmerzen, Desorientierung, Übelkeit, Unruhe, Erbrechen, Krämpfe, Durchfälle, Hautreizungen, Ausschläge, Appetitverlust, Fieber, Krebs, Nervenschäden, Milz- Leber- Nierenschäden, Anämie, Hormonstörungen, Gewichtsverlust, Schlafstörungen, Lähmungen, Embryonalschäden. Zusätzlich reichern sich die chlorierten Kohlenwasserstoffe im Fettgewebe an, aus dem sie bei 'Auszehrung' (Nahrungsmangel, Krankheiten) schlagartig wieder freigesetzt werden.

Auch 'selektive Unkrautvernichtungsmittel' sind nicht ohne Wirkung auf den Menschen. So z.B. die ebenfalls 'kriegserprobten' Phenoxycarbonsäuren (z.B. 2,4,5-T, 2,4-D usw.): Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe, Durchfälle, Fieber, Bewußtlosigkeit, Nerven- Leber- Milzschäden, Hautausschläge, Blutbildveränderungen, Krebs, Lähmungen, Embryo- und Chromosomenschäden. Bekannt geworden sind die 'herstellungsbedingten Verunreinigungen' z.B. mit Dioxinen. Dioxine sollen spezifisch auf Immunzellen wirken [34].

In jüngster Zeit gewinnen Totalherbizide an Bedeutung, z.B. die heterozyklischen (Atrazin, Amitrol, Triazin, Diquat, Paraquat usw.), die sich ebenfalls im Fettgewebe anreichern: Vitaminfunktionsstörungen, Ekzeme, Blutarmut, Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Hautentzündungen, Schleimhautblutungen, Koliken, Krämpfe, Lungen- Gehirn-- Nieren- Leberschäden, Wachstumsverlangsamungen, Embryo- und Chromosomenschäden.

Es ist offensichtlich, daß dieses breite Wirkungsspektrum durchaus Vergiftungserscheinungen hervorrufen kann, die von dem klinisch definierten Bangui-AIDS nicht zu unterscheiden sind. Schon diese akuten Vergiftungen sind bei weitem nicht ausreichend untersucht und für 'schleichende' Auswirkungen der Gifte oder deren Kombinationen auf das Immunsystem bzw. die Krankheitsanfälligkeit von Menschen hat sich die Forschung bisher nur wenig interessiert.

Weitere Gifte

Das Arsenal dieser Kriegführung gegen Natur und Menschen vervollständigen Mittel gegen Bakterien, Pilze, Würmer, Schnecken und Nagetiere sowie Mittel zum Haltbarmachen von Saatgut, wo insbesondere Quecksilberbeizen häufig zu schweren Vergiftungen und Krankheiten geführt haben [35].

Hinzu kommt die Bekämpfung von 'Tropenkrankheiten' bei aus Europa eingeführten Tierarten, wie z.B. die Hochleistungsmilchkühe, deren regelmäßige Pestizid-Bäder bis zu zweimal pro Woche allein in Kenia ca. 70 Millionen DM jährlich kosten. Das in Kenia am weitesten verbreitete Mittel, ein Organophosphat, wird von der Firma Wellcome verkauft [36].

Trotz oder wegen des großtechnischen Pestizideinsatzes hat sich die Lage der Mehrheit der Menschen im Trikont nicht verbessert. Die Nahrungsmittel sind knapp und teuer, die Krankheiten nehmen zu, die bekämpfte Natur meldet sich mit resistenten Arten und Massenvermehrung von 'Schädlingen' zurück, was zu noch höherem Pestizideinsatz mit noch giftigeren und teureren Wirkstoffen führt: Die Ernteerträge und Gewinne der Bauern sinken. Was bleibt, das sind vergiftete Menschen, verlorenes Land, verschwundene Pflanzensorten und Tierarten und eine alles kontrollierende transnationale Agrochemie.

Öko

Eine besondere Variante der neuerdings oft beschworenen 'globalen Umweltpartnerschaft' ist der Anbau des pflanzlichen Insektizids Pyrethrum in Kenia. Bereits von den britischen Kolonialherren ins Land gebracht, erlebte Pyrethrum seinen Boom mit der 'Bio'-Welle bei den umweltbewußten Metropolenmenschen. Der Anbau von Pyrethrum wurde von den kenianischen Behörden forciert, um den wachsenden Bedarf der Chemiefirmen zu befriedigen (Kenia deckt 80% des Weltbedarfs). Angebaut wird Pyrethrum von Kleinbauern in der fruchtbaren Gegend zwischen dem Viktoriasee im Westen und den immer noch britisch kontrollierten Teeplantagen im (leicht zugänglichen) Hochland um Nairobi im Osten. Bei dem Pyrethrumanbau werden in großem Maße Pestizide eingesetzt (chemische, nicht etwa biologische). Schlimmer noch ist der extreme Nährstoffbedarf der Pyrethrumpflanzen, der einen hohen Kunstdüngereinsatz erfordert und trotzdem den Boden nach nur dreijährigem Anbau vollständig auslaugt und für den Anbau von Pyrethrum wie auch von Nahrungsmitteln unbrauchbar macht. Dabei würden Nahrungsmittel gerade in diesem Gebiet, in dem die von den kolonialen Teeplantagen 'umgesiedelten' Menschen von kleinen Äckern leben, dringend benötigt [37].

Pestizid- und Düngereinsatz, Bodenerosion, Sorten- und Artensterben sind im Trikont nicht nur ein ökologisches (und noch weniger ein global-ökologisches), sondern ein ganz unmittelbares soziales Problem. Das Beispiel Pyrethrum zeigt nicht nur die Integrationsfähigkeit der Industrie, sondern erneut auch die Skrupellosigkeit der transnationalen Konzerne und der mit ihnen gezwungenermaßen oder aus Eigeninteresse zusammenarbeitenden Regierungen.


Zukunft

Die nächste Drehung an dieser Spirale von Abhängigkeit und Verarmung einerseits und Profit- und Kapitalkonzentration andererseits wird gerade mit der neuen Wachstumsbranche Gentechnik vollführt. Die Agrochemie, die das Saatgutgeschäft unter ihre Kontrolle gebracht hat und genetische 'Ressourcen' hortet und patentiert, entwirft Pflanzensorten, die nicht etwa den klimatischen oder anderen Standort-Bedingungen angepaßt sind, sondern z.B. herbizidresistente Pflanzen.

Wiederum an führender Position beteiligt sind BRD-Unternehmen, wie Hoechst und Schering mit ihrer 1994 gegründeten 'Tochter' AgrEvo, die auf den Spitzenplatz der weltweit tätigen Agrochemie wollen. Sie kreierten z.B. Raps und Mais, die gegen das Totalherbizid mit dem schönen Namen Basta resistent sind. So sollen den Bauern 'Pakete' von Saatgut, Dünger und Pestizid angeboten werden, deren soziale, gesundheitliche und ökologische Auswirkungen unabsehbar sind [38].

Auch die FAO ist bei dieser reduktionistischen Zurichtung von Natur und Mensch in der 'Weltlandwirtschaft' auf Industrieinteressen wieder dabei. Schon 1987 forderte sie in ihrem Programm "World Agriculture: Towards 2000" eine jährliche Steigerung der Ausgaben für Pestizide um 3% und setzt weiter auf Modernisierung, Intensivierung, Ausweitung der Flächen und des Viehbestandes mit einem Finanzbedarf von 1,5 Billionen US-Dollar [39].


Entsorgung

Auf den 'Hintergrund'-Seiten der taz [40] darf die FAO die Opfer ihrer Politik aus dem Metropolen-Bewußtsein entsorgen. Unter dem Titel "Mit den Bauern stirbt das alte Afrika" ist zu lesen: "Unterernährung gehört ohnehin zu den Merkmalen der Region. Gerade in Sambia sind Bauern laut der FAO dazu übergegangen, intensive Anbaumethoden zu verwenden, die nicht nur die augenblicklichen, sondern auch zukünftige Ernten bedrohen. Der Grund: Mangel an Arbeitskraft. Geringere Ernten, neue Getreidesorten, die wegen des geringeren Arbeitsaufwandes ohne Ansehen des Ernährungswertes angebaut werden, sind Teil eines gefährlichen Kreislaufs, der durch den frühen Tod von Bauern noch verschlimmert wird. Sie nehmen über Jahrhunderte erworbene Kenntnisse über lokale Anbaumethoden mit ins Grab. So droht Afrika und Sambia eine Ausrottung von Wissen, die mit den mittelalterlichen Hexenverbrennungen in Europa verglichen werden kann." Beschrieben werden hier nicht etwa die Folgen der 'Grünen Revolution', sondern von AIDS. So kurze Zeit nach der 'Weltbevölkerungskonferenz' und angesichts der jahrzehntelangen Industriepolitik der FAO wären bei dieser plötzlichen Sorge der FAO um Arbeitskräfte und lokale Anbaumethoden doch einige Fragen angebracht.

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4. Krankheiten

Eine weitere Bedrohung für Menschenleben sind im Trikont in besonderem Ausmaß die Infektionskrankheiten. Diese sind weniger ein biologisches oder (kurativ-) medizinisches und schon gar kein klimatisches Problem, sondern direkt auf die sozialen Bedingungen zurückzuführen, unter denen die Menschen zu leben gezwungen werden. Während in den Metropolen mit steigendem Wohlstand die meisten Infektionskrankheiten verschwunden oder zu harmlosen Kurzkrankheiten geworden sind, die durch Bettruhe auskuriert werden können, zählen sie im Trikont zu den Haupttodesursachen.


Statistik

In der Zeit vor AIDS sollen in nur einem Jahr (1977/78) in Afrika, Asien und Lateinamerika 5 bis 10 Millionen Menschen an Durchfällen, 4 - 5 Mio. an Atemwegsinfektionen, 1,2 Mio. an Malaria, 900.000 an Masern, 750.000 an Bilharziose, 400.000 an Tuberkulose, 350.000 an Keuchhusten, 150.000 Neugeborene an Tetanus, je 60.000 Menschen an Diphtherie, Spulwürmern, Trypanosomen (Chagas-Krankheit), je 30.000 an Meningitis, Onchozerkose, Amöbiasis, 25.000 an Typhus, je 20.000 an Ascariasis und Kinderlähmung, je 5000 an Leishmaniasis und Trypanosomiasis (afrikanische Schlafkrankheit) gestorben sein [41]. (Zum statistischen Vergleich: In dem mehr als zehnjährigen Zeitraum, in dem die Aufmerksamkeit auf AIDS gelenkt worden ist, sollen laut WHO-Schätzung 1,5 Millionen Menschen im Trikont an AIDS gestorben sein.)

Auffallend ist, daß die meisten der genannten Infektionskrankheiten verhinder- und behandelbar wären. Selbst ohne medizinische Behandlung können die meisten Erkrankungen nur bei geschwächten Menschen (z.B. bei Mangelernährung) zum Tode führen, zusätzlich zu den für 1977/78 geschätzten 2 Millionen Menschen, die direkt an Mangelernährung gestorben sein sollen. Weiterhin fällt auf, daß die häufigsten Infektionen nicht an tropische klimatische Bedingungen gebunden sind. So war z.B. Malaria zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland verbreitet und während und nach dem 2. Weltkrieg in Berlin, Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Baden-Württemberg endemisch. Im engeren Sinne ist nur Trypanosomiasis eine 'tropisch' bedingte Krankheit, deren epidemische Ausbreitung jedoch direkte Folge von Kolonisierung und Zerstörung 'traditioneller' Lebenszusammenhänge ist.


Symptomatik

Im Zusammenhang mit AIDS ist bemerkenswert, daß einige der anerkanntermaßen häufigsten Gesundheitsrisiken mit Todesfolge im Trikont, wie Mangelernährung, Durchfälle, Atemwegsinfektionen, Masern (s.o.), Tuberkulose (s.o.) und andere Erkrankungen mit ihren klinischen Symptomen direkt in die Bangui-AIDS-Definition aufgenommen worden sind. Das gleiche gilt für die Symptomatik anderer Erkrankungen wie Malaria: Fieber (intermittierend oder konstant), Schüttelfröste, Leber-, Milz-, Gehirnschäden, Immunveränderungen (s.o.), Abmagerung, Sekundärinfektionen (die heute eher opportunistische Infektionen genannt werden); Bilharziose: Fieber, Ödeme, Durchfälle, Leber-, Darm-, Lungen- und Gehirnschäden, Sekundärinfektionen, Gewichtsverlust, Schwäche, Erbrechen, innere Blutungen; Trypanosomiasis: Hirnhaut- und Gehirnentzündungen, Anschwellen von Lymphdrüsen, Leber und Milz, Blutarmut, Durchfälle, Fieber, Hautveränderungen, Immunveränderungen, Sekundärinfektionen; Amöbiasis: Durchfälle, Darm-, Leber-, Lungenschäden, Abmagerung; Leishmaniasis: Fieber (intermittierend oder konstant), Milz-, Haut- und Leberschäden, Lymphknotenschwellungen, Sekundärinfektionen, Blutarmut, Durchfälle, Abmagerung [42-43].

Es dürfte also den daran interessierten Experten leichtfallen, bei schwerkranken Menschen in den Krankenhäusern des Trikonts AIDS-Fälle in der gewünschten Anzahl zu diagnostizieren. Schlimmer noch: Auch gutmeinende Ärzte und die betroffenen Menschen selbst werden bei Anwendung der Bangui-Definition unweigerlich zu Fehldiagnosen kommen, was bei der auf Afrika konzentrierten multimedialen AIDS-Hysterisierung in Verbindung mit vorenthaltenen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten nur zu verständlich ist. Hier wird besonders deutlich, welch verhängnisvolle Auswirkungen das Bestreben der herrschenden Medizin hat, das Bestreben, alle Krankheitserscheinungen zu vereinheitlichen, in Definitionen zu pressen und mit einem scheinbar präzisen Namen wissenschaftlich berechen- und handhabbar zu machen, was die Widersprüche dieses Vorgehens überdeckt. Die individuellen Krankheiten und erst recht die subjektiven Empfindungen der Menschen und ihre Lebensumstände werden zerlegt und spielen bei dieser Medizin keine Rolle mehr. Nicht die Leiden der Menschen, sondern 'wissenschaftliche' Definitionen sind Ausgangspunkt für Diagnose, Erfassung, Forschung und letztlich auch Therapie.


Kolonialmedizin

Dieses Vorgehen im Trikont hat Tradition nicht nur innerhalb der Geschichte der westlichen Medizin, sondern entspricht auch der Entwicklung der wirtschaftlichen Interessen der Kolonialmächte. Zunächst stand die Arbeits- und Kampfkraft der weißen Seeleute und Soldaten im Mittelpunkt des medizinischen Interesses. So wurde der Public Health Service der USA als Marine Hospital Service gegründet, denn "es war ein gutes Geschäft, unsere knappe Versorgung mit tauglichen Seeleuten gesund zu erhalten" [44]. Ähnlich wurde die Einrichtung der Schulen für Tropenmedizin in Großbritannien von dem 'Minister für die Kolonien' begründet, für den "das Studium der Tropenkrankheiten ein Mittel zur Förderung der Politik des Empires" war [45]. Die Tropenmedizin gewann in England schnell an Bedeutung und die Firma Wellcome konnte bald ihre Medikamentenköfferchen gegen alle möglichen Krankheiten anbieten, die die Weißen in den Überseegebieten befallen konnten.

Während Ärzte in den Kolonien zunächst nur bei den Handelsgesellschaften beschäftigt wurden, übernahm später der Staat die Aufgabe der Gesundheitsversorgung der Weißen. So wurde das 'East African Medical Department' 1903 angewiesen, in erster Linie für die Gesundheit des europäischen Bevölkerungsanteils zu sorgen, zweitens die Arbeitskraft der Afrikaner und Asiaten soweit möglich zu erhalten und drittens die Ausbreitung von Epidemien zu verhindern. Zu dieser Zeit waren in Uganda und Kenia 26 Ärzte und 6 Krankenschwestern tätig, deren erste Aufgabe durch den Lebensstandard der Europäer erleichtert wurde. So waren sie in geographisch bevorzugten Gebieten und in Stadtvierteln mit sicherer Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung konzentriert, wo sich auch die Krankenhäuser (mit strikter Trennung nach Hautfarbe) befanden. Die Ausbreitung von Epidemien (namentlich auf die weiße Bevölkerung) wurde in erster Linie durch eine Vielzahl medizinisch legitimierter Apartheiten begrenzt, was einerseits zur Einrichtung "hygienischer Viertel" für Weiße, andererseits zum Entzug jeglicher sozialer Versorgung der Afrikaner führte. Die daraus resultierende Krankheitshäufigkeit der Afrikaner wurde als Beweis für deren "unhygienische Lebensgewohnheiten" und "die naturgegebene Verderbtheit der Eingeborenen" oder "die moralische Überlegenheit der Europäer" angeführt.


Gesundheitsgürtel

Konsequenterweise wurden Pestepidemien in Kenia zwischen 1902 und 1913 nicht etwa mit einer Verbesserung der allgemeinen Wohn- und Lebensverhältnisse, sondern mit einem "cordon sanitaire" um die asiatischen und afrikanischen Stadtviertel Nairobis beantwortet, einem "Gesundheitsgürtel", der ein Übergreifen der Epidemie auf die europäischen Viertel verhindern sollte [46].

Eine Entsprechung dieses Vorgehens ist in den Flugzeugkontrollen auf dem Frankfurter Flughafen während der letztjährigen angeblichen indischen Pestepidemie genauso zu sehen wie in Tuberkulose-Reihenuntersuchungen und HIV-Zwangstests bei Flüchtlingen und Stipendiaten aus Afrika.

Malaria und Schlafkrankheit kümmerten sich weniger um den Gesundheitsgürtel und waren das wesentliche Problem der Europäer in Afrika. Entsprechend konzentrierten sich die Forschung und die kolonialen Gesundheitsdienste insbesondere auf die Malaria, eine Prioritätensetzung, die u.a. auch in der Politik der WHO fortwirkte. Die Hauptmaßnahme gegen Schlafkrankheit war die zwangsweise Umsiedlung der "bedrohten" afrikanischen Landbevölkerung und deren Konzentration unter strenger Überwachung. Diese Neuansiedlungen wurden zum bedeutenden Reservoir für Plantagen- und Wanderarbeiter. Umsiedlungen und andere repressive Maßnahmen wurden daher zunehmend entsprechend dem Bedarf des ausländischen Kapitals an billigen Arbeitskräften, billigem Boden und billigen Rohstoffen geplant, wurden aber weiterhin vom medizinischen Dienst überwacht und legitimiert.


Sozialmedizin

In den zwanziger und dreißiger Jahren wurde zunehmend erkannt, daß Kampagnen gegen einzelne Infektionskrankheiten eine erfolglose Mittelverschwendung darstellten, solange weder eine gesundheitliche Grundversorgung noch eine Beteiligung der Bevölkerung gewährleistet waren. So schrieb der Direktor der kenianischen Gesundheitsbehörde 1929: "Es wird nun allgemein anerkannt, daß es sich bei Malaria um eine soziale Krankheit handelt, deren Fortbestehen in Gegenden, wo sie endemisch ist, neben anderen Faktoren auf den niedrigen Lebensstandard der Masse der Bevölkerung zurückzuführen ist" [47]. Die Weltwirtschaftskrise und nicht zuletzt die rasche Entwicklung der chemischen Industrie während des 2. Weltkrieges mit ihren 'Wunderpillen' und 'Wunderinsektiziden' beendeten die Diskussion um die sozialen Ursachen von Krankheit, zumal sie eine radikale Beschäftigung mit den Grundlagen der kapitalistischen Weltwirtschaftsordnung erfordert hätte. (Ein Neuaufkommen dieser Diskussion in den siebziger Jahren innerhalb von WHO und sogar Weltbank wurde ähnlich abrupt beendet).


Demokratie

1926 wurde versucht, den wachsenden afrikanischen Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft durch Einrichtung einer 'Regierung durch Mitbeteiligung der Eingeborenen' einzudämmen. Die 'Eingeborenenverwaltungen' in der Hand der angeblich 'traditionellen' Oberhäupter sollte die Mechanismen sozialer Kontrolle verstärken. Da die 'Eingeborenenverwaltungen' über keinerlei Macht gegenüber der Kolonialbehörde verfügte, wurden sie durch Gewährung anderer Privilegien zur Mitarbeit überredet. Dieses Verwaltungsnetz ermöglichte den Zugriff auf die gesamte Produktion auf dem Lande und das Eintreiben der Kolonialsteuern. Gesundheitspolitisch waren die 'Eingeborenenverwaltungen' wichtig bei der Durchsetzung von Law-and-Order-Direktiven und der flächendeckenden Verbreitung der westlichen Medizin in 'Dispensarien', die als Gemeinde- oder Basisgesundheitsstationen bis heute fortbestehen. Sie waren der einzige sichtbare Nutzen aus der Steuerlast und galten als besonderes Zugeständnis gegenüber den Forderungen der verarmenden Landbevölkerung. "Man wußte von Anfang an, daß diese Entwicklungen nicht viel wert waren und bestenfalls dem allgemeinen Wunsch nach einer schnellen und unkomplizierten Behandlung Rechnung tragen konnten. Wirtschaftlich und wissenschaftlich ließen sich die Ausgaben kaum rechtfertigen und deshalb wurden auch keinerlei Anstrengungen in Bezug auf eine bessere Ausbildung unternommen, und die zur Verfügung stehenden Medikamente beschränkten sich auf ein Minimum an harmlosen Allerweltsmitteln" [48]. Im Gegensatz zur heutigen Situation war die Behandlung aber kostenlos und ermöglichte Einzelbehandlungen, die den repressiven Charakter der meisten Gesundheitsverordnungen verschleierten.

Die medikamentöse Einzelbehandlung der kurativen Medizin entsprang also nicht nur der reduktionistischen Sichtweise biomedizinischer Wissenschaft, die nach Erregern sucht und diese mit aggressiven Chemikalien zu vergiften trachtet, anstatt soziale Ungerechtigkeiten zu bekämpfen, sondern war von Anfang an integraler Bestandteil der imperialistischen Ausdehnungsbemühungen der europäischen Staaten (und der USA).

Propaganda

Vorreiter, Begleiter und Nachfolger der Kolonialmächte waren die Missionare. Der medizinische Zweig des Missionsdienstes "bezwingt die Berührungsängste, räumt auf mit Vorurteilen und findet Eingang in die Herzen und Häuser der großen und der kleinen Leute ... Er findet höchste offizielle Anerkennung und erleichtert so den Aufbau aller anderen Einrichtungen" [49] und wurde deshalb "als außerordentlich nützlich für das Bestreben der britischen Regierung, sich den Zugang zum tropischen Teil Afrikas zu sichern, betrachtet" [50]. So wurde mit medizinischen 'Zeichen und Wundern' nicht nur die Bedeutung des Evangeliums unterstrichen, sondern die imperialistische Politik auf 'sanfte' Weise unterstützt. Dies wurde wenig später auch von den britischen Kolonialbehörden übernommen. So schrieb ein medizinischer Jahresbericht für Kenia aus dem Jahre 1921: "Ein staatliches Hospital ist ein sichtbarer Ausdruck der Regierungsaktivitäten, der von jedem Eingeborenen verstanden wird ... Es ist eine unleugbare Tatsache, daß die Gewährung medizinischer Versorgung - und sei sie noch so provisorisch und primitiv - die beste Art der Propaganda für jedwede Arbeit unter den Eingeborenen ist" [51].

(Es ist sicherlich überlegenswert, ob nicht die Bangui-Definition von AIDS eine besonders effiziente und zeitgemäße Neuauflage solcher kolonialistischer "Propaganda" darstellt. Einerseits wird das westliche Paradigma der erregerbedingten Krank-heitsentstehung bei einer Fülle von Leiden flächendeckend durchgesetzt, ohne daß ein Erregernachweis erforderlich wäre, andererseits wird die Forderung nach individueller Heilung per Definition ausgeschlossen, da die wissenschaftlichen Fortschritte kein AIDS-Heilmittel bescheren. Die medizinische Versorgung kann somit auf Diagnose und Erfassung reduziert werden. Darüber hinaus rückt die soziale Prävention vollständig in den Hintergrund, da individuelle Verhaltensänderungen im Bereich der "naturgegebenen Verderbtheit der Eingeborenen" die zur 'neuen Seuche' und Haupttodesursache in Afrika definierten Erkrankungen eindämmen sollen. Die vernachlässigte Verbesserung der Lebensbedingungen sowie die mangelhafte Behandlung von Krankheiten bei Menschen mit AIDS-Diagnose werden sicher nicht ohne Folgen für die Gesundheitssituation in Afrika bleiben. Die gesamte 'AIDS-Aufklärung' - mitsamt ihrer wesentlichen Materialisierung, der Verteilung von Kondomen - zum Infektionsschutz und zur Verhinderung des breiten Spektrums der in der Bangui-Definition enthaltenen Krankheiten könnte somit als zeitgemäße Version eines vollständig individualisierten 'cordon sanitaire' interpretiert werden.)

Unabhängigkeit

Das an Kapitalinteressen ausgerichtete und davon abhängige koloniale Gesundheitssystem wurde nach der staatlichen Unabhängigkeit von den meisten Ländern Afrikas übernommen, allerdings in noch weiter reduzierter Form. Einerseits gab es in ganz Zaire bei Erlangung der Unabhängigkeit nur einen einzigen einheimischen Arzt [52]. Andererseits erfolgt die medizinische Ausbildung nach wie vor nach Metropolen-Lehrplänen. Viele der afrikanischen Herrschenden bedienen sich der hochmodernen städtischen Gesundheitsversorgung für Privilegierte und der vernachlässigten und verteuerten Gemeinde-'Dispensarien' auf dem Lande auf gleiche Weise, wie ihre kolonialen Vorgänger. So kamen in Nairobi 1970 670 Einwohner auf einen Arzt, im ländlichen Kenia jedoch über 25.000 [53].

Weiterhin tragen Verschuldung und die 'Strukturanpassungsprogramme' von IWF/Weltbank zur weiteren Verschlechterung der Gesundheitsversorgung der verarmten Menschen bei. Allein die zwischen 1980 und '89 aus Afrika abkassierten Zinsen hätten zur Einrichtung von 200.000 Schulen und 200.000 Gesundheitsstationen ausgereicht. Die Strukturanpassung führte in Ghana und Zaire zur Entlassung der Lehrern von 500.000 Schülern. Die Gesundheitsausgaben von 12 afrikanischen Staaten sind um 25% gesunken, während die Realeinkommen der Bevölkerung um 50% fielen. Eine andere UN-Organisation, UNICEF, rechnete vor, daß allein 1988 als Folge der Strukturanpassung 320.000 Kinder gestorben sein sollen [54].

Weltbank

1975 verglich die Weltbank bei dem Versuch, eine Basisgesundheitsversorgung wirtschaftlich zu begründen, die Auswirkungen von vorzeitigem Tod mit krankheitsbedingten Fehlzeiten von Arbeitern: "Sowohl vorzeitiger Tod und Absentismus aufgrund von Krankheit verringern die Verfügbarkeit von Arbeitskraft. Es ergibt sich jedoch aus der beträchtlichen Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung in Entwicklungsländern, daß vorzeitiger Tod selbst keine wirtschaftlichen Verluste verursachen muß ... Krankheitshäufigkeit unter den Arbeitskräften, die zu Absentismus führt, kann größere ökonomische Auswirkungen haben" [55]. Selbst mit solch zynischen Argumenten ließ sich die Basisgesundheitsversorgung jedoch nicht verbessern, im Gegenteil sorgte gerade auch die Weltbank in den 80er Jahren für deren Verschlechterung (s.o.).

In dieser Tradition der vollständigen Unterordnung der Gesundheitspolitik unter Kapitalinteressen steht auch der Bericht zur Welt-Gesundheits-Pflege der Weltbank, der auf dem Welt-AIDS-Kongress in Berlin vorgestellt wurde. Dieser Bericht kommt zu dem überraschenden Schluß, daß AIDS weder jetzt noch in den nächsten zehn Jahren eine größere Beachtung verdiene. AIDS sei ein geringeres Problem als andere Krankheiten in der 'sich entwickelnden Welt', die um den "immer spärlicher werdenden Gesundheits-Dollar" konkurrieren. Die kostengünstigste Methode zur Eindämmung von Krankheiten sei die Durchführung von "Interventions-Strategien". Diese sollten dazu benutzt werden, die sich hochschraubenden Kosten zu verhindern, die mit einer Krankheit im epidemischen Status verbunden sind. Das sei besser, als große Geldmengen in eine Krankheit zu stecken, wenn sie weltweit in einem Reifestadium sei [56]. "Schulden-Vergebung" lehnt die Weltbank für 'Interventionen' im Zusammenhang mit AIDS ab, weil davon "lasterhafte Nationen genauso profitieren würden wie ihre verantwortungsvolleren Nachbarn". Das Geld müsse aus den Ländern selbst kommen, mit "Hilfe von entwickelten Nationen, dem privaten Sektor und internationalen Organisationen", offenbar mit Ausnahme der Weltbank selbst [57].

Diese Intervention besteht nach dem Stand der offiziellen AIDS-Forschung und der Linie der WHO eben in der Werbung für Kondome, der Industrialisierung der Blutversorgung und der weiteren Testverbreitung, die nach Möglichkeit von den Betroffenen auch noch bezahlt werden sollen. Wenn dann trotzdem noch Menschen erkranken, sind sie wegen ihrer "Lasterhaftigkeit" erstens selbst schuld, zweitens zu kostenintensiv geworden, weil der "spärliche Gesundheits-Dollar" doch drittens besser zur Rettung der Gesunden eingesetzt werden muß, zumindest wenn sie dafür selbst bezahlen können oder ihre Arbeitskraft noch benötigt wird. So kann der Zynismus der Weltbank-Berechnungen in Kurzform interpretiert werden.

Hier zeigt sich besonders deutlich, wie sehr die Bangui-Definition dem immer 'liberaler' und menschenfeindlicher agierenden Kapitalismus entgegenkommt. Mit ihrer Hilfe lassen sich krankmachende Auswirkungen von Kolonialismus und Imperialismus biologisieren. Menschen in Afrika, die an einer Fülle von Krankheiten mit ökonomischen Ursachen leiden, lassen sich mit der Bangui-Definition zu 'todgeweihten' Opfern eines Virus diagnostizieren. Gemäß der dargestellten ökonomischen Ethik der Weltbank können 'Unheilbare' ohne weiteren 'Absentismus' durch den kostenneutralen 'frühzeitigen Tod' aus der Verantwortung oder einer eventuell vorhandenen Restmoral oder gar Schuldgefühlen entsorgt werden. Die Bangui-Definition dient somit der ideologischen Verschleierung und Akzeptanzförderung bei der 'Metropolenöffentlichkeit' und sogar bei den direkt Betroffenen: fatalistische Akzeptanz für Bevölkerungskontrolle, die allein an der kapitalistischen Verwertung der Menschen ausgerichtet ist.

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5. Medikamente

Ein britischer Sozialminister sagte 1976: "Eine Möglichkeit, Exporte zu fördern, besteht darin, Menschen hier auszubilden, wo sie mit dem Gebrauch einiger der besten Produkte, die wir herstellen, vertraut gemacht werden, die dann auch im Ausland benutzt werden können" [58].

Eine Kategorie der "besten Produkte" sind im Gesundheitssektor die pharmazeutischen Erzeugnisse. Hier sind besonders zwei deutsche Unternehmen beteiligt. In der 'Hitliste' der Pharmaumsätze der transnationalen Konzerne lag 1977 Hoechst auf Platz 1, weit vor Merck, Sharp & Dohme (2), Bayer (3), Ciba-Geigy (4), Hoffmann La Roche (5), American Home Products (6), Abbott Laboratories (19), Schering (24), Wellcome (28) und BASF (45) [59]

Tropenheilmittel

Entsprechend stolz verkündete ein Mitarbeiter in den "Beiträgen zur hundertjährigen Firmengeschichte" von Bayer: "Weite Gebiete wurden durch diese Tropenheilmittel bewohnbar gemacht, unendlich viel Not und Siechtum wurde aus der Welt geschafft. Es mutet wie ein Vorgriff auf die heutige Entwicklungshilfe an, denn ohne diese medizinische Vorarbeit wäre die wirtschaftliche Erschließung großer Landstriche kaum möglich geworden" [60].

Diese Lobpreisung bezieht sich hauptsächlich auf Mittel gegen Malaria und Schlafkrankheit, die entsprechend den Prioritäten der Kolonialpolitik (s.o.) 'große Landstriche' für die Eroberung, Besiedlung und Ausbeutung durch Weiße erschließbar machen sollten. Das berühmte erste Mittel gegen afrikanische Schlafkrankheit, das nicht etwa 'Afrikin', sondern dem herrschenden Zeitgeist Anfang diesen Jahrhunderts entsprechend 'Germanin' getauft wurde (jetzt Suramin), wird am besten in der ersten Phase der Krankheit eingesetzt. Diese erste Phase wird bei Afrikanern, aus welchen Gründen auch immer, jedoch nicht diagnostiziert [61]. Auch die Malariamittel kommen den Afrikanern bis heute offenbar in nur sehr begrenztem Umfang zugute (s.o). Zudem sind sie für einen Masseneinsatz nicht geeignet [62].

Insgesamt sind die Gesundheitsprobleme des Trikonts nicht mit Medikamenten zu lösen. Die oben als Haupttodesursache genannten Durchfälle lassen sich eben nicht mit Pharmaka behandeln, die nur eine 'Stuhlkosmetik' bewirken. Sinnvoll lassen sich Durchfälle durch die Zufuhr von Flüssigkeit, Salzen und Zucker (Nahrung) behandeln. Langfristig kann nur die Versorgung mit sauberem Trinkwasser, Abwasserentsorgung und Hebung des Lebensstandards, somit eine Neuordnung der Besitzverhältnisse, helfen. Das also sehr selektive Interesse der Pharmafirmen an den Bedürfnissen des Trikonts verflog mit dem Ende des Kolonialismus vollständig und selbst die WHO konstatierte 1980: "Kein wichtiges Medikament zur Behandlung irgendeiner der Tropenkrankheiten ist in den letzten drei Jahrzehnten entwickelt worden" [63].

WHO

1976 wurde das Special Programme on Research and Training in Tropical Diseases bei der WHO eingerichtet (WHO-TDR, Tropical Disease Research), das die Industrielücke ausfüllen sollte und 1982 knapp ein Drittel aller Forschungsarbeiten zu sechs der wichtigsten 'Tropen'-Krankheiten durchführte. Finanziert wurde das Programm von der WHO, der Weltbank, dem UNDP (UN-Development Programme), verschiedenen Regierungen (Dänemark, Schweden, USA) und Stiftungen. Anfang der achtziger Jahre kam das WHO-Programm in Finanznöte. So hatte Großbritannien zwar 11% der Forschungsgelder abgezogen, 1980 bis '82 jedoch keine Beiträge eingezahlt. Daher wurden von der WHO direkte Forschungs- und Vermarktungs-Verträge mit Pharmafirmen abgeschlossen, eine der ersten war die Wellcome Foundation. Innerhalb des WHO-Programmes wurden einerseits Arbeiten der Pharmafirmen und Forschungs-Institute der Metropolen bezahlt, wie z.B. an der London School of Tropical Medicine and Hygiene. Andererseits setzte sich die WHO dafür ein, daß die Trikontstaaten ihre Bevölkerung für klinische Tests und Markteinführung zur Verfügung stellten. Die Trikontstaaten mußten die Daten solcher von der WHO koordinierter Tests an die Pharmafirmen abgeben, während die Pharmadaten der Geheimhaltung unterlagen. Die WHO sicherte darüber hinaus die 'legitime' Forderung der Pharmafirmen nach einem Rückfluß der investierten Gelder ab. In den Leitungsgremien des WHO-TDR-Programmes saßen neben den Experten derjenigen ForschungsInstitute, die oft auch die Gelder erhielten, 32 Repräsentanten der Pharmaindustrie. Das WHO Programm zur Erforschung der 'Tropenkrankheiten' ist also letztlich ein weiteres Beispiel, wie die angebliche wissenschaftliche und moralische Reputation einer UN-Organisation für Industrie-Interessen funktionalisiert werden kann [64].

Markt

Während also das Interesse der Pharmafirmen an der Entwicklung von 'Tropenheilmitteln' nur durch 'Forschungs-Anreize' seitens der WHO und der betroffenen Staaten aufrechterhalten wurde, war das Interesse an Absatzmärkten im Trikont immer sehr groß. In den Trikont exportierten BRD-Firmen bereits 1977 für über 400 Millionen US-Dollar Medikamente (mit starker Expansionstendenz). Das war etwa ein Drittel der Pharma-Exporte aus der BRD, erzielte jedoch knapp zwei Drittel des Pharma-Export-Überschusses der BRD, was ein Licht auf die ungleichen Handelskonditionen wirft (Export von überteuerten Fertigprodukten - Import von billigen Rohstoffen). Ein berüchtigtes Beispiel für Profitmaximierung sind die überhöhten Preise, zu denen die marktbeherrschenden Transnationalen die Medikamente verkaufen. So kostete ein Medikament in Peru 63 mal mehr als auf dem Weltmarkt, Valium als Markenmedikament von Hoffmann-La Roche kostete auf den Philippinen 13 mal mehr als in Großbritannien. Insgesamt wird im Trikont etwa ein Viertel der Weltproduktion an Arzneimitteln abgesetzt. Während der Arzneimittelmarkt in den Metropolen staatlichen Regulierungen unterworfen war und eine gewisse Sättigung erreicht hatte, erwartete die Pharmaindustrie 1980 ein Anwachsen des Arzneimittelverbrauchs im Trikont von 13 auf 90 Milliarden US-Dollar im Jahr 2000 [65].

1980 wurden in Mexiko 80.000 verschiedene Markenpräparate gehandelt (in der BRD 20.000 - 30.000). Die WHO veröffentlichte während ihrer 'revolutionären' Phase in den 70er Jahren eine Liste mit ca. 200 Medikamenten, die für unentbehrlich gehalten wurden und von denen 95% so alt waren, daß sie nicht mehr dem Patentschutz unterlagen und somit ohne Markennamen viel billiger erhältlich waren. Das führte zu massiver Gegenreaktion bei der Pharmaindustrie, was einige Länder zu spüren bekamen, die den Intentionen der WHO folgen wollten.

Erpressung

In Sri Lanka sollten Mitte der 70er die Markennamen verboten werden. Die staatliche Einkaufsgesellschaft kaufte Tetracyclin, das gegen eine Choleraepidemie eingesetzt werden sollte und dazu sofort formuliert und dosiert werden mußte. Ein Tochterunternehmen des US-Multis Pfizer hatte entsprechende Verarbeitungskapazitäten frei, weigerte sich jedoch, den Notauftrag auszuführen. Sri Lanka mußte Tetracyclin-Kapseln einfliegen lassen. Als daraufhin die Pfizer-Tochterfirma verstaatlicht werden sollte, soll der US-Botschafter mit der Einstellung der Wirtschaftshilfe gedroht haben, falls es zu diesem schwerwiegenden Eingriff in das Privateigentum kommen sollte [66].

1976 hat Bangladesch 64% (Senegal 70%) des nationalen Gesundheitsbudgets für Medikamentenbeschaffung ausgegeben, der Rest sollte für den Unterhalt und Ausbau des Gesundheitssystems, Ausbildung und Bezahlung der Gesundheitsarbeiter ausreichen. Im privaten Bereich von Bangladesch wurden noch 5 mal mehr Medikamente verbraucht. So führen Arzneimittelimporte, deren Wirkung auf die Gesundheitssituation im Trikont insgesamt minimal ist, zu einer Mittelverknappung in den wichtigeren Bereichen der Prävention und zu weiterer Abhängigkeit.

Auch die WHO beugte sich dem Druck der transnationalen Konzerne und der Regierungen der Metropolen, namentlich der USA. Die Industrie machte das Angebot, den staatlichen Gesundheitssektor der 'ärmsten Länder', der die bisher von Medikamenten ausgeschlossenen Menschen erreichen sollte, verbilligt mit Basis-Arzneimitteln zu beliefern. WHO-Generalsekretär Mahler verkündete 1982 eine "neue Ära der Kooperation zwischen Pharma-Industrie und WHO".

Werbung

Da im Trikont der Arzneimittelmarkt aufgrund der mangelhaften Struktur des postkolonialen Gesundheitssystems und des massiven Eingreifens der transnationalen Pharmaindustrie weitgehend frei ist von staatlicher, versicherungswirtschaftlicher oder auch ärztlicher Kontrolle, wird besonders massiv geworben. Die Werbeetats liegen anteilmäßig höher als in den Metropolen. Während 1980 in der BRD durchschnittlich ein Pharmavertreter 18 Ärzte besuchte, war diese Industriebetreuung in Tansania mit einem/ einer VertreterIn für vier Ärzte ein Rundumservice insbesondere für einflußreiche Ärzte des staatlichen Gesundheitsdienstes. Dieser massive Einsatz führt letztendlich zur Verdrängung oftmals besserer und billigerer Medikamente von diesem offenbar lukrativen Markt.

Oftmals stehen den Ärzten im Trikont Werbeanzeigen in den offiziellen Arzneimittelverzeichnissen als einzige Informationsquelle zur Verfügung. Diese sind bereits irreführend. Sie werfen ein bezeichnendes Licht auf die zynische Zusammenstellung der Produktpalette, die die Pharmafirmen im Trikont anstelle der dringend benötigten Mittel gegen die 'Tropenkrankheiten' absetzen wollen. Von Multivitaminen und Stärkungsmitteln, die mit Hustensäften und Grippemedikamenten zu den 'Rennern' auf den Märkten im Trikont gehören, über Anabolika gegen Unterernährung, Mittel gegen Durchfall, Abführmittel und Appetitzügler gegen Übergewicht, teure Reserveantibiotika gegen leichte Infektionen, Beruhigungsmittel gegen Streß bis hin zu Psychopharmaka für "die natürliche Fähigkeit, sich am Leben zu freuen". So war Valium das zweitmeist verkaufte Arzneimittel in Tansania [67]. Diese Palette wird ergänzt durch Medikamente, die in den Metropolen vom Markt genommen werden mußten, bzw. deren Anwendung stark beschränkt ist, sowie durch Medikamente, deren Wirkstoffgehalt vermindert ist und durch zweifelhafte Fälschungen anderer Firmen.

Allen gemeinsam ist jedoch, daß die Menschen nur nach der Zerstörung 'traditioneller' Strukturen und der Neuorientierung am metropolitanen Vorbild zum Kauf dieser Medikamente gebracht werden können. Wie tief der kulturelle und psychologische Einschnitt ist, den die Kolonialisierung mit ihrer Ideologie der 'besseren weißen Herrenmenschen' in Afrika hinterlassen hat, läßt sich am Beispiel der Haut-Bleichseifen erkennen. Sie enthalten Wirkstoffe wie Cortison, Hydrochinon oder Quecksilber. 1989 soll jede zweite Frau in Südafrika hydrochinonhaltige Seife benutzt haben. Zu den Gesundheitsgefahren gehören Hautkrebs, Hirn- und Nervenschäden, Nierenkrankheiten, Selbstmordneigung, Immunveränderungen usw. [68]. Trotz dieser 'nachhaltigen' Zerstörung kultureller Identität sind die Menschen im Trikont offenbar nur mit massiver Werbung von der gesundheitsfördernden Wirkung der angebotenen Luxus-Medikamente zu überzeugen. Wie ein Mitarbeiter der Firma Bayer, die z.B. in Indonesien mit nackten blonden Frauen wirbt, feststellte: "Im Ausland dagegen war neben der wissenschaftlichen die populäre Werbung, je nach den Landesüblichkeiten immer größer und vielfältiger" [69].

Symptome

Nach Schätzungen von 1976 werden im Trikont 75% aller Arzneimittel auf dem Wege der Selbstmedikation konsumiert [70]. Diese Rate wird sich aufgrund der Verschlechterung und Verteuerung vieler staatlicher Gesundheitsdienste bei sinkenden Einkommen noch erhöht haben. In diesem Zusammenhang ist es besonders wichtig, auf die 'Nebenwirkungen' einiger der häufig verwendeten Mittel zu achten. Selbstverständlich haben sämtliche 'modernen' Pharmazeutika eine Fülle von zumeist nicht ausreichend erforschten gesundheitsschädlichen Wirkungen. Insbesondere bei zuvor geschwächten Menschen, in Kombination mit anderen Mitteln, ohne Überwachung der Einnahme und bei minderer Qualität der Arzneien können diese erheblich sein. Bei der Unübersichtlichkeit des Pharmamarktes im Trikont kommen alle diese Faktoren zusammen und eine genaue Analyse der 'Nebenwirkungen' ist unmöglich. Es werden daher nur die bekannten Gefahren der drei Substanzen besprochen, mit denen sich angeblich diejenigen Menschen selbst behandelt haben, die später als erste AIDS-'Fälle' in Uganda beschrieben wurden (Aspirin, Chloroquin, Chloramphenicol).

Aspirin ist zwar eines der verträglichsten Arzneimittel, das seit einem Jahrhundert als Schmerzstiller und Fiebersenker eingenommen wird, doch kann es bei 'empfindlichen Menschen' auch zu Vergiftungen führen, die als Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Hautausschläge, Asthmaanfälle und Muskelkrämpfe auftreten. Ferner können Magen-Darm-Blutverluste auftreten, die zu Blutarmut führen können. Besonders Kinder und Jugendliche mit 'fieberhaften Erkrankungen' können von den 'Nebenwirkungen' betroffen sein, auch die Einnahme auf nüchternen Magen kann zu den genannten Symptomen führen [71-72].

Chloroquin, das gegen Malaria eingesetzt wird, wurde 1934 als Resochin bei den IG Farbenfabriken entwickelt, jedoch nach den ersten Menschenversuchen für zu giftig befunden und nicht vermarktet. Dies geschah erst nach dem zweiten Weltkrieg, als das Resochin-Patent auf eine US-amerikanische Pharmafirma übergegangen war und die Substanz als Chloroquin in der Öffentlichkeit erschien. Daraufhin setzte wie mit anderen neuen 'Wundermitteln' (Penicillin, DDT) ein regelrechter 'Fallout' ein, der weit über die Grenzen der USA hinaus reichte. An der Chloroquin-Vermarktung beteiligte sich die WHO maßgeblich: vor allem in Südost-Asien wurde das Mittel von ihr nach der Devise 'viel hilft viel' angewandt und ahnungslosen Menschen sogar unter das Tafelsalz gemischt. Doch Chloroquin ist eben, wie bereits in den dreißiger Jahren festgestellt wurde, nicht frei von Nebenwirkungen. Es kann zu Magenbeschwerden und zur Reduktion der normalen Darmflora führen, bei hohen Dosen besteht die Gefahr von Schäden der Netzhaut [73-74]. Weitere Wirkungen sind Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe, Veränderungen der Hautpigmentierung, erhöhte Hautareale mit Pilzbefall, Muskelschwäche, Nervenstörungen [75-76]. Chloroquin wirkt zudem dort nicht gegen Malaria, wo die Plasmodien Resistenzen gegen das Mittel entwickelt haben. Dies war konsequenterweise nach den flächendeckenden WHO-Aktionen in Südost-Asien bald der Fall und von der WHO kam die Warnung: "Wenn die Resistenz die arabische Halbinsel überquert, würde das eine große Bedrohung für den afrikanischen Kontinent darstellen, wo Plasmodium falciparum der wichtigste Malariaerreger und Chloroquin das wichtigste Antimalariamittel ist" [77]. Im Laufe der achtziger Jahre wurde diese Bedrohung real, und Anfang der neunziger Jahre wurde in Afrika nur noch Ägypten als 'resistenz-frei' aufgeführt [78].

Vom Antibiotikum Chloramphenicol, das Ende der vierziger Jahre patentiert worden war, ist seit den frühen fünfziger Jahren bekannt, daß es Anämie bis hin zu Leukämie verursachen kann. Zu den üblicheren 'Nebenwirkungen' gehören Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Fieber [79]. Während es in den USA, wo es als Chloromycetin hergestellt wird, sogar unter staatliche Kritik geriet, wurde es im Trikont, besonders in Lateinamerika, gegen mehrere alltägliche Infektionen weiter angepriesen. Dies führte dazu, daß das US-Außenministerium seine Botschaften in Lateinamerika 1970 aufforderte, 'vor Chloromycetin zu warnen'. Noch Jahre später war das Mittel 'gegen schwere Erkältung' im Sudan ohne weiteres erhältlich [80]. Bei Chloramphenicol wird mit einem Todesfall auf etwa 50.000 Behandlungen gerechnet, es kann Schädigungen an Blutzellen und Blutbestandteilen bewirken, die teilweise irreversibel sind. Außerdem gilt das Mittel als Reservemedikament gegen schwere Typhuserkrankungen, die bei Resistenzbildung nicht mehr behandelbar sind. In Indien und Zentralamerika hat es bereits chloramphenicol-resistente Typhusepidemien gegeben [81-82].

Die drei genannten Medikamente wurden nach Angaben der AIDS-Forscher in Uganda zur Selbstbehandlung von 'allgemeinem Krankheitsgefühl' und 'intermittierendem Fieber' eingesetzt, wobei weder die Ursache der Symptome noch die Dauer oder die Dosierung der Selbstmedikation berichtet werden. Erst nach bzw. bei dieser Medikamenteneinnahme traten 'Appetitverlust', dann 'intermittierender Durchfall und allmählicher Gewichtsverlust' auf. Diese Symptome wurden von den Forschern als Anfangsstadium der 'neuen Krankheit' gedeutet [83].

Die SMON-Viren

Ein nach langer Verzögerung zumindest ansatzweise aufgeklärtes Beispiel einer 'neuen Krankheit' ist die 'Subakute-Myelo-Opticus-Neuropathie', SMON.

1955 gab es in Japan erste Berichte über 'Ausbrüche' einer 'rätselhaften' Krankheitserscheinung, die mit Durchfällen, ständigen Bauchschmerzen und Nervenschäden, insbesondere Bewegungsstörungen und Schwäche der Beine sowie Sehbeeinträchtigungen bis zur Blindheit verbunden war.

Die Berichte häuften sich, wobei dem Syndrom verschiedene Namen wie z.B. 'infektiöse Leukomyelitis' gegeben wurden. Parallel gab es mehrere Versuche infektiöse Erreger als Ursache zu benennen. So wurde der 'Inoue-SMON-Virus' als auslösender Erreger identifiziert. Die japanische Presse nahm diese Hypothese auf und erzeugte mit ihren Meldungen eine Panik. Viele Menschen, die sich inmitten einer tödlichen Infektionsepidemie glaubten, sollen Selbstmord begangen haben. 1968 wurden Betroffenenorganisationen gegründet.

1969 behauptete erneut eine Forschungsgruppe ein Virus als Ursache der Krankheitssymptome isoliert zu haben.

Im Mai 1970, d.h. nach 15 Jahren Forschung, fiel einer anderen Forschungsgruppe auf, daß ein Großteil der Patienten eine grüne Zunge und grünen Urin hatten. Nach dieser doch recht einfachen Beobachtung wurde die Verbindung zwischen SMON, wie das Syndrom mittlerweile getauft worden war, und Arzneimitteln gezogen, die Clioquinol enthalten und gegen 'Sommerdurchfälle' bzw. 'Reisedurchfälle' auch prophylaktisch eingesetzt werden sollten.

Im August 1970 verbot die Regierung Clioquinol in Japan, nachdem über 10.000 Menschen (andere Quellen sprechen von 30.000) mit dem Syndrom und bleibenden Schäden von dem "spontanen Meldesystem" der japanischen Krankenhäuser (nicht von Allgemein-Ärzten) gemeldet und mehrere hundert Menschen gestorben waren. Nach dieser Entscheidung gab es in Japan praktisch keine neuen SMON-Erkrankungen mehr.

Dafür gab es eine Fülle von Gerichtsverfahren gegen Ciba-Geigy, die Clioquinol in etwa 200 Produkten auf dem japanischen Markt hatten, und andere Unternehmen. Unter Berufung auf die SMON-Virus-Hypothesen wurden die Verhandlungen von 1971 bis 1979 und länger verzögert. Die Verfahren in Japan wurden mit außergerichtlichen Entschädigungszahlungen in Gesamthöhe von etwa einer Milliarde US-Dollar an 1500 geschädigte Personen und die Familien der 700 Todesopfer beendet. 1978 wurden die Behörden in Tokio mitschuldig gesprochen.

Daraufhin begannen andere westliche Zulassungsbehörden erstmalig damit, die Wirksamkeit von Clioquinol zu überprüfen, die bis dahin 'allgemein anerkannt' war.

Clioquinol war 1900 als Hautdesinfektionsmittel auf den Markt gekommen und wurde seit 1930 auch innerlich gegen Durchfall eingesetzt. Es stand auf den Listen für 'unentbehrliche Arzneimittel' und wurde noch 1978 von der WHO als eine Alternativtherapie gegen Amöben aufgelistet. Noch 1979 wurde es in Sri Lanka in die Liste der unentbehrlichen Medikamente aufgenommen.

Die ersten Hinweise auf Nervenschädigungen durch Clioquinol stammen aus dem Jahr 1935. Die Forschungsabteilung von Ciba-Geigy stellte ebenfalls bei eigenen Untersuchungen fest, daß Hunde, denen das Medikament gegeben wurde, häufig epilepsieartige Anfälle bekamen und starben. Die Hunde-Studien verschwanden im Panzerschrank und Ciba-Geigy versandte ein Rundschreiben an Tierärzte, in dem vor der Anwendung bei Tieren gewarnt wurde. 1960 schränkte die US-Zulassungsbehörde die Clioquinol-Anwendung ein. 1972 stoppte Ciba-Geigy den Verkauf in den USA aus "kommerziellen Erwägungen". Nach anderen Quellen war der Grund dieses Rückzuges die Forderung der US-Zulassungsbehörde nach einem Wirksamkeitsnachweis.

Das Ergebnis der neuen Untersuchungen Anfang der 80er war, daß Clioquinol nicht nur überhaupt nicht hilft, sondern bei längerem Gebrauch auch zu Durchfall führen kann. Durchfall wird also nicht verhindert oder vermindert, sondern durch die Arznei erzeugt, was zu einem Teufelskreis zwischen Krankheit und Medikament führen kann, von den 'Nebenwirkungen' ganz abgesehen.

In den meisten Industriestaaten wurde Clioquinol von den Behörden vom Markt genommen. 1983 wurden im Trikont Clioquinol in einem Viertel der Medikamente gegen Durchfall und als Magen-Darm-Beruhigungsmittel von Ciba-Geigy, Bayer, Grünenthal (Entero-Sediv) und anderen Firmen angeboten, ohne Warnhinweise. 1982 beschloß Ciba-Geigy, "keine weiteren Vermarktungsanstrengungen" mehr zu unternehmen. 1983 versprach das Unternehmen, noch im gleichen Jahr die Produkte weltweit zurückzuziehen. Ende 1984 kündigte Ciba-Geigy erneut an, den Verkauf 1985 weltweit einzustellen.

Die Anzahl der SMON-'Fälle' außerhalb Japans wird von der WHO als "vernachlässigbar" bezeichnet, ein Ciba-Geigy-Mitarbeiter nennt 166 'Fälle', ein Rechtsanwalt, der bei den Prozessen in Japan Betroffene vertreten hatte, spricht von weit über 100.000 Opfern weltweit. So sei einer Schwedin, die nachweisbar ein SMON-Opfer sei, die Diagnose 'Multiple Sklerose' gestellt worden.

Andere mit Clioquinol verwandte Wirkstoffe, die halogenierten Hydroxiquinoline, stehen im Verdacht, ähnliche Wirkung zu haben. So wurde 1984 in Großbritannien ein Schadenersatzprozeß gegen den Halquinol-Hersteller Squibb unter der Bedingung beigelegt, "daß niemand die Tatsache der Einigung oder ihre Einzelheiten bekannt gibt" .[84-90]

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6. Impfungen

Im Namen der Gesundheit und meist von großen Zahlen begleitet werden auch Impfstoffe eingesetzt. So rechnete 1980 der damalige Generalsekretär der WHO, Mahler vor: "Wenn Sie ... jährlich sechs Millionen Kinder davor schützen wollen, an Tuberkulose, Keuchhusten, Diphtherie, Masern und Kinderlähmung zu sterben, dann müssen Sie jährlich 100-120 Millionen Kinder impfen" [91]. Der Exekutiv-Direktor von UNICEF gab 1984 in seinem Artikel "Einfache, verfügbare und wirksame Interventionen" ähnliche Zielvorgaben an: "Erweiterte Immunisierung - mit neuen, verbesserten Impfstoffen" würde "verhindern, daß die sechs wichtigsten immunisierbaren Krankheiten schätzungsweise 5 Millionen Kinder jährlich töten und weitere 5 Millionen zu Behinderten machen" [92]. Diese 'Erweiterte Immunisierung' (Expanded Immunization) fand im Rahmen von UNICEF's Programm der 'Selektiven Primären Gesundheitspflege' statt, das nur noch das beinhaltete, was von Pharmaindustrie und US-Regierung gebilligt wurde. Auch die WHO schwenkte auf diese Richtung ein.

Was dabei herauskam war nicht unbedingt das, was angekündigt war. 1992 wurde ein hochdosierter Masern-Impfstoff von der WHO zurückgezogen, nachdem er drei Jahre bei Massenimpfprogrammen eingesetzt war. Ein Verantwortlicher des 'Expanded Programme on Immunisation' der WHO meinte dazu: "Die Versuche haben nicht die erhoffte höhere Überlebensrate erbracht. Tatsächlich war die Überlebensrate geringer im Vergleich zu Resultaten des Standard-Impfstoffs. Aber der Impfstoff hat keine Kinder getötet, die nicht sowieso an Masern gestorben wären" [93].

Symptome

Doch auch der alte Masern-Impfstoff, der hier so gelobt wird, scheint so viel besser nicht zu sein. Das erste Problem besteht darin, daß die Impfung selbst zu einer Reihe von Erkrankungen führen kann. Als Folgen wurden 1980 vom Office of Technology Assessment (OTA) des US-Kongresses genannt: 'bekannte Reaktion' u.a. Fieber, Ausschlag; 'wahrscheinliche Reaktion' u.a. Enzephalitis (Gehirnentzündung), Enzephalopathie (nicht-infektiöse Hirnerkrankung); 'mögliche Reaktion' u.a. Nervenlähmung und andere neurologische Störungen.

Zu anderen Krankheiten lesen sich die Listen des OTA über Impfschäden ähnlich. Röteln: 'bekannte Reaktion' u.a. Lymphknotenschwellung, Fieber, Hautausschläge; 'wahrscheinliche Reaktion' u.a. Thrombozytopenie (Blutplättchenmangel), Enzephalitis, aseptische Meningitis (nicht-infektiöse Hirnhautentzündung). Kinderlähmung: 'bekannte Reaktion' Kinderlähmung (!); 'mögliche Reaktion' Reye-Syndrom (Enzephalopathie und Verfettung der Leber, kann tödlich sein). Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus (Dreifach-Impfstoff): 'bekannte Reaktion' u.a. Fieber; 'wahrscheinliche Reaktion' u.a. Enzephalopathie, Enzephalitis; 'mögliche Reaktion' u.a. Reye-Syndrom [94]. Der Impfstoff gegen Keuchhusten ist besonders in die Kritik geraten, da es unter den geimpften Kindern wegen dieser Komponente auch Todesfälle gegeben hatte, und mit ihm eine Herstellerfirma, die Wellcome Foundation. Ein Arzt, der maßgeblich an der Einführung des Tuberkulose(BCG)-Impfstoffs in Schweden beteiligt war, sagte nach Todesfällen durch die Impfung über die eigenen BCG-Impfappelle: "Wir können die Nicht-Gefährlichkeit unserer Propaganda nicht länger akzeptieren" [95].

Wer eine Impfung wohlbehalten überstanden hat, hat allerdings nicht die Gewißheit, nicht doch zu erkranken. Dazu einige Beispiele: Von staatlichen Stellen in den USA stammt aus den siebziger Jahren die Angabe, daß 41% der Geimpften Masern bekamen [96]. Eine Studie über Armeerekruten, die gegen Röteln geimpft worden waren, soll ergeben haben, daß 80% von ihnen doch erkrankten. Von mehr als 8000 Keuchhustenfällen, die im British Medical Journal berichtet wurden, waren 36% geimpft und 30% ungeimpft [97]. Kinderlähmung gilt als Komplikation der Impfung selbst (s.o.). Die Erkrankungshäufigkeit an Diphtherie stieg um 30% in Frankreich, 55% in Ungarn und 300% in Genf / Schweiz nach der Einführung von Pflichtimpfungen [98]. Das Ergebnis eines Großversuchs zur Wirksamkeit des Tuberkulose(BCG)-Impfstoffs, der u.a. von der WHO und dem CDC durchgeführt wurde, war, daß neue Erkrankungen in der Gruppe der Geimpften etwas häufiger auftraten als in der Kontrollgruppe [99].

Ein weiteres Problem der Impfungen besteht darin, daß die Immunität, wenn sie denn induziert werden konnte, nicht dauerhaft ist. Speziell bei Impfungen gegen Kinderkrankheiten kann der Krankheitszeitpunkt verschoben und die Krankheitssymptomatik verändert werden. Jugendliche und Erwachsene können an 'atypischen Masern' erkranken: mit Lungenentzündung, Petechien (Hautflecken), Durchfall, Ödem, starkem Schmerz. Röteln bei älteren Kindern und Erwachsenen erscheinen als Arthritis und Purpura (Hautverfärbung). Weiterhin gibt es 'atypischen Mumps': mit Appetitlosigkeit, Erbrechen, roten Hautausschlägen, aber ohne eine Beteiligung des Ohrbereichs [100].

Ursachen

Die Masern und andere Krankheiten waren früher auch in den Metropolen eine Gefahr für Kinder. Entgegen den Behauptungen der Schulmedizin ist die Sterblichkeit jedoch nicht durch ihre Impfungen gesunken, denn fast 90% des Gesamtrückgangs der Sterblichkeitsrate bei Kindern unter 15 Jahren an Masern, Keuchhusten, Scharlach und Diphtherie hatte zwischen 1860 und 1965 stattgefunden. Der Grund lag vielmehr vor allem in verbesserten Lebensbedingungen einschließlich besserer Ernährung. Entsprechendes gilt für andere Krankheiten wie beispielsweise die Tuberkulose.

Somit müßte für die Eindämmung von Infektionskrankheiten eine Verbesserung der Lebensbedingungen angestrebt werden. Dies ist jedoch nicht das Ziel der nationalen wie internationalen Gesundheitsbürokratie. Statt dessen werden technische Ansätze bevorzugt, die zudem der Industrie Aufträge bescheren. So besteht ein großer Teil dessen, was als 'Präventivmedizin' im Trikont bezeichnet wird, aus Medikamentenlieferungen und Impfkampagnen.

Pocken

Das Verschwinden der Pocken gilt als herausragendes Beispiel nicht nur für den Erfolg der Schulmedizin, sondern insbesondere auch für die segensreiche weltweite Tätigkeit der US-Gesundheitsbehörden. Es muß daher auf die Geschichte der 'Ausrottung' der Pocken eingegangen werden [101-107].

Die Pockenimpfung ist die älteste der Schulmedizin bekannte Impfung. Anfang des 18ten Jahrhunderts wurde eine Methode nach Großbritannien importiert, deren Ursprünge in China, Indien oder Afrika liegen sollen (wie übrigens auch die Ursprünge der Krankheit). Sie bestand aus der künstlichen Übertragung von Eiter von Pockenkranken auf andere Menschen. Zunächst wurde sie unter den Besitzenden zur Mode. Gegen Ende des Jahrhunderts wurde sie auch den Armen zugänglich gemacht und im restlichen Europa eingeführt, insbesondere in den Städten. Die so Infizierten wurden zum Ausgangspunkt schwerer Epidemien, die mehr Todesopfer forderten als zuvor, die Methode wurde verboten. Dennoch wird die 'Pockenfreiheit' der Reichen und die 'rasche Bevölkerungszunahme' der Armen in Großbritannien gegen Ende des 18ten Jahrhunderts noch heute auf diese Form der Impfung zurückgeführt.

Zur Jahrhundertwende (ca. 1790) wurde von Jenner die moderne Form der Pockenimpfung entwickelt, bei der Material von an Kuhpocken Erkrankten übertragen wird (andere Quellen nennen Pferdepocken; mittlerweile steht fest, daß das Impfvirus weder mit Pferde- noch Kuh- noch Menschenpockenviren identisch ist und in der Natur nicht vorkommt; die Impfviren spielen in gentechnisch veränderter Form teilweise auch bei der HIV-Impfung eine Rolle, z.B. bei den Versuchen von Zagury, die 1986 bei Kindern in Zaire durchgeführt wurden, und die erst 1990 abgebrochen wurden, nachdem mehrere Franzosen dabei gestorben waren). Zunächst wurden zur Anzucht des jenner'schen Impfstoffs Waisenkinder infiziert. Als jedoch klar wurde, daß auf diese Weise andere Krankheiten mit übertragen werden können, wurden Kälber und Schafe zu Impfstoffgewinnung benutzt, ein Verfahren, daß sich nicht mehr verändert hat. Bereits die von Jenner vorgenommenen Impfungen führten zu Schäden, so erlitt sein Sohn einen schweren Gehirnschaden, andere 'Impflinge' starben. Zudem zeigten Pockenepidemien schon zu Jänner's Lebzeiten, daß die Impfung keinen Schutz vor der Erkrankung bot. Dennoch wurde die Säuglingsimpfung bald in den meisten europäischen Staaten zur Pflicht.

In Folge des deutsch-französischen Krieges kam es 1871/72 in Deutschland zur schwersten Pockenepidemie des Jahrhunderts mit über 1 Million Erkrankungen und mehr als 150.000 Toten. 96% der Pockenopfer waren jedoch geimpft. Nach Beendigung des Krieges und Auflösung der Gefangenenlager fiel die Pockensterblichkeit auf 1.500 Todesfälle im Jahr 1875. Im gleichen Jahr trat ein neues Reichsimpfgesetz in Kraft, das zusätzlich zur Säuglingsimpfung eine zweite Impfung im 12ten Lebensjahr zur Pflicht machte und einhundert Jahre unverändert gültig blieb.

Anfang des 20ten Jahrhunderts erlahmte in den meisten Industriestaaten das Interesse an der Pockenkontrolle. Die Zahl der Erkrankungen und insbesondere die Sterblichkeitsrate sanken. So starben bei der letzten größeren Epidemie 1930 in den USA von fast 50.000 Erkrankten 'nur' 173 Menschen. Dies wird offiziell auf die Verdrängung des Pockenvirus durch ein weniger gefährliches Virus zurückgeführt. Dieses soll von Südafrika kommend selektiv Nordamerika und Europa besiedelt haben, nicht jedoch die angrenzenden Staaten. Nach einer ebenso eigenwilligen Theorie wird das fast vollständige Verschwinden der Pocken in den Industriestaaten auf die Einführung des Kühlschranks zur Konservierung des Impfstoffs erklärt.

Auf Vorschlag der Sowjetunion beschloß die WHO 1958 ein Programm zur 'Ausrottung' der Pocken. Es war als Gegengewicht zum US-dominierten Programm zur 'Ausrottung' der Malaria gedacht, fand jedoch wenig Beachtung, da die Gesundheitsarbeiter und -Budgets bereits mit der massenhaften wie nutzlosen Anwendung von DDT und Chloroquin überlastet waren (die Idee der medizinischen 'Ausrottung' wird auf Jenner zurückgeführt, gelangte aber erst durch die Aktivitäten der Rockefeller Foundation im Zuge der US-Expansion nach Süd-Amerika zu breiter Anwendung; neben Gelbfieber, Polio, Malaria und Pocken sollten Hunger und Armut 'ausgerottet' werden).

Der entscheidende Anstoß für das Pockenprogramm der WHO kam aus den USA von den CDC und deren Epidemic Intelligence Service (EIS), die 1964 einen gefriergetrockneten Impfstoff und eine gerade von der US-Armee entwickelte Impfpistole auf Tonga testeten und einen Propagandafilm drehten: "Das Wunder von Tonga". Auf Tonga hatte es nie Pocken gegeben.

1965 wurde eine Frau aus Ghana in Washington mit Pockenverdacht in ein Krankenhaus gebracht. Die CDC bestätigten die Diagnose, nahmen über eintausend Menschen in Quarantäne und "legten Washington lahm" (closed down). Die Frau hatte zwar keine Pocken, aber noch im gleichen Monat sagte US-Präsident Johnson vor der 18ten Vollversammlung der WHO, daß die USA mit anderen Staaten zusammenarbeiten wollten, um die Pocken bis zum Jahr 1975 verschwinden zu lassen. CDC-Mitarbeiter begannen sofort mit Massenimpfungen in Westafrika, indem sie sich einem Programm zur 'Ausrottung' der Masern von US-AID und den Peace-Korps anschlossen. Insbesondere in Nigeria wurden die CDC aktiv. Zu Beginn des Sezessionskrieges 1967 wurde der EIS-geschulte Missionsarzt Foege medizinischer Berater der Regierung von Biafra. (1977 bis 1983 war Foege CDC-Direktor; Nigeria wurde übrigens der zweitwichtigste Öllieferant der USA). Das CDC-Team behauptete, daß nur 1 bis 5 % der Pocken-'Fälle' gemeldet würden und die WHO-Zahlen von 131.000 'Fällen' weltweit im Jahre 1967 in Wirklichkeit 10 bis 15 Millionen betragen müßten. 1967 beschloß die WHO das verstärkte Programm zur Pocken-'Ausrottung' mit einem CDC/EIS-Mitarbeiter als dessen Leiter. Ziel war die 100prozentige Durchimpfung der Weltbevölkerung, was in Indien unter anderem durch "dawn raids" (Überfälle in der Dämmerung) erreicht werden sollte. Gemeint ist das nächtliche Absetzen von Impfteams, um impfunwillige Menschen im Schlaf und teilweise unter Polizeischutz zu impfen.

Während des Biafra-Krieges entdeckten die Mitarbeiter des Pockenbüros der CDC die wissenschaftliche Verteilung der Nahrungsmittelhilfe mittels "Unterernährungs-Studien" als neues Betätigungsfeld.

1967 gaben CDC-Mitarbeiter die Empfehlung heraus, die Pflichtimpfung in den USA einzustellen, nachdem sie in Westafrika die Nebenwirkungen der Impfung untersucht hatten. Impfkritiker hatten praktisch seit Jänner's Zeiten die Gefahren der Impfung für größer gehalten als diejenigen der Krankheit selbst, sich jedoch nicht durchsetzen können. Die Impfpflicht wurde 1971 in den USA aufgehoben, in der BRD 1975 zunächst für Säuglinge und erst 1983 vollständig. Selbst der damalige Vorsitzende der Impfkommission des Bundes und jetzige Leiter des AIDS-Zentrums räumte 1993 ein: "Die Pockenimpfung hatte ganz erhebliche Nebenwirkungen, und man kann auch heute immer nur beklagen, daß wir eigentlich die Pockenimpfung so spät erst abgeschafft haben".

Während des Biafra-Krieges wurde der Nachschub an Impfstoff unterbrochen, so daß CDC-Mitarbeiter die Idee der "eradication escalation" (Ausrottungs-Eskalation) oder "E2" entwickelten. Pockenausbrüche sollten mit einer "search and destroy" (Suchen und Zerstören) Technik bekämpft werden. Dies wurde von der WHO unter der (während des Vietnamkrieges) weniger kompromittierenden Bezeichnung "surveillance/containment" (Überwachung und Eindämmung) übernommen. Es beinhaltete im wesentlichen die strikte Einhaltung der Quarantäneregeln für Erkrankte und Kontaktpersonen. Die WHO hatte diese Modifizierung der Kampagne beschlossen, nachdem anerkannt wurde, daß auf Massenimpfkampagnen oftmals schwere Pockenepidemien folgten, so 1963 die schwerste Epidemie in Neudelhi, nachdem 120% (!) der Bevölkerung geimpft worden sein sollen und auch 1967 mit fast 100.000 Erkrankungen in ganz Indien. Impfkritiker hatten schon lange vorher darauf hingewiesen, daß die Impfung nicht nur keinen Schutz bietet, sondern den Krankheitsverlauf sogar verschlimmert und damit die Infektiosität erhöht, wenn in der Inkubationszeit der Pocken zusätzlich die Infektion mit dem Impfvirus erfolgt, von den 'Nebenwirkungen' ganz abgesehen. Minuziös ist dies von Buchwald (s.o.) für die 'Pockenausbrüche' in der BRD nachgewiesen worden.

Die modifizierte Kampagne führte zum Erfolg. 1977 soll die letzte Pockenerkrankung bei einem kurz zuvor geimpften Koch an einem Krankenhaus in Mogadischu registriert worden sein. Der Leiter des Programms behauptete, damit sei der "lang gesuchte Heilige Gral" errungen, und der damalige CDC-Direktor Sencer sagte über 'junge Epidemiologen': "Sie haben gesehen, was öffentliche Gesundheitsvorsorge (public health) bewirken kann und wurden Gläubige". Kurz darauf mußte Sencer, der immerhin den Skandal der Tuskeegee-Studie überstanden hatte, nach dem Fiasko der Schweinegrippen-Impfung zurücktreten.

1979 wurde in einer Zeremonie der WHO die Welt für pockenfrei erklärt. Seitdem wurden natürlich keine Pocken mehr diagnostiziert. Statt dessen gibt es 'neue' Erkrankungen, wie z.B. Affenpocken und Weiße Pocken, die 1970 erstmals diagnostiziert wurden und laut WHO und CDC klinisch nicht von Pocken zu unterscheiden sind. Diese Unterscheidung kann nur im WHO-Referenzlabor vorgenommen werden, das zu Beginn der Kampagne als Hochsicherheitslabor bei den CDC in Atlanta eingerichtet worden war und die diagnostischen Methoden erarbeitet hatte. Wie auch immer, die 'Pockenausrottung' kann auf keinen Fall auf den Erfolg von Massenimpfkampagnen zurückgeführt werden, obwohl gerade das Beispiel Pocken immer zur Begründung von Impfungen angeführt wird.

Der damalige WHO-Generalsekretär Mahler erläuterte, daß der Nutzen der ganzen Aktion sehr ungleichmäßig verteilt war. Auf der Haben-Seite standen die Metropolen: "Ironischerweise sind es die reichen Länder, die nach einer gemäßigten Schätzung einen Profit von etwa einer Milliarde Dollar pro Jahr machen - Einsparungen bei der Impfstoffproduktion, bei der Behandlung von Komplikationen, bei den Überwachungsmechanismen, beim riesigen Zeitaufwand, den es kostet, die Impfung zur Pflicht zu machen." Auf der Soll-Seite stand der Trikont: "Sie machten es wirklich den reichen Länder zuliebe. Nehmen Sie Afrika. Ihre Form der Pocken war nicht sehr ernst. Sie konnten damit leben. Wenn Sie eine Million Kinder haben, die an Malaria sterben, ist es nicht das Wichtigste, die Pocken auszurotten. Aber wegen seiner Verpflichtung zu globaler Solidarität mußte Afrika die Pocken ausrotten" [108].

Somit wurde die gefeierte 'Pockenausrottung' auf dem Rücken (unter anderen) der Afrikaner ausgetragen. Sie stellt, wie andere Massenimpfungen auch, eine Perfektionierung der Kolonialtraditionen dar. Mit solchen Programmen kann die Unterwerfung möglichst vieler Menschen, buchstäblich von der Geburt an, unter die Paradigmen der herrschenden infektionistischen Medizin bei geringstem Mittelaufwand betrieben werden. So läßt sich ein Interesse der Herrschenden am Gesundheitszustand der Menschen vortäuschen, ohne auch nur das geringste an den krankmachenden Ungleichheiten zu ändern. Letztlich dienen Impfungen dem Schutz der Privilegierten, die ohnehin das geringste Erkrankungsrisiko tragen, vor den Unannehmlichkeiten (psychisch wie physisch), die ihnen durch die Krankheiten der Armen entstehen könnten. So gab allein die Regierung der USA jährlich 20 Millionen Dollar aus, um die Pocken außerhalb der Staatsgrenzen zu halten, obwohl es seit 1949 keinen einzigen 'Fall' in den USA gegeben hatte. (Die gesamte 'Ausrottung' wurde von den USA mit 32 Millionen Dollar unterstützt.)

Insbesondere die 'Ausrottung' der Pocken wird oft als Musterbeispiel eines 'vertikalen' Programmes genannt, bei dem durch "Richtung, Ziele und Führung ... wunderbare Veränderungen der Gesundheit der Menschen der ganzen Welt" erreicht worden seien. Dieses 'vertikale' Konzept wurde gegen das 'horizontale' der "Gesundheit für alle im Jahr 2000" angeführt und letztlich durchgesetzt. Der ehemalige Leiter des Pockenprogramms schrieb 1980: "Basisgesund-heitsversorgung ist ein Begriff, der Alles für alle Leute meint, und nutzlos als Einsatzkonzept ... Die horizontalen Programme, die ich kenne, beschreiben bestenfalls die Schlafstellung der Arbeiter" [109].

Aus den genannten Gründen wurden Impfungen ein Hauptpfeiler der 'selektiven primären Gesundheitspflege', die die WHO nach der 'Niederschlagung' ihrer 'Revolution' betreibt. Impfstoffe sind auch auf den Listen der 'essentiellen Arzneimittel' enthalten.

Der ehemalige Chef der Pockenausrotter unterstützt derzeit die HIV-Impfungspläne der WHO und fordert als Dekan der Johns-Hopkins-Universität 150 Millionen Dollar jährlich zur Einrichtung eines "Viren-Frühwarnsystems mit 15 Medizinzentren in den Tropen und zehn virologischen Labors in den USA" [110].

Impfmüdigkeit

Der Impfkritik wird von offizieller Seite aus nicht dadurch begegnet, daß ihre Argumente diskutiert werden. Statt dessen werden Appelle an die Bevölkerung gerichtet, die sich gegen deren 'Impfmüdigkeit' richten. Neben der Beschwörung von Bedrohungsszenarien wird oft auch mit Zwangsmaßnahmen gedroht. So denkt der berliner Gesundheitssenator öffentlich über "sanften Zwang" nach und "die Aufnahme in Kitas und Schulen von einem ausreichenden Schutz gegen Diphtherie, Polio, Keuchhusten, Röteln, Mumps und Tetanus abhängig" zu machen [111], wohlgemerkt bei Schulpflicht in der BRD.

Für den Fall, daß sich die 'Impfmüdigkeit' dennoch weiter ausbreitet, gibt es theoretisch Möglichkeiten, sie zu unterlaufen, indem Menschen geimpft werden, die davon nichts wissen. An solchen Techniken arbeiten schon lange die Militärs, die nicht nur biologische und chemische Waffen als Aerosole anwenden wollen, sondern auch Impfstoffe [112]. Es gibt aber auch zivile Forschungsansätze, die in eine solche Richtung gehen. Eine betrifft die Entwicklung von transgenen Pflanzen, die als "eßbare Impfstoffe" die zu verabreichenden Antigene produzieren sollen. Die daran arbeitenden Wissenschaftler haben die Banane ausgesucht, weil diese "die erste feste Nahrung ist, die Kinder in vielen Teilen der sich entwickelnden Welt zu sich nehmen." Sie glauben, "daß dies ein ökonomischer Weg ist, der Dritten Welt high-tech Impfungs-Technologie zur Verfügung zu stellen" [113]. Dies ist sicher auch ein Weg, Massenimpfungen jeglicher individueller oder institutionalisierter Kontrolle zu entziehen. Das Problem ist weniger, daß morgen beim Frühstück geimpft wird, sondern vielmehr, daß überhaupt Menschen an solchen Möglichkeiten arbeiten. Die weltweiten Implikationen der geschilderten Abstufungen von Zwang bei eventuellen Meldungen über angeblich erfolgreiche HIV-Impfungen sind nur unschwer auszumalen.

HIV-Impfungen

Wesentlich weiter ist die ebenfalls gentechnische Entwicklung der HIV-Impfstoffe fortgeschritten. Bei allen HIV-Impfungen sind 'Nebenwirkungen' zu erwarten. Innerhalb der AIDS-Forschung wird insbesondere über die Auslösung von Autoimmunerkrankungen diskutiert, d.h. der Impfstoff könnte genau die Krankheitsbilder hervorrufen, die bisher dem Virus zur Last gelegt werden. Impfung und 'Infektion' wären nicht zu unterscheiden. Darüber hinaus sind sämtliche Ansätze zur Impfstoffentwicklung sogar innerhalb der Forschung mehr als umstritten.

Dennoch werden bereits Menschenversuche in großem Ausmaß durchgeführt und vorbereitet, u.a. an schwangeren Frauen und Kleinkindern, bei Armeeangehörigen und anderen 'Freiwilligen', und mit WHO-Hilfe besonders im Trikont. HIV-positive schwangere Frauen waren in den USA 'Zielgruppe' von Impfversuchen. Sie bieten der Forschung folgende Vorteile: Die Kinder können keine Einverständniserklärung abgeben, die Frauen geben sie aus Sorge um ihre Kinder, auf Kondomempfehlungen kann verzichtet werden, Ergebnisse sind innerhalb kürzester Zeit ohne Berücksichtigung von Langzeitfolgen oder Erkrankungen zu erzielen. Die Forscher hingegen begründeten die Versuche wie folgt: "Es wäre unethisch, die geplanten Studien nicht durchzuführen, weil sie einen der wenigen Hoffnungsschimmer für infizierte Mütter und Kinder darstellen" [114], wohlgemerkt bei einer angeblichen Übertragungsrate von 10 - 20% (Europa) und 20 - 40% (USA).

Die Herstellerfirmen der Impfstoffe hingegen weigerten sich, an den Versuchen teilzunehmen, sicherlich nicht grundlos. Daraufhin wurden die Gesetze zur Haftung bei Impfschäden geändert, um die Hersteller zu 'entlasten'. So werden Profite privatisiert, Risiken individualisiert und Kosten sozialisiert, soweit überhaupt Ansprüche geltend gemacht werden können. Im Trikont, wo die Impfstoffe letztendlich eingesetzt werden sollen, ist mit Folgekosten sowieso nicht zu rechnen.

Im Juni 1994 wurden sämtliche Wirksamkeitsstudien zur HIV-Impfung in den USA gestoppt. Begründet wurde dies offiziell hauptsächlich mit den hohen Kosten, insbesondere Versicherungsgebühren (30 - 40 Millionen Dollar). Deshalb und weil die Herstellerfirmen ihren Unmut zu Protokoll gaben, gilt diese Entscheidung ausdrücklich nur für die USA. Im Oktober 1994 gab ein Ausschuß der WHO, bestehend aus "37 Teilnehmern aus 10 Staaten - Experten für öffentliche Gesundheit, Wissenschaftlern, und Repräsentanten der Gemeinden (community) und der pharmazeutischen Industrie" grünes Licht für Impfstoffwirksamkeitsstudien. Der Verantwortliche des Global Programme on AIDS der WHO meinte zur Rechtfertigung des Beschlusses: "... selbst wenn die "Effizienz der Impfstoffe niedrig ist, erwarten wir viel dabei zu lernen" [115]. Falls sich ein Staat entschließen sollte, solche Studien durchzuführen, könne mit voller Unterstützung der WHO gerechnet werden [116-117]. Die Risiken werden also mit Hilfe 'anerkannter' internationaler Organisationen auf jene Menschen abgewälzt, die sich am wenigsten wehren können und über keinerlei Lobby verfügen, eine durchaus übliche Vorgehensweise (s. Kapitel Verhütungsmittel). So können Menschen, die am Rande oder außerhalb der kapitalistischen 'Ordnung' stehen, doch noch ohne Entlohnung in die Verwertung eingebunden werden, die Verwertung ihres 'nackten' Lebens durch die Pharmakonzerne.

Die AIDS-Forschung rechtfertigt Menschenversuche im Trikont mit den hohen Infektionszahlen, die von derselben AIDS-Forschung geliefert werden. Auf dem Welt-AIDS-Kongreß in Berlin wurden von den CDC Berechnungen vorgelegt, daß ein nur zu 50% wirksamer Impfstoff bei Impfung von 75% der Bevölkerung eines Modell-Landes im Trikont die erwartete HIV-Prävalenz bereits auf weniger als die Hälfte der Rate ohne Impfstoff (14%) senken würde. In einem Modell-Industriestaat würde sich nur eine Senkung um ein Zehntel der erwarteten Prävalenz (0,5%) ergeben [118]. Diese statistischen Verschiebereien menschlichen Lebens und die von Weltbank und WHO angeführten 'Sachzwänge' machen die kommende Anwendung fast jeden Impfstoffes im Trikont zu einem zwingenden Gebot der 'Ethik'.

Dieser Ethik folgend sollen möglicherweise "in den kommenden Wochen" HIV-Impfstoffversuche beginnen, mit Unterstützung von WHO und thailändischer Regierung. Die Versuchspersonen: "Drogensüchtige in Bangkok" [119].

Folgen

Die neokolonialen Impfstrategien für den Trikont - ob nun mit Gen-Technik oder mit 'traditionellen' Methoden - sind eher eine Gefahr als eine Wohltat für die Menschen. Sie haben sicher sowohl akute als auch langfristige Schäden hervorgerufen. Ein Journalist aus Uganda führte die AIDS-Diagnosen in Afrika auch auf Impfungen zurück, vor allem auf deren Langzeitwirkungen: "In Afrika gibt es zu viele Impfungen; wie sie durchgeführt werden, kannst du dir nicht vorstellen, 12 Injektionen! Zu viele Antibiotika ... Wer starb in dieser Gemeinschaft? Du wirst herausfinden, daß alte Leute, die den Impfungen nicht so sehr ausgesetzt waren, am Leben und wohlauf sind ... aber Leute zwischen 20 und 35, die den Antibiotika und Medikamenten [drugs] ausgesetzt waren, haben das Problem. Die Leute, die in den 70ern die Impfungen erhielten, sind diejenigen, die mit HIV herauskommen" [120].

Hier geht es nicht um die Theorie, daß HIV durch die Pocken- oder Polio-Impfungen übertragen und dadurch AIDS ausgelöst worden sei, wie immer wieder behauptet wird. Es geht dem Ugander nicht um eine Verunreinigung des Impfstoffes, sondern um die Impfungen selbst. Was er damit meinte, kann ein Beispiel aus einem anderen Kontinent erläutern:

In den frühen siebziger Jahren hatte sich in Australien die Todesrate bei den kleinen Kindern der Aborigines stark erhöht, in einigen Gebieten betrug die Sterblichkeit 500 von 1000 Kindern. Ärzte, die das untersuchen sollten, kamen zu dem Ergebnis, daß es an den Impfkampagnen lag, die um 1970 begannen. Sie berücksichtigten bei ihrer Untersuchung 'nur' die akuten, nicht jedoch die oben angedeuteten Langzeitfolgen von Impfungen. Sie beschrieben die Umstände, unter denen die Impfungen stattfanden und die Folgen für die Kinder so: "Ein Gesundheits-Team würde in ein Gebiet stürmen, die Aborigines-Babies und -Kleinkinder in einer Reihe aufstellen und sie impfen. Es würde keine Untersuchung geben, keine Aufnahme der Krankengeschichte, keine Kontrolle von Ernährungsmängeln. Die meisten Kleinkinder würden Erkältungen haben. Kein Wunder, daß sie starben. Einige würden innerhalb von Stunden an akutem Vitamin C-Mangel sterben, verstärkt durch die Impfung. Andere würden später an 'Lungenentzündung', 'Magen-Darm-Katarrh' oder 'Unterernährung' sterben. Wenn einige Babies und Kleinkinder überlebten, würden sie in einem Monat für eine weitere Impfung wieder in einer Reihe aufgestellt werden. Wenn es einige schafften, sogar dies zu überleben, würden sie wieder in einer Reihe aufgestellt werden. Dann würde es Wiederholungsspritzen, Spritzen für Masern, Polio und sogar TB geben. Es ist kaum ein Wunder, daß sie starben. Das Wunder ist, daß sie überlebten." [121]

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7. Verhütungsmittel

Eine besondere Art der medizinischen Eingriffe stellen die diversen Methoden dar, die Schwangerschaften verhüten sollen. Innerhalb dieser Sparte nehmen die unter ihnen, die vor allem im Trikont eingesetzt werden, wiederum eine Sonderstellung ein. Die gesundheitlichen Folgen, die dabei von den Frauen getragen werden, sind teilweise sehr schwerwiegend und werden von denjenigen, die ihre Anwendung propagieren, für ihren 'Kampf gegen die Bevölkerungsexplosion' in Kauf genommen. Daß einige dieser Folgen bei Bedarf mit der Bangui-Definition als AIDS bezeichnet werden könnten, zeigen die folgenden Beispiele. Es geht hier um drei Schwangerschafts-Verhütungsmittel, deren breiter Einsatz in afrikanischen Ländern bereits seit einigen Jahren stattfindet oder kurz bevorsteht: Depo-Provera, Norplant und die 'Anti-Schwangerschafts-Impfung' [122-124].

Depo Provera

Die 'Dreimonatsspritze' Depo Provera enthält Progesteron, das den Frauen jedes Vierteljahr intramuskulär injiziert wird. Das verwendete synthetische Hormon ist seit den fünfziger Jahren auf dem Markt, zunächst wurde es bei Brustkrebs und 'frühzeitiger Pubertät' verwendet, erst in den siebziger Jahren wurde seine schwangerschaftsverhütende 'Neben'-Wirkung zur Wirkung umdeklariert. Die US-amerikanische Herstellerfirma Upjohn versuchte, in den USA auch für diese Anwendung eine Zulassung zu erhalten, doch gelang ihr dies trotz immenser Lobbyarbeit nicht. Dem Export von Depo-Provera zur Schwangerschaftsverhütung durch die staatliche 'Entwicklungshilfe' wurden so legale Hindernisse in den Weg gelegt, da dafür die einheimische Zulassung Voraussetzung ist. Doch wurde das Mittel von der dem US-Außenministerium unterstellten Agency for International Development unter Umgehung der Vorschriften bei ausländischen Upjohn-Filialen aufgekauft und bei den Frauen im Trikont angewandt. Auch UNO-Unterorganisationen beteiligen sich an der Weiterverbreitung von Depo-Provera, die WHO setzte es 1985 sogar auf die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel.

Das Mittel ist wegen seiner Unkontrollierbarkeit für die Frauen und seiner einfachen Anwendbarkeit als bevölkerungspolitisches Instrument geeignet und wird auch so eingesetzt. Im Namibia der Vor-SWAPO-Zeit beispielsweise wurde in einem Krankenhaus im schwarzen Ghetto Depo-Provera allen Frauen nach der Entbindung - teilweise in dreifacher Dosis - injiziert, schwarze Arbeiterinnen erhielten die Spritze in Fabriken und auf Farmen durch mobile Einsatzkommandos des Gesundheitsministeriums, in einer Schule wurden Mädchen nur mit Depo-Provera zum Examen zugelassen. So benutzten nach Schätzungen von Namibian Women's Voice 60% der schwarzen Frauen Verhütungsmittel, wobei die Drei- bzw. Zwei-Monatsspritze einen Anteil von 99% hatte. Die Ausgabe von Verhütungsmitteln war in Namibia kostenlos, nicht jedoch die allgemeine Gesundheitsversorgung. Auch in anderen Trikont-Staaten wird es bei den nicht-privilegierten Frauen eingesetzt, manchmal trotz einer Oppositionsbewegung wie in Kenia. Selbst in den USA wurde es im Rahmen von Studien entsprechend benutzt: so wurde es 4700 Afroamerikanerinnen an einer Universitätsklinik in Atlanta einige Jahre lang injiziert, und zwar mit mangelhafter Betreuung während und ohne weitere Untersuchungen nach der Studie [125]. (Der Leiter des Familienplanungs-Programmes dieser Klinik wurde übrigens von CDC/EIS ausgebildet). Auch der bundesdeutsche Schering-Konzern stellt mit Net-en eine 'Zweimonats-Spritze' her. Die Vermarktung über das staatliche Familienplanungsprogramm konnte in Indien von Frauengruppen verhindert werden.

Norplant

Ein weiteres bevölkerungspolitisches Instrument ist Norplant, dessen Wirkstoff Gestagen in Stäbchenform unter die Haut implantiert wird und von dort aus drei Jahre lang seine schwangeschaftsverhütende Wirkung entfalten soll, das neuere Norplant 2 soll fünf Jahre wirksam bleiben. Es wurde in den sechziger Jahren vom US-amerikanischen Population Council entwickelt und wurde nach einigen Menschenversuchen in den siebziger Jahren 1983 in Finnland zugelassen, wo es auch produziert wird. Seit den achtziger Jahren wird es durch UNO-Unterorganisationen verbreitet und sowohl versuchsweise als auch offiziell von einigen Trikont-Regierungen eingesetzt. Das eigentliche Herkunftsland von Norplant, die USA, folgten mit der Zulassung erst 1990.

Die bevölkerungspolitische Ausrichtung von Norplant wurde in Bangladesch offiziell so beschrieben: "Diese langwirkende Methode verspricht den Vorteil, daß sie nicht Tag für Tag angewandt werden muß, damit dürfte sie besonders für unsere semi-literate Bevölkerung passend sein." In den afrikanischen Ländern, in denen die Zulassung erfolgt ist (Kenia, Rwanda, Mali), dürfte es mit ähnlicher Zielrichtung angewandt werden. Auch aus den USA mehren sich Berichte über den Einsatz von Norplant als Instrument der Sozialpolitik, das per Gesetz gegen arme und/oder schwarze Frauen angewandt wird.

Anti-Schwangerschafts-Impfung

Die neueste bevölkerungspolitische Entwicklung ist die 'Anti-Schwangerschafts-Impfung', bei der Teile des Hormons HCG injiziert werden, um eine Antikörperbildung dagegen zu induzieren. Das körpereigene HCG wird in der Frühphase der Schwangerschaft gebildet und spielt eine Rolle bei ihrer Aufrechterhaltung, Anti-HCG-Antikörper würden also das HCG aus dem Organismus entfernen, sobald es gebildet wird und so die Schwangerschaft abbrechen. Diese Wirkung soll ein bis zwei Jahre nach der Injektion anhalten. Die Entwicklung eines solchen 'Anti-Schwangerschafts-Impfstoffs' wurde parallel von verschiedenen Gruppen betrieben, vor allem von der WHO, dem Population Council und dem National Institute of Immunology in Indien. Die Arbeiten unterscheiden sich im Teil des HCG, das benutzt wird und den Substanzen, an die es zur Erhöhung der Antikörperbildung gekoppelt wird (Tetanus-, Diphtherie-, Cholera-Toxoide). Die verschiedenen Ansätze stehen trotz erheblicher Opposition dagegen kurz vor ihrem Einsatz.

Die von ihren Machern so geschätzten Vorteile von Depo-Provera und Norplant wurden in der 'Anti-Schwangerschafts-Impfung' verbunden: vom ersten kam die einfache Anwendbarkeit einer Spritze, vom zweiten eine relativ lange Wirkdauer.

Symptome

Depo-Provera verursacht bei 70% der Frauen Blutungsanomalien. Handelt es sich dabei um zu starke und zu lange Blutungen, besteht die Gefahr der Blutarmut, die dann besonders bei mangelhaft ernährten Frauen eintritt und bei ihnen zu einer weiteren Schwächung des Körpers führt. Dazu gehört auch eine Schwächung des Immunsystems, die die Infektanfälligkeit erhöht. Als weitere Gefahren werden genannt: u.a. Schädigung von Leber und Nieren, Gebärmutterkrebs, bei Langzeitanwendung Gefahr der Unfruchtbarkeit.

Als Wirkungen von Norplant für die Frauen sind u.a. Kopfschmerzen, Depressionen, Hautausschlag, chronische Schmerzen im Unterleib mit Vergrößerung von Eierstöcken und Eileitern und Blutungsanomalien zu nennen. Diese Anomalien sind besonders häufig und können, wie für Depo-Provera angeführt, zu Anämie und den daraus resultierenden Gesundheitsproblemen führen. Sowohl das Einsetzen als auch die Herausnahme der Stäbchen bedeutet eine Operation, die ihre eigenen Risiken beinhaltet, besonders im Trikont.

Die Auswirkungen der 'Anti-Schwangerschafts-Impfung' auf die Frauen sind so gut wie unbekannt. Bei indischen Versuchen hatten 28% der Frauen Hautrötungen, Schmerzen an der Einstichstelle, Fieber, Ödeme, vorübergehende Gelenkschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Muskelschmerzen, doch dürften diese Aufzählung kaum vollständig sein. Impfungen stellen an sich einen Eingriff dar, der eine unkontrollierbare Kaskade im Organismus auslöst. Dabei müssen sich die Reaktionen keineswegs auf die schematischen Lehrbuchdarstellungen zur Antikörperbildung beschränken, sondern können als 'Neben'-Wirkug insgesamt die Immunitätsvorgänge betreffen. Über einen Versuch mit der 'Anti-Schwangerschafts-Impfung' wurde berichtet, daß es dadurch bei einem Viertel der Frauen zum Zusammenbruch des Immunsystems gekommen ist [126]. Dabei dürfte es sich 'nur' um akute Folgen gehandelt haben, während niemand die Langzeit-Konsequenzen kennt.

Gemeinsam haben alle drei Methoden ihre Unkontrollierbarkeit durch die 'Benutzerinnen' und die unklaren Gesundheitsrisiken, die den Frauen aufgezwungen werden. Daß eine öffentliche Diskussion über diese Risiken unerwünscht ist, liegt angesichts der Interessenlage auf der Hand. Für ihre 'Entsorgung' gegenüber der Öffentlichkeit gibt es sicherlich viele Möglichkeiten. Eine partielle Option unter vielen könnte AIDS sein.

Institutionen

Angesichts dieser Gesundheitsrisiken ist es nicht verwunderlich, daß die Pharmaindustrie insbesondere in den USA aufgrund der Haftungsgesetze die Entwicklung dieser 'neuen' Verhütungsmittel scheut. Diese Rolle haben 'private' und staatliche Institutionen übernommen und nicht zuletzt ein Sonderprogramm der WHO, das HRP (Human Reproduction Programme). Diese kümmern sich nun um Entwicklung und Vermarktung der Produkte, während die Profite der Pharmaindustrie zufließen. Zusätzlich zur Entwicklung und Testung der Mittel gibt die WHO auch noch Richtlinien für eben diese Entwicklung und Testung heraus. Diese sahen 1987 eine Beschleunigung der Vorversuche (z.B. Verzicht auf Tierversuche) und eine Sicherheitsabschätzung erst nach der Zulassung der Mittel vor. Dadurch sollte versucht werden, "die Industrie in die Verhütungsgemeinschaft wieder einzubinden".

Das Ziel, die Mittel auf schnellstem Wege an die Frauen zu bringen und sich erst dann, wenn dies im Trikont überhaupt realistisch ist, um deren Gesundheit zu kümmern, zeigt auch das Beispiel Indiens. Einerseits werden detaillierte Pläne erarbeitet, die für alle Gesundheits-Arbeiter die Soll-Anzahl der Frauen festlegt, die mit 'Familienplanungs'-Programmen überzogen werden müssen, andererseits gibt es solche Pläne für die Gesundheitsversorgung nicht. So werden zwar Verhütungsmittel über die 'Primären Gesundheits-Zentren' verteilt, oft ist dort bei Durchfallerkrankungen aber nicht einmal die orale Rehydrierungstherapie (Wasser, Salz, Zucker) verfügbar. In den Jahren 1985 bis 1990 erhielten die 'Familienplanungs'-Programme mehr 'Entwicklungshilfe' als der Gesundheitsbereich. Im indischen Staatshaushalt wurden beide Bereiche mit ein bis zwei Prozent der Gesamtausgaben etwa gleich gewichtet, wobei der Gesundheitsetat zu 80% den privilegierten Städtern zugute kommt, die 'Familienplanung' jedoch auf die verarmten Frauen zielt.

"Offenbar benutzt die WHO ihr internationales wissenschaftliches Ansehen heute, um Praktiken zu legitimieren, die nach jeglichem Standard unethisch sind. Allerdings dienen diese Praktiken den Interessen der USA und der westeuropäischen Ländern, also jenen Ländern, die in der WHO das Sagen haben. Was hier sichtbar wird, ist die Verknüpfung zwischen Wissen und Macht und wie diese Allianz benutzt wird, um das Leben von Frauen zu beeinträchtigen - und das alles im Namen von Wissenschaft und Humanität" [127].

Ob sich durch die 'Wiederentdeckung' der Barrieremethoden durch die 'Familienplanungs'-Organisationen und deren Propagierung im Rahmen des Global Programme on AIDS der WHO an der Situation der Frauen im Trikont etwas ändern wird, ist mehr als fraglich. Neuere Entwicklungen, wie Anti-HIV-Impfungen oder von Frauen anzuwendende Mikrobizide, scheinen eher ein weiterer bevölkerungspolitisch motivierter Anschlag der gleichen Institutionen auf das Leben von Frauen zu sein.

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8. Babynahrung

Ein weiteres Beispiel der direkt die Gesundheit von Menschen betreffenden Skrupellosigkeit bei der Reaktion auf veränderte Absatzmärkte und Profitchancen ist die Babynahrungsindustrie. Als sich in den sechziger Jahren in den Industriestaaten die 'Baby-Krise' abzeichnete, verstärkten die Hersteller von Kleinkindernahrung ihre Expansionsbestrebungen im Trikont. Abbott, American Home Products, Bristol Myers und besonders der Nestlé-Konzern, der etwa die Hälfte des internationalen Milliardengeschäftes mit Babynahrung kontrolliert, erreichten durch aggressive Werbung, daß viele Mütter im Trikont die teure Ersatznahrung dem Stillen vorzogen.

Markt

1968 war in einem Börsenblatt die Empfehlung zu lesen: "Die breite geographische Beteiligung und Produktstreuung, ihre Beteiligung an der Bevölkerungsexplosion in den rückständigen Ländern, wo sie billige Babynahrung erzeugt, und die Tatsache, daß sie ihr Geld in soliden Schweizer Franken behält, machen die Nestlé-Aktien zu einer guten Rückversicherung gegen Depression, Inflation oder Revolution". Es sind also auch im Trikont mit Babynahrung solide Profite zu machen. Auf der anderen Seite wurden 1973 die Devisenverluste durch Muttermilchersatz in Kenia auf 11,5 Millionen US-Dollar geschätzt, entsprechend etwa 60% des nationalen Gesundheitsbudgets [128].

1974 begann in Großbritannien eine Kampagne gegen Babynahrung, die 1977 zu einem internationalen Boykott gegen Nestlé führte und ein Verbot der Geschäfte mit Babynahrung im Trikont zum Ziel hatte. 1981 beschlossen WHO und UNICEF gegen die Stimme der USA einen Vermarktungs-Kodex, allerdings auf Betreiben der Industriestaaten nur als Empfehlung. Erst 1984 verpflichtete sich Nestlé unter dem Eindruck des Boykotts diesen Kodex einzuhalten, was der Konzern bis heute aber nicht tut. Mit nach wie vor irreführender Werbung (wohlgenährte Babys auf Plakaten, Gratisproben an Krankenhäuser, 'Milchkrankenschwestern' usw.) erzielt Nestlé etwa ein Viertel des Konzernumsatzes von ca. 6 Mrd. DM im Trikont. Ein erneuter Boykott-Aufruf von 1988 besteht immer noch (Nesquick).

Für die ausreichende Versorgung eines Kindes mit Babynahrung müßten auf den Philippinen 40% des gesetzlichen Mindestlohnes ausgegeben werden, in Sierra Leone 90% (ohne Ausgaben für Flasche Schnuller, Heizmaterial usw.), ganz abgesehen von den physiologischen Vorteilen des Stillens für das Kind. Dabei wird der Anteil der Mütter, die nicht ausreichend stillen können, auf maximal 1 bis 5% geschätzt, was meist von Ammen ausgeglichen werden kann. Selbst mangelernährte Frauen können ausreichend stillen, was allerdings zu einer weiteren Belastung der Mutter führt.

Folgen

Die Folgen der Ersatznahrung für Kinder im Trikont reichen von Gehirnschäden, Durchfällen, Austrocknung, Mangelernährung und Marasmus bis zu vermehrten Infektionen aufgrund der gezwungenermaßen unhygienischen Zubereitung der Nahrung und des geschwächten Immunsystems der Kinder. Insbesondere im ersten Lebensjahr führen solche Gesundheitsbeeinträchtigungen zu irreversiblen Schäden. UNICEF schätzt, daß jährlich eine Million Kinder an den Folgen der Fütterung mit Babynahrung sterben [129-130].

Die 'Marktintegration' auch der ärmsten Menschen und besonders ihrer Kinder, für die die Eltern meistens 'das Beste' wollen, durch Verdrängung 'traditioneller' Bereiche auf Kosten der Gesundheit, beschränkt sich nicht auf Babynahrung oder die oben erwähnten 'Medikamente' wie Stärkungsmittel oder Anabolika: "In Sambia wurden Babys unterernährt, weil ihre Mütter ihnen Coke und Fanta fütterten, da sie glaubten, es sei das Beste, was sie den Kindern geben könnten. Im Gebiet des Landes, das einen großen Teil des Kupfers der Welt liefert, berichtet Dr. Stevens, der einzige Kinderarzt, daß bei 54 Prozent der ernstlich unterernährten Kinder, die in das Kinderkrankenhaus Ndola aufgenommen wurden, am Fuß ihrer Betten 'Fanta-Baby' auf dem Krankenblatt stand" [131]. Es stellt sich die Frage, zu welchen Diagnosen die Kinderärzte heute mit Hilfe der Bangui-Definition kommen, bei geschätzten HIV-Infektionsraten von 30 bis 50% (je nach Quelle) für Sambias Kupfergürtel und Plakaten mit Botschaften wie 'AIDS ist überall'.

Strukturen

Angesichts der Dimensionen menschlichen Leids ist die Diskrepanz zwischen der Berichterstattung bundesdeutscher Medien über die Vermarktungspraktiken der Konzerne und z.B. über die 'AIDS-Kinder' und 'AIDS-Waisen' im Trikont schon auffallend. Erstere könnten imagebewußte Konzerne zum Einlenken bewegen oder dem Nestlé-Boykott neuen Schwung verleihen, während letztere doch nur zu einer absolut konsequenzfreien Betroffenheitsduselei führen.

Dieses Öffentlichkeitsverhalten rührt nicht nur von der Stellung des Konzerns als Werbekunde her oder von der fast unvermeidlichen Präsenz in den Einkaufstaschen der Metropolen (Nescafé, Caro, Dallmayr, Maggi, Bärenmarke, Libby's, Glücksklee, Thomy, Sarotti, Yes, Smarties, Alete, Herta, Lünebest, Friskies, Matzinger, Fürst-Bismarck-Quelle, Neuselters u.v.m.). Bezeichnend ist eben auch, daß in dem, was heutzutage 'Politik' genannt wird, ständig der Bock zum Gärtner gemacht wird: "Neben Alfred Herrhausen...ist (Nestlé-Chef) Helmut Maucher aus dem Kreis der führenden deutschen Manager sicherlich der engste Berater des Bundeskanzlers. Kohl jettete Ende 1983 sogar für einen Tag nach Vevey, um sich von dem Multi-Chef vor allem über die wirtschaftliche Lage der hochverschuldeten Länder berichten zu lassen" [132].

Die Gerüchte über die nachgeburtliche HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind durch das Stillen müssen als weiterer Anschlag auf das Stillen und erst recht auf das Ammensystem verstanden werden. Auch wenn die WHO, um nicht ein Standbein der 'selektiven Gesundheitsversorgung' zu verlieren, für den Trikont immer noch zum Stillen rät, dürften die Nachrichten über die angeblichen hohen Mutter-Kind Übertragungsraten in Afrika (50% im Gegensatz zu 15% hier) auch dort zu einer entsprechenden Verunsicherung der Mütter führen.

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9. Kommentar

Zunächst eine Richtigstellung: Afrika ist kein einheitlicher Kontinent, auf dem kleinwüchsige hungrige Menschen an einer unüberschaubaren Fülle von Krankheiten leiden und mit Pestiziden, Medikamenten und anderem Zivilisationsmüll vergiftet werden. Die Afrikaner denken sicherlich nicht daran auszusterben, auch wenn dies den latenten Ausrottungsphantasien in den Metropolen sehr entgegenkommen würde.

Damit ist bereits ein Problem angesprochen. Die oben wiedergegebenen Todesstatistiken und Krankheitsschätzungen sind nur ein kleiner Teil der Berichterstattung, die mit 'ethnischen' Konflikten und Massakern, blutigen 'afrikanischen' Diktaturen, Hungersnöten, Flüchtlingselend und ökologischen Verwüstungen das Bild vom 'Katastrophenkontinent' zeichnet. Allein diese Desinformation macht jede Analyse der Ursachen des tatsächlichen Leids fast unmöglich. Sie läßt alte Einsichten, die oben nur teilweise und verkürzt wiedergegeben wurden, die aber integraler Bestandteil progressiver Diskussionen und auch Kämpfe waren, völlig aus dem öffentlichen Diskurs verschwinden. So wird es möglich, Strategien aus der Urzeit des Imperialismus wie der Einmarsch der USA (und der BRD) in Somalia oder der Frankreichs (und der EU) in Ruanda als 'humanitäre' Aktionen zu verkleistern. Die ursächlichen Verstrickungen der Metropolenpolitik in die gerade aktuellen Konflikte werden ebenso aus dem Bewußtsein verdrängt wie die Gründe all des 'stillen' menschlichen Leids ohne medialen 'Gesprächswert'.

'AIDS in Afrika' ist nicht einfach nur eine weitere Katastrophe in der angedeuteten Vielzahl. Es wird zunehmend zur integrativen Überkatastrophe stilisiert. Die Weltbank ist bemüht, die angeblichen Folgen von AIDS auf die zusammenbrechenden Ökonomien und sozialen Dienste zu betonen, die FAO beschreibt die Marginalisierung der Subsistenzlandwirtschaft und Hunger als Folge von AIDS, die WHO macht AIDS für den Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung verantwortlich, und letztendlich muß die "HIV-Epidemie" auch noch als "Kriegsfaktor in Ruanda" herhalten [133] (bei genauerem Lesen ist es nicht die 'Epidemie', sondern die HIV-Propaganda, die "Fatalismus, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit" ausgelöst haben soll). Mit 'AIDS in Afrika' werden die Folgen imperialistischer Geschichte und Gegenwart, von Ungerechtigkeit und Ausbeutung naturalisiert. 'Naturkatastrophen' lassen abweichende Meinungen oder auch Widerstand zwecklos erscheinen. So werden z.B. Nicht-Regierungs-Organisationen in Herrschaftsstrategien eingebunden, die sich dadurch popularisieren lassen. Aus der vermeintlichen Ohnmacht der Menschen (z.B. gegenüber HIV) können Herrschaftsinstitutionen ihre ebenso vermeintliche Allmacht beziehen. Letztlich werden so weitere (scheinbar 'nur' paternalistische) 'Interventionen' der Metropolen legitimiert, die von ökonomischer Erpressung der Staaten über die Bekämpfung kultureller Traditionen bis hin zu individueller Unterwerfung der Menschen, ihres Denkens, ihres Verhaltens und ihres Körpers reichen.

Die Bangui-Definition zu AIDS in Afrika ist die 'wissenschaftliche' Grundlage dieses kolonialistischen Treibens. Sie ist so unspezifisch, daß je nach Bedarf und Willen Verelendungserscheinungen zu AIDS diagnostiziert werden können.

Die Definition produziert 'AIDS in Afrika', nicht umgekehrt. Sie ist ein Instrument der Triage, die überlebensfähige von todgeweihten Menschen unterscheidet und entsprechend behandelt bzw. eben nicht behandelt (Triage ist ein von den Militärs der Weltkriege geprägter Begriff, der das Sortieren der Kriegsverletzten nach der Schwere der Verwundung beschreibt. Ziel der Auswahl war die zeitlich und medizintechnisch effizienteste Wiederherstellung des noch brauchbaren Kanonenfutters. Schwerverletzte wurden nicht behandelt).

Dieser schwere Vorwurf gegen alle an AIDS-Politik Beteiligten soll hier noch einmal erklärt werden. Um nicht mißverstanden zu werden, die Bangui-Definition wie auch die 'HIV-Tests' sind nicht von vornherein als Triage-Instrumente entwickelt worden. Die an der Formulierung mitwirkenden Forscher hatten ihre eigenen Interessen, als sie AIDS in Afrika zur 'Katastrophe' erhoben (Forschungsgelder, Ansehen und eben auch Macht). Angesichts der oben angedeuteten strukturellen Probleme wird die Bangui-Definition zwangsläufig so angewendet, auch von gutmeinenden Ärzten und Selbsthilfe-Organisationen. Dies wird von Teilen der AIDS-Forschung durchaus problematisiert, allerdings nur in einer ihr eigenes Dogma verstärkenden Form, so daß die Frage am Ende des Zitats auch Handlungsanweisung ist: "Hier treten massive ethische Probleme bei der Prioritätenkonkurrenz um die letzten Antibiotika auf. Werden sie für die Lungenentzündung eines heilbaren HIV-negativen Patienten oder für einen unheilbar kranken AIDS-Patienten eingesetzt?" schreiben die AIDS-Nachrichten [134] in ihrem Bericht von der 2. Internationalen AIDS-Ethik-Konferenz, die auf Initiative des Weltwirtschaftsgipfels (!) in Bonn stattfand. Auch versuchen Teile der AIDS-Forschung und -Politik die strukturellen Probleme im Trikont zu mildern oder AIDS-Gelder umzuwidmen: "Nicht nur wegen AIDS, aber aus Anlaß von AIDS müssen die Gesundheitsetats in Entwicklungsländern wieder auf die Höhe gebracht werden, die sie vor 10 Jahren hatten ... AIDS ist ein wichtiger Anlaß, den entwicklungs- und gesundheitspolitischen intersektoralen Konzepten zur Armutsbekämpfung und zur primären Gesundheitspflege den ihnen angemessenen Platz zu geben" [135]. Nur ist AIDS die denkbar schlechteste Grundlage für emanzipatorische Politik, nicht nur wegen der wissenschaftlich unhaltbaren Basis wie Bangui-Definition oder 'HIV-Test', sondern weil die gesamte Konstruktion gerade der herrschenden Politik und ihren Institutionen (Weltbank, US-AID, BMZ, GTZ) in besonderem Maße entgegenkommt.

Dies verdeutlichen folgende Leitsätze, die neben anderen im Anschluß an die eben dargestellte Diskussion auf der 2. Internationalen AIDS-Ethik-Konferenz beschlossen wurden: "AIDS soll in alle bilateralen Verhandlungen aufgenommen werden... Programme zum Kampf gegen AIDS (müssen) bei der Aufteilung (!) des Entwicklungshilfe-Budgets zusätzliche Priorität bekommen... Prioritäten bei der Ressourcenzumessung und beim Schuldenerlaß sollte Ländern gewährt werden, die ein deutliches Engagement (politisch und finanziell) ... bei AIDS-Programmen zeigen... In den Industrieländern sollen ökonomische Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Investitionen im Bereich AIDS, die Entwicklungsländern nützen, lukrativ machen" [136]. Hier wird klar, daß AIDS-Lobbypolitik direkt in weitere Profitmaximierung für die Industrie und Erpressung der 'Partner'-Staaten mündet. Dies ist der Weg, auf dem unter Ausnutzung der Abhängigkeiten des Trikonts die Anwendung der Bangui-Definition mitsamt ihrem Unheilbarkeits- und Sterbedogma durchgesetzt wird. Unter dieser von den Metropolen diktierten strukturellen und medizin-ideologischen Prioritätensetzung führen selbst gutmeinende 'home-based-care'-Programme zu einer weiteren Reduktion der primären Gesundheitsversorgung (von 'Armutsbekämpfung' ganz zu schweigen) und einer Verdrängung der Gesundheitsarbeit in den privaten und 'informellen' Sektor, sie verkommen zu einer billigen Sterbebegleitung der benachteiligten und per Definition oder Test aussortierten Menschen.

Diese Diskriminierung gehorcht einzig der Verwertungslogik des Kapitalismus; deshalb wird AIDS als 'Krankheit der Armen' bezeichnet, und deshalb sind 'Frauen besonders gefährdet'. Der 'nationale Forschungsrat' bestätigte dies 1993 für die USA, wo keineswegs alle 'Patienten' auch 'positiv', wenn überhaupt, getestet werden: "AIDS wird verschwinden", nicht weil es 'ausgerottet' würde wie die Pocken, sondern weil es "auch weiterhin nur diejenigen träfe, die sozial unsichtbar" seien, eben "marginalisierte Gruppen" bzw. "Arme und Unterausgebildete", während "Gruppen mit mehr Macht auch in Zukunft nicht betroffen sein werden" [137]. Die WHO-Schätzungen geben genau diesen Sachverhalt im weltweiten Maßstab wieder, 'Infektionen' und 'Fälle' finden angeblich zu 90% im Trikont statt. Das ist so verwunderlich nicht, wurden doch Definition (beim Test sind die Verhältnisse ähnlich) an eben diesen Gruppen erarbeitet. Schließlich dienen Definition und Test auch der Spaltung dieser Zielgruppen und tragen so zur "sozialen Unsichtbarkeit" bei.

Die Definition ist lediglich eine Konvention, von Wenigen erarbeitet und von Mächtigen durchgesetzt. Sie fußt auf den Realitäten der herrschenden 'Weltordnung' und ist eben kein Naturgesetz. In diesem Zusammenhang muß die Definition verstanden und aufgeschlüsselt werden, um die wirklichen Ursachen von Krankheit und Tod zu finden. Der um sich greifenden Verschleierung, Täuschung und Dethematisierung ist nur so wirksam etwas entgegenzusetzen. Die Instrumentalisierung und die systemimmanente Vermehrung menschlichen Leids muß beendet werden.

 

Anmerkungen

1 Thomas C. Quinn et al.: AIDS in Africa: An epidemiological paradigm. Science 21.11.1986, 955-63 [Quellenangaben für die Definition: World Health Organization, Wkl. Epidemiol. Res. 61, 69 (1986); CDC, Morbid. Mortal. Wkly. Rep. 34, 373 (1985)]
2 Robert Colebunders et al.: Evaluation of a Clinical Case-Definition of Acquired Immunodeficiency Syndrome in Africa. Lancet 28.2.1987, 492-4
3 Thomas C. Quinn et al.: Serologic and Immunologic Studies in Patients With AIDS in North America and Africa. Journal of the American Medical Association 15.5.1987, 2617-21
4 Peter Piot et al.: Acquired Immunodeficiency Syndrome in an heterosexual population in Zaire. Lancet 14.7.1984, 65-9
5 Markling & Essex, Journal of the American Medical Association 15.5.1987
6 Emmanuel Gnaore et al.: A comparison of clinical features in tuberculosis associated with infection with human immunodeficiency viruses 1 and 2. Transactions of the Royal Society of Tropical Medicine and Hygiene 87/1993, 57-9
7 Meditel Productions: AIDS in Africa, TV-Reportage 1993
8 Jonathan M Mann et al.: Surveillance for AIDS in a Central African City - Kinshasa, Zaire. Journal of the American Medical Association 20.6.1986, 3255-9
9 Deutsches Ärzteblatt 13.10.1988
10 Jonathan M. Mann et al.: Risk Factors for Human Immunodeficiency Virus Seropositivitiy among Children 1-24 Months old in Kinshasa, Zaire. Lancet 20.9.1986, 654-7
11 J.M. Mann: The Epidemiology of LAV/HTLV-III in Africa. Annales Institute Pasteur/Virology 138/1987, 113-8
12 Colebunders et al.
13 Kevin M. De Cock et al.: AIDS - The Leading Cause of Adult Death in the West African City of Abidjan, Ivory Coast. Science 17.8.1990., 793-6
14 VIII. Internationaler AIDS-Kongreß in Amsterdam. AIDS-Nachrichten des Bundesgesundheitsamtes 3/1992
15 Jonathan Mann, Daniel J.M. Tarantola & Thomas W. Netter (Hg.): A global Report - AIDS in the World. Harvard University Press, Cambridge/Mass. & London 1992, S.924
16 IX. Internationale AIDS-Konferenz in Berlin. AIDS-Nachrichten des Bundesgesundheitsamtes 3/1993
17 Maria Tekülve: Die Schulmädchen geören zur besonderen Risikogruppe. Frankfurter Rundschau, 14.2.1995, 10
18 Jon Rappoport: Fehldiagnose "AIDS" - Geschäfte mit einem medizinischen Irrtum. Verlag Bruno Martin, Südergellersen 1990, S.77 [Zitat von M. Seligman et al. im New England Journal of Medicine 15.11.1984]
19 taz 18.12.1991
20 Walter Michler: Weißbuch Afrika. Verlag J.H.W. Dietz Nachf., Bonn 1991, S.380
21 Henning Heske: Der Traum vom Weltreich "Eurafrika"; in Werena Rosenke & Thomas Siepelmeyer (Hg.): Afrika - Der vergessenen Kontinent? Unrast, Münster 1991, S. 19-27
22 Uwe Hartwig: Die Zukunft der Welternährung im Griff des Agrobusiness. blätter des iz3w 155/1989, 17-9
23 Walter Michler: Wirtschaftskrieg gegen einen Kontinent. blätter des iz3w 176/1991, 15-6
24 Marcel Bühler: Geschäfte mit der Armut - Pharma-Konzerne in der Dritten Welt. medico international, Frankfurt/M 1982, S.39
25 2. Internationale AIDS-Ethikkonferenz. AIDS-Nachrichten des Bundesgesundheitsamtes 4/1992
26 Kreislauf des Giftes - Pflanzengifte in der Dritten Welt. blätter des iz3w 93/1981, 18-25
27 Andrea Ernst, Kurt Langbein & Hans Weiss: Gift-Grün - Chemie in der Landwirtschaft und die Folgen. dtv, München 1988, S.65
28 Rudolf Rantzau: Pestizideinsatz in der Dominikanischen Republik. blätter des iz3w 121/1984, 11-12
29 Rainer Huhle: Der Kreislauf des Giftes - noch immer ungebremst. blätter des iz3w 120/1984, 15-21
30 Michael Knüfer: Zwischen Machbarkeitswahn und Technikgläubigkeit. blätter des iz3w 175/1991, 19-22
31 Vorstand der Farbenfabriken Bayer AG (Hg.): Beiträge zur hundertjährigen Firmengeschichte 1863-1963, S.121
32 Carina Weber & Jürgen Knirsch: Pestizid-Multis und Hungermärkte. blätter des iz3w 134/1986, 46-9
33 Ernst, Langbein & Weiss S.177f
34 Dioxin-Folgen: Unfruchtbarkeit, Immunleiden und Krebs. Natur 11/1994, 24
35 Ernst, Langbein & Weiss S.59ff
36 Anna-Maria Hagerfors & Thomas Michélsen: Giftexport- Pharmaka und Pestizide für die Dritte Welt. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1984, S. 122ff
37 Ernst, Langbein & Weiss S.72ff
38 Petra Fleissner: Basta - Gift füe alle. Gen-Ethischer Inofromationsdienst 96-97/1994, 14-5
39 Knüfer
40 taz 24.2.1995
41 Bühler
42 Brudon & Baumgartner: Die Pillen der Reichen für die Krankheiten der Armen? 1986
43 H.E. Müller: Die Infektionserreger des Menschen - Klinik, Epidemiologie, Ökologie und Nomenklatur. Springer-Verlag Berlin, Heidelberg & New York 1989
44 John C. Greene: The United States Public Health Service: A Bicentennial Report. Military Medicine Juli 1977, 511-3
45 Lesley Doyal: Den Tod verhindern - ohne das Leben zu verbessern - Zum Widerspruch imperialistischer Medizin in der Dritten Welt. medico international, Frankfurt/M. 1982, S.19
46 Doyal S.21
47 Doyal S.23
48 Doyal S.27
49 Doyal
50 Doyal S.7
51 Doyal S.29
52 Michler
53 Doyal
54 Michler / blätter
55 Doyal S.55
56 Marketletter 21.6.1993
57 Lancet 12.6.1993
58 Doyal
59 Bühler S.104
60 Vorstand ...
61 Müller S.58f
62 Bühler S.63
63 Bühler S.69
64 Nature 21.10.1982
65 Bühler S.173
66 Bühler
67 Bühler
68 Olaf Preuss: Lieber weiß als gesund. Greenpeace Magazin 1/1994
69 Vorstand ...
70 Bühler
71 Berton Roueché: The Medical Detectives. Truman Talley Books / Plume, New York 1991, S.61ff
72 Bayer-Beipackzettel
73 Langbein, Martin & Weis: Bittere Pillen. 1993/95
74 Füllgraff & Palm: Pharmakotherapie. 1992
75 Rappoport S.88
76 Bayer-Beipackzettel
77 Bühler
78 David J. Wyler: Malaria: Overview and Update. Clinical Infectious Diseases 16/1993, 449-58
79 Rappoport S.88
80 Hagerfors & Michélsen S.33ff
81 Bühler S.33ff
82 Füllgraff & Palm
83 D. Serwadda et al.: Slim Disease - A new disease in Uganda and its association with HTLV-III Infection. Lancet 19.10.1985, 849-52
84 Justus Gelzer: Discovery of Adverse Drug Reactions: Debate on the Paradox of Clioquinol and SMON; in Institut für Gesundheits-System-Forschung (Hg.): Bericht über die Tagung Unerwünschte Arzneimittelnebenwirkungen - Erfassungsmethoden und Bewertung. Asgard-Verlag, Hippe 1991, S.128-42
85 M.N.G. Dukes: Debate on the Paradox of Clioquinol an SMON; in Institut ... S.143-50
86 Hans Ruesch: Die Pharma Story - Der große Schwindel. F. Hirthammer Verlag, München 1990, S.29ff
87 Rappoport S.48f
88 John Lauritsen: The AIDS War - Propaganda, Profiteering and Genocide from the Medical-Industrial Complex. Asklepios, New York 1993, S.463ff
89 Überflüssige und gefährliche Arzneimittel - Wider besseres Wissen - Das Geschäft der Pharmamultis mit dem Durchfall. blätter des iz3w 113/1983, 24-32
90 Bühler
91 Nature 20.3.80
92 Walene James: Immunization - The Reality behind the Myth. Bergin & Garvey, New York, Westport (Ct.) & London1988, S.5
93 Lancet 25.7.1992
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95 Leon Chaitow: Vaccination and Immunization: Dangers, Delusions and Alternatives. The C.W. Daniel Company Limited, Saffron Walden 1987, S.31
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104 Elizabeth W. Etheridge: Sentinel for health - a history of the Centers for Disease Control. Univeristiy of California Press, Berkeley & Los Angeles (CA) 1992, S.188ff
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130 E. Launer: Nestlé, Milupa - Babynahrung in der Dritten Welt. 1991
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132 Rüdiger Liedtke: Wem gehört die Republik? Die Konzerne und ihre Verflechtungen. Eichborn Verlag, Frankfurt/M. 1991, S.287 [Zitat aus Die Zeit vom März 1985]
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137 New York Times 5.2.1993

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